[Rezension] Windjäger (Roman, Steamfantasy)

Verlag: Blanvalet
Autor: Jim Butcher
Originaltitel: The Cinder Spires 1: The Aeronaut’s Windlass
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 764
Erschienen: November 2015
ISBN: 978-3734160004

von: kris

Jim Butcher ist einer der Autoren, die in jedem Genre zu Hause zu sein scheinen, das nur im Entferntesten mit der Phantastik zu tun hat. Nach den Urban-Fantasy-Romanen um „Harry Dresden“ und der High-Fantasy-Serie „Codex Alera“ wendet er sich nun der Steamfantasy zu. „Windjäger“ ist der erste Band seiner neuen Reihe „The Cinder Spires“, auch wenn das aufmerksame Leser nur aus dem Originaltitel erraten
können.

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[RSP-Rezension] Dracolith – Eine Finsterland-Kampagne

Herausgeber: Georg Pils
Autoren: Anette Meister, Markus von Leon
Illustrationen: Eleonore Eder, Lukas Hofreiter, Chris Gmeiner
Verlag: Verlag Georg Pils
Art: Gruppenabenteuer für 3-6 fortgeschrittene Spieler
Format: Softcover A4
Seitenzahl: 72
Erschienen: Mai 2015
ISBN: 978-3950327083
Preis: 15,90 Euro

von: kris

Finsterland ist ein „Pen-und-Paper“-Rollenspiel, dass sich wohl am ehesten der „Steamfantasy“ zuordnen lässt. Eine Welt, die mehr oder weniger dem Europa in der Zeit der industriellen Revolution gleicht, trifft auf Magie und alte Wesen, die Mythen zu sein scheinen, aber durchaus real sind: Drachen.

Klappentext:
Dracolith! Eine geheimnisvolle Substanz, die angeblich die Energie und Macht der Alten Drachen bündelt. Ein Stück dieses höchst seltenen Materials ist ausgesprochen wertvoll. Sammler zahlen ein Vermögen für einen vollständigen Stein. Aber ist das die ganze Wahrheit? Es ist an den Charakteren, die Mysterien des Dracoliths zu erforschen und ein unheilvolles Schicksal abzuwenden, das die ganze Welt vernichten könnte! Dracolith ist eine Kampagne für das Finsterland-Rollenspiel. Sie besteht aus drei Abenteuern und Zusatzmaterial. Um dieses Buch zu nutzen, benötigen Sie das Finsterland-Grundbuch sowie den Almanach der Zauberkunst.

Zum Inhalt:
Ausdruck des wissenschaftlichen Fortschritts sind Luftschiffe und Maschinen, aber auch die magische Kunst hat noch ihren Stellenwert im Ringen um die Macht jenseits des gesellschaftlichen und kulturellen Umbruchs. Die Helden selbst stehen irgendwo dazwischen, sind Glücksritter oder Detektive – jedenfalls immer da, wo es Geheimnisse zu klären oder aber Aufträge zu erfüllen sind. Ein solcher findet sich in „Dracolith“, der ersten „Finsterland“-Kampagne.

Dracolith ist ein seltenes und außergewöhnliches Gestein, für das Sammler und Zauberer Höchstpreise bezahlen, denn es ist nicht nur kaum zu finden, sonder auch ausgesprochen magisch – gerade gefährliche Rituale gelingen damit besonders gut. Es heißt, die Substanz stamme noch aus der Zeit der alten Drachen und bündle deren Macht und Arkane Energie. So ist es kein Wunder, das viele es begehren und es in ihre Hans bekommen wollten.

Zu diesen Menschen gehört offensichtlich auch ein reicher und verschrobener Juwelenhändler namens Gaspardi, der den Charakteren den Auftrag gibt, für seiner Sammlung nach Dracolith zu suchen.

Er will sie dafür natürlich fürstlich entlohnen, doch ist das wirklich alles? Steckt nicht vielleicht sogar mehr dahinter?

Im Verlauf ihrer Suche entdecken die Helden nämlich nicht nur die Wahrheit sondern auch die Spuren eines Planes, der die Welt schneller als gedacht in den Untergang stürzen könnte. Und so entwickelt sich ein einfacher Privatauftrag schon bald zu einer Kampagne, die jeden, der an ihr teilnimmt alles kosten kann …

Der Abenteuerband umfasst drei eng miteinander verbundene Abenteuer, die es in sich haben – aus diesem Grunde sind diesmal keine Einsteiger- sondern bereits erfahrene Spieler und Helden gefragt. Auch der Spielleiter muss sich gut vorbereiten und die Grundregeln, aber auch den Almanach der Zauberkunst bereit halten.

Zudem betonen die Autoren, dass die gesamte Kampagne nur dann zu verstehen ist, wenn die Gruppe zuvor das Abenteuer „Der Herr der Sphären“ durchgespielt hat. Denn dadurch sind die Spieler bereits mit dem magischen Hintergrund der Welt vertraut und wissen, dass viele okkulte Schriften und Legenden einen durchaus wahren Kern haben, dass auch die Drachen nicht nur Gestalten aus einem Märchen sind.

„Gaspardis Angebot“ dient als Einführungsabenteuer, beginnend mit einem klassischen Szenario, das erst nach und nach die Richtung ändert und das vorbereitet, was noch kommen wird. Die Helden dürfen sich als Detektive betätigen, hier sind ihre sozialen Fähigkeiten mehr gefragt als andere Dinge, denn es gilt in erster Linie Leuten Informationen zu entlocken. Erst zum Ende hin kommen auch die magischen Fähigkeiten zum Zuge.

Ähnlich sieht es auch in „Staub und Vergangenheit“ aus – während es in „Ritualleuchten“ dann wirklich zur Sache geht … und die Charaktere all ihr Wissen und Können in die Waagschale werfen müssen, um das Verhängnis aufzuhalten.

Grob gesehen bedient der Plot natürlich eines der klassischen Kampagnenthemen – alles beginnt mit einem eher harmlosen und unscheinbaren Auftrag, durch den die Helden ungewollt in mehr Schwierigkeiten geraten als ihnen lieb ist und am Ende dazu berufen sind, wieder einmal die Welt zu retten.

Aber genau solche Geschichten funktionieren immer wieder und machen Spaß, wenn die Autoren Spielern und Spielleiter genügend Freiheiten lassen, aber auch selbst einiges an Ideen einbringen, die man bisher nicht in dem Zusammenhang gelesen hat. Das gelingt in der „Dracolith“-Kampagne erstaunlich gut. Auch wenn die Szenarien vorgegeben sein mögen, es gibt immer Ausweichmöglichkeiten, die auch angesprochen werden. Zudem nehmen die Autoren Rücksicht auf das besondere Ambiente der Welt – immerhin können die Helden und Schurken hier auf mehr als nur Magie zurückgreifen.

Mein Fazit:
Das angebotene Material ist ausreichend und überschaubar genug für den Spielleiter. Diverse Anregungen und ausführlichere Erläuterungen könnten auch dazu verleiten, eigene Abenteuer auf die Kampagne aufzubauen.

Der Meister sollte jedoch besonders versiert darin sein, Figuren zu spielen, denen die Helden begegnen, denn die Abenteuer leben in erster Linie von der Interaktion miteinander und weniger von Action durch inszenierte Kämpfe, auch wenn zu jedem Showdown durchaus auch eine kriegerische Auseinandersetzung gehört.

Interessant ist auch das zur Kampagne erfundene Kartenspiel, das sicherlich auch zwischendurch für viel Unterhaltung sorgen kann.

Wer sich gerade erst „Finsterland“ zugelegt hat, wird sich sicherlich auf die „Dracolith“-Kampagne freuen, denn sie führt wie keine andere in die Welt, ihre Geheimnisse und Mythen ein, kann durchaus auch Anregung für eigene Abenteuer werden.

Meine Wertung:
4 von 5 Dracolithen

[Rezi] Steam & Magic Feuerspiel

Autor: Cindy Spencer Pape 

Verlag: Heyne 

Erschienen: 05.2012  

Seiten: 352

ISBN: 978-3-453-52990-8  

Preis: € 8,99

 

Der Wilhelm Heyne Verlag bringt mit Steam & Magic Feuerspiel einen Steamfantasy Roman auf den Markt. Das aufwendig gestaltete Softcover mit einer Londoner Straße und dem Bild von Sir Merrick Hadrian, einem der Hauptfiguren der Story, umhüllt die 352 Seiten umfassende Geschichte. Die Kapitel werden stets durch eine kleine Illustration eröffnet welche das Buch aufwerten.

Story:
Sir Merrick Hadrian ein Baronet im London zu Beginn der Industrialisierung ist Ritter im Orden der Tafelrunde, einem Geheimbund der auf die uralten Sagen von König Artus aufbaut. Im Auftrag ihrer Majestät bekämpft der Orden übernatürliche und von Zeit-zu-Zeit auch normale Gefahren. Bei seinem aktuellen Auftrag, das mysteriöse Verschwinden einiger Mädchen aufzuklären, gerät Sir Merrick in eine Falle. Sein Informant wird getötet bevor er ihm den Namen des Drahtziehers nennen kann und die Angreifer entpuppen sich als Vampire. Während Merrick sich nach Kräften wehrt bekommt er unverhofft Hilfe von fünf Straßenkindern. Diese sind wild entschlossen Merrick bei seiner Suche nach den verschollenen Mädchen zu helfen. Als sie die Mädchen schließlich finden und befreien entdeckt Merrick das es sich nicht einfach nur um eine Entführung handelt. Vampire die zusammenarbeiten sind schon selten, aber Menschen die mit Vampire gemeinsame Sachen machen, das gab es noch nie. Bei der Befreiungsaktion erweisen sich die Kinder und Tommy im besonderen als große Hilfe. Der Anführer der Vampire kann zwar entkommen aber Sir Merrick ist entschlossen weitere Nachforschungen anzustellen. Da es Vorerst keine weiteren Spuren zu geben scheint, konzentriert sich Sir Merrick auf den Jungen Tommy der eine deutliche Begabung zur Magie zeigt und bei dem Merrick die Aura eines potentiellen Ritters spürt. Merrick ist fest entschlossen den Jungen zu einem Ritter ausbilden zu lassen, doch dieser will die anderen Kinder nicht sich selbst überlassen. Sir Merrick beschließt die fünf Kinder zu seinen Mündel zu machen und nimmt sie kurzerhand in sein Haus auf. Auf der Straße aufgewachsen fehlen den Kindern die Umgangsformen die sich für Mündel eines adeligen Hauses geziemt, also wird eine Gouvernante für die Kinder gesucht. Nach anfänglichen Zögern erklärt sich Caroline Bristol, eine gute Bekannte von Merricks Tante Dorothy, bereit sich der Kinder anzunehmen. Als zwei der Mädchen während eines Spaziergangs im Zoologischen Garten gezielt angegriffen werden. wird klar, dass die Entführer es nun auf die Kinder abgesehen haben. Caroline, denen die Kinder sehr ans Herz gewachsen sind, beschließt daraufhin Sir Merrick zu unterstützen, selbst wenn dieser es für zu gefährlich hält und ablehnt. Doch Caroline die sich in Merrick verliebt hat, wie er sich ebenfalls in sie, bleibt hartnäckig. Sie erweist sich als eine wertvolle Verbündete die nicht zu unterschätzen ist und ihre eigenen Geheimnisse und Begabungen hat.

Fazit:

Die Geschichte um Sir Merrick und Caroline Bristol, ist interessant und fesselnd. Die Charaktere sind vielschichtig und lebendig. Die anschauliche Erzählweise und die Detailtiefe sorgen dafür das man das Buch nicht aus der Hand legen will bis … – ja bis es zu den Liebesszenen kommt. Werden die „Actionszenen“ im Buch meist auf 3 bis 5 Seiten abgehandelt, so ziehen sich die Liebesakte auf bis zu 10 Seiten hin. Dadurch gewinnt man den Eindruck ein Liebesroman zu lesen, was dem Spannungsbogen abträglich ist und man versucht ist einfach weiterzublättern bis es mit der eigentlichen Geschichte weitergeht. Leider sind im Buch das eine aufs andere mal kleinere Fehler, wie etwa fehlende Buchstaben oder Buchstabendreher. Dies geht zu lasten der Lesefreude.

Wertung:

4 von 5 Punkten

                                                                  von: knoedelchen

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Buchseite beim Verlag

Würfelview – Im Gespräch mit Autorin Ju Honisch

Urheber: Arne Homborg
Urheber: Arne Homborg

Hallo Ju,

es ist jetzt schon einige Zeit her, als ich Deine Lesung von „ Das Obsidianherz“ auf der FeenCon besucht habe. Allerdings ist diese in guter Erinnerung geblieben, war das vorgetragene Lesefutter wirklich sehr gut. Damit die Leser aber auch wissen mit wem sie es hier zu tun haben, stell Dich doch bitte erst mal vor.

Ju Honisch: Ich bin Ju Honisch und schreibe Romane, Kurzgeschichten und Lieder. Ich wohne in Hessen, bin aber in Berlin geboren und in Bayern aufgewachsen. Ich habe Englisch und Geschichte studiert und mache gerne Musik.

Würfelheld: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ju Honisch: Ich habe schon in der Schulzeit geschrieben. In Schulheften haben meine Schulfreundinnen und ich damals heimlich unter der Bank Abenteuergeschichten à la „Fünf Freunde“ zusammengestopselt, bei denen meine Freundinnen und ich selbst die Heldinnen waren. Ich habe die Ergüsse noch – mehrere Bände. Sie fallen unter die Kategorie „Oh Gott, hoffentlich sieht das nie ein Mensch!“

Würfelheld: Was war Deine erste Veröffentlichung?

Ju Honisch: Hm, ich glaube die allerallererste Veröffentlichung war ein witziges Gedicht, das ich bei einem Biergartenbesuch geschrieben habe. Es hieß „Ode an die Breze“ (Breze = bayerisch für Brezel), und mein Vater war davon so begeistert, dass er es an die Innungszeitung des Bäckereihandwerks geschickt hat. Die haben es dann auch prompt abgedruckt. Das klingt peinlich, ist aber dennoch wahr. Und stolz war ich auch – mein Vater war noch viel stolzer. Mein Einstieg in die Lyrik lief über das gute bajuwarische Laugengebäck. Ich war da noch recht jung, aber meine Einstellung zu einer frischen Breze hat sich bis heute nicht geändert. In manchen Dingen muss man sich einfach treu bleiben.

Würfelheld: Kannst Du uns ein wenig zu „Das Obsidianherz“ erzählen. Wie bist Du auf die Idee gekommen? Wie lange hast Du dran gearbeitet? Wie gestaltete sich die Verlagssuche?

Ju Honisch: Beim „Obsidianherz“ kamen mehrere Faktoren zusammen. Ich habe Geschichte studiert und fand das 19. Jahrhundert schon immer interessant, habe auch gerne Romane aus der Zeit gelesen, wobei ich gestehe, dass mich auch gerade die Diskrepanz zwischen tatsächlicher Politik-, Technik- und Sozialgeschichte und der verklärten Version des romantischen Zeitalters gereizt hat.

Mein Freunde und ich fingen Ende der neunziger Jahre an, „Castle Falkenstein“ zu spielen, ein Pen-&-Paper-Rollenspiel, das in einem fiktiven 19. Jahrhundert angesiedelt ist, das unserem lediglich grob ähnlich ist. Das hat mich auf den Gedanken gebracht, ein Phantastik-Abenteuer im „wirklichen“ 19. Jahrhundert zu schreiben – mit dem einzigen Unterschied zu unserer Welt, dass es hier tatsächlich mythische Gestalten gibt, nämlich die Fey. „Das Obsidianherz“ ist fast von allein aus meinem Kopf gefallen. Ein Jahr habe ich für das englische Originalmanuskript gebraucht. Dann noch mal ein paar Monate für meine eigene deutsche Übersetzung.

Die Verlagssuche gestaltete sich schwierig, da der Begriff „Steampunk“ damals noch so neu war, dass die deutschen Verlage ihn schlichtweg nicht kannten. Man erklärte mir, dass sich NIE jemand für Fantasy interessieren würde, die im 19. Jahrhundert spiele und in der keine schwertschwingenden Helden sich durch mittelerd-ähnliche Landschaften prügeln würden. Deutsche Verlage schwimmen dem Zeitgeist bisweilen auf Distanz hinterher.

Würfelheld: Außer „Das Obsidianherz“ sind ja noch die beiden Bände „Salzträume“ von Dir erschienen. Bitte erzähl uns auch hier was dazu.

Ju Honisch: „Salzträume“ spielt in den Alpen, und zwar im Ausseer Land. Ich war dort mal als Kind in den Ferien und fand damals die Landschaft damals schon so märchenhaft – in jedem Sinn des Wortes – dass ich fand, es müsste dort ein Buch spielen. Seither war ich zur Recherche öfter da und finde es immer noch zauberhaft dort.

„Salzträume“ spielt im gleichen Jahr wie das „Obsidianherz“ und hat auch zum Teil die gleichen handelnden Personen. Es geht hier um einen skrupellosen Erfinder mit Unterstützung eines Magiewissenschaftlers eine schreckliche Waffe entwickelt. Die Maschine soll magische Energie in militärische Zerstörungskraft umwandeln. Dazu wurde die Jagd auf die mythischen Fey freigegeben, deren Lebenskraft die Waffe antreiben soll. Die Heldin, eine junge Frau mit Mut und Prinzipien, befreit einen Feyon aus der Gefangenschaft der Verschwörer, wodurch sie selbst zur Gejagten wird. Als sie auf der gemeinsamen Flucht im Berg eingeschlossen werden, muss sie feststellen, dass ihr Begleiter nicht so harmlos und nett ist wie gedacht. Übrigens gibt es noch ein weiteres Buch, das an „Salzträume“ anschließt: „Jenseits des Karussells“. Es hat es beim letzten Deutschen Phantastik Preis immerhin auf den dritten Platz geschafft.

Würfelheld: Gab es bei den beiden Bänden eine besondere Herausforderung für Dich?

Ju Honisch: „Das Obsidianherz“ war mein erster langer Roman. Ich war selbst erstaunt, was da auf einmal rauskam. Ich hatte eigentlich vorgehabt, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Aber mit über 800 Seiten konnte man das Buch nicht mehr gut so nennen. Es hat komplett ein Eigenleben entwickelt. Ich musste manchmal richtig streng eingreifen, wenn die Helden sich einfach selbstständig machen wollten. Bei „Salzträume“ war das Schwierigste, die Zeitabläufe der verschiedenen Handlungsstränge genau zu koordinieren. Ich hatte einen genauen Stundenplan in Excel, in dem stundenweise vermerkt war, wer gerade wo war und was tat.

Würfelheld: Was erwartet uns 2012 / Anfang 2013 von Dir?

Ju Honisch: Dieses Jahr erscheinen noch zwei, vielleicht sogar drei Kurzgeschichten von mir. Nächstes Jahr ein Roman, der bei HEYNE veröffentlicht wird und zu dem ich noch nichts weiter sagen darf, außer dass es diesmal kein „Steampunk“ ist. Ein weiteres Steampunkbuch (Folgeband von „Jenseits des Karussells“) wird gerade von einem Verlag geprüft. Da nehme ich gedrückte Daumen gerne entgegen. Und noch ein weiterer Roman mit einer Dimensionsreise-Thematik ist auch noch in der Pipeline.

Würfelheld: Welche Thematik reizt Dich zurzeit, für ein Buchprojekt am meisten?

Ju Honisch: Urban Fantasy ist immer noch das, was mich am meisten reizt. Damit meine ich handelnde Personen aus unserer Welt, die sich plötzlich mit Aspekten der tatsächlich existierenden Phantastik herumschlagen müssen. Die Diskrepanz zwischen dem, was wir für möglich und was wir für absolut nicht möglich halten, ist für mich immer ein wichtiges Spannungselement. Ein reines High-Fantasybuch wäre weniger „my cup of tea“. Das gilt fürs Schreiben genauso wie fürs Lesen.

Würfelheld: Welche Erfahrungen hast Du bei der Verlagssuche gemacht? Könntest Du Dir in Zukunft auch vorstellen ein Werk von Dir über Crowdfunding zu realisieren und wie stehst Du diesem gegenüber?

Ju Honisch: Verlagssuche ist schwierig für jeden, der noch nicht bekannt ist, und wird später nicht wesentlich leichter. Ohne Agenten geht fast gar nichts mehr. Ich bin inzwischen in der glücklichen Lage, einen guten Agenten zu haben. Die Buchbranche ist eine schwierige Branche, umso mehr als ein Buch ja kein hochpreisiges Objekt ist, also nur durch die Masse der Verkäufe Gewinne machen kann. Diese Masse kann man aber nur mit sehr viel Marketing erreichen. Crowdfunding erreicht meines Erachtens immer nur eine sehr, sehr kleine Gruppe Eingeweihter, die sich intensiv mit einem Genre befassen. Diese Gruppe ist aber letztlich viel zu klein, um ein Buch aus der Obskurität des reinen Insider-Tipps herauszuholen. Man hat mir eine Crowdfunding-Veröffentlichung mal angeboten. Ich habe sie aber nicht angenommen.

Würfelheld: So nun kommt das „Splash and Dash“. Es ist zum guten Ton geworden, dass ich am Ende ein paar kurze Fragen, mit der Bitte um kurze Antworten, stelle.

Ju Honisch: Immer zu.

Würfelheld: Dein schriftstellerisches Vorbild?

Ju Honisch: Ich habe mehr als eins. Terry Pratchett, Tanya Huff, Lois McMaster Bujolt, Flann O’Brien, Saki H.H. Munro. Und viele mehr. Die Welt ist voller toller Schriftsteller, die mir ein Vorbild sind. Die Welt hat natürlich auch abschreckende Beispiele zu offerieren, die ich aber nicht erwähne.

Würfelheld: Hast Du Schreibrituale?

Ju Honisch: Nein. Ich habe viel zu wenig Zeit für Schreibrituale. Ich schreibe abends und am Wochenende, weil ich ansonsten meinem Brötchenjob nachgehe. Ich höre KEINE Musik beim Schreiben, habe keinen Tee, Kaffee, Whiskey oder Cocktail mit Schirmchen neben der Tastatur stehen.

Würfelheld: Deine Lieblings-Kurzgeschichte?

Ju Honisch: Eine Geschichte von Stanislaw Lem aus den Sterntagebüchern. Die elfte Reise.

Würfelheld: Welches Buch liest Du zur Zeit?

Ju Honisch: Tony Hawks „Round Ireland with a Fridge“ – der Tatsachenbericht eines Mannes, der eine Wette verloren hat und nun per Anhalter um ganz Irland fahren muss, während er einen Kühlschrank dabei hat.

Würfelheld: Hörbücher sind?

Ju Honisch: … störend beim Autofahren. Aber eine tolle Sache für alle Leute, die sich nicht so leicht von gesprochenem Text ablenken lassen wie ich.

Würfelheld: Vielen Dank das Du Dir die Zeit genommen hast. Die letzten Worte gehören Dir.

Ju Honisch: Vielen Dank für Dein Interesse. Als letzte Worte würde ich Deinen Lesern gerne ein paar Infos mit auf den Weg geben, unter dem Motto „Schaut doch mal rein!“ Ich versuche immer, interessierte Leser so einigermaßen auf dem Laufenden zu halten.#

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