DIE STEAMPUNK-CHRONIKEN auf die Ohren – hier die ersten beiden Episoden

Die Anthologie „Steampunk Chroniken“, herausgegeben von Stefan Holzhauer, werden nun nach und nach vertont und unters Volk gebracht. Ein schönes Projekt, daher anbei schon einma die beiden ersten Teile, welche man sich nun in die Gehörgänge jagen kann.

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[Rezension] Dampfmaschinen und Rauchende Colts

Herausgeber: Stefan Cernohuby & Wolfgang Schroeder
Verlag: Verlag Torsten Low
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 262
Erschienen: Oktober 2014
ISBN: 978-3-940036-27-8
Preis: € 13,90

von: Moritz

Mal wieder ’ne Kurzgeschichten-Anthologie. So fürchterlich stehe ich ja nicht darauf, aber einige Perlen entdeckt man doch immer wieder – also ran an den Speck!

Klappentext:
Wir schreiben das Jahr 1876. Die gewaltige Kraft des Dampfes hat die Welt erobert und sie durch ihre Errungenschaften ein wenig kleiner werden lassen. Dampfbetriebene Schnellboote durchqueren die sieben Weltmeere. Riesige Luftschiffe verdunkeln den Himmel über den Städten. Täglich werden die Grenzen des Machbaren erneut ausgelotet und erweitert. Inmitten der kargen Einöde des mittleren Westens ist ein amerikanischer Wissenschaftler dabei, die vorhersehbaren Energieprobleme der Zukunft zu lösen. Doch er wird beobachtet. Und als die Gelegenheit günstig erscheint, bringen Spione des russischen Zaren den Wissenschaftler und seine Maschine in ihre Gewalt. Eine Entführung, die eine ganze Kette von Ereignissen in Gang setzt … Folgen Sie den Spuren der Entführer und begleiten Sie deren Verfolger quer durch den Wilden Westen auf ihrem Weg in Richtung Ozean. Erleben Sie Gewalt, Verzweiflung, Schießereien und jede Menge Steampunk-Flair. Frei nach dem Motto: „Mit Volldampf gen Westen!“

Inhalt: Nebel über der Oakland Bay – Chris Schlicht … und die Welt zu meinen Füßen – Wolfgang Schroeder Die Crew der Washington – Andrea Bottlinger Ein ganz normaler Auftrag – Gerd Scherm Totentanz – Sean O’Connell Pier 49 – Andreas Zwengel Die Fahrt nach Topeka – Gerd Scherm Sea – Claudia Toman & Philipp Bobrowski Entführt – Gerd Scherm Für eine Handvoll Steam – Vincent Voss Craters of the moon – Michael Wozonig Queen Victoria auf der Rinderzucht – Marco Ansing Zwei Seiten einer Medaille – Stefan Cernohuby

Zum Inhalt:
Tja, was soll ich sagen? Ich war nach den ersten beiden Kurzgeschichten total geplättet. Da war wenig mit Western, fast ebenso wenig mit Steampunk oder wenigstens Dampfmaschinen. Die Geschichten waren haarscharf am Thema vorbei und was noch schlimmer war, sie waren irgendwie nicht richtig abgeschlossen und vom Aufbau her nicht einmal „echte“ Kurzgeschichten.

Gut, dass ich die Sammlung nicht in die Ecke geworfen habe, denn im Verlauf der dritten Geschichte kapierte ich langsam, dass sich die Kurzgeschichten zu einer Gesamtkomposition fügen sollten – die ersten beiden mussten also nicht gewaltig rocken, sie bildeten eher eine Art Exposé, einen Aufgalopp zu dem, was mich noch erwartete. So entwickelte sich langsam eine leicht angesteampunkte Spionagegeschichte mit Russen, die es darauf abgesehen haben, eine neuartige Energiequelle vom Boden der Vereinigten Staaten zu stehlen und gleich noch den Erfinder mit einzukassieren. Diesem Unternehmen stellen sich die unterschiedlichsten Gestalten in den Weg, die größtenteils hart an der Grenze der Absurdität wandeln, aber gerade dadurch wirklich unterhaltsam sind.
Die Gelenkstellen zwischen den einzelnen Geschichten knarrzen mal mehr und mal weniger, aber insgesamt entsteht wirklich eine kohärente Erzählung, nicht direkt „tight“, wie wir Berufsjugendlichen sagen, aber doch immerhin mit genügend Bindung, dass der Leser nie den Überblick verliert.

Mein Fazit:
Klasse! Nach ursprünglichem Schock ob der vermeintlichen Trötnasigkeit der ersten beiden Geschichten habe ich kapiert, dass die Geschichten zusammenhängen und dann hat es so richtig Spaß gemacht! Gefällt mir super das Konzept einen Roman von unterschiedlichen Autoren verfassen zu lassen und an den Lücken fallen zwar Ecken und Kanten auf, aber vom Schriftstil her ist die ganze Kiste dann doch einheitlicher, als ich gedacht hätte. Gute Arbeit – so darf es im Verlag Torsten Low gerne weitermachen!

Meine Wertung:
4 von 5 russische Ränkespiele

[Rezi] Der Auserwählte „Tír na nÓg Band 1“

Autor: Sean O`Connell

Verlag: Acabus Verlag

Seiten: 230 Seiten, broschiert

Veröffentlichung: 11/2011

ISBN 13: 978-3862820399

Preis: 13,90 €

von: Jürgen Egisser / FictionFantasy.de

Vor etwa tausend Jahren kam die große Katastrophe „To mega Therion“ über die Menscheit. Das von den alten Griechen so genannte „Große Tier“ veränderte alles, zerstörte alles und hinterlies nichts so, wie es einmal war. Eben diese tausend Jahre später trifft der Meister der Bruderschaft der Archivare Aki auf seinen neuen Schüler Cornelis. Dieser hat erst sehr kurze Zeit zuvor erfahren, das er als Schüler auserwählt wurde und von nun an Aki auf dessen rästelhaften Reisen begleiten soll. Begeistert ist Cornelis nicht, aber er fügt sich seinem Schicksal. Was er nicht weiß und erst später nur Stück für Stück erfährt: Aki hat von der obersten Führung der Bruderschaft den Auftrag bekommen, die Geheimnisse der Insel Tír na nÓg zu erforschen. Dort soll das „Große Tier“ gefangen sein und auf seine Befreiung warten. Denn dieses wird von der Bruderschaft für die vergangene Katastrophe verantwortlich gemacht, nicht irgendwelche Raum-Zeit-Anormalien, wie ein seit einiger Zeit kursierendes Gerücht besagt, hätten die Welt ins Verderben gestürzt. Diesen Zwiespalt innerhalb der Bruderschaft soll Aki mit seiner Expedition beenden und die weitere Existenz der Archivare auf ein stabiles Fundament stellen.

Doch in Wahrheit ist die Welt ganz anders beschaffen, als man es sich auch in den Tiefen der sonst allwissenden Archivaren hätte vorstellen können. Aki und Cornelis geraten schnell in einen Sog aus Intrigen, Machthunger und Kriegsvorbereitungen. Dabei kommen sie der Wahrheit über die Geschichte der Welt immer näher -und werden sich immer unsicherer, ob sie diese auch schlussendlich erfahren wollen. Denn nicht nur die Menschen bedrohen den Frieden, auch furchterregende Wesen aus anderen Dimensionen, unsterbliche Alte und eine ganze Reihe sehr fantastischer Kreaturen verwandeln die Nord- und Südlande in einen wahren Hexenkessel. Mittendrin: ein immer sympatischer Aki und sein leicht verwirrter Schüler.

Sean O´Connell mischt in diesem Roman alles zusammen, was nicht bei drei auf den literarischen Bäumen war. Steampunk, Fantasy, Dystopie, Abenteuerroman, dazu eine klassische Quest, die aus einem High Fantasy Roman stammen könnte. Zahlreiche Anleihen aus klassischen Romanen des Genres erkennt der belesene Phantastikfreund, auch damit hat O´Connell – Absicht oder nicht – der Komplexität noch eines draufgesetzt.
Aber was für eine Frechheit hat sich dieser Autor geleistet? Da mischt er wie ein besessener Genres zusammen, baut sich facettenreiche Charaktere, die man nach wenigen Sätzen schon vereinnahmt, schreibt das ganze in einer erzählerischen Wucht darnieder, die voller nützlicher und sinnvoll verwendeter Ausschmückungen wimmelt – und es passt alles zusammen! Der Roman liest sich wie ein fantastisches Abendessen beim Italiener. Mit größter Freude habe ich ein Buch eines Autors bekommen, das ich mit Begeisterung gelesen habe. Spannung, Leidenschaft, erzählerische Freude – all das findet man in diesem Roman reichlich. Allein die kunterbunte Welt, die Sean O´Connell erschafft: Da tauchen nicht nur rumpelnde Raupenketten-Omnibusse und hochtechnische Zivilisationen auf. An H.G. Wells Zeitmaschine erinnernde „Waldkinder“, düstere dämonenartige Wesen aus einer völlig andersartigen Dimension oder aus modernen Spieleszenarien bekannte Mischwesen aus Mensch und Tier bevölkern diese Welt zudem.

Dazu kommt noch als Antriebsfeder für die Geschichte die wohl größten Motivationen, die man sich vorstellen kann: Neugierde – was denn hinter Tír na nÓg und der geheimnisvollen Geschichte der Welt steckt, Machthunger und Eroberungswillen und als letztes noch der Wille, Unsterblichkeit zu erlangen. Hier flechtet Seasn O´Connell auch noch weitere Zeitebenen ein, um dem Leser die Hintergründe seiner Welt näher zu bringen.

Der erste Band von „Tír na nÓg“ ist viel zu kurz geraten, es dauert viel zu lange bis Band 2 erscheint und ich werde dem ersten Roman von Sean O´Connell einen Ehrenplatz ganz vorne in meinen Bücherregal zuweisen. Zum angeben. Weils so gut ist!