[Interview] Im Gespräch mit Umläut`erer Ralf Siedek

11004842_781720235238456_1377595742_nHallo Ralf,
vielen Dank das Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Würdest Du Dich bitte zuerst einmal vorstellen.
Uff, wo fange ich an? Ein Produkt des Summers of 69, wobei meine Eltern glaube ich eher keine Hippies waren, die hatten wohl nur rein zufällig in diesem Sommer Lust aufeinander, so dass es mich dann im April 1970 auf die Erde verschlagen hat *g*
1984 war dann ein Jahr, in dem viele Weichen für mich und mein Leben gestellt wurden: Ich entdeckte Rollenspiele und Tabletops (DSA & Warhammer Fantasy), im Zuge dessen den Heavy Metal, der fortan eine immer wichtigere Rolle in meinem Leben einnehmen sollte. Seit den frühen 90er Jahren mal mehr, mal weniger innerhalb der Metalszene aktiv. Mangels musikalischem Talents jedoch eher als Konzertveranstalter, DJ, Schreiberling. Mit Metalstorm.de hatte ich eins der ersten deutschen Metalonlinemagazine überhaupt am Start, welches ich aber aufgrund von Zeitmangel letztes Jahr zu Grabe getragen habe. Inzwischen findet man meine lyrischen *hüstel* Ergüsse auf http://www.tequilaswelt.de , wo ich zu vielen verschiedenen Themen blogge und Rezensionen verfasse.

Generell kann man sagen, wen man im Internet auf einen Nickname Tequila, Tequila666 oder Tequila121212 (<- Doppelt böse halt!) stößt, dann ist die Chance sehr groß, dass ich es bin.

Jobtechnisch habe ich das seltene Glück, dass ich einen wichtigen Hobbyaspekt von mir zum Beruf machen konnte, seit nun mehr 4 Jahren bin ich beim Heidelberger Spieleverlag angestellt und bin dort unter anderem für die Pressearbeit, das Eventmanagement und zig andere Sachen zuständig. Die Leute, die im Heidelberger Forum unterwegs sind, kennen eventuell den dortigen Thanatos, dessen Nickname nicht zufällig auch mit einem T beginnt.

Aktuell hast Du ein Startnext-Projekt Namens „Umläut – Das Heavy Metal Rollenspiel“ gestartet. Was ist Umläut genau?
Umläut ist ein eher ungewöhnliches Rollenspiel. Zum einen natürlich der Hintergrund, es geht hier um Heavy Metal! Dann spielt man nicht einen Charakter, sondern gleich eine komplette Band. Es ist Spielleiterlos, Würfellos und konfrontativ. Alles Sachen, die ich früher nicht mit Rollenspiel in Verbindung gebracht habe. Dazu muss ich sagen, ich habe diesbezüglich in einer Seifenblase gelebt, in welcher ich meine Vorstellung von Rollenspiel gepflegt habe und all die tollen FORGE!-Strömungen etc.pp. habe ich erst gar nicht wahr genommen und später ignoriert. Aufgeschlosseneren Menschen war das bestimmt schon viel früher klar, andererseits, ich höre immer noch Manowar, wenn einer das Recht hat, ewig gestrig zu sein, dann ja wohl ich, nech?

Aber, um es kurz zu machen: Umläut ist ein Erzählspiel für 3-5 Personen, die Spaß daran haben, die Geschicke ihrer eigenen Band zu lenken und andere Bands in die Pfanne zu hauen.

10984864_781720238571789_50256449_nWoher Dein Interesse an diesem Rollenspiel?
Schon mal den Untertitel gelesen? Das Heavy Metal Rollenspiel! Das war eigentlich schon ausreichend. Wobei, nicht ganz, denn meine bisherigen Erfahrungen waren, das sich derartige Spiele gern über ihr Setting lustig machen und wenn ich eins nicht leiden kann, dann Sachen, die sich über einen sehr wichtigen Aspekt meines Lebens, eben Heavy Metal, lustig machen. Daher war ich zuerst skeptisch, ob Umläut etwas für mich sein könnte. Moritz Mehlem hat dann grundlegende Überzeugungsarbeit geleistet und ich habe dann schnell erkannt, dass die Köpfe hinter dem Original-Umläut da mit ebenso viel Herzblut ran gegangen sind, wie ich es getan hätte, bzw. jetzt auch tun werde.

Könntest Du bitte einen kleinen Einblick in die Regeln gewähren?
Ich erwähnte ja schon, das Umläut viele Sachen fehlen, die die meisten Rollenspile als Standard dabei haben. Jeder Spieler ist abwechselnd dran und beginnt eine Szene zu „framen“. Es gibt verschiedene Arten von Szenen, für eine davon entscheidet man sich. Das kann eine Proberaumsession sein, eine PR-Aktion, ein Gig oder einfach profanes Geld verdienen mit einem Nebenjob. Jede Band besteht aus verschiedenen Werten (Hope, Ego, Fans & Cash), die sich im Laufe einer Spielsession verändern. Je nachdem, welche Szene man ausführen möchte, werden einem Bandwert entsprechende Karten gezogen. Nehmen wir als Beispiel an, eine Band will mit einem Nebenjob Kohle verdienen. Eine Band kann mit einem Nebenjob maximal soviel Kohle verdienen, wie es ihrem Ego-Wert entspricht +1. Mit einem Ego von 4 kann die Band also maximal 5 Einheiten Kohle verdienen.
Dann zieht die Band so viele Karten, wie es ihrem Ego-Wert entspricht. Der Roadie der Band (Der Spieler neben dem agierenden Spieler, der bei Proben die Gegenseite spielt) zieht dann so viele Karten, wie die Band an Kohle gern verdienen würde.
Wer mehr schwarze Karten (Umläut nutzt ein Pokerdeck ohne Joker) gezogen hat, gewinnt die Szene. Im Falle der Band bekommt sie die Kohle, wenn der Roadie gewinnt, bekommt die Band auch ihre Kohle, aber ihr Ego steigt auch um einen Punkt. Wobei ein hohes Ego einer Band durchaus im Wege stehen kann!
Wichtig hierbei ist, dass der agierende Spieler die Szene erzählt, beschreibt und spezifiziert. Das Ende der Szene jedoch erzählt derjenige, der die höchste Einzelkarte gezogen hat. Was natürlich gerne genutzt wird, um der Band noch irgendwie einen „mitzugeben“. Der Erzähler des Szenenausgangs muss sich zwar an das Ergebnis halten, darf dies aber durchaus gerne sehr frei interpretieren. Ich erinnere mich da gerne an meine bitterböse Black Metalcombo, die sich mit Rasenmähen (Hey, wir waren jung und brauchten das Geld) die Proberaummiete verdienen wollte, aber beim bearbeiten des örtlichen Altersheimgarten von den anwesenden Omas angeschmachtet wurden, was dem zufällig vorbeikommenden Lokaljournalisten auffiel. Dessen folgender Artikel hat nicht unbedingt den Ruf meiner Band als bitterböse Kinderfresser gut getan.

Welchen Einfluss hat Heavy Metal auf Dein Leben?
Für einige mag Heavy Metal eine Musikrichtung sein, für mich ist es vor allem ein Lebensstil, den ich durchaus liebe und pflege. Du wirst mich nie ohne Kutte antreffen (unter freiem Himmel zumindest, einige Freunde waren vor ein paar Jahren aber sehr erstaunt, als sie mich erstmals und vor allem überraschend daheim besuchten, das ich die Tür ohne Kutte geöffnet habe 😉 ), andere Musik existiert für mich nicht wirklich und auch mein genereller Klamottenstil ist schon sehr szeneverbunden. Manche Leute mögen ja Shirts mit Aufdrucken wie „Ich trage nur solange schwarz, bis es was dunkleres gibt“ lustig finden, für mich ist das einfach eine Tatsache.

It`s more than my religion … It`s the only way to live!

10984672_781720175238462_87646988_nWer oder was steckt hinter dem Label Fischkrieg?
Fischkrieg ist in erster Linie die Firma meiner Frau, wobei ich da schon sehr viel für mache und tue. Sagen wir mal so, ich bin der „kreative“ Kopf bei Fischkrieg, was neue Produkte und Ideen angeht, sie aber achtet darauf, das Alles auch realisierbar bleibt und ist definitiv die Bürocheffin. Ich kann noch so coole Ideen haben, ich muss sie erstmal immer überzeugen (und sie ist sehr skeptisch), das sich das Ganze auch trägt.
Bekannt wurde Fischkrieg durch unsere Gamemats für Spiele wie X-Wing oder Attack Wing, da waren wir die ersten in Deutschland (vielleicht sogar weltweit), die aufwendige Motive erstellen und diese auf PVC-Material drucken ließen.
Das Produktportfolio hat sich immer weiter verbreitet, inzwischen bieten wir auch Acrylzubehör für diverse Tabletops an und sind der deutsche Distributor für Ammon Miniatures, einem ziemlich geilen, abgefahrenen Fantasy Wrestling Brettspiel, welches vor allem durch die extrem hochwertigen Resinfiguren zu Gefallen weiß.
Nun kommt mit Umläut noch das erste Rollenspielprodukt hinzu, weitere sind aber nicht ganz ausgeschlossen, vor allem, weil ein umtriebiger Rollenspielblogger mir da mit einem Wrestling-RPG in den Ohren liegt …

Was hat Dich bewogen Umläut über Startnext zu finanzieren?
Weil ich will, das es richtig cool wird! Eine normale Auflage hätten wir problemlos stemmen können, aber das war nicht unser Anspruch. Ich will eine richtig fette Deluxeausgabe von diesem Spiel mit tonnenweise Boni. Das geht für eine kleine Firma wie uns halt nur dank einer Crowdfinanzierung und natürlich dem damit verbundenen Werbeeffekt. Das Fundingziel ist bewusst niedrig gewählt, deutlich unter dem, was wir benötigen, um das Spiel zu realisieren. Aber wir gehen da auch bewusst mit eigenem Geld mit rein, auch als Motivation, etwas richtig geiles abzuliefern. Wenn ich nur das Geld der Backer verschleudern würde, macht man sich eventuell weniger Gedanken, etwas richtig geil zu machen. Da aber auch unsere eigene Kohle drin steckt (und wir natürlich keine Miesen machen wollen), muss das Ding der Kracher werden, damit wir auch später noch Exemplare absetzen können.

11007526_781720178571795_1946616645_nWenn man genauer hinschaut, erfährt man, dass die Leute von Orkenspalter TV Dir ein wenig geholfen haben. Wie kam es zu diesem Kontakt und war der Erfolg von Numenera, welches ja erfolgreich finenziert wurde, ein Ansporn für Dich?
Ich kenn die spaltenden Orks ja schon länger, die haben ja das eine oder andere Interview mit mir schon geführt, allerings natprlich als Vertreter des Heidelberger Spieleverlages. Da lag es nahe, Nicolas und Mháire um Hilfe zu bitten.
Numenera war schon sehr beeindruckend, allerdings ist die Umläutgeschichte schon länger geplant gewesen, hat sich aus diversen Gründen leider verzögert. Aber vielleicht kann Umläut ja durch diesen Erfolg ein wenig im Kielwasser mitschwimmen.

Wer sich durch den Text liest, findet keine Stretchgoals. Ist diese Entscheidung bewusst getroffen worden?
Oh, es wird Stretchgoals geben. Da ist einiges geplant, aber ich habe in den letzten Jahren viele Crowdfundingkampagnen verfolgt und anscheinend bringt es nichts, gleich alle Karten auf den Tisch zu legen. Das erste Stretchgoal ist seit kurzem schon angekündigt, ein CD-Sampler, der einen schönen Soundtrack zum Spiel abgeben wird. Dieser Sampler wird der limitierten Deluxe-Version beiliegen.
Das wird aber nicht das letzte Stretchgoal sein und aller Voraussicht nach auch nicht der letzte CD-Sampler. Da stehen noch einige Überraschungen ins Haus!

Im Projekt-Video sprichst Du von 100 Ausgaben der Deluxe Variante. Wenn Umläut nun aber wirklich alles sprengen sollte, würdest Du da ans überlegen kommen?
Nein! Ich habe früher öfters erleben müssen, das einige Bands eine limitierte Ausgabe ihres Albums released haben, welches sie ratzfatz ausverkauft und dann einfach noch eine Auflage hinterher geschoben haben. Jedoch, ohne das zu kommunizieren. Ich muss immer grinsen, wenn mir jemand stolz erzählt, er hat das Album XY von der Band ABC, das es in dieser Box mit genau diesem Shirt nur 500 gibt. Ich weiß dann halt, das es diese Box halt 2x gab, weil ich zu der Zeit bei der entsprechenden Shirtdruckerei gearbeitet habe und mitbekommen habe, das dieses ultralimitierte Shirt eben doch noch mal nachgedruckt wurde, um die Auflage heimlich, still und leise zu verdoppeln.
Daher ist es mir wichtig, dass die Leute wissen, das es diese Deluxe-Box nummeriert nur 100 mal geben wird. Es wird noch einige Boxen mehr geben, die aber eine eigene Nummerierung bekommen, das werden Exxemplare für Verlosungen sein oder Belegexemplare für die Leute, die an diesem Projekt beteiligt waren. In den offenen Verkauf gehen nur die 100 Stück.
Sollte das Interesse aber wirklich explodieren, wird es eventuell eine Sondervariante geben. Diese wird sich aber deutlich von der Deluxe unterscheiden.
Mein Wort drauf: Die Deluxeversion ist der real shit! Eine bessere, größere, schönere Ausgabe von Umläut (dt.) wird es nicht geben!

11005603_781720195238460_17481433_nWürdest Du bitte Dein Team näher vorstellen.
Moritz Mehlem näher vorstellen hieße vermutlich Eulen nach Athen tragen, er sollte jedem, der sich in Deutschland für Rollenspiele abseits von D&D und DSA interessiert, eigentlich geläufig sein. Moritz hat mir den Floh überhaupt erst ins Ohr gesetzt und hat auch die Übersetzung sehr schnell abgeliefert.

Sebastian Freitag ist ein alter Bekannter und in meinen Augen sehr guter Live-Fotograf, der uns viele coole Fotos fürs Layout zur Verfügung stellt

Björn Lensig ist vielen als Zeichner für Malmsturm, aber auch als Shirtdesigner bekannt und hat meine Vorstellungen für das neue Cover kongenial umgesetzt. So geil, das sich dieses Cover auch sehr bald auf meinem Oberarm wiederfinden wird.

Wie hat sich das Team gefunden?
Lang gehegte Kontakte, man lernt in den Jahren halt viele Leute kennen und wenn die Chemie stimmt, macht man halt auch mal was zusammen,
Ich wünsche Dir/Euch viel Erfolg. Danke fürs Interview und die letzten Worte überlasse ich Dir.
Bitte, sehr gern geschehen.
Ich hoffe wirklich, das Umläut viele Freunde finden wird, denn das Spiel selber macht einfach Laune und wir wollen versuchen, eine richtig geile deutsche Version abzuliefern.
Außerdem Leute: Heavy Metal is the Law!
Erschreckender (oder doch dankenswerter?) Weise habe ich aber die Beobachtung gemacht, das selbst Leute, die Metal für die Musik des Teufels halten, an diesem Spiel ihren Spaß haben können.

Bang the head, that doesn`t bang!

Up the Irons!

Hail and kill!

 

Umläut bei Startnext

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One Response to [Interview] Im Gespräch mit Umläut`erer Ralf Siedek

  1. […] bin ich dieser Bitte auch nachgekommen und bereits heute steht das Interview HIER zum lesen […]

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