[Rezension] Freiheit für Schwarzenbrück: Eine Finsterland-Kampagne, Band #2

© Redaktion Phantastik

Ausgezeichnet. Da habe ich wirklich lange auf der Rezi von Teil 1 rumgebrütet, da flattert mir doch auch schon Band 2 der auf 5 Bände angelegten Kampagne ins Haus. Meine große Zuneigung zum kompletten Finsterland-Projekt dürfte hinreichend bekannt sein, daher nerve ich euch an dieser Stelle nicht damit.

INHALT
Vom Look and Feel bin ich schon mit dem Betrachten des Covers und dem Blättern auf den ersten Seiten sofort wieder in Finsterland angekommen. Es gibt professioneller illustrierte Rollenspielprodukte, aber hey, hier ist alles aus einem Guss, ich habe mich in zahlreichen Publikationen an das Aussehen der Reihe gewöhnt und fühle mich immer auf Anhieb wohl.

Die Charaktere sind mittlerweile etablierte Mitglieder der „Czernamostaner Freiheit“ und ihr Ziel ist es, interessante Artikel für das Blatt zu recherchieren und den Ruhm des progressiven Presseerzeugnisses zu mehren (jawollja, dafür gibt es sogar Regeln, ausgezeichnet). Dass sie dabei den einen oder anderen üblen Plot aufdecken und eventuell sogar stoppen ist da selbstredend.

In diesem Teil der Kampagne bekommen sie es mit dem fiesen Ahasver Irisov zu tun, der in diverse Ereignisse verstrickt ist, die hier im Rahmen von drei Abenteuern vereitelt werden müssen. Das Finsterland-Projekt wäre nicht das Finsterland-Projekt, wenn der Bösewicht nicht in einer einleitenden Kurzgeschichte eingeführt und vorgestellt würde. Ach, ich kann ihn ja irgendwie verstehen …

Dieses Mitleid können die Charaktere natürlich nicht aufbringen, denn seien Machenschaften stecken hinter allen drei Intrigen, die es aufzudecken gilt. Im ersten Abenteuer, „Der Kindermörder“, ist noch gar nicht recht zu erkennen, dass er beteiligt ist, aber es ist gut möglich, dass er auf die Ermittler*innen aufmerksam wird und sich genauer nach ihnen erkundigt.

Spätestens in Runde 2, „Die Totenrichter“, ist aber abzusehen, dass er in die Ereignisse verstrickt ist und im abschließenden „Im Sumpf des Verbrechens“ stellt sich schließlich heraus, dass er im Zentrum des Spinnennetzes sitzt und geschickt die Fäden zieht. Das schreit förmlich nach einem gewaltigen Abschlusskampf, der die Avengers endgame-mäßig erblassen lassen dürfte.

Bis dahin ist es aber ein weiter Weg und die Charaktere werden viel ermitteln, überreden, kämpfen und weglaufen müssen, um überhaupt an diesen Punkt zu gelangen. Diese 3 Abenteuer sind überbordend mit tollen Ideen, schönen Sprachbildern und interessanten Begegnungen – dass es später noch einen wahrhaftigen „Dungeon“ gibt, mindert meine Sympathie für das Geschehen keinesfalls.

Ich weiß, dass ihr es gerne habt, wenn ich tief im Schmutz wühle, aber bei diesem Kampagnenband habe ich nur ein paar kleine Tippfehler und ein falsches „Dass“ gefunden. Okay, dass einer weibliche Leiche beim Auffinden die blonden Haare ins Gesicht fallen, ihre braunen Locken dann in der Leichenaufbewahrungsschublade eher licht sind ist ein kaum zu verzeihender Schnitzer, aber ich in gerade in Gönnerlaune und vermute mal, dass sie einfach nur nachgedunkelt sind. Außerdem gibt es hier beim Lesen so viele herrliche liebevolle Details, ich glaube die Finsterland-Macher könnten auf offener Straße Leute erschießen und ich würde sie immer noch wählen … ach nein, das war ja jemand anderes. Welche Details fragt ihr? Hier langt schon ein kurzer Blick auf die Rückseite, wo mein Lieblings-Fußballverein wieder eine so brutale Klatsche kassiert, dass das Spiel abgebrochen werden muss oder dass eine kurze Zeitungsnachricht uns direkt mitten in einen der drei Fälle hineinstößt. Ein wenig besorgt es mich allerdings, dass das Telegraphen- und Telephonnetz kostspielig erneuert werden muss – tut das denn Not? Gut, dass mich eine Gabel von Dr. Obsthofers Gurkensalat wieder mit dem Leben versöhnt.

MEDIADATEN

…Autor*innen: Georg Pils, Michael Prammer, Anette Meister, Gregor Eisenwort
…Verlag: Redaktion Phantastik
…Format: Softcover
…Seiten: 112
…Erschienen: 2020
…ISBN: 978-3-946759-73-7
…Preis: 17 Euro

MEINE MEINUNG
Wie gewohnt eine interessante und durchdachte Mischung aus Sherlock Holmes Criminal Cabinet, einer Prise eurozentrischen Steampunks, wüsten Intrigen und einem eingängigen WoD-style Rollenspielsystem – dazu ist das Ganze mit einem Hauch Wiener Schmähs garniert…

Ich finde, dieses Projekt gehört auf eine viel größere Bühne – kommt doch hier noch dazu, dass ich in dieser Kampagne die Einbettung in die Geschehnisse um eine Zeitungsredaktion extrem charmant und passend finde. Dazu kommt dann noch ein fieser und nachvollziehbarer Bösewicht, eine wirklich freie Gestaltung und kluge Regelanpassungen für das Verhalten der Charaktere und ich bin wirklich absolut zufrieden.

Ihr alle wisst, dass mein Herz für die reine Fantasy schlägt, aber wenn ich einen Ausflug an andere fiktive Orte machen muss, dann doch mit großer Freude nach Schwarzenbrück.

MEINE WERTUNG
4,5 von 5 Zeitungsredakteur*innen

von: Moritz

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