[Rezension] Archibald Leach und die Monstrositäten des Marquis de Mortemarte (Roman, Steampunk)

® Art Skript Phantastik

Autor: Markus Cremer
Verlag: Art Skript Phantastik
Format: Klappbroschur
Seiten: 584
Erschienen: Mai 2017
ISBN: 978-3945045091
Preis: 15,80 Euro

von: Kris

Markus Cremer arbeitet zwar heute in der Wissenschaft und lebt mit seiner Familie nun in der Nähe von Aachen, hat aber schon in anderen Berufen gearbeitet, war Sanitäter, Erfinder und führte einen Laden für Okkultismus. Zu seinen literarischen Vorbildern gehören Lovecraft, Howard und Moorcock, ebenso wie seine Begeisterung für Fantasy-Rollenspiele. Nach der Veröffentlichung mehrerer Kurzgeschichten entschloss er sich nun, seinen Lieblingshelden in einem eigenen Roman auftreten zu lassen, der auch der Auftakt zu seiner Reihe sein soll: „Archibald Leach und die Monstrositäten des Marquis de Mortemarte“.

KLAPPENTEXT
Jeder exzentrische Held braucht eine starke Frau an seiner Seite …
mit geladenem Schusseisen und ohne Skrupel!
Der eigensinnige Archibald Leach und die waffenvernarrte Tüftlerin Sarah Goldberg werden in die Machenschaften des skrupellosen Marquis de Mortemarte hineingezogen. Der Schurke verwendet Okkultismus, Voodookult und Ätherkraft, um die Welt mit seinen Monstrositäten ins Chaos zu stürzen.

Mit Hilfe skurriler Verbündeter, dubioser Artefakte und Erfindungsgeist versuchen die Abenteurer den drohenden Krieg zu verhindern. Dabei führt ihr Weg sie über vier Kontinente und die eigenen Grenzen hinaus.

INAHLT
Das Zeitalter der Königin Victoria ist auch das der Industrie, der Erfindungen und der Wissenschaft. Während sich die Monarchen der Welt argwöhnisch belauern, und darauf achten, dass der andere nicht mächtiger wird als man selbst, wie sich an der Königin und Zar Alexander zeigen, die beide auf ihre Weise die Macht weiter in den Händen halten wollen, blüht in England der Fortschritt, aber auch die Exzentrik bei einigen Bürgern und adligen.

Archibald Leach ist ein sehr eigenwilliger Gentleman, der unter anderem als Privatermittler arbeitet und mit Hilfe des Unschärfekompass und anderen mysteriösen Errungenschaften so manchem Unheil auf die Spur kommt. An seiner Seite ist Sarah Goldberg, eine Tüftlerin und Erfinderin, die vor allem Spaß daran hat, Waffen zu entwickeln.

Als Archibald und Sarah nach Dartmoor gerufen werden, wo ausgerechnet Leachs Onkel Heisenberg einsitzt, kommen sie schrecklichen Verbrechen auf die Spur. Denn ein anderer Insasse, der Marquis de Montemarte, hat die Gelegenheit genutzt, seine okkulten Experimente weiter zu führen und mittels Ätherkraft und Voodoo, Menschen nicht nur unter seinen Willen zu zwingen, sondern auch in Tierwesen zu verwandeln.

Die beiden Abenteurer beschließen ihn aufzuhalten und verfolgen zusammen mit sehr skurrilen Verbündeten die Spur des Grauens über vier Kontinente. Sie erleben dabei Piraten in voller Aktion, erfahren, dass der Skavenhandel immer noch kein Ende gefunden hat und lernen auch einen aufrechten edlen Deutschen namens Karl May kennen.

MEINE MEINUNG
Der Roman ist vor allem eines … ein nettes Spiel mit historischen und literarischen Versatzstücken, eingebettet in eine Welt, die mit all der netten Skurrilität des Steampunk aufwartet und so Erfindungen möglich macht, die es in der Realität nicht gegeben hat. Schon Dartmoor ist ein Zitat an sich, wird doch auch ein gewisser Hund von Baskerville erwähnt.

Zugleich hat der Gegenspieler der Helden auch etwas von dem verrückten Gegenspieler Doctor Moreau, auch wenn er den umgekehrten Weg geht und Menschen in Monster verwandelt, Wesen halb Mensch, halb Tier.

Die Geschichte ist sehr detailverliebt, die Handlung dadurch eher überschaubar und ohne all zu überraschende Wendungen. Aber in diesem Fall ist auch der Weg mehr das Ziel, denn die Reise der Protagonisten führt sie durch alle möglichen Facetten der Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts, zugleich wandeln sie auf den Spuren der entsprechenden Entdecker, die damals auch erst anfingen die für sie „primitv“ erscheinenden Kulturen zu erforschen.

Die Figuren selbst sind interessant gestrickt. Gerade Sarah Goldberg wächst dem Leser sehr ans Herz, weil die selbstbewusste und eigenwillige Frau, die trotz Konventionen ihren weg geht, der heimliche Hauptcharakter der Geschichte ist, das alles ihrer Sicht erzählt wird.

Leach dagegen bleibt eher geheimnisvoll und verrät nur wenig über sich selbst, was für eine gewisse Distanz zum Leser sorgt. Die Nebencharaktere punkten wohl eher durch ihre Macken und Besonderheiten als ein ausgefeiltes Profil.

Trotz der langgezogenen Handlung, die mit sehr vielen Beschreibungen und Dialogen arbeitet, ist die Geschichte nicht langweilig, was wohl vor allem an Cremers lebhaftem Erzählstil liegt und dem leichten Augenzwinkern. Denn auch der Humor schimmert immer wieder durch, gerade wenn die Helden an ihrer eigenen prüden Moral oder ungewohnten Alltäglichkeiten scheitern. Das sind die Momente, in denen die Handlung sichtlich aufgelockert wird.

„Arhibald Leach und die Monstrositäten des Marquis de Mortemarte“ ist ein unterhaltsamer und trotz seiner Dicke kurzweiliger Abenteuerroman aus einer Welt die Steampunk mit all den Geschichten vermischt, die uns die Autoren des 19. Jahrhunders hinterlassen haben, und zugleich eine atmosphärische Hommage an die Figuren und Motive, die man in der phantastischen Literatur oft gesehen, aber noch nie in einem solch atmosphärischen Zusammenhang erlebt hat.

MEINE WERTUNG
4,5 von 5 Monstrositäten

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