[Rezension] Leviathan Rising

Autor: Jonathan Green
Verlag: Luzifer Verlag
Reihe: Pax Britannia, Band 2
Format: broschiert
Seitenzahl: 428
Erschienen: 2014
ISBN: 9-783835-030-4
Preis: 13,95 €

von: Moritz

Neues von Ulysses Quicksilver. Da bin ich dabei!

Klappentext:
In 80 Tagen um die Welt – mit Stil!
Dieses vollmundige Versprechen der Carcharodon Shipping Company soll mit der Jungfernfahrt des beeindruckenden Unterwasserkreuzfahrtschiffs Neptune auf die Probe gestellt werden.
Doch bereits wenige Tage nach dem Besuch der Unterwasserstadt Pacifica kommt es zur Katastrophe. Die Neptune wird Opfer einer Sabotage, welche das Schiff in die bodenlose Tiefe des Meeres sinken lässt. Gefangen auf dem Meeresgrund, haben die Probleme für die Überlebenden gerade erst begonnen. Denn hier unten lauert ein jahrzehntelanges Geheimnis auf sie.
Leviathan ist erwacht und erhebt sich hungrig aus der Tiefe.

Zum Inhalt:
Ulysses und einige bekannte Gesichter von Magna Britannia befinden sich also auf dem im Klappentext geschilderten Unterwasserkreuzfahrtschiff. Dieses wird sabotiert, sinkt und wird von einem riesigen Kraken angegriffen. Aber das ist nur ein Teil der Gefahr, in der die Überlebenden schweben, denn einer von ihnen scheint ein Mörder zu sein, der es auf sie abgesehen zu haben scheint. Sie entkommen der Neptune und retten sich in eine Unterwasserstation, wo sie einem 25 Jahre alten Geheimnis auf die Spur kommen. Nun dreht der Mörder der Gruppe so richtig auf und dezimiert die Anzahl der bisher noch Überlebenden empfindlich. Dieses Unterwassersetting gemischt mit der Bedrohung von außen und der „10 kleine Negerlein“-Bedrohung von innen funktioniert super! Das macht echt Spaß. Wenn jetzt noch die Figuren etwas spannender gezeichnet wären, würde ich mich locker wieder im Vier-Punkte-Bereich einfinden.
Auch habe ich als alter Krimi-Profi den Bösewicht nur allzu schnell enttarnt, das wäre noch etwas subtiler gegangen, um die Geschichte noch etwas spannender zu erhalten.
Den Abschluss bildet ein fieser kleiner Cliffhanger – eine Wendung, die, so hoffe ich doch sehr, nicht nur ein kurzfristiger Schockeffekt war, sondern in weiteren Bänden der Serie wieder aufgegriffen werden wird…

Neben der Hauptgeschichte gibt es noch eine kurze Bonus-Erzählung „Vanishing Point – Fluchtpunkt“. Hier ist Ulysses zu einer Seance bei einer Verflossenen eingeladen, die dazu führt, dass die Anwesenden eine Maschine im Keller überprüfen, die der Vater von Ulysses Ex-Freundin kurz vor seinem vermeintlichen Tod konstruiert hat. Halbwegs interessant sind noch die politischen Irrungen und Wirrungen, aber ansonsten bleibt die Geschichte eher blass – auch das Schicksal des Vaters hat mich sowas von kalt gelassen.

Mein Fazit:
Puh! Die Figuren bleiben total blass, die steampunkige Hintergrundwelt wird völlig aus den Augen verloren – bloß gut, dass die Handlung klasse ist und mitreißt. Die kurze zweite Geschichte des Bandes hätte ich persönlich nicht gebraucht, die reißt die Wertung nochmal um 0,5 Punkte in die lichtlose Tiefe des Marianengrabens.

Meine Wertung:
3 von 5 Oktopusse

[Rezension] Unnatural History

Autor: Jonathan Green
Verlag: Luzifer Verlag
Reihe: Pax Britannia, Band 1
Format: broschiert
Seitenzahl: 370
Erschienen: 2013
ISBN: 9-783943-408195
Preis: 13,95€

von: Moritz

Eine steampunkige Welt des Jahrs 1997? Immer her damit!

Klappentext:
Zwei Monate vor den Feierlichkeiten zum 160. Thronjubiläum von Königin Victoria wachsen Unsicherheit und Unzufriedenheit in Magna Britannia.
Eine revolutionäre Sekte namens Darwinian Dawn verbreitet Angst und Schrecken in Londons Straßen. Mysteriöse Schattenwesen streben nach Einfluss und Macht.
Nichts ist wie es scheint, während die Uhr des Big Bens das Jahr 2000 ankündigt… und damit das Ende der Welt.

Zum Inhalt:
Poah. Schon der Klappentext liest sich total cheesy. Da gibt sich aber ein Autor die volle Pulp-Kante. Fehlen bloß noch Dinosaurier…

… okay. Die gibt es dann im Verlauf des Buchs auch noch. Hat dieser Johnathan Green ein Glück, dass ich auf so etwas stehe, denn ansonsten hätten sein Dandy-Protagonist Ulysses Quicksilver, die von einer steampunkigen Maschine angetriebene Queen Victoria und die Dinosaurier im Londoner Zoo keine Chance die 1 Punkt Grenze von unten kommend zu überspringen.

Nun, der steampunk-Hintergrund kommt nur selten zum Tragen – etwa bei der Lebenserhaltungsmaschine der Queen oder bei den Transportmitteln, die beim Anschlag im Zoo eine größere Rolle spielen, aber das stört mich wenig, denn Mr. Green hat etliche schön-spinnerte Ideen wie ein Mittel das ein Wesen (beispielsweise einen Mensch) auf genetischer Basis langsam evolutionär zurückentwickelt, bis es irgendwann wieder zu einer Art Ursuppe wird.

Den Helden – Ulysses Quicksilver, also Odysseus Quecksilber, empfand ich zu Beginn als etwas quartermainig, später wurde er aber eher jamesbondesk, in besseren Momenten erinnerte er sehr an Indiana Jones. Sind ja alles nicht die schlechtesten Referenzen und ich könnte mir einen schlechter zusammengeklaute Protagonisten vorstellen. So richtig an Konturen gewinnt er zwar nie, aber man mag ihn schlussendlich doch und er trägt – soviel kann ich schon sagen – auf jeden Fall einen Roman im Alleingang. Dazu noch ein interessanter Kriminalfall in Museums-Umgebung, einen fiesen Bösewicht, der eine staatsfeindliche Sekte anführt, einen Bösen im Hintergrund und viele, viele Kämpfe und scharfe Bräute und fertig ist der Pulp-Cocktail! Wohl bekomm’s!

Mein Fazit:
Keine große Literatur, aber es liest sich verdammt flott runter. Was will man im Pulp-Genre mehr? Ich finde den Helden ganz cool und war von den teilweise ziemlich abgefahrenen Ideen jederzeit gut unterhalten. Also alles super! In der Badewanne oder krank auf dem Sofa definitiv eine hervorragende Wahl.

Meine Wertung:
3,5 von 5 Steampunk-Queens

[Rezension] Jet

Autor: Russell Blake
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: Klappbroschur
Seitenzahl: 321 Seiten
Erschienen: Oktober 2014
ISBN 13: 978-3943408379

von: Würfelheld

Ein Buch was mich wieder durch seinen Klappentext bekommen hat und das nicht nur weil mal wieder einer der sagenumwobensten Geheimdienste der Welt, der Mossad, eine Rolle spielt, sondern auch weil ich so ein wenig an die TV Serie Navy CIS und an das Buch „Der Mossad“ denken musste. Also mal sehen ob es hier auch Nackenschläge a la Gibbs gibt.

Klappentext:
Codename: Jet. Alter: 28 Jahre. Jet war einst des Mossads tödlichste menschliche Waffe, bis sie ihren eigenen Tod vortäuschte, um diese Identität für immer zu begraben. Aber die Geheimnisse der Vergangenheit lassen sich nicht einfach abschütteln. Als ihr neues Leben auf einer ruhigen Insel von einem brutalen Angriff bedroht wird, muss Jet zu ihrer geheimen Existenz zurückkehren, um die zu retten, die sie liebt. Eine wilde Achterbahnfahrt voller schockierender Wendungen beginnt … Fans von Lizbeth Salander, SALT und der Bourne-Trilogie werden ihre helle Freude an diesem unkonventionellen Thriller haben, der mit Höchstgeschwindigkeit auf ein erschütterndes Finale zusteuert.

Zum Inhalt:
Jet eine ehemalige Geheimagentin lebt mittlerweile wieder ein bürgerliches Leben, zwar mit einigen Einschränkungen, aber sie lebt. Sie hat sich auch eine neue Existenz aufgebaut, so betreibt sie ein Cafè. Eines Abend findet in ihrer Nachbarschaft Festlichkeiten statt, die Jet veranlassen ihren Laden früher schließen zu wollen. Doch kurz vor dem vorgezogenen Ladenschluss betritt ein merkwürdig anmutender Typ Jets Laden.

Ohne lange zu fackeln attackiert dieser Jet, welche sich dank ihres Trainings und noch immer ausgeprägten Instinkten erfolgreich Verteidigt und den Angreifer überwältigt. Kurz darauf folgen zwei weitere Typen, die jedoch ebenfalls von Jet ausgeschaltet werden können.

Diese Geschehnisse zwingen Jet zu handeln. Es scheint ganz so, als wenn jemand aus Jets Vergangenheit sie loswerden will, nur dafür kommen eine ganze Menge Leute in Frage. So macht sich Jet kurzentschlossen ans Werk und fängt an, der Sache auf den Grund zu gehen. Dafür muss sie einiges an Reisen, Geduld und Hinterhältigkeiten auf sich nehmen.

Meine Meinung:
Russell Blake versetzt seine Protagonisten sehr geschickt in unterschiedliche Zeitlinie bzw. Rückblenden und sorgt so dafür, dass das Buch nicht ins stocken gerät. Die Aufhänger sitzen so perfekt, das man jedes mal fluchen könnte, weil das Kopfkino im „Stop-and-Go“ hängt. Da aber in jeder Einblendung die Aktion so perfekt passt und man so mit wichtigen Daten versorgt wird, merkt man schnell das diese Szenenwechsel genau das Instrument sind, die dieses Buch mit tragen und auszeichnen, denn Russell Blake gelingt es diesen Bilderwahn, den man von der Kinoleinwand her kennt, perfekt ins innere Auge zu transportieren.

Wer in den letzten Jahren die neueren James Bond oder Jason Bourne Filme gesehen hat, wird sich in diesem Thriller schnell verlieben und nach Beendigung wieder von vorne anfangen wollen.

Ein Papiererlebnis, was sich in diesem Genre nicht zu verstecken braucht und mehr als einen Blick wert ist.

Meine Wertung:
5 von 5 Geheimagentinnen

[Rezension] Am Ende der Welt (Graues Land III)

Autor: Michael Dissieux
Verlag: Luzifer-Verlag
Reihe: Graues Land
Format: Klappbroschur, 257 Seiten
Erschienen: 2012
ISBN: 978-3-95835-000-7

von: Moritz

Ha! Nach den kleinen bis mittelschweren Zombie-Werwolfproblemen in den ersten beiden Bänden nähern wir uns nun tatsächlich dem Ende der Welt! Mal sehen, wie das aussehen wird…

Klappentext:
7 Jahre später … 7 Jahre nach Mayfield … Die Welt ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, eine stille Hülle, ein Relikt … Wenige Menschen wandeln über diesen unendlichen, von Gott verlassenen Friedhof, noch weniger sind bei klarem Verstand. Das Leben hat seine Werte verloren. Hoffnung ist ein bitteres Wort, bedeutungslos. Daryll ist einer der Überlebenden. Ein Gestrandeter, gezeichnet von Hunger und Furcht. Dennoch sucht er weiter. Er sucht eine Bedeutung in all dieser Sinnlosigkeit … Auf seiner einsamen Reise durch diese verheerte Welt macht er seltsame Bekanntschaften und muss einer schrecklichen Wahrheit ins Auge sehen.

Die Story:
Darryl bleibt wie schon im mittleren Band der Trilogie der Hauptprotagonist, um den sich das gesamte Geschehen dreht. Die Welt hat weitere 7 Jahre auf dem Buckel und die Story des Abschlussbandes ist schnell zusammengefasst. Es geht um das „Mensch sein“. Will man den Inhalt etwas umfassender beschreiben, so lässt sich sagen, dass Darryl seinen Platz in der neuen Welt sucht und um ihn herum immer mal wieder „gute“ und „böse“ Menschen auftauchen – sogar spannenderweise solche aus vorhergehenden Bänden – und mal länger und mal kürzer in seinem Gravitationsfeld bleiben, bis ihr Dasein auf der sterbenden Erde auf die eine oder andere Art und Weise ein Ende findet. Endlich ist auch mal der Titel so richtig gut gewählt, denn gemeinsam mit Darryl stellen wir uns die Frage, was und denn nun am Ende der Welt erwartet. Zuerst vor allem bildlich gesprochen, aber gegen Ende des Romans auch ganz simpel örtlich betrachtet.

Das Setting:
Ähnlich wie in Band 1 haben wir es hier wieder fast mit einem Kammerspiel zu tun, nachdem Darryl 7 Jahre lang gereist ist, findet er nun in der Schule eines kleinen Dörfchens eine Zuflucht. Neben dem Dörfchen spielt nur noch ein kleines abseits gelegenes Herrenhaus eine Rolle – das war es im Großen und Ganzen auch schon an Schauplätzen.
Die Stärken des Autors werden auch hier wieder ausgespielt und träge, ja fast schon lakonisch erzählt, entdecken wir gemeinsam mit dem Protagonisten die düstere, ihre Menschlichkeit immer weiter abstreifende Welt. Als Kontrapunkt werden immer wieder kurze Gewaltausbrüche eingestreut, was dann als anderes Extrem dazu dient, die Welt so darzustellen, wie Michael Dissieux sie uns vorstellen möchte.

Die Charaktere:
Puh! Ich will nicht zu viel verraten, aber Darryl ist von der Persönlichkeit her immer noch so wie wir ihn aus dem zweiten Teil der Trilogie kennen, wobei er natürlich älter, reifer und wohl auch desillusionierter geworden ist – wenn ich kurz darüber nachdenke, erinnert er mich mittlerweile etwas an Harvey, die Hauptperson des ersten Bandes. Wozu auch die Parallele passen würde, dass beide „bis zum Ende“ liebevoll eine dahinsiechende Frau pflegen, die diese Pflege vermutlich gar nicht zu würdigen weiß.
Die ganzen „Bösen“, die wir antreffen, sind allesamt austauschbar und nur die beiden Mosesse (kann man das so schreiben…?) und Jim, der direkt zu Beginn verstirbt, lassen einen noch an das „Gute im Menschen“ glauben, während interessanterweise Mike, mit dem Darryl am Ende des Romans zum „Ende der Welt“ loszieht, als „die neue Generation“ gar nicht mehr in den Kategorien „gut“ und „böse“ zu messen ist. Da lässt sich unschwer ablesen, wie sich der Autor die Zukunft der Menschheit in einer solchen Situation vorstellt und welche „Qualitäten“ ein Mensch besitzen müsste, um in einer solchen Situation zu überleben.

Mein Fazit:
Erneut ein gut geschriebener, sprachlich dem Genre entsprechend schön reduzierter, Roman, den man wirklich gut an einem trüben Herbstabend lesen kann. Die Thematik ist etwas anders als die der ersten beiden Teile, denn mittlerweile verblasst die Bedrohung durch die untoten Kreaturen und wird durch die Bedrohung durch die letzten verbliebenen Menschen ersetzt, aber das ist nur das konsequente Weiterentwicklung der Grundidee und gefällt mir ausgesprochen gut.
Das Ende ist zwar irgendwie „unbefriedigend“ und es riecht etwas danach, als sollte es nicht nur bei einer Trilogie bleiben, aber so schlimm ist das ja nicht, ich würde glatt noch einen vierten Teil durchhalten…

Meine Wertung:
4 von 5 in den Sonnenuntergang marschierende Zombies

[Rezension] Die Schreie der Toten (Graues Land II)

Autor: Michael Dissieux
Verlag: Luzifer-Verlag
Reihe: Graues Land
Format: Klappbroschur, 280 Seiten
Erschienen: 2012
ISBN: 978-3-943408-08-9

von: Moritz

Ich fräse mich gerade durch die Zombiekalypse-Trilogie. Geht flott, lässt sich gut runterlesen!

Klappentext:
Der dreizehnjährige Daryll hat zwei Wochen in einer postapokalyptischen Welt überlebt. Zusammen mit der kleinen Mary Jane machte er sich das Leben so angenehm wie es die Umstände zuließen. Als das Mädchen eines Tages von einer höllischen Kreatur angefallen wird und kurz darauf verschwindet, beschließt Daryll seine Heimatstadt zu verlassen.
Auf seiner Reise trifft er auf andere Überlebende, wie etwa Murphy, einen alten, kauzigen Mann, die zwölfjährige Demi und Wulf, einen Biker, den der Verlust seiner Familie zu zerreißen droht. Sie alle merken schnell, dass sie die Gefahren, die diese tote, nahezu entvölkerte Welt für sie bereithält, nur gemeinsam bestehen können. Und so beschließen sie, eine Militärbasis an der Küste aufzusuchen, in der Hoffnung auf Hilfe und medizinische Versorgung. Als sie nach einer gefährlichen und aufrüttelnden Reise die Basis erreichen, wird der Gruppe auf brutale Weise vor Augen geführt, dass die Welt sich weitergedreht hat.
Und dann ist da noch Meg, das Mädchen von der Straße, das die Schreie der Toten hören kann …

Die Story:
Die teils schon aus Band 1 bekannten Überlebenden der Zombiekalypse machen sich auf die Suche nach „Zivilisation“ und erreichen nach einem Umweg über eine Militärstation „New Eden“, wo sie erstmals seit Ausbruch der Seuche wieder ein Gefühl von Sicherheit genießen können. Es gibt warmes Essen, Liebe, Mauern zum Schutz vor den Untoten…

Doch auch diese Sicherheit ist ebenso trügerisch wie hart erkauft und schnell stellt sich heraus, dass nicht alles so „paradiesisch“ ist, wie es scheint. Für mich als Religionslehrer ganz interessant, ist die Tatsache, dass sich die handelnden Personen Gedanken um die Existenz von Gott machen und dass Fragen gestellt werden, inwiefern und vor allem wie menschliche Wesen mit solchen Schicksalsschlägen umgehen können. Auch die Frage inwieweit der Mensch Gott spielen darf, wird zumindest kurz angeschnitten. Viele interessante Fragestellungen, dafür, dass man in dem Genre sonst eher spritzendes Blut und herausquellende Gedärme (macht euch keine Sorgen, die gibt es auch) erwartet.

Wie schon Band 1 endet auch dieser Nachfolger mit einem ziemlichen Kracher! Lasst euch überraschen!

Das Setting:
Wir befinden uns immer noch in der Umgebung von Devon, aber in diesem Teil der Reihe lernen wir etwas mehr von der Welt kennen – und zwar die Militärbasis Stonington und eine menschliche Enklave in der ansonsten zerstörten Stadt Mayfield.

Ich habe übrigens nach meiner geographischen Verwirrung in Teil 1 etwas recherchiert und festgestellt, dass sowohl Devon, als auch Stonington und Mayfield in Pennsylvania zu finden sind, aber Stonington soll am Meer liegen, das tut zumindest das, was ich gefunden habe, nicht. Allerdings wären all diese Orte von Boston aus per Hubschrauber bequem zu erreichen, ich vermute also, dass ich auf der richtigen Fährte sein könnte.

Die Schilderung des Hintergrundes ist genreüblich schön düster, da gibt es echt nix zu bemängeln.

Die Charaktere:
Wie schon aus Band 1 gewohnt, sollte der Leser sich auch hier nicht unbedingt emotional an bestimmte Charaktere binden, denn wenn es schlecht läuft, sind die schneller wieder aus der Narration „verschwunden“, als man nur Zombie-Biss sagen kann.
Nach Band 1 waren die ersten Helden, auf die man trifft doch eher überraschend. Ich hatte das Ende so gedeutet, dass Harv und sein Sohn überlebt haben würden, und Demi und Murphy ins Gras gebissen hätten – dem ist aber nicht so und so werden, nachdem man den Jugendlichen Darryl und seinen Hintergrund kennen gelernt hat, Murphy und Demi eingeführt. Zu diesem Trio trifft noch der Mann Wulf und gemeinsam macht man sich auf die Suche nach weiteren Überlebenden und nach Sicherheit.
Ziemlich rasch treffen die Überlebenden auch auf eine kleine menschlich bewohnte Enklave „New Eden“, aber über die dort lebenden Personen möchte ich hier nicht viel verraten, lest einfach selber…

Die Personen sind in Band 2 der Trilogie nicht mehr ganz so schablonenhaft und als Leser fängt man fast an, etwas für sie zu empfinden, gerade das Verhältnis von Wulf zu Darryl und von Darrly zu Demi sind hier ganz interessant und es finden nun tatsächlich Entwicklungen statt. Topp!

Meg, die laut Verlagsinfo bei der Betitelung des Buches eine wichtige Rolle spielt, kommt übrigens irgendwie zu kurz – erst steht sie nur katatonisch in der Gegend rum, dann hat sie einen kurzen klaren Moment und erzählt ihre Geschichte und dann ist sie auch schon wieder tot. (Aber wer weiß – vielleicht ist das wieder nur eine Nebelkerze und wir treffen sie im Abschlussband der Trilogie wieder an?)

Mein Fazit:
*träller* „Ein Hoch auf unsern Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer…“ *träller*
Schön. Es wird. Orte und Handlung sind gewohnt gut – auch die Personenzeichnung zieht da an Qualität langsam nach. Wenn Band 3 jetzt noch einen draufsetzt, hat sich die Lektüre amtlich gelohnt! Dann lege ich doch mal schnell los…

Meine Wertung:
4 von 5 freundliche Busfahrer

[Rezension] Graues Land I

Autor: Michael Dissieux
Verlag: LUZIFER-Verlag
Reihe: Graues Land-Trilogie
Format: Klappbroschur, 271 Seiten
Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-943408-03-4

von: Moritz

Aha. Mal wieder eine Zombiekalypse – die Teile sind ja derzeit ordentlich in Mode und ich habe zuletzt zwei weitere aus deutschen Landen vor der Rezensionsflinte gehabt, wie den zweiten Teil der Sigel-Chroniken von Andy Schnell  und den ersten Teil der Totes Land-Reihe – beide beim Mantikore-Verlag erschienen.

Fairerweise muss man natürlich zugeben, dass der hier gecheckte Herr Dissieux die Nase zeitlich schonmal ein gutes Stück vorne hat…

Klappentext:
Harvey und Sarah führen ein glückliches, ruhiges Leben in den Bergen. Als Sarah erkrankt, kümmert sich der alte Harv liebevoll um seine Ehefrau. Doch eines Tages hat sich etwas geändert in der Welt da draussen. Es beginnt damit, dass die Fernsehsender kein Programm mehr ausstrahlen, dann fällt die Stromversorgung aus, auch das Telefon verstummt. Ein grauer Schleier umhüllt das Land. Eine trügerische Stille liegt über den Feldern, über dem Haus. Des Nachts glaubt Harvey, Kreaturen ums Haus schleichen zu hören. Und die kurze Begegnung mit einer jener Kreaturen im Garten bringt die schreckliche Gewissheit, keiner Einbildung erlegen zu sein. Harvey beschließt, in Erfahrung zu bringen, was zum Teufel mit der Welt geschen ist. Und so steigt er in seinen rostigen Van und fährt hinüber zu seinem alten Freund Murphy, der ein paar Meilen die Straße hinab ein kleines Lebensmittelgeschäft betreibt. Doch dieser scheint bereits dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein …

Die Story:
siehe Klappentext

(Den hätte ich auch kürzer gehalten, wenn ich der Verleger wäre…)

Okay, um meiner Pflicht genüge zu tun: Scheinbar haben irgendwelche Terroristen irgendetwas angestellt, was fast die gesamte Menschheit vernichtet hat. Wir erleben das alles durch die Augen des alten Harv, der in einem abgelegenen Cottage in Devon lebt. (Wobei ich wahrscheinlich etwas doof bin und während des ganzen Buchs nicht rausgefunden habe, ob es sich um die reale Grafschaft „Devon“ handeln soll, oder ob der Name einfach nur für einen x-beliebigen abgelegenen Ort stehen soll…)

Das Setting:
Fast kammerspielartig erleben wir hier die Bedrohung mit und 98% des Romans spielen sich im Häuschen von Harvey und Sarah ab, einem ältlichen Pärchen. Das Ganze bleibt schön geheimnisvoll und wir Leser wissen, dass wir uns in unserer Welt befinden und dennoch wirkt alles irgendwie „fremd und leer“, besser kann ich es nicht ausdrücken.

Die Charaktere:
Wenn man mal ehrlich ist, hat man an nennenswerten Charakteren eigentlich nur Harvey, den sympathischen Rentner aus dem kleinen Cottage nebenan, der versucht mit der neuen Weltordnung klarzukommen und dabei möglichst wenig den Verstand zu verlieren. Der Kerl kommt auf jeden Fall sympathisch rüber, auch wenn er nie so richtig an Kontur gewinnt. Mehr, als dass er sich aufopferungsvoll um seine sieche Gattin kümmert und es körperlich so langsam mit ihm bergab geht, erfährt man eigentlich nicht.

Sarah, die Gattin, kommt als eigener Charakter überhaupt nicht vor, ich denke, sie dient hier lediglich als Anker, der Harvey an Ort und Stelle hält und uns so den Weltuntergang in dieser abgelegenen Region erleben zu lassen.

Auch die Nachbarn, der Ladenbesitzer, das kleine Mädchen in Devon – alle dienen nur dazu, zu zeigen, was gerade abgeht und wie „die Welt sich weiterdreht“ (um mal das Leitmotiv des Romans geschmeidig einzuflechten).

Einzig Barry, Harveys Sohn, der später auf merkwürdige Art und Weise erscheint (gibt es Hubschrauber, die nonstop von den USA nach Devon fliegen können? – wahrscheinlich haben wir es doch mit einem abgelegenen US-Nest namens „Devon“ zu tun), lebt lange genug, um vielleicht auch für den folgenden Teil noch von Interesse zu sein. Eine richtige Persönlichkeit lässt aber auch er nicht erkennen, sondern hat vor allem die Funktion dem Leser weitere Informationen zum Zustand der Welt zu geben.

Mein Fazit:
Liest sich verdammt gut und mir gefällt der Ansatz, die ganze Handlung auf einem sehr konzentrierten Raum stattfinden zu lassen und alles, was „draußen“ ist, nur durch Fernsehen und Gedankenwelt des Protagonisten gefiltert an den Leser gelangen zu lassen.

Insgesamt kommt mir der Stil noch einen Tacken ungelenk vor und die Gewaltszenen sind für meinen Geschmack etwas unnötig eklig, aber für einen Busfahrer (eines meiner drei Feindbilder neben Hausmeistern und Telefonservice-Mitarbeitern) macht Michael Dissieux seine Sache schonmal ausgezeichnet und ich freue mich auf die nächsten beiden Bände. *spässlegmacht* Mal schauen, ob er nochmal eine Schippe draufpacken oder mich gar überraschen kann, denn seien wir mal ehrlich, das Genre Zombiekalypse kommt doch sehr häufig recht schablonenhaft daher. Graues Land zeigt da schonmal gute Ansätze, drückt mir die Daumen. Im Epilog wird zumindest schonmal angedeutet, dass Harvey im nächsten Band Gesellschaft bekommen könnte.

P.S.: Komischerweise hatte ich während des Lesens oft den Vergleich mit meinem Lieblingsapokalypseroman „Die Grüne Wolke“ im Hinterkopf. Keine Ahnung, woran das liegen mag, vielleicht an der behutsamen Aufdeckung des Geschehens, denn am Humor kann es definitiv nicht liegen – Graues Land ist nämlich komplett ironie- und humorbefreit. Würde mich interessieren, ob das anderen Lesern auch so geht.

Meine Wertung:
3 von 5 kammerspielartigen Zombiekalypsen (mit einem vierten Schoggoten, der sich schon für die Folgebände anschleicht)