[Rezension] Mr. Mercedes

Autor: Stephen King
Verlag: Heyne Verlag
Format: Hardcover mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 592
Erschienen: 2014
ISBN 13: 978-3-453-26941-5
Preis: € 22,90

von: Moritz

Och nö, Stephen King! Von dem habe ich zuletzt halbwegs erfreut „Es“ gelesen, seine Fantasy-Sachen der 90er fand ich total fad und habe ihn eigentlich als Autor komplett abgeschrieben, aber wenn der Kerl schon auf meinem Rezistapel landet, dann mache ich auch das beste draus…

Klappentext:
Eine wirtschaftlich geplagte Großstadt im Mittleren Westen der USA. In den frühen Morgenstunden haben sich auf dem Parkplatz vor der Stadthalle Hunderte verzweifelte Arbeitsuchende eingefunden. Jeder will der Erste sein, wenn die Jobbörse ihre Tore öffnet. Im Morgendunst blendet ein Autofahrer auf. Ohne Vorwarnung pflügt er mit einem gestohlenen Mercedes durch die wartende Menge, setzt zurück und nimmt erneut Anlauf. Es gibt viele Tote und Verletzte. Der Mörder entkommt. Noch Monate später quält den inzwischen pensionierten Detective Bill Hodges, dass er den Fall des Mercedes-Killers nicht aufklären konnte. Auf einmal bekommt er Post von jemand, der sich selbst der Tat bezichtigt und ein noch diabolischeres Verbrechen ankündigt. Hodges erwacht aus seiner Rentnerlethargie. Im Verein mit ein paar merkwürdigen Verbündeten setzt er alles daran, den geisteskranken Killer zu stoppen. Aber der ist seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus.

Zum Inhalt:
Der Roman beginnt furios mit einem in eine Menge Arbeitssuchender rasenden Mercedes – interessanterweise aus der Sicht eines der zukünftigen Opfer erzählt. Ein gelungener Schachzug und ein abrupter Bruch zum weiteren Thriller.
Dieser spielt dann einige Zeit später; der „Mercedes-Killer“ schickt einen Brief an den damals in den Fall eingebundenen Ermittler, Bill Hodges. Dieser ist mittlerweile pensioniert, ausgebrannt und schwebt irgendwo zwischen einem eintönigen unerfüllten Leben und dem Tod durch einen Revolver, den er immer griffbereit hat und sich des Öfteren versuchsweise in den Mund steckt. Der Brief verfolgt den Plan, den Ex-Cop zum Selbstmord zu treiben, erreicht aber genau das Gegenteil. Unterstützt von Jerome, einem 17jährigen farbigen Cleverle, der ihm den Rasen mäht und der Schwester der Besitzerin des gestohlenen Mercedes, Janey, sowie später ihrer brutal durchgeknallten Nichte (Mein Gott, ich bin so schlecht mit Verwandtschaftsverhältnissen.) Holly ermittelt rollt er den Fall neu auf und kommt dem Mörder immer näher.
Als besonders schicken Kniff entwickelt sich die Story von beiden Seiten her. Neben der Ermittlerseite erzählt King parallel das Geschehen aus der Sicht des Mörders, Brady Hartsfield. So erfahren wir immer weitere Hintergründe über ihn und sein Leben und erleben aus erster Hand in welch großer Gefahr Bill Hodges und seine Mitstreiter sich permanent befinden. Diese Variante, eine latente und immer konkreter werdende Bedrohung aufzubauen, hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Beide Erzählstränge nähern sich einander immer mehr an, bis es zu einem großen Showdown kommt, der dann leider weniger überraschend abläuft, als es sich der erfahrene Thrillerleser wünscht. Falls ihr euch fragt, wo mein fünfter Bewertungspunkt gelandet ist – genau hier. Da wäre am Ende noch deutlich mehr gegangen, da ist King leider nicht aus der Thriller-Autoren-Komfortzone gegangen.

Schicker Clou am Ende – es ist nicht so ganz klar, ob das Böse tatsächlich endgültig besiegt wurde. Winkt da etwa eine Fortsetzung am Horizont?

Mein Fazit:
Gibt’s ja nicht! Ich habe wirklich jede einzelne Seite gerne gelesen. Sieht ganz so aus, als hätte King ein echtes Händchen für einfache, geradeaus (wenn auch minimal vom Aufbau her stereotyp anmutende) erzählte Thriller. Warum hat er nicht schon 30 Jahre früher damit angefangen.
Wer ein schönes Kräftemessen zwischen einem abgewrackten Ex-Cop und einem komplett durchgeknallten Amokläufer erleben will, der ist hier genau richtig aufgehoben. Dazu noch ein paar interessante Nebenfiguren, überraschende Wendungen – Herz, was willst du mehr?

Meine Wertung:
4 von 5 Boygroup-Konzerte

[Rezension] Tödlicher Auftrag

Autor: Joe Haldeman
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: broschiert
Seitenzahl: 300
Erschienen: Feb. 2014
ISBN 13: 978-3939212454
Preis: € 12,95

von: Würfelheld

Haldeman, ja der sagt mir etwas. Habe vor langer Zeit mal sein Werk „Der ewige Krieg“ gelesen. Außerdem hat das Cover von diesem Werk irgendwie so ein Touch von etwas älteren und sehr wahrscheinlich meistens eingestaubten Shooter Klassiker wie etwas „Spec Ops“. Also Buch in die Hand, Deckel beiseite geklappt und die Nase reingesteckt.

Klappentext:
Jack Delay, ehemaliger Scharfschütze der US Armee, erhält ein sonderbare Lieferung: Im Paket sind ein Scharfschützengewehr samt Munition und ein paar Tausend Dollar in bar als „Anzahlung“. Der anonyme Absender verspricht noch mehr Geld. Delay soll dafür einen Mann töten. Was Delay zunächst für einen skurrilen Scherz hält wird schnell bitterer Ernst. Bald wird Jack Delay selbst zur Zielscheibe und muss sich entscheiden. Eine atemlose Hetzjagd auf Leben und Tod beginnt…

Zum Inhalt:
Nachdem Jack Delay schwer verwundet wird, muss er aus dem Aktiven Dienst der US Army, als Scharfschütze, ausscheiden. Er schlägt sich seit diesem Ereignis so durchs Leben, denn mit seiner Invalidenrente kann er sich keine großen Sprünge leisten und so beschließt er sich mal als Schriftsteller zu versuchen. Eines Tages erhält er durch seine Agentin ein, für seine momentanen Verhältnisse, unfassbares Angebot. Er soll einen Rohentwurf eines Horrorromans erstellen, wofür er 50.000 Dollar bekommen soll. Ohne lange zu überlegen sagt Jack zu.

Jack macht sich frisch ans Werk, ohne wirklich zu wissen, worauf er sich da eingelassen hat. Nachdem er einige Kapitel fertig gestellt hat, erhält er Post, welche einen Einblick in die sich anbahnende Zukunft erlaubt. Im Paket sind ein Scharfschützengewehr, passende Munition und Unterlagen zu Jacks nächstem Hit enthalten. Außerdem findet Jack eine eindeutige Botschaft, sollte er den Hit nicht durchführen, stirbt seine Lebensgefährtin Kit.

Jack offenbart sich Kit und die beiden beschließen ihrem Leben eine neue Richtung zu geben, sprich sie fliehen vor den Wahnsinn. Allerdings werden die Beiden schnell wieder aufgefunden und der Wahnsinn geht weiter. Eine wahre Hetzjagd, ohne Rücksicht auf Verluste, nimmt ihren lauf.

Mein Fazit:
Joe Haldeman zeigt mit „Tödlicher Auftrag“ das er weiß wovon er spricht und kann hier auch seine eigenen Vergangenheit einfließen lassen. Das merkt man auch, denn es ist kein Überhang zur Übertreibung oder Ex-Supersoldaten vorhanden. Die Protagonisten haben mich überzeugt und wirkten weder gezwungen noch gekünstelt.

Für mich zwar nicht neu, aber trotzdem erstklassig umgesetzt, finde ich die Perspektivwechsel. man könnte sogar sagen, Haldeman hat zwei Bücher erschaffen. So hat man als erstes die Jack-Perspektive und zum anderen die Horrorroman-Perspektive, die auf gelungene Art und Weise verschmelzen.

Das Ende von „Tödlicher Auftrag“ kommt etwas schnell um die Ecke, allerdings ist zu diesem Zeitpunkt alles gesagt und so bin ich mit einem Lächeln auf den Lippen aus diesem Werk ausgestiegen. Ich freue mich schon auf den nächsten Haldeman.

Meine Wertung:
4 von 5 Scharfschützen