[vor Ort] Timelash – Die erste „Doctor Who“-Convention in Deutschland (24.-25.10.2015)

Vor gut einer Woche fand die erste Timelash statt. Ich selber konnte nicht vir Ort sein, aber Kris war so nett, Ihre Erlebnisse niederzuschreiben und mir zur Verfügung zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank dafür. Nun viel Spaß beim „miterleben“.

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Normalerweise neige ich nicht zu so spontanen Entscheidungen, vor allem nicht, was Conventions und Reisen betrifft, vor allem weil ich in den letzten Jahren gar nicht mehr aus der Umgebung meiner Heimatstadt herausgekommen war.

Diesmal allerdings war es etwas anders …

Aber zurück zum Anfang. Schon seit mehr als einem Jahr hatte ich die Vorbereitungen zur „Timelash“ beobachtet und doch immer wieder leise mit dem Gedanken gespielt, sie zu besuchen, um nach gut zwanzig Jahren Con-Abstinenz wieder einmal den Besuch eines größeren Treffens, das nicht im mit der Bahn erreichbaren Umkreises liegt, zu wagen.

Interessiert verfolgte ich deshalb mit, wie sorgfältig die Veranstalter alles planten und die Finanzierung durch eine überraschend erfolgreiche Crowdfunding-Aktion absicherten. Überraschend deswegen, weil die britische Kultserie „Doctor Who“um den zeitreisenden Außerirdischen vom Planeten Gallifrey mit der Fähigkeit zur Regeneration in eine neue Gestalt (bzw. einen neuen Schauspieler) trotz gestiegener Popularität durch das fünfzigjährige Jubiläum im November 2013 immer noch ein wenig im Hintergrund bleibt, weil die Ausstrahlung (möglichst noch in Dauerschleife) im Free-TV fehlt.

Von vorneherein sollte es ein kleinerer Event mit nur etwa 600 Gästen werden, mehr fasst die gewählte Location, der Kulturbahnhof in Kassel wohl nicht. Die Stadt wurde aufgrund ihrer zentralen Lage und relativ guten Erreichbarkeit aus allen Regionen Deutschlands ausgesucht.

Und bei den Stargästen griff man bewusst nicht nach den Sternen, sondern versuchte eine möglichst bunte Mischung zusammen zu stellen. Daher wurden nicht nur Schauspieler eingeladen, sondern auch Autoren, die die Serie maßgeblich mitgeprägt haben und prägen. Nicht vergessen wurden diejenigen, die in Deutschland als Synchronsprecher und Synchrondrehbuchautoren an „Doctor Who“ mitgearbeitet haben.

Auf jeden Fall war das Interesse größer als vermutet. Nicht nur die Crowdfunding-Aktion erwies sich als Erfolg, auch die Karten waren innerhalb weniger Wochen völlig ausverkauft. Und ich selbst schrieb die Convention bereits für mich ab, obwohl es mittlerweile mehrere Gründe gab, dorthin zu fahren.

Warum es dann doch noch geklappt hat? Nun – nicht alle, die sich frühzeitig eine Karte geholt hatten, konnten den Termin wahrnehmen und waren froh, wenn sie einen Abnehmer fanden. Ohne viel Bürokratie wurden die Tickets dann umgeschrieben.
Gerade in den zwei Wochen vor der Convention wurden noch so einige Tickets verzweifelt angeboten … und schließlich konnte ich nicht mehr „Nein“ sagen. Innerhalb eines Wochenendes hatte ich nicht nur meine Eintrittskarte, sondern auch ein Hotel und die Fahrten gebucht – dem Internet sei dank …

 

* * *

 

Bereits am Freitag kam ich per Fernbus in Kassel an, um dann frisch und ausgeruht am Samstagmorgen am Conort zu erscheinen. Die Location, direkt am Kopfbahnhof von Kassel, am Rande der Bahngleise mag auf den ersten Blick zwar optisch erst einmal nicht viel her machen – aber von den Räumen her ideal – es gab große Durchgänge, so dass man immer überall durch kam, selbst wenn es einmal voller wurde.

Die Besucher hatten sich in Schale geworfen. Natürlich gab es auch diejenigen, die in „zivil“ kamen und als Accessoire gerade einmal den ikonischen Schal des vierten Doktors, ein T-Shirt mit entsprechenden Motiven oder zum Beispiel „Tardis“-Taschen trugen, es überwogen aber dennoch die Cosplayer.

Um mich herum tummelten sich schon bald verschiedene Doktoren mit ihren Begleitern und Begleiterinnen, aber auch Nebencharaktere und einiges an Monsters. Vor allem die „Weeping Angels“ waren sehr beliebt – also hieß es – möglichst nicht zu blinzeln, wenn jemand in der Nähe war. Natürlich waren bei den Kostümen diejenigen aus der neuen „Doctor Who“-Serie überproportional vertreten, aber nicht so dominant, wie gedacht.

Immer wieder huschten auch die Doctoren Vier (mit langem Schal und Hut), Fünf (in seinem beigen Cricket-Outfit), Sechs (von mir immer liebevoll als „multicoloured nightmare“ bezeichnet), Sieben (mit Fragezeichenpullover und Hut) und nicht zuletzt auch Acht (braungelockt, romantisch, mit Samtfrack und Brokatweste) in männlicher, wie auch weiblicher Form vorbei, an Begleitern der klassischen Serie habe ich mindestens eine Tegan (in fliederfarbenem Stewardess-Dress) und Ace (schwarze Fliegerjacke mit Buttons und Aufnähern) gesehen.

Ob nun perfekt nachempfunden oder etwas freier interpretiert, mit in speziellen Shops gekauften Kleidungsstücken und Accessoires ergänzt oder komplett selbst genäht und gestaltet … – Eines hatten alle gemeinsam:

Den Spaß und die Freude sich zu verkleiden, ganz und gar in dem Charakter aufzugehen, den sie sich ausgesucht hatten, egal ob sie nun viel zu klein oder groß, so dick oder dünn dafür waren oder das falsche Geschlecht hatten.

Jeder oder jede dem ich begegnet bin, fühlte sich in seinem Outfit nicht nur wohl er oder sie lebte seine Figur, vor allem wenn es darum ging sich für Fotos entsprechend in Position zu werfen oder aber mit anderen Anwesenden kleine Szenen zu spielen.

Und das ist es, was mich begeistert hat – die ungezwungene, verspielte Stimmung, die in den Räumen und vor dem Kulturbahnhof herrschte hat dem Con eine lockere, warmherzige Atmosphäre gegeben und auch auf die Umgebung ausgestrahlt, vor allem als ein Dalek die Bahnhofshalle unsicher machte und ein paar Reisende irritierte.

Dazu kam eine souveräne, aufmerksame, sehr hilfsbereite und vor allem freundliche Helfercrew, an die man sich jederzeit wenden konnte und zur Stelle waren, wenn man sie wirklich brauchte, wie ich gesehen habe, als jemand wohl gestürzt war. Denn überall war jemand – auch an Stellen, wo man sie erst gar nicht vermutete.

Auch die Versorgung war unkompliziert und lecker. Zu angenehmen Preisen gab es Getränke aller Art und Snacks wie Wraps und Brezeln oder Suppe, mit dem man den aufkommenden Hunger und Durst stillen konnte.

Bei der Eröffnung bekamen wir Fans nun endlich die Gäste zu Gesicht, sofern sie bereits eingetroffen waren. Eingeladen und gekommen waren

  • Paul McGann, in seiner Funktion als achte Inkarnation des Doktors
  • Catrin Stewart, die „Jenny Flint“ aus der „Paternoster“-Gang
  • Nicola Bryant, alias „Peri“, Begleiterin des fünften und sechsten Doctors
  • Terry Molloy, aka „Davros“, Schöpfer der Daleks
  • Nicolas Briggs, die Stimme der Daleks und ausführender Produzent von Big Finish
  • Andrew Cartmel, Autor und Script-Editor in der Ära des siebten Doctors
  • Terrance Dicks, Autor und Script-Editor in der Ära des zweiten und dritten Doktors
  • Nev Fountain, Autor von Kriminalromanen und Skripten für Doctor Who Hörspiele bei Big Finish
  • Toby Hadoke, Schauspieler, Comedian, Autor, Moderator, Blogger und Podcaster, der seit langem eng mit Doctor Who verbunden ist

Später stießen dann noch dazu:

  • Michael Schwarzmaier, Schauspieler und Synchronsprecher, u. a. für den siebten Doctor
  • Kai Taschner, Schauspieler, Synchronsprecher und verantwortlich für Buch und Regie der Synchronfassung der ersten beiden Staffeln der neuen „Doctor Who“ – Serie

Und nicht zuletzt waren auch Robert Vogel und Kolja Dimmek immer wieder unterwegs, der erste auch als Händler mit einem recht großen Stand im Verkaufsraum, an dem so einige Dinge aus der klassischen Ära zu finden waren.

Der erste Punkt meines Tages war dann der Fotoshoot mit Paul McGann. Ich wollte den Mann einfach kennenlernen, dessen Arbeiten mir über das letzte Jahr, die schlimmste Zeit meines Lebens, hinweg geholfen haben, weil sie mich ablenkten und aufmunterten, denn seit ich „The Night of the Doctor“ gesehen hatte, hatte er es mir irgendwie angetan und es gab kein Halten mehr, als ich entdeckte, dass es weit mehr als nur den „TV-Movie“ von 1996 zum achten Doktor gab, aber dazu später mehr.

Auf jeden Fall war es ein Erlebnis, dass ich nicht mehr vergessen möchte. Für knapp eine halbe Minute neben jemandem zu stehen, den man für seine Kunst bewundert und sonst nicht nahe kommt, ist schon sehr aufregend, auch wenn das im Moment nur ein gut bezahlter Fanservice ist.

Die Preise für Fotoshoots mit den Stars und deren Autogramme war übrigens für Conventions dieser Art ausgesprochen zivil. Paul führte die Liste mit 25 € für jeweils eines an, die anderen waren günstiger. Manch einer, der Media-Cons nicht kennt, wird sich sicherlich fragen, warum Unterschriften überhaupt Geld kosten – nun man darf nicht vergessen, dass der Besuch einer Conventions für die Schauspieler in erster Linie ganz normale Arbeit ist, mit der sie ihren Lebensunterhalt verdienen – da die Eintrittskosten ja mehr oder weniger nur Kost und Logis, decken, besteht ihre Gage daher aus dem Verkauf ihrer Unterschrift und den Aufnahmen mit ihnen neben den Fans.

Danach unterhielt ich mich noch mit ein paar Leuten, bevor es zurück in den Saal ging, wo ich den Rest des Panels der beiden Autoren Terrance Dicks und Andrew Cartmel gerade noch so mit halben Ohr mitbekam, die von ihrer Arbeit bei der BBC erzählten. Interessant war es schon, aber ich war wohl immer noch so vom Fotoshoot geflasht, dass ich mich an nicht mehr viel erinnere.

Danach kam der für mich interessante Teil des Tages. Kolja Dimmek nahm sich eine halbe Stunde Zeit, um „Big Finish“ vorzustellen, die Firma von Nicholas Briggs und Jason Haight-Ellery, die seit über sechzehn Jahren mit Genehmigung der BBC „Doctor Who“-Hörspiele produziert, zunächst nur solche, die sehr locker mit den Universum der Serie verbunden waren, dann Geschichten mit den „klassischen Doctoren“ mit denen sich der Sender nicht mehr beschäftigen würde, inklusive der achten Inkarnation.

Die Drehbücher der Folgen schrieben altgediente Autoren, die sich als Fans oder ehemalige Skriptautoren schon lange mit der Materie auskannten, für die Sprechrollen konnte man tatsächlich auch die alten Darsteller der Doctoren und Companions gewinnen, so dass die „Audiodramas“ um so authentischer wurden.

Mittlerweile haben die Hörspiele auch eine Qualität erreicht, die inhaltlich und akustisch den modernen Fernsehfolgen in nichts nachsteht. Ich habe damals nur in „Storm Warning“, das erste Hörspiel mit dem achten Doctor hinein hören wollen – mit dem Ergebnis das ich nicht mehr aufhören konnte.

Tatsächlich besitzen die CD’s – ist man der englischen Sprache halbwegs mächtig und auch bereits, sich die Folgen mehrfach anzuhören – einen nicht zu unterschätzenden Suchtfaktor, vor allem wenn man Fan von Paul McGann ist, der im Fernsehen leider mit viel zu wenigen Auftritten glänzen durfte – so aber die Chance hatte, seinen Charakter über fünfzehn Jahre weiter zu entwickeln, so dass die Figur um so lebendiger geworden ist.

Die Einführung diente dazu, die noch „Unwissenden“ auf einen Wissensstand zu bringen, durch den sie dem nun folgenden, gut eineinhalbstündigen „Big Finish“- Panel angemessen folgen konnten.

Jason Haight Ellery, Nicholas Briggs, Nicola Bryant, Nev Fountain, Terry Molloy, Paul McGann und Toby Hadoke plauderten aus dem Nähkästchen – erzählten wie alles angefangen hat und zitierten die ein oder andere Anekdote, stellten sich dann aber auch den Fragen der Besucher, die natürlich auch nach der Zukunft fragten und wissen wollten, wie weit die Erweiterung der Lizenz durch die BBC noch gehen würde.

Denn immerhin hatten ja schon „Torchwood“, „River Song“ und der „War Doctor“ zu Big Finish gefunden, die absolut nichts mehr mit der klassischen Serie zu tun hatten. Allerdings bekamen nicht alle die gewünschte Antwort. Vor allem Nick Briggs prägte das geflügelte Wort des Panels „Just imagine!“

Auf jeden Fall gab es viel zu lachen und man merkte den Beteiligten an, wie viel Herzblut sie eigentlich in die Firma und ihre Arbeit stecken – etwas, was sich auch in deren Produkten widerspiegelt. Man merkte einfach – hier produzieren Fans für Fans.

Nach Deutschland zurück führte dann das nächste Panel mit den beiden Synchronsprechern Michael Schwarzmaier und Kai Taschner. Die ebenfalls angekündigte Charlotte Brings steckte leider noch im Stau und fiel leider weg. Aber auch die beiden Männer alleine schlugen auch in den Bann erzählten von Freuden und Leiden der Synchronsprecher im analogen und digitalen Zeitalter. Konnte man früher noch Luft schnappen wenn der Projektor irgendwann nicht mehr wollte oder die Filmschleife riss – so besitzen die Produzenten heute keine Gnade mehr – die Zahl der Synchrontakes haben sich verdoppelt.

Dabei wurde auch die ein oder andere Anekdote erzählt, inklusive der, dass man auch als Sprecher gelegentlich die Überraschung erlebt, sich als Serienkiller in einem Horror-Slasher wiederzufinden, auch wenn vorher alles ganz anders geklungen hatte. Und letztendlich betonte Michael Schwarzmaier, dass auch diejenigen, die heute überwiegend Hörbücher einlesen oder aber synchronisieren, immer noch genau so Schauspieler sind, wie diejenigen, die nur auf der Bühne oder vor der Kamera stehen.

Nach dem beiden kam schließlich Paul McGann zurück auf die Bühne. Amüsant waren die Momente in den beiden Panels, in denen er seinen (erwachsenen) Söhnen den Nachweis erbringen musste, dass er nicht für das samstägliche Footballspiel im nächsten Pub abhing, sondern tatsächlich auf einer Convention in Deutschland war. Dafür drehte er ein kleines Video und machte mehrfach ein paar Selfies mit den Zuschauern im Hintergrund.

Er erzählte ein wenig über seine frühen Jahre und seine Karriere. Dabei merkte man als Zuschauer, wie bodenständig er eigentlich ist, betonte er doch immer wieder, dass Schauspieler zu sein, durchaus bedeutet ein Handwerker mit einer grundsoliden Ausbildung zu sein, durch den künstlerischen Aspekt immer noch dazu gehöre, auch Spaß und Freude an seinem Beruf zu haben. Dabei sei es nicht wichtig, nach Ruhm zu streben, sondern eher zufrieden mit seinem Leben zu sein.

Amüsant waren auch seine Erzählungen über das recht unterschiedliche Naturell der Menschen aus der Region um Liverpool und denen in London – er musste erst lernen, dass die unterkühlten Großstädter es nicht unbedingt mochten, gleich zur Begrüßung umarmt zu werden und Striche auf dem Boden der Bühnen oder Drehorte durchaus ihren Sinn machten und man deshalb auch eine gerade Haltung wahren und sich nicht nach vorne lehnen sollte, um die Kameramänner nicht zu verärgern.

Daraufhin stellte er sich den Fragen der Fans. Immer wieder kam dabei auch der in England in Studentenkreise zum Kultklassiker avancierte Film „Withnail and I“ zur Sprache, durch den er seinen Durchbruch als Filmschauspieler hatte.

Ich wagte es übrigens, ihn auf „The Hanging Gale“ anzusprechen, der Produktion, in der auch seine drei Brüder (ebenfalls Schauspieler) beteiligt waren. Auch hier plauderte er ein wenig aus dem Nähkästchen und erzählte, dass man ihn und einen seiner Brüder gerne auch schon einmal verwechselt hat.

Alles in allem dürfte er so den Eindruck bekommen haben, dass in Deutschland mehr von ihm bekannt war als nur die wenigen Nebenrollen in größeren Blockbustern wie „Alien“. Am Sonntag kamen auch andere Filme und Serien wie „Hornblower“ zur Sprache und er brachte für einen Moment die Halle zum Schweigen , als er sehr gefühlvoll über seinen Vater sprach, der ihm noch immer viel bedeute, auch wenn dieser schon lange tot sei.

Und auch in Deutschland war er bereits einige Male, nicht erst zur Fed-Con im Mai. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch, dass er seit dreißig Jahren kein Fleisch mehr isst, etwas, was in Deutschland früher ein Problem gewesen sei.

Die Tatsache, dass sein Großonkel James McGann eines der wenigen überlebenden Crewmitglieder der „Titanic“ gewesen ist – der Mann, der als letzter den Kapitän lebendig gesehen hat – hat die Familie übrigens auch erst vor ein paar Jahren entdeckt.

Natürlich kam auch „Doctor Who – The Movie“ zur Sprache und nicht zuletzt das Geheimnis, das er um seinen Auftritt in „The Night of the Doctor“ vor der Öffentlichkeit machen musste, bis die Minisode gezeigt wurde. Zudem wollte man wissen, wie er dazu stünde, noch einmal in der neuen Serie aufzutreten oder sogar selbst ein Spin-off zu erhalten. Paul erwiderte, dass dies nicht in seiner Macht läge, aber keinesfalls „Nein“ sagen würde, würde Stephen Moffat ihn deswegen kontaktieren.

Immerhin gelang es ihm, sich am Ende des Panels geschickt und recht charmant aus der Affäre zu winden, als Fans darum baten, dass er doch die Rede des zwölften Doctors aus der Abschlussfolge der achten Staffel vorlesen oder ein wenig vorsingen sollte.

Letzteres konnte er am zweiten Tag aufgrund einer Erkältung weiterhin ablehnen, am Vortrag der Rede kam er leider nicht vorbei … da zog die „Schwindelei“ mit der zerbrochenen Lesebrille nämlich nicht mehr – wozu gibt es die moderne Technik – ein Tablet mit beliebig einstellbarer Größe der Schrift.

Nach Paul McGanns Panel beschloss ich den Saal endlich zu verlassen und mir die Beine zu vertreten, immerhin wollte ich mir auch noch ein Autogramm holen. Zudem interessierte ich mich endlich einmal für die Händlerstände in einer größeren Halle im Obergeschoss.

Natürlich war der „Big Finish“-Stand sehr verlockend … aber glücklicherweise hatte ich schon die meisten, für mich interessanten Dinge. Dafür verdienten andere Stände etwas mehr an mir – neben einigen Büchern wanderte auch ein Plüschdalek in meinem Besitz.

Die Panels von Cathrin Stewart und die Show von Toby Hadoke besuchte ich nicht mehr. Dafür holte ich mir nur noch ein Autogramm von Paul McGann und wechselte ein paar Worte mit ihm. Mein Eindruck von ihm wurde noch einmal bestätigt.

Er gehört zu eindeutig zu den Schauspielern, die zufrieden damit scheinen, durch die Kunst ein Auskommen zu haben, die aber dennoch mit Leidenschaft und Freude ihren Job – egal in welchen Ausprägungen – ausüben. Die sich nicht scheuen, auch freundlichen, manchmal sogar recht herzlichen Umgang mit den Fans zu pflegen, ohne dabei die Distanz zu vergessen. Andererseits macht er aber auch keinen Hehl daraus, dass er auf Conventions, natürlich auch eine Rolle spielt – immerhin ist das für ihn Arbeit.

Mit einem netten „All you can eat“ in einem Sushi-Restaurant klang der Abend aus. Andere, die es noch gebucht hatten, besuchten derweil das „Star-Dinner“, das allerdings gehörig Eintritt kostete.

 

* * *

 

Am Sonntag ging die Convention trotz oder gerade wegen der Zeitumstellung schon um acht Uhr weiter. Bereits um kurz nach acht öffneten die Tore.

Wie immer hatten sich die Cosplayer in Schale geworfen – einige noch mehr als zuvor, denn einer der großen Programmpunkte war auch der in der Mittagszeit stattfindende Wettbewerb, in dem die, die wollten, nicht nur ihr Kostüm präsentieren, sondern auch beweisen konnten, wie sehr sie in der Lage waren, in die von ihnen ausgewählte Rolle zu schlüpfen.

Ich selbst habe mir das zwar nicht angesehen, weiß aber, dass ein „Siebter Doctor“ und seine Begleiterin „Ace“ die Sieger waren, einer der „Achten Doctor“ den Preis für den besten „Lookalike“ erhielt und einer der „Weeping Angel“ einen Sonderpreis.

Am Sonntag besuchte ich zudem , nicht mehr ganz so viele Panels wie am Tag davor. An Vormittag stand vor allem Nicholas Briggs auf dem Programm, der diesmal von seiner Arbeit an den Sets von Doctor Who erzählte und seiner Leidenschaft, den Daleks sehr unterschiedliche Stimmen zu geben – was immer dann zur Herausforderung wurde, wenn er innerhalb einer Szene gleich mehrere davon verkörpern musste.

Nach einer längeren Pause, die ich im durch den Cosplay-Wettbewerb entvölkerten Händlerraum verbrachte, ging es zurück zu den Panels.

Terry Molloy und Nicola Bryant waren an der Reihe von ihrer Arbeit für und neben Doctor Who zu erzählen. Nebenbei erfuhren wir auch, warum Terry diesmal einen Teddybären dabei hatte – Monty, seinen Teddybären, den er als Entschädigung für die vielen Misshandlungen seiner Kinderzeit nun wiederhergestellt immer mit auf Reisen nahm. Und er erklärte warum er eigentlich an beiden Tagen einen Kilt trug. Er wollte damit an die irischen Wurzeln seiner Familie erinnern und hatte deshalb die Clansfarben angelegt.

Nicola Bryant, die mich als Peri nicht gerade begeistern konnte, da sie in der Serie eine recht unbefriedigende Rolle erhalten hatte, in der sie in erster Linie hübsch aussehen und hilflos sein musste, hat mich jedenfalls beeindruckt – sie ist im Gegensatz zu ihrem Charakter eine selbstbewusste Powerfrau, die weiß, was sie will und kann. Zum Abschluss las sie als Dankeschön eine vorbereitete Rede auf Deutsch vor.

Nach dem zweiten Panel von Paul McGann kamen dann auch noch ein paar altgediente Fans der deutschen „Doctor Who“-Szene zu Wort. Stellenweise musste ich schon ziemlich grinsen, erinnerte mich das doch an meine eigene wilde Zeit in den 1980er und 1990ern, in der ich zwar nicht direkt auf eine Fernsehserie stand, aber in eigenen Bereichen des Fandoms meine eigenen Erfahrungen mit kleinen Treffen und Clubs, Fanzines und Briefkontakten sammelte. Letztendlich haben sie mir auch nicht verraten, was ich nicht schon wusste.

Und dann war er auch schon da, der Abschied. Noch einmal versammelten sich die noch anwesenden Gäste und die Veranstalter auf der Bühne, um uns, den Besuchern und der Crew ihren Dank auszusprechen. Die Resonanz bei den Stars war ausgesprochen positiv, sie waren allesamt von der familiären Atmosphäre angetan und gerne bereit, nächstes Jahr wieder zu kommen. Und die abschließenden nicht enden wollenden Standing Ovations der Besucher gaben ihnen Recht.

Auch ich konnte nicht glauben, dass die Convention schon vorbei war … und so ging es vermutlich auch vielen anderen. Aber es galt einen Zug zu bekommen und eine fast vierstündige Rückreise anzutreten, die ich immerhin noch auf der Hälfte der Strecke mit anderen netten Whovians verbringen konnte.
* * *
Wie sagte Paul McGann am Anfang der Con noch in seiner Begrüßungsrede:

„We make history!“

Und ich kann ihm nur zustimmen!

Diese Convention hat Geschichte geschrieben, denn die Veranstalter haben nicht nur finanziell alles richtig gemacht – sie haben eine kleine aber feine Location ausgesucht, die für die Anwesenden auch immer Rückzugsmöglichkeiten bot, um ein wenig Luft zu holen und die Eindrücke zu verarbeiten.

Sie haben bei den Stargästen nicht auf die großen Namen unter den Schauspielern und Machern gesetzt sondern auf eine bunte Mischung von Menschen, die für die vielen Aspekte der Serie stehen. Vielleicht hat gerade die Einbeziehung der Aktiven aus der klassischen Ära und derjenigen, die die Fahne außerhalb der BBC hoch halten, dafür gesorgt, bei dem ein oder anderen Fan genug Neugier zu wecken, um sich nicht mehr nur mit der neuen Serie von „Doktor Who“ zu beschäftigen, sondern nun vielleicht auch mit der „Classic Series“, die vielleicht nicht mehr heutigen Sehgewohnheiten entspricht, einfach mit dazu gehört.

Die Auswahl bei den Händlern war ebenfalls sehr gelungen – der Fan konnte finden, was sein Herz begehrt, gerade, wenn er noch am Anfang der Sammelleidenschaft stand – und ich vermute, das gerade „Big Finish“ so manchen neuen Kunden gefunden hat – der doch ganz gut geschrumpfte Bestand auf dem Tisch am Sonntagnachmittag sprach jedenfalls Bände.

Freundlicher und zumeist auch sehr aufmerksamer Umgang miteinander zeichnete die familiär gehaltene Con aus und hat auch bei mir das Gefühl hinterlassen, wirklich willkommen gewesen zu sein.

Von der Erinnerung an diese zwei Tage werde ich jedenfalls noch lang zehren, das weiß ich und ich habe es bis jetzt nicht bereut, meiner spontanen Eingebung gefolgt und einfach gefahren zu sein, obwohl mich das einiges an Nerven kostete.

Auch wenn ich mir jetzt noch bewusst alles offen halte – es kann gut sein, dass ich am 15./16.10. 2016 tatsächlich wiederkomme, wenn die „Timelash 2“ ihre Pforten erneut in Kassel öffnet und den Kulturbahnhof für zwei Tage erneut in die Tardis verwandelt.

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