[Rezension] GASLANDS – Strategiespiel für postapokalyptische Straßenkämpfe (Tabletop)

© Mantikore Verlag

Hmmm… Das macht mich ja mal gar nicht an. Mir sind Autos schnuppe, ich habe schon lange keine Kinder mit Spielzeugautos mehr und Basteln ist so gar nicht mein Ding. Da sollte mir doch „Gaslands – Tabletop-Strategiespiel für postapokalyptische Straßenkämpfe“ ganz weit irgendwo vorbeigehen. Aber auf der Titelseite prangt ein VW-Käfer mit metallenem Hahnenkamm und ner riesigen angeflanschten Wumme, da bin ich zumindest milde interessiert.

Lesen wir doch mal direkt rein.

Sehr schön. Intro und Basis-Regeln sind bis Seite 36 erledigt. Das heißt, es wird nicht fürchterlich komplex – alles andere kann ich mir nachher in Ruhe ansehen.

Wir befinden uns im Jahr 2018, die TV Show Gaslands existiert mittlerweile seit 10 Jahren. In der Zwischenzeit hat sich die Menschheit auf dem Mars angesiedelt, die Erde ist nur noch da, um das Geschmeiß (so wie etwa uns) zu beherbergen und Siege in der Gaslands-Show könnten für einen Status-Aufstieg, ebenso wie einen Aufstieg zum Mars führen. Das motiviert mich doch, alles zu geben.

Und das Buch sieht wirklich gut aus und liest sich in einem leicht schnodderig-futuristischen (jaja, 2018!!! Schon klar!) Stil wirklich gut runter. Außerdem werden die Regeln sehr gut durch Beispiele und sogar ein längeres Spielbeispiel erläutert. Und die Grundregeln passen dann auch wirklich fast auf einen Briefdeckel:

– Eine Runde besteht aus 6 Schaltphasen. Je höher mein Gang, desto eher bin ich an der Reihe – Rasen lohnt sich also in dieser Beziehung absolut. Aaaaaber. Dann stehen mir weniger Fahrschablonen zu und enge Kurven werden zu einem ernsthaften Problem. Bin ich an der Reihe, wähle ich eine der Schablonen, die mir für diesen Gang zur Verfügung stehen, lege sie vor das Mobil und würfle ein paar Würfel – und die heißen nicht ohne Grund „Schleuderwürfel“, denn sie geben an ob ich hoch- oder runterschalten kann oder ob ich lässige Manöver wie Schlittern oder Spins durchführen kann. Ach ja – als Würfel kann ich normale W6 nehmen oder mir irgendwo (allerdings scheinbar nicht direkt bei Mantikore) vorgedruckte Schleuderwürfel bestellen. Die Schablonen und ein paar vorgefertigte Fahrzeugbögen könnt ihr allerdings auf der Verlags-Homepage runterladen, dann müsst ihr sie nicht hinten aus dem Buch rauskopieren. Guter Service.

Aber nochmal zurück zu den Würfeln, denn diese haben folgende Seiten: Gefahr (ich erhalte einen Gefahrenmarker) – Drehen: (ich drehe mich bis zu 90 Grad in eine Richtung und erhalte einen Gefahrenmarker) – Rutschen: (ich schlittere so, wie es meine Fahrschablone anzeigt und erhalte einen Gefahrenmarker) – Gangwechsel: (dreimal auf dem Würfel: ich kann ein anderes Ereignis ausgleichen, den Gang eins nach oben oder unten wechseln oder einen Gefahrenmarker entfernen).

Im Prinzip ist das auch schon alles was ihr wissen müsst – ach ja: Sieger*in ist, wer zuerst die Ziellinie überfährt, aber das habt ihr euch sicher schon gedacht. Zusätzlich gewinne ich natürlich bei Gaslands auch, wenn niemensch außer mir mehr Fahrzeuge im Rennen hat.

Ich tue mich ja oft mit Tabletops schwer, weil die oft etwas spröde in den Regeln und träge am Tisch sind, aber Gaslands fluppt sowohl beim Lesen als auch beim Spielen. Am Tisch brauche ich tatsächlich nur meine Fahrzeuge (mit je einem Dashboard), die Würfel, die Schablonen, einige Marker und einen vorbereiteten Kurs, wobei es egal ist, ob ich auf dem Küchentisch ein paar Pfefferstreuer hinstelle, oder mir in Tabletop- und Modelleisenbahnmanier postapokalyptische Rennstrecken zusammenfriemele.

Sämtliche Fahrzeuge besitzen natürlich auch eine Art „Charakterbogen“, der ihren „echt krassen Rufnamen“ enthält, den höchsten Gang, den Handling-Wert (wie viele Würfel ich würfeln darf), den Mannschaftswert, die Gewichtsklasse, den Rumpfwert (die Trefferpunkte) und den Getriebekasten, in dem ich mit einem Token den gerade eingelegten Gang (zwischen 1 und 6) markieren kann.

Neben dem Fahren darf ich bei Gaslands natürlich auch noch rumballern, wenn ich Waffen angeflanscht habe. Auch für diese gibt es wieder Schablonen, sogenannte Feuerschablonen, die anzeigen, ob ich mit der jeweiligen Waffe das anvisierte Ziel auch treffe.

So kann ich entweder aus dem Rennen geworfen werden, indem ich durch feindliches Feuer meine Rumpfpunkte komplett verliere oder wenn diese Punkte durch Wipeouts flöten gehen, wenn ich zu viele Gefahrenmarker gesammelt habe und mich überschlage oder einfach aus der Kurve fliege und irgendwo gegenwemmse.

Das sind erst einmal die Grundregeln, die durch etliche optionale Zusatzregeln erweitert werden können, aber ich bin für meine bisher 8 Rennen mit den Basis-Regeln erstmal zufrieden.

Und hier bin ich erst bei einem Zehntel des Regelwerks angekommen, denn nicht nur werden die Regeln immer ausufernder, auch die Hintergrundwelt wird noch genauer ausgearbeitet. So gibt es beispielsweise verschiedene Sponsoren, die mein Team unterstützen können und die mir noch zusätzliche Fähigkeiten verleihen. Aber sie tun nicht nur das, sie füllen auch dieses Erde-Mars-Szenario mit noch mehr Leben.

Außerdem gibt es in einer solch populären Fernsehshow natürlich nicht nur „stinknormale“ Rennen, sondern Gaslands kommt mit 5 unterschiedlichen Szenarien daher.

Im Todesrennen müssen Tore in der richtigen Richtung und Reihenfolge durchfahren werden. (Also normale Härte.)

In der Arena des Todes ballern Geschütztürme auf die Fahrzeuge und es geht nur darum „last car (or team) standing“ zu sein.

Bei Die Flagge erobern geht es darum, die gegnerische Flagge zu stehlen und gleichzeitig noch im Besitz der eigenen zu sein.

Im Flaggenrennen sind in der Arena Flaggen verteilt und ich muss 3 davon besitzen, um zu gewinnen.

Die Königsklasse ist allerdings Samstagnacht live – eine Art Sechstagerennen für Gaslands-Fahrzeuge. Hier muss einfach nur das Publikum amüsiert werden. Gar nicht so einfach wie es sich anhört.

Neben diesen Einzelszenarien gibt es noch komplette Kampagnen zu spielen, so beispielsweise 3 verschiedene Arten von Saisons oder aber die Erzählkampagne „Höllische Highways“, die aus mehreren vorgefertigten Szenarien besteht und eine eigene Geschichte spinnt. Wirklich klasse. Ich denke, die werde ich als Nächstes spielen.

Puh. Gaslands ist wirklich ein Füllhorn an tollen Einfällen und wahnwitziger Action. Keine Ahnung, warum das noch nicht so richtig durchgestartet ist. Das dürfte bei so vielen Nerds so viele richtige Knöpfe drücken. Echt verwunderlich. Vielleicht habt ihr ja Bock drauf, wenn ihr meine kleine Besprechung gelesen habt. Also ab zum gut sortierten Buchhandel und an die Spielzeugkisten eures Nerdnachwuchses – die Gaslands-Show wartet auf euch!

MEDIADATEN

…Autor: Os
…Verlag: Mantikore Verlag (Osprey Games)
…Format: Hardcover, vollfarbig
…Seiten: ca. 210
…Erschienen: 2021 (Original 2019)
…ISBN: 978-3-96188-085-0
…Preis: 24,95 EUR

MEINE MEINUNG
Wow! Das ist echt mal ein heißer Ritt. Ich bin etwas sprachlos und habe lange nicht mehr so viel Spaß mit etwas gehabt, womit ich eigentlich gar nix am Hut habe. Wenn auf euch eines oder gar mehrere der folgenden Stichwörter zutreffen, solltet ihr sofort in einen Laden laufen und den Leuten dort das Buch aus den Händen reißen: Tabletop, (Spielzeug-)Autos, Ligen, Turniere, Crashs, Strategie, Autorennen, Basteln, Tunen, Wettkampf,…

MEINE WERTUNG
4,75 von 5 Matchbox-Mantas

von: Moritz

L I N K S

4 Kommentare zu „[Rezension] GASLANDS – Strategiespiel für postapokalyptische Straßenkämpfe (Tabletop)“

    1. Garantiert findet man dafür Mitspieler*innen. Sollte sich auf der ein oder anderen Con doch machen lassen. Und Gaslands ist ja nicht das einzige Spiel in dieser Richtung.

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