[Rezension] Die Klabauterkatze und andere Fundstücke des Grauens: Auf den Spuren H.P. Lovecrafts

Autoren: M. Bianchi, T. Backus, S. Hubmann (Hrsg.)
Verlag: Verlag Torsten Low
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 408
Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-940036-09-4
Preis: 14,90 Euro

von: Moritz

Ein kleiner Verlag mit interessantem Programm – und erneut vom großen Meister Lovecraft inspirierte Kurzgeschichten. Auf geht’s!

Klappentext:
Mit Metamorphosen ist es den Geschichtenwebern gelungen, den Lovecraftschen Kosmos um einige Facetten zu bereichern. Dennoch lauern noch viele Geheimnisse der Großen Alten verborgen in der Vergessenheit und warten darauf, von unseren Autoren erweckt zu werden. Grund genug, noch einmal Auf den Spuren H.P. Lovecrafts zu wandeln:

Die Klabauterkatze und andere Fundstücke des Grauens

Auf dem Weg zu einem abgelegenen Dorf leistet einem Heiler eine Katze Gesellschaft. Kann ein so liebes Tier Tod und Verderben über die Menschen bringen?
Ein Student entdeckt in Schreibtisch seines Professors ein blasphemisches Buch. Sind tatsächlich mordende Monster auf der Suche danach?
Er erhält gute Pflege und seltsame Bücher. Was hat diese rührende alte Dame mit ihrem Patienten vor?

Archäologen graben sich durch uralte Ruinen und finden einen bizarren Spiegel. Zu welchen blutigen Rituale diente er einst den Maya?
Ein Taucher birgt eine seltsame Statue vom Grunde des Meeres. Hat der damit einen Fluch auf sich geladen?

Mitten im Wald steht ein verwunschenes Knusperhäuschen. Wohnte in ihm einst eine Hexe, oder warum passieren dort seltsame Dinge?
Ein Vogelkundler erforscht versunkene Städte im Wattenmeer. Könnte es sein, dass dort unten etwas Unvorstellbares umgeht?

Das Grauen ist nicht von dieser Welt. Aber es lauert hier … und es will gefunden werden!

Zum Inhalt:
Ich werde hier ähnlich einem Live-Ticker vorgehen und immer meine Gedanken zu „Papier“ bringen, wenn ich einige Geschichten gelesen habe – mal schauen, ob das unterhaltsam wird. Ich weiß es selber noch nicht so recht, ob diese Form sinnvoll ist und muss mich überraschen lassen – die Titel sind auf jeden Fall viel versprechend:

Die Klabauterkatze – Arndt Ellmer
Goldene Locken, kaltes Herz – Matthias Töpfer
Spuren im Watt – Johannes Harstick
Bausteine aus Lem – Thomas Backus
Das Ding – Bettina Ferbus
Faustpfand – Matthias Töpfer
Das Lied des Meeres – Sabrina Hubmann
Schwarzes Glas – Chris Schlicht
Der Fang – Benjamin Nemeth
Oh Bruder mein – Martin Beckmann
Treibgut – Carsten Steenbergen
Die perfekte Musik – Sabine Völkel
Die kalte Brut – Samuel White
Fleischmanns Trophäe – Jan Christoph Prüfer
Wo die Straße dunkel ist – T. S. Orgel
Zauber der Karibik – Andreas Zwengel
Im Knusperhäuschen – Matthias Töpfer

Bevor ich zum Inhalt komme, die obligatorische Bemerkung, dass das Lektorat gute Arbeit geleistet und außer einem verbaselten „dass“ nur einen amtlichen Schnitzer durchflutschen gelassen hat – so soll in einer Geschichte ein Spiegel in einen Brunnen geworfen werden, und ausgerechnet im finalen Abschnitt steht zweimal statt „Spiegel“ „Stiefel“. Sehr verwirrend, was der arme Stiefel da nun schon wieder angestellt hat…

Die Sammlung startet ziemlich furios mit der titelgebenden Geschichte von Arndt Helmer, in der ein Heiler einer nicht näher genannten Fantasywelt mit einer Katze reist, die angeblich Unglück bringen soll. Schöne Geschichte mit einem Titel, der mir persönlich nicht sonderlich gefällt (und den ich auch nicht als Titel für die gesamte Antho genommen hätte), da er mich immer irgendwie an Pumuckl in Katzenform erinnert und ich den Heiler sofort als Eder-Meister vor meinem geistigen Auge hatte…

„Goldene Locken, kaltes Herz“ ist eine berechtigte Warnung vor dem Leben in Mietskasernen.

An Position 3 kommt direkt mein Favorit – es kann gar nicht anders sein: „Spuren im Watt“ – ein nichtssagender Titel, der es nichtmal zum Titel einer Tatort-Folge bringen würde, aber der Autor macht von da an alles richtig – cthuloide Bücher, Rungholt, ein verschwundener Forscher, eine einsame Forschungsstation und eine (angebliche) Verbindung zur realen Welt. Check! Das Ende könnte noch etwas mehr rocken, aber auch so macht das Teil richtig Spaß.

„Bausteine aus Lehm“ sind vom großartigen Thomas Backus, den ich sehr schätze, aber diese Story dümpelt irgendwie so vor sich hin und außer der schon vorher gefassten Erkenntnis, dass Öki-Tussen ihren Kindern lieber echtes Lego schenken sollten, als von einem afrikanischen Stamm mundgeschnitzte und fair gehandelte Bauklötze, ist nicht viel zurückgeblieben.

In „Das Ding“ geht es irgendwie um ADHS oder komische Babys oder so… weiß nicht mehr genau.

„Faustpfand“ handelt von einer cthuloiden Maschinerie und ihrer Auswirkung auf den schwulen Straßenstrich. Hmmm… Langsam brauche ich mal wieder ein Highlight. Die Teile sind alle nicht schlecht und lesen sich gefällig, aber seit der Rungholt-Kiste fehlt irgendwie der Kracher!

Der geforderte Kracher ist „Das Lied des Meeres“ auch nicht, aber dafür schießt der Lovecraft-Faktor durch die Decke. Ein Enkel liest den Brief seines Großvaters, der ihm seien Geschichte erzählt und ihm vom Meer erzählt. Die letzten zwei Sätze sind – wie es der große Meister auch liebte – dann der überraschende Schockeffekt, der vielleicht sogar wirkt, wenn man nicht schon 25639410 ähnliche Geschichten gelesen hat. Also nicht richtig granatenmäßig, aber mit tollem Gespür für „das Original“.

Ärchäologische Expeditionen sind ja das Salz in der lovecraft’schen Suppe und hier haben wir es mit einer Ausgrabung in einer Maya-Ruine zu tun, die (natürlich) ziemlich schockierend endet…

„Der Fang“ – tja, liebe Hochseefischerei! So kann es gehen! Wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

„O Bruder mein“ ist dann das nächste Highlight. Und ja – ich beziehe mich hier lediglich auf meinen persönlichen Geschmack, denn handwerklich sind wirklich alle Geschichten mehr als gut, ich gehe einzig und alleine danach, wie viel Vergnügen ich bei der Lektüre hatte. Hier gehen zwei Brüder gänzlich unterschiedliche Wege und die Warnung davor, nach Paris zu gehen, werde ich mal in Zukunft ernster nehmen.

Was tut „Treibgut“? Es plätschert so vor sich hin.

„Die perfekte Musik“ kommt nicht von Helene Fischer oder Erich Zann, sondern von dem unbekannten Künstler Philip Brückner. Zwei Abiturientinnen machen sich auf die Suche nach ihm und werden fündig. Hört sich unspektakulär an, hat mir aber wider Erwarten ausgezeichnet gefallen. Wir befinden uns hier ganz kurz vor „Kracher“-Status und ich bin auf jeden Fall wieder etwas wacher – da geht noch eine Geschichte vor dem Einschlafen.

„Krieg der Kraken“ ist die Fortsetzung der Kurzgeschichte „3,5“ aus der Sammlung „Metamorphosen“, die dort schon eines meiner Highlights war. Und ich sage nur: Antarktisexpedition! Nuff said. Alles, was auch nur entfernt an die Berge des Wahnsinns erinnert, muss gut sein. Und ganz ehrlich, ich würde mir auch glatt eine weitere Anthologie mit einer Geschichte von Samuel White kaufen.

„Fleischmanns Trophäe“ spielt zwar komplett in einem Professoren-Büro, das ich mir sehr wie das von Indiana Jones vorstelle, aber abgesehen von der coolen Location erinnere ich mich nicht an viel. Der Hiwi des Professors schnüffelt da rum und gerät in Probleme, weil der Professor irgendetwas entwendet hat, was „jemand“ zurückhaben möchte.

„Wo die Straße dunkel ist“ scheint die Sonne nicht hin. Ein Typ ist auf der Flucht vor einer übernatürlichen Macht und – fast schon folgerichtig – erweist sich am Ende alles so unglaublich überraschend anders, dass man es schon seit locker 10-12 Seiten gewusst hat. Ich muss aufhören, diese Geschichten am Stück zu lesen. Damit raube ich mir selber die Überraschungsmomente.

Der „Zauber der Karibik“ umweht ein Hotel auf einer kleinen karibischen Insel, bevor alles in die Grütze läuft, der ganze Laden zerstört wird und wir uns fragen, was Realität und was Fiktion ist.

Abschließend geht es „Im Knusperhäuschen“ zur Sache. Eine klassische Durchschnittsfamilie betritt das Gebäude und es bleibt nicht mehr viel von ihr über. Tja, Häuser über indianischen Begräbnisstätten oder ähnlichem Zeugs zu bauen, hat sich noch nie ausgezahlt. Und vor Kellern hatte ich sowieso schon immer Angst. Die Moral von der Geschicht‘ hilft mir also nicht direkt weiter.

Mein Fazit:
Wieder eine sehr gelungene Zusammenstellung mit wenigen Schwachpunkten. Die deutsche leicht angehorrorte Kurzgeschichten-Szene lebt…

Absoluter Anlesetipp, gerade für Nordsee-Fans sollte „Spuren im Watt“ sein und „Krieg der Kraken“ ist eine schicke Antarktis-Erzählung lovecraft’scher Prägung, die dazu noch auf eine Kurzgeschichte des Metamorphosen-Bandes rückverweist. Sowas gefällt mir. Kauft das Teil, damit der Verlag Torsten Low uns weitere solcher Bretter vor die Brust knallen kann.

Meine Wertung:
4 von 5 untergegangene Rungholts

[Rezension] Metamorphosen: Auf den Spuren H.P. Lovecrafts

Autor: M. Bianchi, S. Eberl, N. Horvath (Hrsg.)
Verlag: Verlag Torsten Low
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 200
Erschienen: 2008
ISBN: 978-3-940036-03-2
Preis: 11,90 Euro

von: Moritz

Mal wieder etwas Lovecraftiges. Prima – und noch dazu gibt es als Dreingabe den Gratisdownload ein komplettes Album einer Bremer Metal-Band. Das habe ich mir doch mal direkt runtergezogen und mir beim Joggen zu Gemüte geführt.

Klappentext:
Geschichten über Menschen, die aus ihrem Alltag gerissen werden und sich einem Schicksal stellen müssen, das an Ekel und Bizarrerie ihre Vorstellungen übersteigt. Sie sind die Auserwählten, die Wiedergeburt einer Rasse, die sich anschickt, den Planeten ein weiteres Mal zu erobern.

Sascha Erni – Der Journalist
Thomas Backus – Die versunkene Stadt
Timo Bader – Der Veränderte
Markus Niebios – Die Anstalt
Nina Horvath – Zombies für einen Tag
Sabrina Eberl – Die Ausstellung
Samuel White – 3,5
Marco Bianchi – Der Kenotaph des Kagemni
Chris Schlicht – Symbiose
J.C. Prüfer – Die Schokolade des Herrn Bost
Carsten Steenbergen – Der Fluch des Zulu
Christian Stobbe – Portrait eines sterbenden Mannes
Robin Haseler – Das Erbe
Christian Damerow – Der gute Gott

Zum Inhalt:
Ganz ehrlich. Ich kann hier keine einzige Geschichte finden, die komplett abfällt und mich entweder total ratlos oder wütend hinterlässt. Sie bauen alle gut Stimmung auf, haben interessante Orte und/oder Figuren und zumeist einen sehr coole lovecraft’sche Wendung am Ende.

Als Anlesetipps würde ich „Der Journalist“ vorschlagen, in dem sich ein Journalist zu Recherchezwecken immer tiefer in die Fänge einer merkwürdigen Sekte ziehen lässt. Auch „Der Fluch des Zulu“ ist eine prima Geschichte, um sich in die Sammlung hineinziehen zu lassen. Ich mag ja so „psuedohistorischen“ Krempel im meinen Cthulhu-Schauergeschichten. In ein ähnliches Horn bläst „Das Erbe“ – absolut klassisch.

Aus einer gänzlich anderen Richtung – aber nicht weniger lesenswert – ist die Geschichte „3,5“, die zu „unserer Zeit“ spielt und zwei Kriminaler auf eine merkwürdige Droge stoßen lässt…

P.S.: Als zusätzliches kleines Schmankerl kann man sich mit einem Downloadcode, den man im Buch findet (den ich aber gar nicht benötigt habe) eine komplette CD gratis herunterladen. Und zwar „Devourer“ von der Bremer Metal-Combo „Sorrowfield“. Ich war kurz versucht, noch eine komplette Besprechung der 14 Tracks des Albums mitzuliefern, spielt mir das doch mit ihrem 90er Style Metal genau in mein Spezialgebiet hinein, da ich die kompletten 90er über auf hunderten von Konzerten war (sowohl als Bühnenbauer als auch als Zuschauer), aber das hätte den Platz gesprengt. So sei euch denn gesagt, dass ich Sorrowfield für eine wirklich interessante Band halte, die sich noch nicht so recht gefunden hat. Die Jungs mäandern irgendwo zwischen deutschem Melodik-Metal wie Blind Guardian, klassischem Metallica-Metal, Guns ’n Roses-mäßigen Balladen, NWOBHW-Krempel mit amtlichem Hasenfick-Schlagzeug und kleinen hasserfüllten Perlen im Stil alter Kreator umher, finden aber leider keine klare Linie. Das kann man sicher auch positiv ausdrücken, dass sie sich nicht in eine Schublade einordnen lassen, aber ich hätte da in meinem gesetzten Alter lieber eine stringente Linie. Aber sei es wie es sei, ich habe die Tracks nicht von meinem Smartphoen gelöscht und werde sie sicher mal ab und an beim Joggen hören, wenn ich gerade keinen frischen Podcast in der Pipeline habe.

Mein Fazit:
Prima! Das ist mal wieder eine richtig gelungene Anthologie ohne größere Ausfälle. Insgesamt wird ein mehr als ordentliches Niveau gehalten und die Kürze der Geschichten (meist 10-12 Seiten) ist hier ein absolutes Plus. Nicht, weil sie so angenehm schnell überstanden sind, sondern, weil die Autoren gezwungen werden, in aller gebotenen Kürze zu zeigen was sie drauf haben. Außerdem kann man so problemlos mal schnell einzelne Geschichten in der Badewanne oder auf der Parkbank wegschmökern.

Meine Wertung:
4 von 5 alltäglichen Gruselmomenten