[Rezension] Götterschlacht. Ein Mängelexemplare Roman (Horror)

Amrun Verlag

Autor: Torsten Scheib
Verlag: Amrún Verlag
Format: Großtaschenbuch
Seiten: 250
Erschienen: April 2017
ISBN: 978-3958695627
Preis: 12,90 Euro

von: Kris

„Mängelexemplare“ war eine Anthologienreihe, die von Constantin Dupien herausgegeben wurde und unter deren Deckel er düstere Geschichten zu bestimmten Themen versammelte. Torsten Scheib`s Beitrag in „Mängelexemplare: Dystopia“ sprach so viele Leser an, dass nach einer Lesung in Leipzig auf der Heimfahrt die Idee aufkam, einen ganzen Roman zu schreiben, der nun als „Götterschlacht“ erschienen ist.

KLAPPENTEXT
Es hat begonnen.

Harmlos brach es herein. Keiner nahm die Zeichen am Himmel ernst. Man lachte, man zelebrierte, man staunte – und verspottete die mahnenden Stimmen.

Ohne Vorwarnung.

Erst stürzte der Himmel ein, dann löschte ihn die Eiszeit. Begrub die Erinnerungen dieser Welt unter sich, labte sich an warmen Körpern; am Gaumenkitzel nackter Angst. Wer dennoch überlebte, wurde gejagt. Von den pelzigen und geflügten Kreaturen, den flammenden und frostigen Geschöpfen. Den Streitarmeen Hels, der Fürstin der Unterwelt.

Erst kam die Dämmerung.

Unvermittelt fand sich eine Handvoll unbescholtener Menschen zwischen den Armeen der Unterwelt und des Asgards wieder; wurde zu Spielbällen in der womöglich alles entscheidenden Schlacht.

Dann – die Götterschlacht …

Wer wird obsiegen? Die diabolische Herrscherin über Firn und Finsternis? Oder doch die ehrbaren Asen?
Wer wird überleben? Menschen – oder …?

Ragnarök.

Das Ende ist angebrochen.

INHALT
Robin, Timo, Hans, Tina, Fiete und andere junge Leute haben die Vorzeichen wie alle anderen Menschen um sie herum nicht ernst genommen sondern weiter in den Tag gelebt und das getan, was sie immer taten – bis zu dem Moment, in dem das Grauen über sie hinein brach, weil sich die Pforten zur Unterwelt geöffnet hatten.

Ausgerechnet die Horden Hels, der Göttin der germanisch-nordischen Unterwelt, brechen über die Welt hinein und verwandeln sie in kurzer Zeit in ein endzeitliches Szenario, in dem die Zivilisation, wie sie sie kannten, in Trümmern liegt. In einem großen Wagen versuchen sie nun die Gräuel zu überleben, denen sie begegnen, seien es nun Menschen, die durch das ganze ihren Verstand verloren haben oder verändert worden sind, oder die Monster, die aus der Erde hervorbrachen.

Selbst als sie auf eine Gruppe von Soldaten treffen, wird es nicht besser und die Lage erscheint hoffnungslos.

MEINE MEINUNG
Bis zu dem Moment, in dem ganz andere Gestalten sich ihrer annehmen: eine Gruppe von tapferen Asen, die nach Midgard hinabgestiegen sind, um den Kampf gegen Hel weiter zu führen und die Welt der Menschen doch noch zu retten.Beginnt man die Geschichte zu lesen, glaubt man sich zunächst in einem der im Moment so typischen Weltuntergangszenarien zu befinden, in dem Zombies und Monster den letzten Überlebenden zu schaffen machen und die Zivilisation, so wie wir sie kennen in Trümmern liegt. Die Monster, die ihnen zusetzen haben zwar schon etwas mythologisches, das bleibt aber im Hintergrund, bis die Asen auftauchen und das Blatt ein wenig in eine andere Richtung wenden. Doch die menschlichen Helden fragen sich auch diesmal eins, können und dürfen sie ihren Rettern wirklich trauen?

Die Atmosphäre ist beklemmend und nüchtern betrachtet, sehr grausam. Die Helden bemühen sich, sich irgendwo durchzubeißen, müssen sich aber auch eingestehen, dass sie in manchem machtlos sind und sie jederzeit ihr Leben verlieren. Dass sie dabei schon einmal ausrasten ist ganz normal. Der Autor beschreibt dies eher sachlich und realistisch, war bedient er sich auch des ein oder anderen blutigen Schockelements, doch das geschieht nicht zum Selbstzweck.

Die Asen mögen zwar erfahrener und besser ausgebildet sein, um gegen die Fenriswölfe und andere Kreaturen Hels zu bestehen, aber auch sie haben ihre Stärken und Schwächen, was sie ebenfalls recht interessant macht und auch nicht unbesiegbar. Magie und Mythen sind in ihrer Anwesenheit zwar etwas präsenter, bleiben aber dennoch im Hintergrund und werden nicht dazu genutzt um mal eben mit einem Fingerschnippen alles zu richten.

Was am meisten gefällt ist, dass der Autor bei den Figuren bleibt, ihre Entwicklung in Szene setzt und am Ende einen Hauch von Hoffnung gibt … obwohl der so trügerisch sein kann wie alles andere. Alles in allem sollte man aber starke Nerven haben und solche düsteren Szenarien mögen, um wirklich Spaß an der Lektüre zu haben.

„Götterschlacht“ ist ein sehr intensiver, zwar nüchtern erzählter, aber doch durch die Nähe zu den Figuren unter die Haut gehender dystopischer Roman, der die Schrecken einer Endzeit-Welt in einen ganz anderen Kontext als üblich packt und dabei viele der inzwischen eingefahrenen Klischees des Genres meidet, dafür aber durch frische Details ersetzt, die man so noch nicht kannte.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Mängelexemplare

 

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