[Rezension] Die Zwerge – Die Komplette Saga: Alle fünf Romane im Schuber

Autor: Markus Heitz
Verlag: Piper Fantasy
Format: Schuber, A5, 5 Romane
Seitenzahl: 3.168
Erschienen: Sep. 2016
ISBN: 978-3-492-28100-3
Preis: 45,00 Euro

von: Moritz

Ich hab es ja als alter Fantasy-Allesleser irgendwie geschafft, die Zwerge jahrelang zu ignorieren, aber mit diesem Schuber kam ich praktisch gar nicht mehr am modernen Klassiker von Heitz vorbei.

Klappentext:
»Die Zwerge« sind die meistgekaufte deutschsprachige Fantasyserie unserer Zeit. Über fünf Bände hat Markus Heitz die Abenteuer des einfachen Schmiedegesellen Tungdil erzählt, der zum unsterblichen Helden eines ganzen Volkes wird. Im Kampf gegen dunkle Albae, Verräter in den eigenen Reihen und zwielichtige Magier beweisen Tungdil und seine Verbündeten, dass auch die Kleinen ganz Großes leisten können. Erstmals liegen nun alle fünf Bände in einmaliger Sammlerausstattung vor.

Inhalt:
Helden der epischen Reihe sind sowohl die ausgezeichnet ausgearbeitete Hintergrundwelt sowie der zwergische Nachwuchs-Schmied Tungdil, der völlig ohne eigenes Verschulden zum Champion der gesamten Welt wird. Eine klassische „Heldenreise“ in bester Herr der Ringe-Manier, die zwar nie richtig überraschend daherkommt, aber ihren Helden immer interessant darstellt und sinnvoll weiterentwickelt. Ja, so wird man in Fantasy-Geschichten vom Tellerwäscher zum Millionär.

Liebevoll entwickelt Heitz von Band zu Band das „Geborgene Land“ immer weiter. Im ersten Band wird langsam die Bedrohung von außen aufgebaut, die sich in der eigentlich friedlichen Welt immer weiter ausbreitet. Mir gefällt die Grundidee ausgezeichnet, von einer heilen Welt, die von unüberwindbaren Bergen umgeben ist (wie das geographisch vonstatten gehen soll, ist noch eine ganz andere Frage) – es gibt allerdings 5 Pässe, durch die das Böse einsickern kann und diese werden von 5 Zwergenstämmen tapfer und treu bewacht. Auch, dass alle, die auf dem Boden des immer weiter vordringenden Toten Landes sterben, zu untotem Leben erwachen, ist zwear nicht ungewöhnlich, aber hier wirklich gut eingearbeitet. Eigentlicher Held dieses ersten Bandes ist das Tunnelsystem der Zwerge, das weite Teile des Reiches unterirdisch verbindet und in Loren-ähnlichen Wagen in Windeseile bereist werden kann. Coole Idee – und dass da noch ein verschollener Zwergenstamm lebt ist klar wie Kloßbrühe. Bring ‚em on!

Clou des zweiten Bandes sind die Toboribor-Orks, die nur durch amtliches Enthaupten ausgeschaltet werden können. Auch die Romanze zwischen Tungdil und Balyndis wird weitergeführt, allerdings ganz und gar nicht so, wie unser Held sich das vorgestellt hat. (Vielleicht geht da aber gegen Ende des Bandes doch noch was, wer weiß?) Zwischendurch spielen die in Band 1 kurz angesprochenen freien Zwerge eine Rolle und ein Übel bedroht das Geborgene Land, das soooo übel ist, dass selbst eine Allianz mit den Albae nicht undenkbar bleibt.

In Band drei geht es dann richtig los! Tauchende Inseln, merkwürdige fast gottähnliche Mischwesen, alkoholsüchtige Zwergenmütter, Lot-Ionan wird wieder entsteinert, Tungdil verschwindet und eine gewaltige Endschlacht. Rock ’n‘ Roll! Hier könnte die Reihe eigentlich enden, da ist an Epik nichts mehr draufzusetzen…

250 Jahre später ist Tungdil immer noch verschollen. In großer Not taucht er wieder auf – oder doch nicht? Schlussendlich stirbt er dann doch wieder auf recht unerfreuliche Art und Weise und wir werden wohl nie erfahren, ob wir es mit dem echten Tungdil zu tun hatten. Schade eigentlich. Immerhin ist Boindil mittlerweile der Star der Geschichte und für den läuft es ganz gut. Er kriegt die Ballkönigin, stellt den Frieden wieder her und wird König der Zweiten, alles paletti. … ach, wenn wir doch wüssten, ob es der echte Tungdil war, der kleine Racker ist mir doch irgendwie ans Herz gewachsen… Und ich gebe es zu, da ist es nach Band 3 noch gelungen, eine Epik-Schippe obendrauf zu packen. Hoffentlich ist der (derzeitige) Abschlussband 5 wieder etwas bodenständiger. Höher, schneller, weiter ist nämlich nicht immer nur gut.

In Band 5 sind auf einmal die Elfen fies und es hagelt wieder Intrigen und sauber geschriebene Kampfszenen. Auch Boindil weiß wie immer zu gefallen und die meisten der zahllosen Handlungsstränge werden auch aufgegriffen und zu einem teils recht knappen aber meist zufriedenstellenden Ende geführt – aber mal ehrlich, ich denke nicht nur ich warte nach diesem Teil noch auf einen weiteren Band. Ich werde mich gleich mal ins Netz stürzen und schauen, ob da irgendwas angedacht ist…
Wow! Das ist mal ganz sicher eine atemlose Reise durch etwa 3600 verteufelt klein bedruckte Seiten. Und da haben wir auch schon meinen einzigen wirklichen Kritikpunkt. Ich bin zwar uralt, aber selbst mit Brille brauchte ich echt gute Lichtverhältnisse, um anständig lesen zu können. Dafür hat das Lektorat ausgezeichnete Arbeit geleistet und man musste sich nicht über Vertipper und Verhacker aufregen. Sehr lobenswert, wenn auch bei einem so großen Verlag fast schon Mindestvoraussetzunh. Trotzdem: „Danke!“

Meine Meinung:
Ganz ehrlich? Am Inhalt gibt es nix zu bekritteln. Wie in eigentlich so ziemlich jeder Serie sinkt das Niveau laaaangsam ab, aber bei einem hohen Einstiegsniveau ist das sehr, sehr gut zu verschmerzen und ich wüsste in jüngerer Zeit spontan keine bessere klassische Fantasy-Serie aus deutscher Feder. Also an dieser Front ist alles in bester Ordnung. Zwei Dinge muss ich natürlich kurz ansprechen, denn die Schrift ist mal echt sehr übersichtlich und man braucht gute Augen und gutes Licht, um hier halbwegs flüssig lesen zu können. Auch ist die Box aus recht dünner Pappe und sehr spack kalkuliert, sodass spätestens nach dem Lesen von Band 2 nur noch ein Vorschlaghammer hilft, wenn man alle Bände wieder in den Schuber befördern will – dass das Ding dabei einreißt, ist nun wirklich nicht verwunderlich. Die aufgedruckte „Exklusive Sammler-Edition“ ist also vielleicht ein etwas vollmundiges Versprechen, aber für jemanden wie mich, der die Reihe gerne komplett hätte und mal eben einsteigen will, gibt es wirklich nichts Besseres. Solltet ihr also bisher noch nicht auf den Zwerge-Zug aufgesprungen sein, gibt es jetzt wirklich kein Argument mehr, das nicht zu tun. Hopp! Und um hier nicht zu negativ zu enden – der Schuber sieht im Regal wirklich schick aus und die Relief-Axt auf den Buchrücken kommt richtig gut. Schönes Gimmick.

Meine Wertung:
4,5 von 5 viel zu kleine Zwerge

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