[Rezension] Die Zeitmaschine 1+2 (Hörspiel, SF, Neuinterpretation)

11. November 2017

von: Würfelheld

Der 1946 in London verstorbene Science Fiction Autor H.G. Wells ist nicht nur einer der Autoren welche in der Reihe „Die Science Fiction Propheten“ beleuchtet wurde, sondern einer deren Werke immer wieder neu verarbeitet und in diversen Formate erscheinen. So hat z.B. der Mantikore Verlag letztlich eine Neuauflage von „Krieg der Welten“ veröffentlicht. Nun ist bei Folgenreich ein zweiteiliges Hörspiel zu Wells zweiten Erfolgswerk „Die Zeitmaschine“ erschienen.

 

© Folgenreich

INHALT TEIL #1
Jack Milton, seines Zeichens einer der beliebteren Professoren an einer renommierten Londoner Universität, beichtet seinen Freunden, das sein gesellschaftlicher Rückzug, durch seine Forschungen und den Bau einer Maschine begründen lässt, Eine Apparatur die man gelinde als Zeitmaschine bezeichnen kann.

Die Anwesenden sind mehr als skeptisch, gelinde gesagt scheint es so, dass sie an der geistigen Gesundheit ihres Freundes zweifeln. Auch als Jack ihnen über seinen bereits getätigten Zukunftsreisen berichtet. So fordern Jacks Freunde Beweise und geben ihm dafür 5 Tage Zeit.

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[vor Ort] Buchmesse Convent 30 und DPP

18. Oktober 2015

Am gestrigen Samstag ging es auf nach Dreieich, allerdings nicht zur bekannten RollenspielCon sondern zur dreißigsten Ausgabe des Buchmesse Convent. Dies ist eine Convention für Phantasik-Literatur überwiegend aus Kleinverlagen. Also die richtige Heimat Abseits der parallel laufenden Frankfurter Buchmesse.

Was am Anfang direkt, für mich als Rollenspieler auffiel, das sich Ulisses und Prometheus dieses Jahr nicht blicken ließen, was schade ist, allerdings wurden diese Lücken hervorragend neu besetzt. Allerdings waren der Mantikore Verlag, sowie Feder und Schwert anwesend und so war „Rollenspiel“ doch vertreten.

Das angebotene Lesungs- und Workshop-Programm sollte für jeden etwas parat gehalten haben. So verschlug es mich zuerst in die Lesung von Judith und Christian Vogt, welche aus „Geister des Landes 3“ und „Die verlorene Puppe“, welcher voraussichtlich erst nächsten September erscheint, gelesen haben. Eine wirklich tolle Duolesung!

Weiter ging es mit einer Lesung von Axel Hildebrand. Dazu kann man nur sagen, wer Lust auf merkwürdige Götter mit humorigen Bezug zur Realität hat, ist bei „Aussen – Asgard – Tag: Die unveröffentlichten Drehbücher von Loki & Thor“ bestens aufgehoben. Man muß Hildebrand an dieser Stelle nochmals darum bitten das Werk zu vertonen und zwar SELBST!!!!

Außerdem gab es etlichen Lesestoff, der in meinen Rucksack wanderte. Angefangen von einigen cthulhuesken Comics über klassische SF bis hin zu Urban-Fantasy war alles dabei.

Der Buchmesse Convent endete dann mit der Vergabe des „Deutschen Phantastik Preises„. Über Laudatoren, Moderatoren und kleinen sehr shiney Videoeinspielern war alles dabei, was man von einer Preisverleihung erwarten darf. Natürclich durften kleine Patzer und Sponsoring auch nicht fehlen. In insgesamt neun Kategorien und einem Ehrenpreis wurde der DPP verliehen, wobei es für mich die eine oder andere Überraschung, sowohl unter den Nomminierten als auch unter den Gewinnern, gab.

An dieser Stelle meine herzlichsten Glückwunsche.

Alles in allem war es für mich einen Besuch wert und wir sehen uns in 2016 erneut in Dreieich wieder.


[RSP-Rezension] Das Lied von Eis und Feuer: Night`s Watch – Die Nachtwache

6. Oktober 2015

Autor: Joseph Carriker, Lee Hamock, u.a.
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: Hardcover
Seitenzahl: 149
Erschienen: April 2014
ISBN: 978-3-939212-51-5
Preis: 29,95 Euro

von: Würfelheld

„Das Lied von Eis und Feuer“ hat mit dem Mantikore-Verlag in Deutschland nun seit längerem seine Heimat gefunden. Nachdem ich bereits einige Produkte aus dieser Reihe rezensiert habe und mich das Spielfieber letztlich wieder gepackt hat, ist es nun an der Zeit einen genaueren Blick in dieses Buch zu werfen. Also los geht es.

Klappentext:
DAS LIED VON EIS UND FEUER: NIGHT’S WATCH – DIE NACHTWACHE Die Nacht bricht an und deine Wache beginnt.

Du bist das Schwert in der Dunkelheit. Du bist der Wächter auf der Mauer. Die kalten Winde erheben sich. Die Schrecken jenseits der Mauer beginnen ihren Marsch.

Dies ist die Stunde der Männer der Nachtwache! Bist du tapfer genug? Dann schließe dich der Nachtwache an! Leiste deinen Eid! Mit diesem Band erweiterst du das Game-of-Thrones-Rollenspiel um den noblen Orden der Nachtwache.

Neue Regeln: Erschaffe Charaktere der Nachtwache und der Wildlinge Neue Archetypen: 11 neue Charaktervorlagen Neue Überlieferungen: Eine detaillierte Geschichte der Nachtwache und des freien Volkes Neue Spielstile: Erschaffe eine Burg der Nachtwache oder einen Stamm des freien Volkes Neue Charaktere: Spielwerte für Manke Rayder, den Herrn der Knochen und viele andere Neue Abenteuer: Spielbereite Begegnungen für einen direkten Einstieg ins Abenteuer Neue Gegner: Wagst du es, dich dem König des Winters entgegenzustellen? Der Schrecken jenseits der Mauer ist erwacht! Der Winter naht! GEWINNER DES DEUTSCHEN ROLLENSPIELPREIS 2015

Zum Inhalt:
Weder Herkunft noch Geburtsrecht zählen, denn in der Nachtwache, also wenn man das Schwarz anlegt, zählt dieses nicht mehr. Hier sind Schwerverbrecher und Adelige gleich. Wenn die Rekruten dieses in sich aufgesogen haben und sich über ihre Aufgabe bewusst sind, gelangen sie in einen der drei Nachtwachebereiche. Grenzer, Baumeister und Kämmerer. Die Verbindung zur Nachtwache und die Eingliederung werden feierlich mit einen Schwur vollzogen, welcher den Neulingen so in Mark und Bein übergegangen ist, das dieser ein Lebensbestandteil bildet.

Mit der Entwicklung der letzten Jahre droht die Nachtwache dem Niedergang anheim zu fallen. Die Zahl der Rekruten und Mitglieder nimmt beständig ab und auch die Mauern und verbliebenden Festungen zerfallen Zusehens. Waren es einst sechzehn stolze Festungen die einst für Schutz gegen die Gefahren des Eislandes sorgten, so sind es nunmehr nur noch drei bekannt unter den Namen „Schlacht an der Ostsee“, „Schwarze Festung“ und „Schattenturm“.

Die ersten beiden Kapitel des Buches befassen sich mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage, der Geschichte und der Mauer an sich, so dass man einen sehr detaillierten Überblick über die Nachtwache bekommt.

Anschließend werden die Besitztümer, wie Ländereien näher beleuchtet um dann auf die Führung der Nachtwache zu kommen und somit den internen geschichtlichen Abriss komplett zu machen.

Im weiteren Verlauf wirft das Buch einen genaueren Blick über die Mauer und beleuchtet die dortigen Lage und Gegebenheiten und bringt einem auch die dortige Geschichte und das herrschende Konfliktpotenzial näher.

Das letzte Kapitel hält ein paar Überraschung parat, denn es verlässt die offiziellen Wege und zeigt ein wenig die wahren Beweggründe für die Mauer und die Nachtwache auf.

Der größte Teil des Buches wird durch die Erschaffung der Charaktere und die Spielerklärung eingenommen. Fanden die Spieler im Grundregelwerk noch ihr eigenes Haus vor, so finden sie sich hier in der Nachtwache in ihrer eigenen Festung wieder und nun heißt es diese richtig zu verwalten und am Laufen zu halten. Was unter den gegebenen Umständen jedoch keine leichte Aufgabe ist.

Mein Fazit:
Der Konsum von „Night`s Watch – Die Nachtwache“ hat mir sehr viel Freude gemacht. Dies fing schon beim sehr gelungenen Cover an, ging dann über die gelungene Übersetzung, bis hin zum Blick in den eisigen Norden von Westeros.

Die Nachtwache bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel, denn endlich ist es möglich abseits der Häuser Aufgaben nachzukommen bzw. seinen Spieltrieb zu befriedigen. So hält der Dienst in einer der Festungen Überraschungen und Prüfungen für den Schwarzen parat, die er sich sonst nie hätte stellen müssen. Oder aber er schlägt einen anderen Weg ein, wobei das Schwarz ihm immer daran erinnert was seine wirkliche Aufgabe ist.

Auch der Blick Abseits des Kanon hat mir sehr gut gefallen, denn dieser rundet das Gesamtbild ab, welches sich hervorragend mit der Romanen und der TV Serie aufbaut.

Leider ist hier die Ausstattung nicht mit dem Grundbuch gleich, so vermisse ich hier das Lesebändchen.

Trotzdem aber – ganz klar, man sollte auf jeden Fall einen genaueren Blick in dieses Buch werfen.

Meine Wertung:
4,5 von 5 Mauern


[Interview] Von Endzeit bis Fantasy mit Felix A. Münter

25. September 2015

Es war mal wieder an der Zeit einem Autor ein paar Fragen zu stellen. Meine Wahl fiel auf Felix, da dieser mit seiner „The Rising“ Reihe in der Endzeit unterwegs und mir das einfach gefällt. Ausserdem gibt es einiges Neues zu berichten. In diesem Sinne, viel Spaß!

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Hallo Felix,
vielen Dank das du dir die Zeit genommen hast. Würdest du dich bitte vorstellen.
Klar. Meine Name ist bekannt, in diesem Jahr bin ich dreißig geworden. Geboren bin ich in Dortmund, wo ich auch lebe. Studiert habe ich seinerzeit einmal „angewandte Sozialwissenschaften“ – das klingt total aufgebläht, ist aber eigentlich nichts anderes als Soziale Arbeit. Vor einigen Jahren habe ich dann eine Weiterbildung zum Notfallseelsorger gemacht. Beides sind jedoch Felder, in denen ich gar nicht mehr so aktiv arbeite. Eigentlich bin ich seit Jahr und Tag in der Erwachsenenbildung unterwegs, dort in den Bereichen Sozialwissenschaften, Lerntheorie, Psychologie und Psychotraumatologie. Was gibt es sonst noch? (Immer noch) nicht verheiratet (aber seit fast 8 Jahren in einer Beziehung), keine Kinder. Vielschreiber und leider Wenigleser.

Im Herbst 2014 veröffentlichte der Mantikore Verlag die ersten beiden Bände von „The Rising“. Könntest Du bitte ein wenig mehr dazu erzählen?
„The Rising“ war das erste Buch, vielmehr die erste Geschichte, die ich wirklich beendet habe. Geschrieben habe ich schon immer, aber wie das so ist: Irgendwann verlor ich die Lust oder es gab andere Einschnitte. Das Buch ist 2011 entstanden, als meine bessere Hälfte ein Semester in Australien verbracht hat. Ich verschickte regelmäßig Kapitel nach Down Under und sie hat sich gefreut. Im grunde also eine recht private Geschichte. Irgendwann war die Story dann erzählt und das Dokument verstaubte auf meiner Festplatte. Man traut sich dann ja doch nicht sofort, zu einem Verlag zu gehen. Wieder war meine Freundin der treibende Impuls: Sie fand die Geschichte um die vier Söldner so gut, dass sie mich dazu brachte, mal Verlage abzuklappern. Und dann verlief es eigentlich (zumindest aus der Autorenperspektive) ganz traumhaft: Mantikore war der erste Verlag und hatte auch sofort Interesse. Bis 2014 hat es dann leider gedauert, weil ich beruflich in einer Umstellung war, die eine intensive Auseinandersetzung mit dem Manuskript unmöglich machte.

Die Geschichte, die in „The Rising“ erzählt wird, spielt vor einem postapokalyptischen Hintergrund mit einfachen Prämissen. Die uns bekannte Welt ist zusammengebrochen, niemand kennt – Jahrzehnte danach – die „Wahrheit“ über den Kollaps und es interessiert eigentlich auch keinen, denn das Überleben ist wichtiger. Ich wollte zu einem Zeitpunkt in diese Welt einsteigen, in der es wieder zivilisatorische Bewegung gibt. Im Grund geht es also um Nationbuilding: Wie entwickelt sich eine Zivilisation aus den Ruinen unserer Gesellschaft? Wie geht man mit bestimmten Fragestellungen um? Wird man es anders machen als früher? Zusammengehalten wird das alles durch einen bunten Mix unterschiedlicher Charaktere. Sie wachsen und verändern sich im Laufe der Bücher – genau so wie die Welt, in der sie leben. Konzeptuell geht es also auch darum, zu bestimmten, kritischen Ereignissen in die Welt zu blicken und die Entwicklung zu erzählen.

Die beiden Bände sind eigentlich derart zusammenhängend. Woran liegt das? War es einmal ein Band?
Absolut. Eigentlich war es eine zusammenhängende Geschichte. Aber damit wären es fast 650 Seiten gewesen – und wer kauft die bitte, wenn er den Autor gar nicht kennt. Um also einen besseren Start zu machen, haben wir die Bände halbiert.

In der Zukunft wird das anders. Eigentlich soll jeder band eine in sich abgeschlossenen geschichte erzählen, die in dieser Welt spielt.

Als Hintergrund nimmst Du ein Endzeit-Setting. Nun flammt dieses Genre immer wieder mal durch große Hollywood Blockbuster auf, aber findest Du nicht, das es sich etwas totgelaufen hat?
Ich verfolge das Genre seit Fallout 1 also 97/98. Und es ist wie immer, es gibt Wellenbewegungen. Im Moment ist ein Peek da (wobei ich den nicht so massiv wahrnehmen wie in anderen Genres),aber von totgelaufen kann man nicht sprechen. Alle paar Jahre kommt ein neuer Fallout-Teil (oder auch Wastelands) und immer wieder ein Film (Book of Eli, Mad Max, Postman um nur einige Beispiel zu nennen). Damit ist der Trend für mich langfristiger und nicht so extrem wie beispielsweise bei Zombies, Vampiren oder Fantasy im Allgemeinen.

Welcher Charakter ist dir während deiner Arbeit ans Herz gewachsen und hat sich sogar anders entwickelt als gedacht?
Da gibt es eine Menge Charaktere, die sich anders entwickelt haben, als zuerst geplant. Wobei man das jetzt nicht falsch verstehen darf: Es gibt immer einen Handlungsfaden und entsprechend auch die Skizzen zu den tragenden Charakteren, die Aufgaben, die sie in einer Geschichte haben. Aber manchmal kommen da eben noch Elemente zu, die man vorher nicht bedacht hat. Um bei „The Rising“ zu bleiben: Moody war beispielsweise nur als Nebencharakter gedacht, im nächsten Buch ist er dann definitiv einer der treibenden Hauptcharaktere. Einfach, weil es gepasst hat.

Ans Herz wachsen sind mir alle meine Charaktere irgendwie. Jeder Autor, der etwas anderes sagt, lügt wohl. Der Punkt ist aber der: „Ans Herz wachsen“ heißt keinesfalls, dass sie vom Schicksal verschont werden. In einigen Geschichten habe ich einen unheimlich hohen Bodycount. Sicher nicht so wie Martin, aber doch schon spürbar. Und wenn ein Charakter über die Klinge springt, dann tut er das, weil es sinnvoll für die Geschichte ist – insofern ist seine Aufgabe erfüllt. Autoren, die sich mit aller Macht an ihr Ensemble klammern und für die bereits ein toter Charakter schwer ist ( J. K. Rowling ist da ja so ein Beispiel), die haben vielleicht nicht die notwendige professionelle Herangehensweise und Distanz. Oder sie müssen eben Geschichten schreiben, in denen den Protagonisten kein tödliches Schicksal an jeder Ecke droht.

Wann geht es mit „The Rising“ weiter?
„Neue Fronten“, also Band 3 (diesmal in sich geschlossen) kommt Mitte Dezember und spielt 7 Jahre nach der Ereignissen der ersten beiden Bücher, „Fatum“ ist Band 4, dort werde ich Ende Oktober wohl mit der Endbearbeitung beginnen. Ich schätze, der wird es Mitte nächsten Jahres schaffen. „Fatum“ spielt zehn Jahre nach Band 1 und 2.

Weiter hast Du beim Mantikore Verlag auch „Arcadia“ veröffentlicht. Hier geht es ins Horror Genre. Wie kam es zu dem Wechsel?
Kurz nach der Veröffentlichung von „The Rising“ und der ersten, positiven Resonanz wurde ich gefragt, ob ich auch andere Genres „kann“. Wir kamen auf Horror zu sprechen. Das war kurz vor dem Urlaub meines Verlegers und wir sprachen über ein paar Grundzüge. Irgendwann meinte er, dass wir die Sache erst nach seinem Urlaub festmachen sollten. Naja, und da hat es mich gepackt. Ich dachte also bei mir, dass ich ihm nach seinem Urlaub ein vollständiges Manuskript vorlegen würde. Und dann habe ich mit dem Schreiben begonnen. Zwölf Tage später war „Arcadia“ fertig.

Worum dreht sich dieses Werk?
Es ist ein in sich geschlossener Horrorroman, der spürbare Anleihen bei „The Thing“ und den „Bergen des Wahnsinns“ hat. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Im Mittelpunkt steht ein Journalist, der als Ich-Erzähler von einer Expedition in die Antarktis erzählt, die völlig aus dem Ruder läuft und zu einem echten Albtraum wird. Solide Kost, für meinen Erstling in dem genre bin ich ganz zufrieden 

Findest Du nicht, das Horror ein schweres Genre ist? Schließlich hat jeder Leser doch ein anderes Empfinden von Schock/Grusel/Ekel.
Naja, ich werde jetzt was sagen, was ich sicher noch einmal bedauern werde: Es gibt eigentlich keine schweren Genres.Manche Dinge liegen einem vielleicht etwas mehr und andere eher weniger. Aber grundlegend kannst du mit ein wenig Übung und Recherche wohl jede Geschichte erzählen – ob sie dann auch fesselt, dass ist eine ganz andere Frage. Subjektives Empfinden hast du übrigens in jedem Genre. Ich habe mit Leuten gesprochen, denen hat „The Rising“ auch nicht sonderlich gefallen. Man erwischt eben nicht immer jeden. Beim Thema Horror schaut man halt automatisch bei sich. Ich frage mich immer, was ich „spannend“ finden würde – und meist ist das schon einmal eine erste, gute Richtung.

Wird hier noch was nachkommen?
Für das erste Quartal 2016 ist „Lincoln County Lockdown“ geplant. Die Geschichte hat mehr Thriller-Elemente aber eben auch ein bisschen Gore/Horror. Ich probiere mich aktuell noch aus. Es ist also denkbar, das bald wieder etwas kommt, was nur „Horror“ zuzuordenen ist.

Ich durfte auf dem diesjährigen RatCon an Deiner „The Rising“ Lesung teilnehmen und ich muss sagen das ich gut unterhalten wurde. Erinnere Dich doch bitte mal an deine erste Lesung zurück. Wie war das Gefühl?
Obwohl ich mein Geld damit verdiene, vor Leuten frei zu sprechen war so eine Lesung doch etwas ganz anders. Man ist ziemlich nervös und manchmal ist mir die Stimme weggebrochen. Ich hätte auch niemals mit einem solchen Andrang gerechnet: 15 Mann auf der ersten Lesung sind – wie ich heute weiß – ein echter Sonderfall. Und dann habe ich eben vier Passagen vorgetragen und hinterher gingen wir in eine Diskussion. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann das letzte mal drei Stunden so schnell vergangen sind…

Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern. Der Schreibvirus hat dich gepackt und so werden bald mehrere Fantasy-Bände bei Prometheus das Licht der Welt erblicken. Worum handelt es sich und was wird uns Plottechnisch erwarten?
Es handelt sich um eine Trilogie, aktuell sitze ich an Band 3, der ist zu 70% fertig. Zur SPIEL soll Band 1 kommen, im Januar Band 2 und wahrscheinlich zur RPC 2016 dann Band 3.

„Kaisersturz“ bildet den Auftakt einer Trilogie, die sich um Westrin, ein überaltertes Imperium, dreht. Westrin hat seine Glanzzeit hinter sich, dominierte 800 Jahre lang die Welt und geht nun seit etwa zwei Jahrhunderten seinem Fall entgegen. Provinzen spalteten sich ab und beschlossen ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, innere Spannungen schwächten das Reich. Wer jetzt Anleihen zum realweltlichen Byzanz sieht, der liegt völlig richtig.
Jedenfalls beginnt die Handlung im Jahr 809 nach westrinischer Zeitrechnung, und das Kaiserreich befindet sich in einer mehr als misslichen Lage. Im Herbst riefen die Clans (wer hier an Schotten denkt, ist richtig) im Norden zu den Waffen und marschierten. Westrin schickte ihnen seine Legionen entgegen. Der Winter kam und beide Armeen zogen sich in ihre Lager zurück, belauern sich. In dieser Situation kommt dann die nächste Hiobsbotschaft: Die Truppen sind im Norden gebunden, da fallen im tiefsten Winter im Süden des Reichs weitere “Nachbarn” wie die Aasgeier über das geschwächte Reich her. Die Fercino (Vorbild war Venedig) und die Al-Asmari (Vorbild waren die Osmanen) verbünden sich und schieben im härtesten Winter seit vielen Jahren eine Armee von vielen zehntausend Mann über die Grenze und auf die Hauptstadt von Westrin, Cyril, vor. Cyril selbst ist schutzlos, noch dazu gibt es Verrat in den eigenen Reihen.
Der amtierende Kaiser, Antimus, tut, was nötig ist, um Westrin zu schützen: Er beauftragt einen seiner alten Schwertbrüder, einen Legionsoffizier, seine Kinder, Zwillinge, durch das kriegsversehrte Land in Sicherheit zu bringen.
„Kaisersturz“ beschreibt diese Reise.

Das zweite Buch wird wahrscheinlich „Exil“ heißen und setzt zehn Jahre später ein. An dieser Stelle möchte ich nicht zu viele Spoiler geben und glaube, der Titel verrät viel. Es geht um politische Winkelzüge und die notwendigen Allianzen und Bündnisse, um das Kaiserreich vielleicht wieder zum Leben zu erwecken.

Das dritte Buch könnte „Heimkehr“ heißen. Auch hier gibt der Name schon einen Vorgeschmack. Vielleicht unterhalten wir uns über die Handlungen der Nachfolger, wenn Kaisersturz erschienen ist?

Es ist Fantasy, die keinen EDO-Einschlag hat. Es geht um Menschen. Es gibt (zu Beginn) wenig Magie.

Wie bist Du zum schreiben gekommen?
Geschrieben habe ich eigentlich schon immer, soweit ich mich erinnern kann. Begonnen hat das Wohl mit dem Verschlingen zahlreicher Buchreihen – und irgendwann war ich an dem Punkt, dass ich selbst Geschichten erzählen wollte. Passt natürlich gut zusammen, wenn du Rollenspieler – oder vielmehr Spielleiter (ich bezeichne mich selbst gerne als den schlechtesten Spieler weit und breit) – bist.

Wenn es ums „Schreiben“ geht. Hast Du Vorbilder?
Sicher, es gibt die üblichen Verdächtigen: David Gemmell, Chris Bunch, Joe Haldeman, Ephraim Kishon, Alexander Solschenizyn, Henri Charrière und Helmut Schmidt.

Was würdest Du jungen Autoren empfehlen, wenn sie gerade auf Verlagssuche sind?
Sich nicht entmutigen zu lassen. Wer so weit ist, dass er wirklich einen Verlag sucht, der hat schon eine große Hürde genommen. Und bei den zahlreichen Neuerscheinungen Monat für Monat gibt es eigentlich für alles ein Publikum. Eine Absage ist also kein Rückschlag. Nur eines sollte man wirklich sein: kritikfähig. Denn niemand wird als Meister geboren.

Du hast, so wie ich es herausgehört habe, auch einen Rollenspiel-Hintergrund. Würdest Du uns diesen etwas näher bringen?
Ich kann 17 oder 18 Jahre Spielerfahrung in zahlreichen Systemen vorweisen. Angefangen hat das mit – wie sollte es anders sein – DSA, ging weiter mit SR, AD&D, Vampire, CoC, Deadlands – und vielen anderen Settings und Systemen mehr. Ich hatte wohl mal eine wilde zeit, in der ich alles mal ausprobieren wollte, das ist lange vorbei. Im Moment erfreuen sich „A Song of Ice and Fire“, „Deadlands“ und „Heredium“ großer Beliebtheit, aber das kann schnell wieder wechseln. Ich bin eigentlich nur Spielleiter und habe eine echte Autorenperspektive: Auch im Rollenspiel will ich Geschichten erzählen. Zusammen mit den anderen Spielern. Regeln sind dabei zweitrangig.

Vielen Dank fürs Interview. Die letzten Worte gehören dir.
Auch ich habe für das Interview zu danken! Es hat mich sehr gefrreutm ein paar Sätze erzählen zu können! Wen ich neugierig gemacht habe, den würde ich gerne auf felix-muenter.de verweisen, dort gibt es eine Menge Leseproben. Und ganz neu ist auch meine Seite bei Patreon! Wer mich also wirklich aktiv unterstützen will, kann das über https://www.patreon.com/FelixAMuenter?ty=h machen. Ich habe glaube ich sogar ein paar sehr spannende Belohnungen für Unterstützer zusammengebaut. Also: gebt euch einen Ruck!


[Rezension] Arcadia

16. Juni 2015

as-ArcadiaAutor: Felix A. Münter
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: Paperback
Seitenzahl: 296 Seiten
Erschienen: März 2015
ISBN: 978-3939212850
Preis: 12,95 Euro

von: Kris

Der 1985 in Dortmund geborene Felix A Münter studierte unter anderem angewandte Sozialwissenschaften und arbeitete eine Weile als Diplomsozialarbeiter und Notfallseelsorger. Seit einiger Zeit ist er selbstständig und versucht auch als freier Autor vor allem im Horror-Genre Fuß zu fassen. Sein neuster Roman ist „Arcadia“, in dem er die Leser in eine Welt entführt, die kaum einer kennen dürfte.

Klappentext:
Verborgen im ewigen Eis hat es überlebt… Gelockt vom großen Geld und der Aussicht auf die sprichwörtliche Story seines Lebens schließt sich der Journalist Nigel White der Antarktisexpedition des Milliardärs Bailey an, der im ewigen Eis den größten Meteoriten gefunden haben will, den es auf der Erde gibt. Schnell wird deutlich, dass es bei der Expedition nicht um Wissenschaft allein geht, sondern Bailey sich mit der Entdeckung ohne Rücksicht auf Verluste einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern will. Als die Gruppe das Mutterschiff Arcadia erreicht beginnt die Expedition aus dem Ruder zu laufen. Etwas Schreckliches hat die Besatzung befallen und es breitet sich rasend schnell aus. Das Vorhaben wird zu einem Horrortrip, auf das Nigel nichts in der Welt hätte vorbereiten können… Eiskalter Horrortrip aus der Feder von „The Rising“- Autor Felix A. Münter

Zum Inhalt:
Nigel White war mit dem normalen Leben nie so wirklich zufrieden und hat es auch nicht geschafft, sich unterzuordnen. Mit dem Geld und Namen seiner Eltern hätten ihm vermutlich viele Türen offengestanden, aber er lernte seine Lektionen lieber auf die harte Tour und hat inzwischen seine Nische im Journalismus gefunden.

Allerdings scheint es auch nicht mehr so gut wie früher zu funktionieren, Unternehmen und Geschäftsleute in der Presse schönzureden, die es eigentlich nicht verdient haben, deshalb lässt er sich auf das Angebot des Milliardärs Bailey ein, der eine eine illustre Expedition in die Antarktis startet. Vordergründig geht es um die Bergung eines riesigen Meteoriten und die Versorgung einer nahegelegenen privaten Forschungsstation.

Doch schon auf dem Weg durch das Südpolarmeer hat Nigel White ein ungutes Gefühl im Magen. Er ist nicht nur seekrank, sondern wird das Gefühl nicht los, das weit mehr hinter der ganzen Sache steckt, als ihm lieb ist.

Und tatsächlich, kaum im ewigen Eis angekommen, finden sie die Forschungsstation verlassen vor und auch sonst ist nichts, wie es sein soll, vor allem nicht um näheren Umkreis des Meteoriten. Und dann ist es auch schon zu spät, denn das Grauen zeigt sein abgrundtief hässliches Gesicht.

Die Antarktis ist nicht zuletzt seit H. P. Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ der Hort düsterer Geheimnisse und dunkler Mächte. Immer wieder kommen Autoren darauf zurück, die weiße, lebensfeindliche Wüste noch ungemütlicher zu machen, indem sie Außerirdische dort abstürzen lassen oder aber verborgene Kreaturen aus der Urzeit wieder hervorzaubern.

Bevor die Helden aber dahinter kommen, was los ist, haben sie mit den üblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, seinen es nun zwielichtige Auftraggeber oder Handlanger anderer Gruppen, die sich in die Expedition eingeschlichen haben, um sie zu sabotieren oder die Staatsmächte. Und nicht zuletzt macht dem oder den Helden auch die Natur Schwierigkeiten, die Tücken der Antarktis – von unsicherem Boden bis hin zu den Minusgraden beschäftigen den Überlebensinstinkt so gut, dass sie natürlich offenen Auges in die Falle laufen.

Natürlich findet auch diese Gruppe von Forschern und Glücksrittern zunächst nur vage Spuren, die auf das unheimliche Grauen hindeuten – dann verschwinden die ersten Leute … bis es zu spät ist. Es sind wie immer gerade einmal ein paar Leute neben dem Helden die davon kommen dürfen, so lange sind auch sie die Beute, wenn die Kreaturen sich nicht länger verstecken müssen und ihre blutige Jagd nach Menschenleben offen betreiben. Wer sie eigentlich sind und was das ganze soll, wird natürlich nicht verraten.

All diese Klischees und Wendungen werden flüssig und routiniert erzählt, so dass die Handlung niemals langweilig wird oder Ungereimtheiten besitzt. Auch das Ende ist in sich schlüssig, obwohl es nicht ganz unerwartet abläuft. Durch die Ich-Erzählung schafft der Autor eine angenehme Nähe zum Helden, der zwar nach außen abgebrüht und zynisch ist, aber das leider nicht so ganz ist. Das macht ihn trotz allen Zynismus sympathisch.

Mein Fazit:
Alles in allem ist „Arcadia“ ein routiniert erzählter Horror-Roman, der dem Thema des „Schreckens in der Antarktis“ zwar keine neuen Facetten hinzufügt, aber sich durchaus als entspannende Lektüre für zwischendurch eignet. Nur sollte man kaum Überraschungen oder ausgefeilte Gegner und Nebenfiguren erwarten, dafür ist das Buch zu sehr den gängigen Klischees verhaftet.

Meine Wertung:
2,5 von 5 Schrecken


[RPC] Fundstück: Nerdcube

18. Mai 2015

Das Ding habe ich am Wochenende auf der RPC am Mantikore-Stand gefunden und mitgenommen. Vom Prinzip her „die Wundertüte für den Rollenspieler“.

Was der Nerdcube eindeutig kann, ist Autmerksamkeit schaffen. So viele dumme Gesichter und Nachfragen, das war lustig und da wars dann auch nicht schlimm, dass das Ding nicht in die Einkauftüte gepasst hat 🙂

Weitere Infos finden sich -> H I E R <-

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[Interview] Karl-Heinz Zapf als Zirkusdirektor von Schnutenbach

7. August 2014

hort-titelHallo Karl-Heinz,
vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Könntest Du Dich bitte kurz vorstellen!

Wo fange ich denn da an? Ich bin hier in Deutschland vermutlich ein Rollenspieler der „ersten Stunde“, mit dem guten alten DSA ging es damals los, als ich gerade mal 16 Jahre alt war. Das Hobby hat mich danach bis zum heutigen Tage nicht mehr los gelassen und irgendwann bin ich von fertig gekauften Abenteuern auf selbst geschriebene umgestiegen.

Im Jahr 1989 habe ich dann mit Freunden das Regelwerk „Mächte, Mythen, Moddermonster“ in kleiner Auflage im Eigenverlag veröffentlicht und ich schreibe immer wieder auch mal für diverse Spielemagazine. Ich lese gerne – wenn es die Freizeit denn zulässt – und bin auch begeisterter Live-Rollenspieler … Zur Zeit arbeite ich gerade ziemlich viel für kommende Publikationen rund um Schnutenbach.

Schnutenbach_KrötensteinEnde 2013 ist Der Zirkus des Schreckens für Schnutenbach erschienen. Worum geht es zuerst einmal gefragt bei Schnutenbach und was hat Der Zirkus des Schreckens damit zu tun?

Bei Schnutenbach geht es kurz gesagt um ein kleines Dorf mit allen seinen (manchmal eher schrulligen und seltsamen) Einwohnern. Die Dorfbeschreibung bietet dabei einiges an Material, um damit sehr viele spannende Spielstunden zu verbringen und bietet mehr oder weniger die „Bühne“ für alle weiteren Publikationen.

Der „Zirkus des Schreckens“ – also der erste erschienene, größere Abenteuerband – führt nun noch einige neue und wissenswerte Geschichten, Charaktere und Infos über das Dorfleben ein und hat zudem das Ziel, mit dem Einsteiger-Abenteuer „Die Mission des Magiers“ und natürlich dem namensgebenden, umfangreichen Detektiv-Abenteuer die SpielerInnen so gut als möglich ins Dorf einzuführen.

Dabei ist der Band aber dennoch so universell einsatzbar wie nötig gehalten, damit auch Leute, die sich die Dorfbeschreibung noch nicht angeschafft haben (schämt euch was!), die Abenteuer gut nutzen können.

alexanderWie bist Du auf die Idee gekommen und wie lange hast Du an den Abenteuern gebastelt und gefeilt?

Na ja, einen Abenteuerband zu Schnutenbach herauszugeben war natürlich der erste naheliegende Gedanke, nachdem die Dorfbeschreibung erschienen war. Denn es gibt noch so viele Geschichten zu erzählen! Genau wie bei Schnutenbach selbst war viel Material schon von unserer eigenen Kampagne vorhanden, für die ich die meisten Abenteuer ja ursprünglich einmal geschrieben hatte; daher musste ich dieses Material „nur“ entsprechend anpassen und umarbeiten – was aber mit deutlich mehr Aufwand verbunden war als angenommen. Zunächst einmal war der Schreibstil nicht mehr up to date und viele der Angaben mussten natürlich geändert werden, damit am Ende wirklich ein rundes Produkt daraus wird, das möglichst viele SpielerInnen anspricht. Vor allem die Korrekturen am Ende stellten sich als schier „unendliche Geschichte“ heraus und kosteten mich viele Nerven und so manche schlaflose Nacht.

Aber natürlich wurde nicht nur bereits vorhandenes Material von mir verwendet: „Das Grab des Gruftkönigs“ habe ich eigens für diesen Band völlig neu geschrieben, damit den SpielerInnen auch das Erforschen eines unterirdischen Bauwerks nicht erspart bleibt.

koboldDie Abenteuer sind schön ausgearbeitet, lassen aber genügend Spielraum um die Spieler nicht in vorgefertigte Bahnen zu drängen. Wie viel Augenmerk lag darauf?

Darauf liegt bei mir sehr viel Augenmerk. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil ich mich nach meinen eigenen langjährigen Erfahrungen als Spielleiter richte. Allzu sehr mit Regeln überfrachtete und die Fantasie einengende Abenteuer sind da ja auch nicht mein Ding.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich einen eher erzählerischen Schreibstil habe, den man natürlich mögen muss. Gerne umschreibe ich lieber möglichst detailverliebt, damit schon beim ersten Durchlesen des Textes ein echtes Bild im Kopf des künftigen Spielleiters entsteht, das er dann an seine Zuhörer weitergeben kann. Ich sehe mich als eine Art (hoffentlich gelungene) Mischung aus Romanautor und Spielleiter – denn tatsächlich sollen meine Abenteuer irgendwo auch immer eine richtige Geschichte erzählen.

anführerDer Zirkus des Schreckens wartet aus meiner Sicht mit drei Abenteuern und einer sehr detaillierten Örtlichkeitsbeschreibung auf. Wie kam es zu dieser Zusammenstellung?

Tja, ich könnte jetzt einfach behaupten, dass das pure Absicht war, das wäre dann aber erstunken und erlogen. Tatsächlich sollte dieser Band ursprünglich nämlich ganz anders aussehen.

Es war geplant, verbindende Kurzgeschichten zwischen den einzelnen Abenteuern zu veröffentlichen, außerdem wurde der Inhalt teilweise komplett von mir ausgetauscht; das ominöse „Gasthaus am Galgenbaum“ wurde anhand von nur wenig vorhandenem Material fast völlig neu von mir verfasst, während dafür einige kürzere Szenarios – u. a. „Das Biest im Waisenwald“ – weichen mussten.

Beim „Gasthaus“ hat mich vor allem angetrieben, dass ich eine richtig schön „böse“ Location für die SpielerInnen schaffen wollte, die für angenehmes Gruseln und entsprechendes Gefahrenpotenzial sorgt. Außerdem ist die farbenfrohe Beschreibung von schillernden Charakteren beim Rollenspiel sowieso schon seit langer Zeit mein Steckenpferd und da konnte ich mich bei diesem von allen Göttern verlassenen Ort wieder einmal so richtig austoben.

Da der Umfang des Bandes aber binnen kürzester Zeit förmlich explodiert ist, war ich dazu gezwungen, irgendwann Dinge zu streichen. Aber keine Bange, dieses Material ist nur aufgeschoben und wird sicher noch publiziert. Vor allem eine besonders tödliche Bewohnerin des Waisenwaldes bei Schnutenbach erwartet schon begierig ihr Erscheinen …

gasthaus_geistMan trifft im Abenteuer immer wieder auf Personen, die man aus dem Grundregelwerk her kennt. Das Ganze wird über einen Verweis geregelt. Daher sei die Frage gestattet, ob man die Beschreibungen nicht hätte übernehmen können?

Dass ich das so nicht gemacht habe hat den einfachen Hintergrund, dass dies immens viel Platz weggenommen und entsprechend den Umfang des Abenteuerbandes extrem aufgebläht hätte. Schaut man sich nämlich so eine Charakterbeschreibung einmal an, dann wird ja klar, dass es mit ein paar kurzen Sätzen nicht getan ist.

Außerdem ist „Der Zirkus des Schreckens“ natürlich nach wie vor eine Erweiterung für „Schnutenbach: Böses kommt auf leisen Sohlen“, daraus wird ja auch kein Geheimnis gemacht. Alle treuen Fans, die sich nun also diesen Band kaufen und da noch einmal die gleichen Beschreibungen wie in der Dorfbeschreibung finden – und die dafür vermutlich aufgrund der erhöhten Seitenzahl auch tiefer in die Tasche hätten greifen müssen – hätten sich da sicher völlig zu Recht beschwert.

In der jetzigen (und meiner Meinung nach für ein reibungsloses Spiel auch sinnvollsten) Form bietet der Abenteuerband hingegen eine ganze Menge an wirklich neuem Material zu einem beachtlich günstigen Preis.

mantikore logo mit schriftzug swDie Abenteuer werden am Anfang kategorisiert, sprich welche Spielerfahrung man haben sollte. Wird so nicht eine „Hürde“ geschaffen?

Das sehe ich gar nicht so. Es bleibt letzten Endes ja immer dem jeweiligen Spielleiter und seiner Gruppe überlassen, an welches Abenteuer sie sich wagen wollen und ein vorheriges Durchlesen bleibt niemandem erspart, der leiten möchte.

Dies ist lediglich als reiner Hinweis zu verstehen, wie gefährlich ein Abenteuer ist und wie fortgeschritten die Gruppe sein sollte. Ich denke, so ein Hinweis gehört mittlerweile einfach irgendwo mit dazu.

Welches der Abenteuer ist Dein liebstes und warum?

In diesem Band gefällt mir eigentlich das relativ einfach aufgebaute und geradlinig strukturierte „Die Mission des Magiers“ tatsächlich am besten. Das mag auch daran liegen, dass ich es vor Erscheinen noch ein paar Mal mit völlig unterschiedlichen Gruppen durchgespielt und dabei gemerkt habe, dass es trotz seiner „old school“-Mentalität enorm viel Freude bereiten kann.

buch7siegel2Kommen wir zur Zukunft. Wie wird es mit Schnutenbach weitergehen? Es sind ja zwei Bände angekündigt. Würdest Du uns ein wenig mehr verraten?

Gerne. Der nächste umfangreiche Band wird „Im Hort des Oger-Magiers“, auf den ich mich schon jetzt sehr freue. Er soll ähnlich aufgebaut sein wie der erste Abenteuerband, also wieder mit einem kürzeren Einsteigerabenteuer am Anfang, dann gefolgt von einer Ortsbeschreibung – dem Holzfällerdorf Stammhausen – sowie einem zugehörigen, längeren Szenario namens „Spuk auf Burg Altenklamm“. Und dann gibt es da natürlich noch das umfangreiche Hauptabenteuer, bei dem die SpielerInnen sich erfolgreich gegen die Überfälle des Oger-Magiers Szarokk und seiner Horde erwehren müssen … Alles in allem sollte das also wieder eine runde Sache werden und wird wohl in etwa den gleichen Umfang haben wie schon der erste Abenteuerband.

Um die Wartezeit bis zur geplanten Veröffentlichung im Frühjahr 2015 etwas zu verkürzen und als Goodie für die TeilnehmerInnen der MantiCon jetzt im August erscheint außerdem – sozusagen außerhalb der Reihe – das Szenario „Dunkles Vermächtnis“, das zwar nicht direkt in Schnutenbach selbst, dafür aber nicht allzu weit entfernt im düsteren und gefährlichen Waisenwald spielt. Dieses Abenteuer ist gerade im Druck und hat einen Umfang von 20 Seiten. Ich habe es mehrere Male auf Conventions angeboten und werde es natürlich ebenfalls auf der MantiCon leiten.

hort-titelÜbrigens: Wer sich mal in Ruhe mit mir über Schnutenbach und die weiteren Veröffentlichungen unterhalten sowie auch das eine oder andere Spielchen erleben möchte, der darf gerne zu meiner „Hauscon“ DIES LUDI vom 21. bis 23. November 2014 kommen. Da wird dann wirklich gezockt, bis die Würfel glühen …

Vielen Dank für Deine Zeit. Die letzten Worte hast Du!

Ich hoffe, wir sehen uns mal auf einer Convention und finden die Zeit für ein Spiel oder ein Gespräch über unser Hobby. Und bis dahin – lasst euch nicht von der Schnutenschlange beißen!