[Rezension] Am Ende der Welt (Graues Land III)

Autor: Michael Dissieux
Verlag: Luzifer-Verlag
Reihe: Graues Land
Format: Klappbroschur, 257 Seiten
Erschienen: 2012
ISBN: 978-3-95835-000-7

von: Moritz

Ha! Nach den kleinen bis mittelschweren Zombie-Werwolfproblemen in den ersten beiden Bänden nähern wir uns nun tatsächlich dem Ende der Welt! Mal sehen, wie das aussehen wird…

Klappentext:
7 Jahre später … 7 Jahre nach Mayfield … Die Welt ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, eine stille Hülle, ein Relikt … Wenige Menschen wandeln über diesen unendlichen, von Gott verlassenen Friedhof, noch weniger sind bei klarem Verstand. Das Leben hat seine Werte verloren. Hoffnung ist ein bitteres Wort, bedeutungslos. Daryll ist einer der Überlebenden. Ein Gestrandeter, gezeichnet von Hunger und Furcht. Dennoch sucht er weiter. Er sucht eine Bedeutung in all dieser Sinnlosigkeit … Auf seiner einsamen Reise durch diese verheerte Welt macht er seltsame Bekanntschaften und muss einer schrecklichen Wahrheit ins Auge sehen.

Die Story:
Darryl bleibt wie schon im mittleren Band der Trilogie der Hauptprotagonist, um den sich das gesamte Geschehen dreht. Die Welt hat weitere 7 Jahre auf dem Buckel und die Story des Abschlussbandes ist schnell zusammengefasst. Es geht um das „Mensch sein“. Will man den Inhalt etwas umfassender beschreiben, so lässt sich sagen, dass Darryl seinen Platz in der neuen Welt sucht und um ihn herum immer mal wieder „gute“ und „böse“ Menschen auftauchen – sogar spannenderweise solche aus vorhergehenden Bänden – und mal länger und mal kürzer in seinem Gravitationsfeld bleiben, bis ihr Dasein auf der sterbenden Erde auf die eine oder andere Art und Weise ein Ende findet. Endlich ist auch mal der Titel so richtig gut gewählt, denn gemeinsam mit Darryl stellen wir uns die Frage, was und denn nun am Ende der Welt erwartet. Zuerst vor allem bildlich gesprochen, aber gegen Ende des Romans auch ganz simpel örtlich betrachtet.

Das Setting:
Ähnlich wie in Band 1 haben wir es hier wieder fast mit einem Kammerspiel zu tun, nachdem Darryl 7 Jahre lang gereist ist, findet er nun in der Schule eines kleinen Dörfchens eine Zuflucht. Neben dem Dörfchen spielt nur noch ein kleines abseits gelegenes Herrenhaus eine Rolle – das war es im Großen und Ganzen auch schon an Schauplätzen.
Die Stärken des Autors werden auch hier wieder ausgespielt und träge, ja fast schon lakonisch erzählt, entdecken wir gemeinsam mit dem Protagonisten die düstere, ihre Menschlichkeit immer weiter abstreifende Welt. Als Kontrapunkt werden immer wieder kurze Gewaltausbrüche eingestreut, was dann als anderes Extrem dazu dient, die Welt so darzustellen, wie Michael Dissieux sie uns vorstellen möchte.

Die Charaktere:
Puh! Ich will nicht zu viel verraten, aber Darryl ist von der Persönlichkeit her immer noch so wie wir ihn aus dem zweiten Teil der Trilogie kennen, wobei er natürlich älter, reifer und wohl auch desillusionierter geworden ist – wenn ich kurz darüber nachdenke, erinnert er mich mittlerweile etwas an Harvey, die Hauptperson des ersten Bandes. Wozu auch die Parallele passen würde, dass beide „bis zum Ende“ liebevoll eine dahinsiechende Frau pflegen, die diese Pflege vermutlich gar nicht zu würdigen weiß.
Die ganzen „Bösen“, die wir antreffen, sind allesamt austauschbar und nur die beiden Mosesse (kann man das so schreiben…?) und Jim, der direkt zu Beginn verstirbt, lassen einen noch an das „Gute im Menschen“ glauben, während interessanterweise Mike, mit dem Darryl am Ende des Romans zum „Ende der Welt“ loszieht, als „die neue Generation“ gar nicht mehr in den Kategorien „gut“ und „böse“ zu messen ist. Da lässt sich unschwer ablesen, wie sich der Autor die Zukunft der Menschheit in einer solchen Situation vorstellt und welche „Qualitäten“ ein Mensch besitzen müsste, um in einer solchen Situation zu überleben.

Mein Fazit:
Erneut ein gut geschriebener, sprachlich dem Genre entsprechend schön reduzierter, Roman, den man wirklich gut an einem trüben Herbstabend lesen kann. Die Thematik ist etwas anders als die der ersten beiden Teile, denn mittlerweile verblasst die Bedrohung durch die untoten Kreaturen und wird durch die Bedrohung durch die letzten verbliebenen Menschen ersetzt, aber das ist nur das konsequente Weiterentwicklung der Grundidee und gefällt mir ausgesprochen gut.
Das Ende ist zwar irgendwie „unbefriedigend“ und es riecht etwas danach, als sollte es nicht nur bei einer Trilogie bleiben, aber so schlimm ist das ja nicht, ich würde glatt noch einen vierten Teil durchhalten…

Meine Wertung:
4 von 5 in den Sonnenuntergang marschierende Zombies

[Rezension] Die Schreie der Toten (Graues Land II)

Autor: Michael Dissieux
Verlag: Luzifer-Verlag
Reihe: Graues Land
Format: Klappbroschur, 280 Seiten
Erschienen: 2012
ISBN: 978-3-943408-08-9

von: Moritz

Ich fräse mich gerade durch die Zombiekalypse-Trilogie. Geht flott, lässt sich gut runterlesen!

Klappentext:
Der dreizehnjährige Daryll hat zwei Wochen in einer postapokalyptischen Welt überlebt. Zusammen mit der kleinen Mary Jane machte er sich das Leben so angenehm wie es die Umstände zuließen. Als das Mädchen eines Tages von einer höllischen Kreatur angefallen wird und kurz darauf verschwindet, beschließt Daryll seine Heimatstadt zu verlassen.
Auf seiner Reise trifft er auf andere Überlebende, wie etwa Murphy, einen alten, kauzigen Mann, die zwölfjährige Demi und Wulf, einen Biker, den der Verlust seiner Familie zu zerreißen droht. Sie alle merken schnell, dass sie die Gefahren, die diese tote, nahezu entvölkerte Welt für sie bereithält, nur gemeinsam bestehen können. Und so beschließen sie, eine Militärbasis an der Küste aufzusuchen, in der Hoffnung auf Hilfe und medizinische Versorgung. Als sie nach einer gefährlichen und aufrüttelnden Reise die Basis erreichen, wird der Gruppe auf brutale Weise vor Augen geführt, dass die Welt sich weitergedreht hat.
Und dann ist da noch Meg, das Mädchen von der Straße, das die Schreie der Toten hören kann …

Die Story:
Die teils schon aus Band 1 bekannten Überlebenden der Zombiekalypse machen sich auf die Suche nach „Zivilisation“ und erreichen nach einem Umweg über eine Militärstation „New Eden“, wo sie erstmals seit Ausbruch der Seuche wieder ein Gefühl von Sicherheit genießen können. Es gibt warmes Essen, Liebe, Mauern zum Schutz vor den Untoten…

Doch auch diese Sicherheit ist ebenso trügerisch wie hart erkauft und schnell stellt sich heraus, dass nicht alles so „paradiesisch“ ist, wie es scheint. Für mich als Religionslehrer ganz interessant, ist die Tatsache, dass sich die handelnden Personen Gedanken um die Existenz von Gott machen und dass Fragen gestellt werden, inwiefern und vor allem wie menschliche Wesen mit solchen Schicksalsschlägen umgehen können. Auch die Frage inwieweit der Mensch Gott spielen darf, wird zumindest kurz angeschnitten. Viele interessante Fragestellungen, dafür, dass man in dem Genre sonst eher spritzendes Blut und herausquellende Gedärme (macht euch keine Sorgen, die gibt es auch) erwartet.

Wie schon Band 1 endet auch dieser Nachfolger mit einem ziemlichen Kracher! Lasst euch überraschen!

Das Setting:
Wir befinden uns immer noch in der Umgebung von Devon, aber in diesem Teil der Reihe lernen wir etwas mehr von der Welt kennen – und zwar die Militärbasis Stonington und eine menschliche Enklave in der ansonsten zerstörten Stadt Mayfield.

Ich habe übrigens nach meiner geographischen Verwirrung in Teil 1 etwas recherchiert und festgestellt, dass sowohl Devon, als auch Stonington und Mayfield in Pennsylvania zu finden sind, aber Stonington soll am Meer liegen, das tut zumindest das, was ich gefunden habe, nicht. Allerdings wären all diese Orte von Boston aus per Hubschrauber bequem zu erreichen, ich vermute also, dass ich auf der richtigen Fährte sein könnte.

Die Schilderung des Hintergrundes ist genreüblich schön düster, da gibt es echt nix zu bemängeln.

Die Charaktere:
Wie schon aus Band 1 gewohnt, sollte der Leser sich auch hier nicht unbedingt emotional an bestimmte Charaktere binden, denn wenn es schlecht läuft, sind die schneller wieder aus der Narration „verschwunden“, als man nur Zombie-Biss sagen kann.
Nach Band 1 waren die ersten Helden, auf die man trifft doch eher überraschend. Ich hatte das Ende so gedeutet, dass Harv und sein Sohn überlebt haben würden, und Demi und Murphy ins Gras gebissen hätten – dem ist aber nicht so und so werden, nachdem man den Jugendlichen Darryl und seinen Hintergrund kennen gelernt hat, Murphy und Demi eingeführt. Zu diesem Trio trifft noch der Mann Wulf und gemeinsam macht man sich auf die Suche nach weiteren Überlebenden und nach Sicherheit.
Ziemlich rasch treffen die Überlebenden auch auf eine kleine menschlich bewohnte Enklave „New Eden“, aber über die dort lebenden Personen möchte ich hier nicht viel verraten, lest einfach selber…

Die Personen sind in Band 2 der Trilogie nicht mehr ganz so schablonenhaft und als Leser fängt man fast an, etwas für sie zu empfinden, gerade das Verhältnis von Wulf zu Darryl und von Darrly zu Demi sind hier ganz interessant und es finden nun tatsächlich Entwicklungen statt. Topp!

Meg, die laut Verlagsinfo bei der Betitelung des Buches eine wichtige Rolle spielt, kommt übrigens irgendwie zu kurz – erst steht sie nur katatonisch in der Gegend rum, dann hat sie einen kurzen klaren Moment und erzählt ihre Geschichte und dann ist sie auch schon wieder tot. (Aber wer weiß – vielleicht ist das wieder nur eine Nebelkerze und wir treffen sie im Abschlussband der Trilogie wieder an?)

Mein Fazit:
*träller* „Ein Hoch auf unsern Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer…“ *träller*
Schön. Es wird. Orte und Handlung sind gewohnt gut – auch die Personenzeichnung zieht da an Qualität langsam nach. Wenn Band 3 jetzt noch einen draufsetzt, hat sich die Lektüre amtlich gelohnt! Dann lege ich doch mal schnell los…

Meine Wertung:
4 von 5 freundliche Busfahrer

[Rezension] Graues Land I

Autor: Michael Dissieux
Verlag: LUZIFER-Verlag
Reihe: Graues Land-Trilogie
Format: Klappbroschur, 271 Seiten
Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-943408-03-4

von: Moritz

Aha. Mal wieder eine Zombiekalypse – die Teile sind ja derzeit ordentlich in Mode und ich habe zuletzt zwei weitere aus deutschen Landen vor der Rezensionsflinte gehabt, wie den zweiten Teil der Sigel-Chroniken von Andy Schnell  und den ersten Teil der Totes Land-Reihe – beide beim Mantikore-Verlag erschienen.

Fairerweise muss man natürlich zugeben, dass der hier gecheckte Herr Dissieux die Nase zeitlich schonmal ein gutes Stück vorne hat…

Klappentext:
Harvey und Sarah führen ein glückliches, ruhiges Leben in den Bergen. Als Sarah erkrankt, kümmert sich der alte Harv liebevoll um seine Ehefrau. Doch eines Tages hat sich etwas geändert in der Welt da draussen. Es beginnt damit, dass die Fernsehsender kein Programm mehr ausstrahlen, dann fällt die Stromversorgung aus, auch das Telefon verstummt. Ein grauer Schleier umhüllt das Land. Eine trügerische Stille liegt über den Feldern, über dem Haus. Des Nachts glaubt Harvey, Kreaturen ums Haus schleichen zu hören. Und die kurze Begegnung mit einer jener Kreaturen im Garten bringt die schreckliche Gewissheit, keiner Einbildung erlegen zu sein. Harvey beschließt, in Erfahrung zu bringen, was zum Teufel mit der Welt geschen ist. Und so steigt er in seinen rostigen Van und fährt hinüber zu seinem alten Freund Murphy, der ein paar Meilen die Straße hinab ein kleines Lebensmittelgeschäft betreibt. Doch dieser scheint bereits dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein …

Die Story:
siehe Klappentext

(Den hätte ich auch kürzer gehalten, wenn ich der Verleger wäre…)

Okay, um meiner Pflicht genüge zu tun: Scheinbar haben irgendwelche Terroristen irgendetwas angestellt, was fast die gesamte Menschheit vernichtet hat. Wir erleben das alles durch die Augen des alten Harv, der in einem abgelegenen Cottage in Devon lebt. (Wobei ich wahrscheinlich etwas doof bin und während des ganzen Buchs nicht rausgefunden habe, ob es sich um die reale Grafschaft „Devon“ handeln soll, oder ob der Name einfach nur für einen x-beliebigen abgelegenen Ort stehen soll…)

Das Setting:
Fast kammerspielartig erleben wir hier die Bedrohung mit und 98% des Romans spielen sich im Häuschen von Harvey und Sarah ab, einem ältlichen Pärchen. Das Ganze bleibt schön geheimnisvoll und wir Leser wissen, dass wir uns in unserer Welt befinden und dennoch wirkt alles irgendwie „fremd und leer“, besser kann ich es nicht ausdrücken.

Die Charaktere:
Wenn man mal ehrlich ist, hat man an nennenswerten Charakteren eigentlich nur Harvey, den sympathischen Rentner aus dem kleinen Cottage nebenan, der versucht mit der neuen Weltordnung klarzukommen und dabei möglichst wenig den Verstand zu verlieren. Der Kerl kommt auf jeden Fall sympathisch rüber, auch wenn er nie so richtig an Kontur gewinnt. Mehr, als dass er sich aufopferungsvoll um seine sieche Gattin kümmert und es körperlich so langsam mit ihm bergab geht, erfährt man eigentlich nicht.

Sarah, die Gattin, kommt als eigener Charakter überhaupt nicht vor, ich denke, sie dient hier lediglich als Anker, der Harvey an Ort und Stelle hält und uns so den Weltuntergang in dieser abgelegenen Region erleben zu lassen.

Auch die Nachbarn, der Ladenbesitzer, das kleine Mädchen in Devon – alle dienen nur dazu, zu zeigen, was gerade abgeht und wie „die Welt sich weiterdreht“ (um mal das Leitmotiv des Romans geschmeidig einzuflechten).

Einzig Barry, Harveys Sohn, der später auf merkwürdige Art und Weise erscheint (gibt es Hubschrauber, die nonstop von den USA nach Devon fliegen können? – wahrscheinlich haben wir es doch mit einem abgelegenen US-Nest namens „Devon“ zu tun), lebt lange genug, um vielleicht auch für den folgenden Teil noch von Interesse zu sein. Eine richtige Persönlichkeit lässt aber auch er nicht erkennen, sondern hat vor allem die Funktion dem Leser weitere Informationen zum Zustand der Welt zu geben.

Mein Fazit:
Liest sich verdammt gut und mir gefällt der Ansatz, die ganze Handlung auf einem sehr konzentrierten Raum stattfinden zu lassen und alles, was „draußen“ ist, nur durch Fernsehen und Gedankenwelt des Protagonisten gefiltert an den Leser gelangen zu lassen.

Insgesamt kommt mir der Stil noch einen Tacken ungelenk vor und die Gewaltszenen sind für meinen Geschmack etwas unnötig eklig, aber für einen Busfahrer (eines meiner drei Feindbilder neben Hausmeistern und Telefonservice-Mitarbeitern) macht Michael Dissieux seine Sache schonmal ausgezeichnet und ich freue mich auf die nächsten beiden Bände. *spässlegmacht* Mal schauen, ob er nochmal eine Schippe draufpacken oder mich gar überraschen kann, denn seien wir mal ehrlich, das Genre Zombiekalypse kommt doch sehr häufig recht schablonenhaft daher. Graues Land zeigt da schonmal gute Ansätze, drückt mir die Daumen. Im Epilog wird zumindest schonmal angedeutet, dass Harvey im nächsten Band Gesellschaft bekommen könnte.

P.S.: Komischerweise hatte ich während des Lesens oft den Vergleich mit meinem Lieblingsapokalypseroman „Die Grüne Wolke“ im Hinterkopf. Keine Ahnung, woran das liegen mag, vielleicht an der behutsamen Aufdeckung des Geschehens, denn am Humor kann es definitiv nicht liegen – Graues Land ist nämlich komplett ironie- und humorbefreit. Würde mich interessieren, ob das anderen Lesern auch so geht.

Meine Wertung:
3 von 5 kammerspielartigen Zombiekalypsen (mit einem vierten Schoggoten, der sich schon für die Folgebände anschleicht)