[Rezension] German Kaiju (Anthologie, Monster)

© Leseratten Verlag

Herausgeber und Verleger fassen es in ihren Vorworten gut zusammen, genau wie auch Detlef Claus erinnern sie an die Faszination, die die japanischen Monsterfilme der 1950er bis 1980er Jahre  vor allem bei den Jungs der entsprechenden Generation auslösten.

Es machte einfach Spaß „Godzilla“ und anderen Kreaturen zuzusehen, wie sie ganze Städte auslöschten und nur durch den heldenhaften Einsatz einiger Auserwählten oder eines anderen Monsters besiegt werden konnten. Nach dem wie und warum fragten Macher und Zuschauer niemals, Hauptsache es machte Spaß ihnen dabei zuzusehen …Genau dieses Gefühl versuchen nun die elf Autoren, unter denen übrigens zur zwei Frauen sind, in den neun Geschichten  der Anthologie wieder zu erwecken.

INHALT
„Nakama, der Schrecken vom Mond“ ist ein riesenhafter Roboter, der scheinbar ohne Grund plötzlich bei Frankfurt landet. Da es aber die Herausgabe einer bestimmten Person verlangt, ahnen diejenigen, die das Monster bekämpfen schließlich worum es geht.

Die Geschichte von Thomas Heidemann verbindet gefährliche aktuelle Entwicklungen mit einer verrückten Idee, die gleichzeitig wie eine Hommage an „Iron Sky“ wirkt. Der augenzwinkernde Stil und die schrägen Übertreibungen modernisieren die eigentlich klassische Geschichte und machen sie zu einem unterhaltsamen Einstieg in die Sammlung.

„Chaodoru – Der Schrecken aus der Tiefe“ unterminiert doch tatsächlich die Eröffnung eines gewissen Berliner Flughafens und lässt einen „Dune“-liebenden Nerd verzweifeln. Auch Wolfgang Schroeder schafft es den Genuss an der Zerstörung gelungen auszuleben und dabei auch noch gewisse Hoffnungen zu erzeugen.

„Der Keim“ wird von Tom Daut ausgesäht. Ein Pflanzenmonster, das aus dem Nichts erscheint, fällt über eine umweltverpestende Fabrik her? Ist vielleicht ein verrückter Biochemiker dafür verantwortlich? Auf jeden Fall kommt die Geschichte mit Entwicklungen in Richtung Umweltschutz daher, die zu der Zeit der Handlung tatsächlich aufkamen – warum also nicht mit einer dramatischen Handlung verbinden, in der auch das Monster eine Stimme hat?

„Symbiogenese“ von Thorsten Scheib fängt eigentlich ganz anders an als daher. Die Crew eines Frachters ist sich uneins über ihre blinden Passagiere – halb verhungerten Flüchtlingen, aber schon bald bekommen sie andere Sorgen, denn ein Monster klebt sich an sein Schiff. Auch hier nutzt der Autor die zunehmende Umweltverschmutzung, um ein interessantes Monster zu erschaffen, das sogar moralische Bedenken weckt.

„Frankensteins Raketenmonster im Blutrausch“ von Thomas Williams lockt eine Einsatztruppe nach Bielefeld. Warum die ostwestfälische Stadt so einen Ärger hat, erfahren die Männer und Frauen vor Ort … und wie immer müssen sie alles tun, um entsprechend durchzukommen und eine Lösung für das Dilemma zu finden. Die Geschichte ist flüssig und unterhaltsam geschrieben, aber fast schon zu normal um wirklich in Erinnerung zu bleiben.

„Hansebiker gegen Mutant X“ von Hanna Nolden und Markus Heitkamp erinnert daran, dass in den Tiefen der Erde noch uralte Wesen schlummern können, die man besser nicht wecken sollte. Allerdings sind die Menschen sehr geübt darin, das zu tun, und haben bald entsprechenden Ärger am Hals … nichts neues, aber unterhaltsam kommentiert von den Bikern, die ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge haben und sich wie der Leser wunderbar amüsieren. Auch so bekommt eine Story Witz.

Ein geheimnisvoller Orden auf der Suche nach dem heiligen Gral ist schuld daran, dass in „Flammen über Karlsruhe“ von Simona Turini das Chaos über die Stadt hinein bricht. Doch wie immer siegt die rationale Entschlossenheit einer ganz einfachen Person ohne nennenswertes Vorwissen. Auch hier ist der Verlauf der Handlung eher klassisch, gut zu lesen und flott, aber der Inhalt bleibt nicht in Erinnerung.

„Saibotoru greift an“ und macht in Finley „Gun“ McKinleys Geschichte Orte am Bodensee unsicher. Ein Japaner mit Erfahrung soll es retten, aber kann er viel mehr ausrichten als die vereinten Kräfte der Anwohner. Die Geschichte wirkt fast schon zu ernst und zu nüchtern für die Anthologie, denn auch hier wird man für die Lesedauer gut unterhalten, aber danach ist der Inhalt wie weg gewischt.

„Die Großen Alten“ erwachen wieder zum Leben und verwüsten die halbe Republik. Einzig eine, in einem lauschigen Altenheim lebende und demente alte Frau kann sie aufhalten, denn sie hat ein Geheimnis. Markus Kastenholz bietet eine so actionreiche wie schwarzhumorige Geschichte, die durch ihre skurrilen Ideen zu überzeugen weiß und gleichzeitig auch ein paar Erfahrungen seines eigenen Lebens verarbeitet. Als Leser hat man von Anfang bis Ende Spaß und nickt oft genug über die Seitenhiebe auf die moderne Gesellschaft.

Wer jetzt die Erzählung von Christian von Aster vermisst … nun, der sollte zum Briefumschlag greifen, der eigentlich nur im größten Notfall zu öffnen ist und sich überraschen lassen.

MEDIADATEN

Herausgeber: Markus Heitkamp
Autoren: Markus Heitkamp, Tom Daut, Thomas Heidemann, Hanna Nolden, Markus Kastenholz, Finley „Gun“ McKinley, Torsten Scheib, Wolfgang Schroeder, Simona Turini, Thomas Williams, Christian von Aster
Titelbild und Illustrationen: Christian Günther
Verlag: Leseratten Verlag
Format: broschiert
Seiten: 378
Erschienen: März 2019
ISBN: 978-3957771209
Preis: 20,00 EUR (eBook: 14,99 EUR)

MEINE MEINUNG
Herausgeber und Verleger haben jedenfalls keine Mühen gescheut, um die Anthologie ansprechend zu gestalten. Dafür sorgen nicht nur die gelungenen Illustrationen von Christian Günther, der den Kreaturen ein Gesicht gibt, sondern auch die unterhaltsam formulierten Vorworte und Vorstellungen der Autoren.

Natürlich wollen die Künstler keine hohe Literatur erschaffen, sondern gut unterhalten, was ihnen allen gelingt. Jeder Leser wird seine Highlights finden und so schnell nicht vergessen, so dass die Anthologie kein Fehlkauf ist.

Klischees und Archetypen werden gefeiert, aber auch gerne einmal auf den Kopf gestellt, die Lust am Fabulieren erlaubt es den Autoren nicht einfach nur die klassischen Filme zu kopieren, sondern auch genug mit eigenen Vorstellungen zu verknüpfen. Westliche Erzählweise vermischt sich hier mit dem, was die alten japanischen Monster-Filme ausgemacht haben, überträgt sie auf den deutschen Geschmack und fängt doch auch den Actionreichtum und die Naivität der Streifen ein, garniert mit den entsprechenden Verrücktheiten und Zerstörungsorgien, die einfach dazu gehören.

„German Kaiju“ ist eine Sammlung von schrägen Monstergeschichten, die sich einerseits vor ihren japanischen Vorbildern aus den 1960er und 1970 verbeugen, andererseits aber auch genau wissen, welche Strippen sie ziehen müssen, um ihren Lesern ein modern-unterhaltsames und augenzwinkerndes Lesevergnügen zu bieten. Den Autoren gelingt das mehr als man denkt, so dass die Sammlung zu einer glatten Empfehlung wird – sofern man die hanebüchene Action mit einem Schuss SF und Horror mag, die ganz auf Effekte und skurrile Momente setzt und weniger auf glausklare Logik und tiefgründigen Inhalt.

MEINE WERTUNG
4,5 von 5 Monstern

von: Kris

 

 

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