[Rezension] Dungeon Crawl Classics (Rollenspiel, deutsche Ausgabe)

© System Matters

Als Dungeon Crawl Classics, liebevoll DCC genannt, im Jahr 2012 bei Goodman Games erschien, wurde schnell klar: Dieses Rollenspiel alter Schule ist nix für Weicheier. Denn Charaktere können hier schneller sterben als man „Es ist eine Falle!“ rufen kann; quasi hinter jeder Tür – oder oft auch direkt davor – lauert der Tod. Wer grundsätzlich sehr an seinen Charakteren hängt, dürfte hier den ein oder anderen Schockmoment erleben. Mitte 2018 kündigte der Gelsenkirchener Verlag System Matters an, das Regelwerk auf Deutsch veröffentlichen zu wollen – was Ende 2019, nach einer erfolgreichen Vorbestellaktion, auch umgesetzt wurde. Gefällt das knüppelharte RPG also auch in deutscher Sprache?

INHALT
Wer die deutsche Version des ohnehin schon gut im Futter stehenden, englischsprachigen Originals in die Hand nimmt wird schnell feststellen, dass der in 9 Kapitel unterteilte Regelwerk-Brocken aufgrund der Übersetzungsarbeit nochmals um einige Seiten gewachsen ist und somit ein paar Gramm zusätzlich auf die Waage bringt. Puh! Wer keine Hanteln zur Hand hat, aber gern etwas für die Armmuskulatur tun möchte, kann daher bedenkenlos zum deutschen DCC-Regelwerk greifen.

Vom Inhalt her weicht die Übersetzung natürlich nicht von der Urfassung ab: Nach wie vor handelt es sich um ein Rollenspiel, das auf einer stark gestrafften und modifizierten Version des D&D 3E-Regelwerks basiert und das von Gary Gygax‘ legendärem „Apenndix N“ inspiriert wurde – jenem Anhang im AD&D Dungeon Masters Guide von 1979, in dem Gygax zahlreiche Autoren und literarische Werke auflistete, die den Schaffungsprozess von Advanced Dungeons & Dragons maßgeblich beeinflussten. Und wer diese Werke und ihre Schöpfer nicht in Ehren hält und sich offen zu ihnen bekennt, solle DCC am besten beiseitelegen – dazu rät Spieldesigner Joseph Goodman höchstselbst.

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[Interview] Im Gespräch mit System Matters (Spire)

In naher Zukunft  wird die deutschsprachige Version von „Spire“ durch Systam Matters auf das Spielevolk losgelassen. Somit war es an der Zeit Frank und Daniel einige Fragen zu stellen. Viel Spaß beim lesen.

© Syytem M

Hallo Daniel, hallo Frank,
vielen Dank für Eure Zeit. Stellt Euch bitte kurz vor?
Frank: Vielen Dank für deine Interviewanfrage! Ich bin Frank Reiss und bin der verantwortliche Redakteur für Spire. In dieser Rolle habe ich das Projekt von Anfang an betreut. Spire ist ja eine Übersetzung eines Rollenspiels, das auf Englisch erschienen ist, so dass es hier vor allem um die Übersetzung, aber auch ums Lektorat, Layout und die Begleitung der Vorbestellungsaktion ging. Vor meiner Arbeit an Spire habe ich den Essay-Band Roll Inclusive mitherausgegeben und war als Autor für Splittermond tätig.

 Daniel: Mein Name ist Daniel Neugebauer und ich mache gemeinsam mit Patrick Jedamzik (und natürlich vielen, vielen talentierten und kreativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern) den System Matters Verlag. Überraschenderweise habe ich festgestellt, dass der Verlag im September schon 5 Jahre alt wird! Begonnen hat natürlich alles mit unserem Podcast, der in diesem Jahr 11 Jahre wurde.

Nach Werken wie „Beyond the Wall“, „Dungeon Crawl Classic“ und der Kleinen Reihe, legt Ihr bald „Spire“ vor. Beschreibt doch bitte einmal in drei Sätzen worum es dabei geht?
Frank: Bei Spire handelt es sich um ein Fantasy-Punk-Rollenspiel in einem urbanen Setting. Die Spieler*innen schlüpfen dabei in die Rolle von Dunkelelfen, die ihre von den Hochelfen eroberte Stadt, den Spire, wieder zurückerobern wollen. Spire ist ein Spiel um Revolution und Widerstand aus dem Verborgenen heraus und um den Kampf einer unterdrückten Gemeinschaft gegen einer übermächtige Elite.

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[Rezension] Der Schatten des Dämonenfürsten: Geschichten aus dem Schatten

© System Matters

Mit „Geschichten aus dem Schatten“ haben System Matters eine komplette Kampagne für „Der Schatten des Dämoenfürsten“ vorgelegt. Mit 11 Abenteuern, um von Stufe 0 auf Stufe 10 zu kommen. Dies ist zugleich der Unique Selling Point des tollen, düsteren, teils warhammeresken Systems, dessen Kampagnen quasi Abenteuer für Abenteuer separat aufeinander aufbauen und man jeweils eine Stufe aufsteigt. So ist es mit dieser Kampagne möglich, sie by the book zu spielen, aber auch einzelne Kapitel auszutauschen und andere Abenteuer zu nutzen, mit Fansachen gibt es schon über 30 Abenteuer auf deutsch.

INHALT
Zentrum und Angelpunkt ist die Stadt Kreutzing mit Stadtteilen wie Kummer, Münz und Senkel. Die zehn Stadtteile werden in aller Kürze vorgestellt in drei bis sechs Sätzen, dazu ein, zwei markante Gebäude oder Orte – so hat man einerseits genug feste Struktur und zum anderen genug Freiraum. Auch die wichtigsten Institutionen – Regierung, Braunröcke (Stadtwache) und Bürgergarde (Armee bzw. Patrouillen außerhalb der Stadt) werden kurz vorgestellt (etwas verwunderlich, warum beide braune Röcke tragen). Die wichtigsten NSC werden kurz vorgestellt, potenzielle Gegner gleich mit Werten, am allerwichtigsten ist aber die alphabetische NSC-Tabelle mit Kurzbeschreibung und wo sie auftauchen. So behält man halbwegs den Überblick und kann ggf. bestimmte NSCs schon früher einführen, damit sich das ganze organisch anfühlt. Ebenfalls sehr nützlich ist die zweiseitige Ereignistabelle mit W20 Ereignissen. So kann man Goblins vor einer Wäscherei entdecken, die das Haus mit Unrat und Fäkalien bewerfen, weil diese ihr wohlriechendes Waschwasser in die Kanalisation einleiten oder einen trickreichen Hütchenspieler. Zuguterletzt noch eine gelungene Stadtkarte der Stadt am Düsterwasser mit den 20 markanten Gebäuden und den zehn Stadtvierteln.

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[Rezension] Der Schatten des Dämonenfürsten: Geborene Krieger

© System Matters

Mit „In the Shadow of Demon Lord“ bzw. zu Deutsch „Der Schatten des Dämonenfürsten“ haben System matters ein tolles, düsteres, teils warhammereskes System vorgelegt, dessen Unique Selling Points eine zehn- bzw. elfteilige Kampagne ist, die an genausovielen Abenden durchgespielt ist. Nach jedem Abenteuer gibt es einen Stufenaufstieg und damit genug Platz für Charakterentwicklung, die bei DSdDF auf Lehrlings-, Gesellen- und Meisterpfaden besteht. Entgegen dem Heft für Schurken, Glorreiche Halunken (Rezi), können hier „nur“ zehn verschiedene Kriegertypen als Lehrlingpfad genommen werden – daher auf Stufe 1./2. /5. und 8. gibt es Verbesserungen. Dabei ist man angenehm dünn geblieben – 32 Seiten A5 – für knapp 8 Euro.

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[Rezension] Fünf Ruinen (Rollenspiel, Settingneutrale One Pager)

© Pro Indie

Mit den „Trilemma Adventures“ stellt der One-Page-Dungeon-Contest-Gewinner von 2015, Michael Prescott, eine reichhaltige Sammlung kurzer, settingneutraler Rollenspielabenteuer und Szenarien kostenlos zum Download zur Verfügung. Mit den „Fünf Ruinen“ veröffentlichte PRO INDIE zur Spiel’19 einige Auszüge daraus als eigenständigen Band in deutscher Sprache – mit dem Vorsatz, weitere Hefte folgen zu lassen.

Inzwischen ist das Heft allerdings nicht mehr erhältlich. Gemeinsam mit System Matters entschied man sich dazu, alle „Trilemma Adventures“ in einem Band zu veröffentlichen. Die Arbeiten an dem Buch laufen noch, und wir dürfen gespannt auf die offizielle Ankündigung und das Ergebnis sein. Die Auflage der „Fünf Ruinen“ sollte unterdessen auf dem Gratis Rollenspieltag unter die Leute gebracht werden, was aber aufgrund der Corona-Situation nicht klappte. Man sagte mir, das die Hefte hier und da nochmal auftauchen werden – gegebenenfalls auch in digitaler Form.

INHALT
In „Die Litanei der Kratzer“ wird auf zwei Seiten ein altes Mönchskloster vorgestellt, dessen ursprüngliche Bewohner längst nicht mehr dort leben. Dafür haben sich allerlei neue Gesellen dort eingenistet und diese sind überhaupt nicht erfreut darüber, dass ungebetene Gäste ihr Treiben stören. Aber sind sie der wahre Grund für das, was hier einst geschah?
Räume und Areale gibt es tatsächlich nicht allzu viele zu erkunden, aber dafür sind sie aufgrund des Zustands des Klosters nicht immer problemlos zu erreichen. Allein hier wartet schon die ein oder andere Herausforderung auf die Recken. Gegenstände, die gefunden werden können, werden anhand zweier Zufallstabellen ermittelt.

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[Rezension] Der Schatten des Dämonenfürsten: Glorreiche Halunken (Rollenspiel)

© System Matters

Mit „In the Shadow of Demon Lordbzw. zu Deutsch „Der Schatten des Dämonenfürsten haben System Matters ein tolles, düsteres, teils warhammereskes System vorgelegt, dessen Unique Selling Points eine zehn- bzw. elfteilige Kampagne ist, die an genausovielen Abenden durchgespielt ist. Nach jedem Abenteuer gibt es einen Stufenaufstieg und damit genug Platz für Charakterentwicklung, die bei DSdDF auf Lehrlings-, Gesellen- und Meisterpfaden besteht. Glorreiche Halunken fusst im ersten Teil auf den Lehrlingspfad des Schurken und arbeitet weitere Optionen für Schurken aus. Dabei ist man angenehm dünn geblieben – 32 Seiten A5 – für knapp 8 Euro

INHALT
Im Prinzip ist es jetzt möglich einen Schurken sowohl als Lehrling oder als Geselle in sein Konzept hineinzunehmen – oder auch einen Vollschurken machen, der sich hier überall bedient. es sind aber auch ungewöhnliche Multiclassings möglich, hier sein an Fafhrd und den Grauen Mausling von Fritz Leiber erinnert, ersterer ein Kämpfer(barbar) und Schurke, der später gar noch etwas Magie lernt, der andere ein Magier und Schurke, der auch die Klinge im Kampf gut zu führen weis. Ein Schurke bekommt auf der ersten Stufe „Flinke Erholung“ und dank „Trickserei“ einen Vorteilswürfel im Kampf zzgl. einem Bonusschadenswürfel, auf Stufe 2 hat er dann einen reichhaltigen Pool an Schurkentalenten zur Auswahl, insgesamt 14, die quasi eigene Unterklassen bilden, jede mit zwei Fähigkeiten, wobei man die zweite erst erhält, wenn man das Talent ein zweites Mal wählt (z.B. auf der 8. Stufe als Meisterschurke). Der Abenteurer z.B. hat Todesmut und bekommt dadurch die Ressource Mut, um Schaden zu reduzieren oder Angriffe oder Proben mit 3 Vorteilswürfeln auszuführen. Später bekommt er „Frischen Mut“ wodurch er eine ganze Runde einen Vorteilswurf auf Angriffe und Proben bekommt. Das Faktotum bekommt jederzeit einen Vorteilswürfel auf Proben und später kann er Reaktionen nutzen, um anderen zu helfen. Die Schwarzseele erhält Zugriff auf eine Zauberschule. Etwa verwirrend ist, dass man den dritten Lehrlingspfad Gesellen-Schurke und den vierten Meister-Schurke nennt (5. bzw. 8. Stufe), das konkurriert mit der Bezeichnung Geselle (3./6./9.) und Meister (7./10.). Hat mich erst etwas verwirrt, aber gut …

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8.Winter One Page Contest – Preisübersicht

Die mittlerweile achte Ausgabe des Winter One Page Contest ist gestartet und damit seit Ihr erneut aufgerufen kreative Einseiter zu basteln und einzureichen. Um Eure Kreativität noch mehr anzuregen und Euren Basteltrieb in unbekannte Höhen zu treiben, ist der Gabentisch sooooo richtig voll. Der Weihnachtsmann kam auch in diesem Jahr an seine Belastungsgrenze. Aber das alles wäre nicht ohne die herzliche Unterstützung unserer Sponsoren möglich gewesen.

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SPIEL`19 – Messebericht

© FMV

Am letzten Wochenende fanden die 37.Internationalen Spieltage SPIEL in Essen statt. Von den 209.000 Besuchern, welche der Veranstalter gestern bereits meldete, war ich einer. Es verschlug mich von Donnerstag bis Sonntag in die frisch umgebauten Hallen, welche man nun wieder so nennen kann (wobei ich hoffe das in puncto Barrierefreiheit an der ein oder andere Stelle noch nachgelegt werden wird, z.B. Markierungen, Treppen, …) 

Meine Vor-Ort-Zeit?

  • Donnerstag: 11:30 – 17:00 Uhr (wobei hier noch 2,5 Stunden Anreis hinzukommen, und das aus Duisburg, also umme Ecke.)
  • Freitag: 10:30 – 16:45 Uhr (Anreiszeit von knapp 1,5 Stunden)
  • Samstag: 10:45 – 16:45 Uhr
  • Sonntag: 10:30 – 17:00 Uhr

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Im Gespräch mit Andreas Melhorn (Abenteuer gestalten, System Matters, Interview)

 

Demnächst wird beim System Matters Verlag „Abenteuer gestalten“ von Andreas Melhorn erscheinen. Vor ein paar Tagen hatte ich die Möglichkeit Andreas einige Fragen zum Rollenspielen und zum Buch zu stellen. Hier nun das Interview. Viel Lesespaß.

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Hallo Andreas,
vielen Dank das Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Stell Dich doch bitte kurz vor.
Gern. Ich bin Andreas Melhorn. Ich schreibe seit einer gefühlten Ewigkeit Rollenspielmaterial. Ich glaube, meine erste Rezi erschien 1996 im damals noch existierenden „Envoyer“. Es ging um „Beyond the Mountains of Madness“ für „Cthulhu”, das weiß ich noch. Seit dieser Zeit schreibe ich regelmäßig Rezis, Abenteuer und Spielleiterkapitel neben anderen Dingen. Zurzeit betreue ich die Übersetzung von „Dungeon Crawl Classics“ für den System Matters Verlag.

Schauen wir doch einmal in die Vergangenheit. Wie bist Du zum Rollenspielen gekommen?
Ich habe mir im örtlichen Zeitschriftenladen eine Ausgabe der „Spielbox“ gekauft, weil ein Drache drauf war. Darin wurde die rote Box von D&D vorgestellt, die ich mir von meinen Eltern dann habe zu Weihnachten schenken lassen. Das war 1986, wenn ich mich recht erinnere.

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[Rezension] Der Schatten des Dämonenfürsten (Rollenspiel, Fantasy)

© System Matters

Mit „Der Schatten des Dämonenfürsten“ liefern die Jungs von System matters zur SPIEL 2018 ihr erstes Schwergewicht ab, auch wenn sie mit Beyond the Wall, Dungeon World und Dread tolle Perlen im Rennen haben. „In the shadow of the demon lord“ – im deutschen fiel das „In“ der Layoutkomposition zum Opfer – ernährt Autor Robert J. Schwalb schließlich hauptberuflich und hat einen hohen Ausstoß an pdf mit Abenteuern.

Robert J. Schwalb selber hatte einige Erfolge bei Green Ronin (Warhammer, Song of Ice and Fire RPG und Freeport), arbeitete an der vierten und fünften Edition von DnD, bei letzterer gar als einer der Lead Designer und arbeitete auch bei Monte Cooks Numenera fleißig mit, bevor es mit „Schatten des Dämonenfürsten“ 2014 losging. Das letzte Projekt seinerseits, frisch veröffentlicht, ist Judge Dredd & The Worlds of 2000 AD.

Der Unique Selling Point von „Der Schatten des Dämonenfürsten“ ist ohne Frage die Art der Kampagnengestaltung: nach 10 bzw. 11 Folgen ist Schluss, der Dämonenfürst erscheint und herrscht über die Welt, wobei das unterschiedlich gestaltet werden kann. Ebenso startet man auf Stufe 0 oder 1 und steigt am Ende des Abends / des Abenteuers eine auf. Daher sind auch die Abenteuer eher kurz – so geriert sich DSdDF als ideales Feierabendspiel, welches trotz wenig Vorbereitungszeit ein Kampagnenfeeling bietet.

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