[Rezension] Anarchie Déco (Roman, Urban Fantasy)

© FISCHER

Judith und Christian Vogt sind schon seit fast zehn Jahren ein eingespieltes und erfolgreiches Autorenduo, das in Aachen lebt und sich vor allem den Geschichten verschrieben haben, die eine alternative Welt seit dem 19. Jahrhundert schreiben.

„Anarchie Deco“ spielt etwas später als die klassische „Steampunk“-Ära, bietet aber ein ähnliches Flair und zugleich auch noch einen interessanten Einblick auf die Zeitgeschichte.

INHALT
Magie ist 1927 erstmals ein Thema, denn sie wird unter anderem durch die junge Physikerin Nike Wehner entdeckt, die an der Friedrich-Wilhelms-Universität über dieses Thema promovieren will. Natürlich schlagen ihr Spott und Häme entgegen, verstummen aber auch nicht, als eine Vorführung erfolgreich ist. Die Anerkennung bleibt ihr weiterhin verwehrt, weil sie einerseits eine Frau ist, andererseits auch keine Deutsche.

Doch für die Zusammenarbeit mit der Polizei ist sie gut genug, scheinen doch nun auch andere ihre Forschungen und das neue Phänomen aufzugreifen, um damit zu spielen – die einen, um in den Berliner Varietés bei der Bohemé Eindruck zu schinden, die anderen um ihre politischen Ziele durchzusetzen. Schon bald versteinern nicht nur Menschen, auch Statuen, die zum Leben erweckt werden, scheinen geeignete Waffen zu sein, um Chaos zu verbreiten.

MEDIADATEN

…Autor: J. C. Vogt
…Verlag: FISCHER Tor
…Format: Taschenbuch
…Seiten: 488
…Erschienen: August 2021
…ISBN: 978-3596002214
…Preis: 16,99 EUR (eBook: 14,99 EUR)

MEINE MEINUNG
Auch wenn der Roman in einer alternativen Welt spielt, so gibt er doch auch viel von den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder, die heute so verklärt gefeiert werden. Die Autoren haben auch gut recherchiert, geben nicht nur die politische Stimmung wieder, die immer noch die Kommunisten mehr fürchtet als die militant auftretenden Nationalsozialisten, sondern auch die gesellschaftliche Situation.

Frauen arbeiten zwar jetzt auch in akademischen Berufen – aber sie haben es immer noch schwerer anerkannt zu werden, gleiche Bezahlung brauchen sie gar nicht erst zu erhoffen. Und ihre Kollegen nehmen sie natürlich nicht wirklich ernst.

Auch sonst reduziert man sie meistens auf die Frau, die dringend einen Mann braucht, um in den Hafen der Ehe einzufahren, wie es damals üblich war. Dazu kommt natürlich auch noch der immer massiver werdende Rassismus, den auch Nike durch ihre ägyptische Mutter gelegentlich zu spüren bekommt.

Zugleich wird eine Gesellschaft geschildert, die vor allem im Nachtleben viele Regeln fallen lässt und sich in Nachtbars zum verrucht-dekadenten Treiben trifft, das zusätzlich Vorurteile schürt. In diese Schilderungen mischen die beiden Autoren nun auch die Magie, die zunächst mit wissenschaftlichen Mitteln erzeugt und analysiert wird.

Dabei stellt sich heraus, das gerade die Kunst der passende Gegenpol dazu ist, so wird der jungen Physikerin auch bald ein Künstler zur Seite gestellt, der bei den Ermittlungen helfen soll und ebenfalls spannende Einblicke in das Treiben und die Intrigen der besseren Gesellschaft erhält.

Insgesamt spinnen die Autoren mögliche reale Entwicklungen weiter, denn es gibt auch genügend Leute, die die Magie natürlich nicht zum Wohl der Menschheit, sondern als Waffen gegen sie verwenden möchte, gibt es doch schon früh Beispiele, wie man andere Leute damit töten und wie verheerend der Umgang mit den kaum beherrschbaren Kräften sein kann. Die Nationalsozialisten sind jedenfalls ganz vorne mit dabei.

Die Geschichte spielt auf mehreren Ebenen, denn neben den Ermittlungen wird auch die persönliche Entwicklung der Heldin weiter geschrieben, die durch andere Frau nicht nur die Liebe, sondern auch die Kunst besser verinnerlichen kann.

Die Handlung nimmt sich Zeit, alles aufzubauen und vor allem, um die passende Atmosphäre zu erzeugen. Vor dem geistigen Auge darf ein spannender und gut durchdachter Film ablaufen, der keinen Moment langweilt oder enttäuscht.

„Anarchie Deco“ ist ein Roman, der spannend Zeitgeschichte und Fantasy miteinander vermischt und dabei viel Atmosphäre verströmt. Dabei bleibt der phantastische Aspekt zurückhaltend genug, so dass durchaus auch Fans, die „Babylon Berlin“ gut fanden und mit Fantasy sonst nichts anfangen können, ihren Spaß an der Geschichte haben dürften, denn das Buch fängt viele Aspekte der Zeit und des damaligen Lebens in der Hauptstadt ein und erzählt gleichzeitig von spannenden Ermittlungen.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Statuen

von: Kris

L I N K S

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