[Rezension] Harleen – Band 1 (Comic, Antiheldin)

© Panini

Da ich keinen Alkohol – und schon gar keinen Whisky – trinke  und wenig Kontakt zu gedruckten Comics habe, ist dies mein erstes „Black Label“. Wie der Titel schon verrät, befasst sich Sejic hier mit der Vorgeschichte von Joker-G’spusi Harleen Quinzell, wodurch diese vom simplen Anhängsel zu einer eigenständigen Figur des DC-Universums wird. So haben wir es hier mit einer moderneren Version des 1993er Krachers Harley Quinn: Mad Love von Dini/Timm zu tun. Aber beginnen wir doch ganz vorne…

Harley Quinzells Geschichte beginnt zünftig in einem Alptraum. Sie beschützt einen Patienten (am grünen Haar unschwer als der Joker zu erkennen) vor einem riesigen teufelähnlichen Wesen, aber sie ist sich der Tatsache bewusst, dass sie die Bestie von Patienten nicht „heilen“ kann, dass dieses Märchen nicht gut enden kann. Schade eigentlich. Danach blenden wir sofort an den Anfang ihrer Geschichte. Harley ist eine junge Psychologin, die danach trachtet, eine Methode zu erforschen, mit der man Soziopathen früh erkennen kann. Nach einer Kneipentour hat sie ihre erste Begegnung mit dem Joker, der ihr schon die Wumme an den Kopf hält, sie aber aus unerfindlichen Gründen verschont. Gerade diese Doppelseite ist wirklich gut gemacht. So sehen wir Harley auf der einen Seite, den Joker auf der anderen mit dem Revolver im ausgestreckten Arm, der bis auf die andere Seite hinüber reicht. Dazwischen spielt sich eine Szene ab, die uns den Charakter von Harley besser verstehen lässt. Wie im Zeitraffer wird ihre Kindheit, Jugend und Studienzeit erzählt. Vom Wunsch Psychologin zu werden über die Affäre mit Professor Collins, die im Positiven dazu geführt hat, dass sie ihren Job erhielt, im Negativen dazu, dass ihr nun ein gewisser Ruf vorauseilt, gegen den sie in der Folge niemals mehr so richtig ankämpfen kann. Hier wird auch erklärt, woher der Name „Harley“ stammt.

Über etliche Seiten hinweg jagt nun Batman den Joker, was zwar bildgewaltig, aber handlungsmäßig eher öde ist. Ja. Action ist sonst super, aber hier hätte ich sie nicht unbedingt benötigt.

Natürlich ist Batman siegreich und es gelingt ihm den Joker festzunehmen. Die Alpträume unserer jungen Protagonistin beginnen hier und sind so schlimm, dass sie fast gar nicht mehr im Alltag funktioniert. Ein gewisser Mr. Fox macht ihr ein Angebot, ein Stipendium im Arkham Asylum anzunehmen, wo sie ihre Studie durchführen könnte. Dort trifft sie wieder auf den Joker und die Abwärtsspirale setzt sich in Gang.

Ich bin ein wenig stolz auf mich, dass der Begriff „bildgewaltig“ bisher erst einmal in meiner kurzen Besprechung vorkam, denn der Band ist wirklich toll anzusehen. Ich mag den Stil, der ziemlich gut im Bereich „klassischer Superheldencomic“ und „Realismus“ anzusiedeln ist. So gibt es doppelseitige Panels, in denen wichtige Szenen den ihnen gebührenden Raum erhalten und kleine Ausschnitte, in denen komplette Szenen erzählt werden.

Wichtig finde ich es, zu erwähnen, wie sehr der Autor bemüht ist, die Zerrissenheit in seinem Hauptcharakter herauszuarbeiten und dass ihm das über weite Strecken hinweg ausgezeichnet gelingt. Gesichtsausdrücke sind hier wirklich gut eingesetzt und auch die Texte sind größtenteils ausgezeichnet und über dem Niveau der üblichen Psychologie-Kalendersprüche, mit denen man in Comics sonst oft abgespeist wird. Chapeau.

MEDIADATEN

…Autor: Stjepan Sejic
…Lettering: Walproject
…Übersetzung: Josef Rother
…Verlag: Panini Verlag
…Format: gebunden, A4
…Seiten: 64
…Erschienen: 2020
…ISBN: 978-3741617416
…Preis: 14,99 EUR

MEINE MEINUNG
Ein wirklich erfreuliches Aufeinandertreffen mit dem Black Label. Harley Quinn war bisher kein Charakter, der mich sonderlich interessiert hat, obwohl ich den Suicide Squad-Film eigentlich ganz gut anzusehen finde. Wahrscheinlich leidet sie darunter, dass ich den Joker fürchterlich dämlich finde, auch und gerade den „neuen“ gebrochenen und getriebenen Joker. Aber hier kommt Harley wirklich interessant rüber. Danke dafür, Stjepan Sejic.

Fassen wir zusammen. Der Zeichenstil ist wirklich ausgezeichnet, die Handlung wird gut vorangetrieben und ist nicht zu einfach oder zu kompliziert erzählt und die Personen (vor allem Harley und der Joker) haben zwar nicht direkt nachvollziehbare Motive, aber man kann sich gut in sie hineinversetzen und ich habe die ganze Zeit mit Harleen mitgefiebert, dass sie irgendwann die wilde Wasserrutsche in den Wahnsinn anhalten kann, obwohl ich natürlich wusste, dass dies von der Lore her gar nicht der Fall sein kann.

MEINE WERTUNG
4 von 5 prächtige Hardcover-Reihen

von: Moritz

 

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