[Rezi] Asphalt Tribe – Kinder der Straße

Autor: Morton Rhue

Verlag: Ravensburger Buchverlag

Veröffentlicht: Jan. 2005

Format: Taschenbuch, 224 Seiten

ISBN 13: 978-3473582129

von: Chistel Scheja

 

Es gibt sie nicht nur in auf den Straßen und in den Städten ärmerer Länder, sondern auch im reichen Westen, in Staaten, bei denen man meint, dass das Sozialsystem solche Auswüchse abfangen würde. Morton Rhue setzt den Kindern, die sich alleine und verlassen auf den Straßen New Yorks durchs Leben schlagen in „Asphalt Tribe“ ein Denkmal. Ohne zu belehren will er aber auch Jugendlichen, die es zu Hause nicht mehr aushalten daran erinnern, dass ein freies und ungebundenes Leben auch einen hohen Preis fordert. Vermutlich ist das Buch auch nach so vielen Jahren immer noch im Handeln und wird sogar im Schulunterricht gelesen, denn auch in Deutschland sieht man sie, die Jungen und Mädchen, die ihr Elternhaus verlassen haben.

Maybe gehört zum „Asphalt Tribe“, einer Gruppe von Jungen und Mädchen, die aus unterschiedlichen Regionen der USA kommen und nun gemeinsam versuchen, sich durchzuschlagen. Da eines der ungeschriebenen Gesetze ist, niemals zu fragen, wissen die anderen nur so viel von einem, wie man selbst bereit ist, preiszugeben.

Das junge Mädchen gehört zu denen, die eigentlich keine Wahl hatten. Ihre Mutter hat sie rausgeschmissen, nachdem sie für sie nicht mehr nützlich war, da sie jemand anderen gefunden hat, um sich um die jüngeren Geschwister zu kümmern oder den Sündenbock für die desolate Lage in der die Familie steckt, zu spielen.

Ohne nennenswerte Schulbildung ist ihr Lebensweg vorgezeichnet, und sie macht sich auch keine Illusionen darüber, wie es weiterlaufen und enden wird.

Der Tod ist auch in der Zeit um Weihnachten herum allgegenwärtig. Erst stirbt Country Club an einer Überdosis, dann wird 2MORO vergewaltigt und ermordet. Und nicht zuletzt begeht Rainbow, als sie nicht mehr weiter weiß, Selbstmord.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen schlagen sich mit Sozialarbeiterin und der Polizei herum. Die meisten haben Vorurteile und machen sich erst gar nicht die Mühe, mehr in ihnen zu sehen als potentielle Verbrecher. Nur wenige wollen wirklich helfen und unterstützen – aber tun die dies alles wirklich ohne Hintergedanken?

Morton Rhue spricht ein Thema an, das vor allem Jugendliche beschäftigt und nicht nur dann zum Problem wird, wenn die Betroffenen aus desolaten Verhältnissen im Elternhaus fliehen, weil sie anderweitig keine Hilfe bekommen. Der Autor macht zwar deutlich, dass gerade in den USA viele Kinder gar keine andere Wahl haben als wegzulaufen, wenn in der Familie Grausamkeit, Missbrauch und Willkür herrschen. Aber auf der anderen Seite zeigt er, dass auch Jugendliche und Kinder darunter sind, die aus guten Elternhäusern stammen oder keine Probleme haben.

Jeder wird sich daran erinnern, dass auch er in einem bestimmten Alter genug davon hatte, von den Eltern und anderen Erwachsenen bevormundet zu werden. Das Leen auf der Straße verspricht Freiheit und Spaß, Vergnügen und Ungebundenheit. Aber ist dem wirklich so? Die Schattenseiten spricht auch Markus Seidel in seinem Nachwort – bezogen auf die deutsche Realität an.

Das Buch ist erschütternd nüchtern und direkt. Es spart zwar das ein oder andere aus, um die Schaulust zu minimieren, konzentriert sich bewusst auf die Auswirkungen, die der gewaltsame Tod auf die zurückgebliebenen Jungen und Mädchen aus dem Tribe hat. Anhand der Heldin und ihrer engen Freunde erfährt man mehr über die Denkweise, die Hoffnungen und Träume, aber auch die Ernüchterung, die die Straßenkinder erfasst haben. Die Geschichte ist bewusst schnörkellos erzählt, um zum Nachdenken anzuregen, der Realität möglichst nahe zu kommen und bewusst zu machen, was man in Kauf nimmt, wenn man sich in das Abenteuer stürzt, sich alleine durchschlagen zu wollen.

Daher ist „Asphalt Tribe“ ein Buch, dass sehr bewusst Jugendliche im Protestalter zwischen dreizehn und fünfzehn anspricht und ohne erhobenen Zeigefinger zum Nachdenken bringt, denn die Geschichte der Straßenkinder von New York ist auch nach acht Jahren immer noch aktuell und fesselnd zugleich, zeigt es doch, dass die Realität weit weg von der Romantik ist, die man in manchen literarischen Werken zu diesem Thema auch heute noch findet.

 

Meine Bewertung:

4,75 von 5 Asphaltbrocken

Weitere Informationen:

Asphalt Tribe Kinder der Strasse beim Verlag

 

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