[Gewinnspiel] „FAAR 1: Die Aschestadt – Das versinkende Königreich“

16. März 2017

Ich werde erst ruhen, wenn das Blut auf dem Schwert das Blut eines Königs ist.
– Schlachtruf der „Söhne der Schande“

Ein verlorener Kontinent,
der im Ozean zu versinken droht. Ein uraltes Königreich,
dessen Bewohner das Meer und seine Kreaturen fürchten.
Eine düstere Stadt, beherrscht von einer Bruderschaft, die ihre strengen Glaubensregeln brutal durchsetzt.

Ein Mörder geht in den Straßen von Alaris seinem blutigen Handwerk nach.

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[Leseprobe] Der Herr der Welt inklusive Gewinnspiel

9. April 2013

Dank Amrûn kann ich euch hier eine Leseprobe zu „Der Herr der Welt“ präsentieren. Ich hoffe es gefällt euch genau so gut wie mir.

***   ***   ***   ***   ***

Ganz London war bei der Nachricht von der Katholikenverschwörung

am Abend vorher in hellen Wahnsinn ausgebrochen.

gegen zwei Uhr Mittags, eine Stunde nach dem Verrat des Plans

an Mr. Snowford, war das Geheimnis an die Öffentlichkeit gedrungen;

sozusagen in einem Augenblick stand jede geschäftliche

Tätigkeit still. Um halb vier waren sämtliche Läden geschlossen,

ebenso die Börse, die städtischen Büros und die Fabriken im

Westend – sie alle hatten, wie einem unwiderstehlichen Impuls

folgend, die Arbeit eingestellt, und von zwei Uhr Nachmittag an

bis fast um Mitternacht, als es der Polizei nach hinreichender Verstärkung

gelungen war der Situation Herr zu werden, durchzogen

Menschenansammlungen, ganze Heerzüge von Männern, Scharen

schreiender Frauen, Banden wie wahnsinnig sich gebärdender

männlicher Jugendlicher die Straßen, heulend, drohend und

mordend. Man wusste nicht, wie viele umgekommen waren,

doch gab es kaum eine Straße, die keine Zeichen der Zerstörung

aufwies. Die Kathedrale von Westminster war geplündert, alle

Altäre niedergerissen und unbeschreibliche Schandtaten waren

dort vollzogen worden. Ein unbekannter Priester hatte gerade

noch Zeit gehabt, die heiligen Hostien zu konsumieren, ehe er ergriffen

und erdrosselt wurde; am Nordende der Kirche hatte man

den Erzbischof mit elf Priestern und zwei Bischöfen aufgehängt;

fünfunddreißig Klöster waren verwüstet, die St. Georgskathedrale

bis auf den Grund in Asche gelegt, und man glaubte, den

Abendblättern zufolge, dass zum ersten Mal seit der Einführung

des Christentums in England im Umkreise von vierzig Kilometern

von der Abtei kein Tabernakel mehr zu finden war. »London

war endlich«, so schrieb das »New People« in gesperrten Lettern,

»von diesem unsauberen und phantastischen Blödsinn befreit.«

gegen halb vier erfuhr man, dass wenigstens siebzig Luftschiffe

nach Rom abgegangen waren und ferner, eine halbe Stunde

später, dass Berlin diese durch weitere sechzig verstärkt hatte.

Um Mitternacht, glücklicherweise zu einer Zeit, da es der Polizei

endlich gelungen war, eine Art Ordnung in die Volksmasse

zu bringen, warfen die Reflektoren auf Wolken und Plakatflächen

die Nachricht, dass der Vergeltungsschlag vollzogen sei

und Rom aufgehört habe zu existieren. Die ersten Morgenblätter

brachten noch einige Einzelheiten, indem sie, was nahe lag,

auf das eigenartige Zusammentreffen des Falles von Rom mit

dem Schluss des Jahres hingewiesen und berichteten, dass durch

einen merkwürdigen glücklichen Umstand tatsächlich sämtliche

Spitzen der Hierarchie im Vatikan, gegen die sich der erste Angriff

gerichtet hatte, versammelt gewesen seien und dass diese,

vermutlich aus Verzweiflung sich geweigert hatten, die Stadt zu

verlassen, als durch drahtlose Telegrafie die Kunde kam, die strafende

Macht sei unterwegs. Nicht ein Gebäude stand mehr in

Rom, die ganze Stadt, der Leoninische Teil, Trastevere und die

Vorstädte – alles war vernichtet; denn die in ungeheurer Höhe

anhaltenden Luftschiffe hatten die unter ihnen liegende Stadt mit

größter Sorgfalt unter sich aufgeteilt, ehe sie die Explosivstoffe

fallen ließen. Und fünf Minuten nach dem ersten Krachen und

dem ersten Emporwirbeln von Rauch und ansteigenden Trümmern

war die Sache erledigt. Die Luftschiffe hatten sich dann

nach allen Richtungen hin zerstreut, um den Autostraßen und

Eisenbahnlinien zu folgen, wo sie ihr Vernichtungswerk an der

Bevölkerung vollendeten, die sofort nach Bekannt werden der

Nachricht zu fliehen versucht hatte. Man nahm an, dass mindestens

dreißigtausend verspätete Flüchtlinge auf diese Weise noch

umkamen. »Allerdings«, bemerkte die Kunstzeitschrift Studio,

»sind viele Schätze von unberechenbarem Wert vernichtet worden,

doch war dies ein geringer Preis für die endgültige und vollständige

Ausrottung dieser Pest des Katholizismus. Man gelangt

schließlich an einen Punkt«, bemerkte sie, »wo Vernichtung die

einzige Kur für ein von Ungeziefer befallenes Haus ist.« Auch sie

bemerkte ferner, dass, nachdem nun der Papst mit dem gesamten

Kardinalskollegium, all die königlichen einstigen Hoheiten Europas,

all die übergeschnappten Religionsanhänger, welche die

»Heilige Stadt« zu ihrem Wohnsitz gemacht hatten, mit einem

Schlag vernichtet seien, man nirgends mehr ein Wiedererwachen

des Aberglaubens zu befürchten brauche. Doch müsse jetzt dafür

gesorgt werden, dass nicht Weichherzigkeit um sich greife.

Kein zivilisiertes Land der Welt darf einem Katholiken noch das

Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben einräumen – wenn

überhaupt noch Katholiken existierten, die dumm genug wären,

dieses Recht einzuklagen. Soweit man las, waren sich darüber

alle im klaren. Selbst der Rest der Welt war sich einig, wie man

nun weiter verfahren wollte. So las man allenthalben in den Depeschen,

die von überallher eintrafen.

Einige Blätter bedauerten den Vorfall oder vielmehr den geist,

der sich dadurch offenbart hatte. Es sei nicht schicklich gewesen,

meinten sie, dass der Humanitarismus zur Gewalt gegriffen habe.

Doch war keines darunter, das nicht darin übereinstimmte, man

könne sich nur dem Gefühl tiefster Dankbarkeit für das erreichte

Ergebnis hingeben. Auch Irland müsse nun an die Reihe kommen,

man dürfe keine Zeit mehr verlieren.

Gegen Osten hin begann es sich zu lichten und in der Richtung

über den Fluss hin zeigten sich in der winterlichen Dämmerung

ein paar rötliche Streifen. Eine überraschende Ruhe herrschte

allenthalben, denn diese ungeheure, von der durchwachten

Nacht ermüdete und in der bitteren Kälte erstarrte Menge hatte,

beherrscht von dem Gedanken an das, was ihrer wartete, keine

Energie mehr zu unnützen Kraftäußerungen. Nur aus den überfüllten

Plätzen, den Straßen und Gassen tönte ungebrochen das

Gemurmel der Massen, so wie das grollen von Meereswellen

ein paar Kilometer im Landesinneren. Unterbrochen wurde es

nur vom Hupen und Klappern der vorbeifahrenden Autos, die

im Kreisverkehr am Broad Sanctuary nach Osten abbogen und

Richtung Innenstadt verschwanden.

Es wurde lichter und lichter, die elektrischen Globen verblichen

mehr und mehr und die Dämmerung begann sich zu klären,

nicht um das frische Blau, das man nach der kalten Nacht erhofft

hatte, zu zeigen, sondern um ein farbloses, wolkiges, graues

und mit dem Aufsteigen der kupferroten Sonnenscheibe aus dem

Fluss matt rosa gefärbtes Gewölbe zu erschließen.

Um neun Uhr machte sich eine Erregung bemerkbar. Unter

den Polizisten zwischen Whitehall und der Abtei, welche von ihren

erhöhten, den Weg entlang verteilten Tribünen die Barrieren

überwachten und kontrollierten, konnte man eine gewisse Bewegung

wahrnehmen, und eine Minute später eilte ein Polizeiwagen

über den umzäunten Platz und verschwand hinter den

Abteitürmen. Nun begann Erwartung sich der murmelnden und

herandrängenden Menge zu bemächtigen, und Hochrufe begrüßten

vier weitere Wagen mit dem Reichswappen, die in gleicher

Richtung verschwanden. In ihnen saßen einige Funktionäre, so

hieß es, die nach Deans Yard unterwegs waren, wo sich der Umzug

versammeln sollte.

Gegen Viertel vor zehn stimmte die Volksmenge am Westende

von Victoria Street einen Gesang an, die Glocken von den

Türmen der Abtei begannen plötzlich zu läuten, und es verbreitete

sich das Gerücht, Felsenburgh werde an der Zeremonie teilnehmen.

Weder vorher noch später geschah irgendetwas, was

zu dessen Entstehung Anlass gegeben hätte; es war in der Tat,

berichtete der »Evening Star«, ein weiterer Beweis für den erstaunlichen

Instinkt menschlicher Massen, denn selbst die Regierung

gelangte erst eine Stunde später zur Kenntnis der Tatsache.

Und doch konnte nicht geleugnet werden, dass von halb elf an

ununterbrochenes Skandieren die Abtei umtoste, das, selbst die

ehernen Stimmen der Glocken übertönend, rings um Whitehall

herum sich bis nach Westminster Bridge hin erstreckte und nach

Julian Felsenburgh verlangte. Und doch war man seit vierzehn

Tagen absolut ohne Nachrichten über den Präsidenten von Europa,

abgesehen von einem, jedoch auf keine Tatsachen sich stützenden

gerücht, dass er sich irgendwo im Osten aufhalte.

Und nun strömten die Automobile von allen Seiten nach der

Abtei hin und verschwanden unter dem Bogen von Deans Yard.

Sie brachten jene bevorzugten Persönlichkeiten, deren Karte sie

zum sofortigen Eintritt in die Kirche ermächtigte. Hochrufe erschollen

und pflanzen sich die Reihen entlang fort, als man die

Größen erkannte – Lord Pemberton, Oliver Brand mit Frau, Mr.

Caldecott, Maxwell, Snowford mit den europäischen Delegierten,

ja selbst den melancholisch dreinblickenden Mr. Francis,

den Regierungs-Zeremoniarius, begrüßten einige Rufe. Doch

um Viertel vor elf, als das Glockengeläute verstummte, hatte

auch dies Zuströmen aufgehört, die Wege wurden mittels Barrieren

abgesperrt, die Drahtumzäunungen zurückgezogen und die

Haufen, einen Augenblick im Rufen innehaltend, atmeten ob des

plötzlich verminderten Drucks erleichtert auf und ergossen sich

in die nun freigegebenen Straßen. Dann setzte wieder das Rufen

nach Julian Felsenburgh ein.

Die Sonne stand hoch am Himmel, eine Kupferscheibe weit

über dem Victoria Tower. Sie schien jetzt bleicher, als noch vor

einer Stunde. Das Weiß der Abbey, das bedrückende grau des

Parliament House, das tausendfache Farbspiel der Dachschindel,

der Köpfe, der Wimpel und Plakate breitete sich vor ihnen aus.

Noch fehlten fünf Minuten. Eine einzige Glocke schlug noch

an, die Minuten verrannen bis auch diese schwieg. An das Ohr

derer, die sich in Hörweite des großen Westportals befanden,

drangen die ersten Töne der mächtigen, von Trompeten verstärkten

Orgel. Und dann, plötzlich und tief, wie die Ruhe des Todes,

senkte sich ein gewaltiges Schweigen hernieder.

II

Als die Glocke fünf Minuten vor der vollen Stunde oben in den

hohen Wölbungen feierlich gleichmäßig zu läuten begann, atmete

Mabel tief auf und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, nachdem

sie eine halbe Stunde lang in steifer Haltung auf das wunderbare

Schauspiel hinab gestarrt hatte. Es schien ihr, als habe sie sich

den Ereignissen gefügt, als sei ihr eigenes Ich zurückgekehrt,

als habe sie sich nun stärken können am Anblick des Triumphs

und der Schönheit. Sie kam sich vor wie jemand, der an einem

Sommermorgen nach vorangegangenem Sturm auf das ruhige

Meer hernieder blickt. Die Veranstaltung trieb ihrem Höhepunkt

entgegen.

Von einem Ende zum andern, von einer Seite zur anderen, bot

das Innere der Abtei den Anblick riesiger, aus menschlichen Gesichtern

zusammengesetzter Mosaikstücke, lebender Spalten und

Wände, Einschnitte und Kurven. Ihr gerade gegenüber im südlichen

Seitenschiff erstreckte sich vom Fußboden bis hinauf zur

Fensterrosette eine einzige, nur aus Köpfen bestehende Fläche,

der Boden schien mit solchen bepflastert und durch den roten

Teppich des Mittelgangs, der von der Kapelle der heiligen Fides

herführte, in zwei Hälften geteilt; zur Rechten, jenseits des freien

Platzes vor dem Altarraum füllten den Chor weißgekleidete, in

lange, faltige Gewänder gehüllte gestalten; der hohe Orgelraum,

von dem man die lange, abschließende Rampe entfernt hatte,

war ebenso überfüllt, und weiter hinab erstreckte sich dasselbe

endlose, bleiche, lebende Pflaster hin durch das düstere Seitenschiff

bis in den Schatten des westlichen Fensters. Zwischen jeder

Säulengruppe hinter den Chorstühlen, also vor ihr, zu ihrer

Rechten, Linken und im Rücken schmiegten sich Tribünen an

das Mauerwerk und die kunstvolle Decke, das Dächermaßwerk

und das kühn geschwungene Kapitell; dies allein schon genügte,

das Auge sich über das Menschliche hinaus erheben zu lassen.

Den gesamten weiten Raum durchflutete, wie man den Eindruck

hatte, zartes Sonnenlicht, das den außerhalb jedes einzelnen

Fensters an gebrachten künstlichen Lichtquellen entströmte und

das Rubin und Purpur und Blau der alten Glasfenster in langen

Farbstreifen durch den Staub der Atmosphäre warf und in unförmigen

Flecken auf den Gesichtern und Gewändern dort unten

ruhte. Das Summen von Zehntausenden von Stimmen erfüllte

den Bau und bildete eine feierliche Begleitung zu jenen melodiösen

Tonwellen, welche über sie hinzogen. Stärker aber und tiefer

als all dieses wirkte der kahle, nur mit einem Teppich bekleidete

Altarraum zu ihren Füßen, der mächtige Altar inmitten mit den

zu ihm hinan führenden Stufen, der ungeheure Vorhang und die

noch leeren, altertümlichen Sitze.

Mabel bedurfte solch stärkender Eindrücke, denn die vergangene

Nacht bis zur Heimkehr Olivers war wie ein entsetzlich erregender,

wacher Traum an ihr vorübergegangen. Von dem ersten

Stoß an, von dem, was sie dort vor der Kirche gesehen hatte,

und all die Stunden des Wartens mit dem Bewusstsein, dass auf

solche Weise nun der Geist des Friedens seine Überlegenheit

bewies, bis zu jenem letzten Augenblick, wo sie im den Armen

ihres Mannes vom Fall Roms erfuhr, war es ihr vorgekommen,

als sei diese neue Welt, welche sie umgab, plötzlich angefault.

Es war unglaublich, sagte sie sich, dass dieses raubgierige, an

Klauen und Zähnen von Blut triefende Ungeheuer, das da unter

Brüllen sich in vergangener Nacht erhoben, jene Humanität

sein sollte, die ihr zum gott geworden. Sie hatte gedacht, Rache

und Grausamkeit und Metzeleien seien nur Produkte jenes Aberglaubens,

des Christentums, und nunmehr unter der Herrschaft

des Lichtengels abgetan, tot und begraben, und jetzt schien es,

dass all diese Ungeheuer noch lebten und umgingen. Den ganzen

Abend lang war sie dagesessen, war umhergegangen, hatte sich

hingelegt irgendwo in der Stille ihres Hauses. Erfüllt von Schrecken

hatte sie trotz der eisigen Luft von Zeit zu Zeit ein Fenster

aufgerissen. Mit geballten Fäusten lauschte sie dem Schreien

und grölen der Menschenmassen, die sich unten durch die Straßen

drängten. Hörte das Kreischen und Hupen der Züge, die den

Wahnsinn in der Stadt unter ihr immer weiter mit neuen Massen

von außerhalb befeuerten. Sie sah den rötlichen Widerschein der

Feuer, sah die Rauchsäulen aufsteigen aus den brennenden Kirchen

und Klöstern.

Sie hatte mit sich gerungen. Zweifel waren in ihr auf gestiegen

und sie hatte sie niedergekämpft; verzweifelte Akte des Glaubens

hatte sie gemacht und sich bemüht, das Vertrauen, das aus ihrer

Betrachtung erwachsen war, wieder zu gewinnen, sie hatte sich

vorgehalten, dass Traditionen nur langsam absterben, sie hatte

gekniet, aufgeschrien zu dem Geist des Friedens, von dem sie

wusste, dass er, wenn auch für den Augenblick unter bösen Leidenschaften

vergraben, dennoch im Herz eines jeden Menschen

wohnte.

Ihr kamen ein paar Verse in den Sinn, aus der Feder einer der

alten Dichter aus viktorianischen Zeiten:

Wie kann es sein, fragst Du, gedacht, befohl‘n?

Wer war’s? nicht Mensch, nicht hier aus unsren reih‘n!

kurz glomm der funke Licht, bis er verlosch.

Denn zürnt uns auch der Herr, war’s stets der Mensch,

der drosch.

Selbst an den Tod hatte sie gedacht, wie sie es ihrem Mann

mitgeteilt hatte. In allem Ernst hatte sie es vor; es wäre ein mit

ihren Moralanschauungen vollkommen im Einklang stehendes

Entkommen gewesen. Nach allgemeiner Übereinkunft wurden

die zum Leben Untauglichen und Sterbenden aus der Welt geschafft,

dazu waren ja die Euthanasiehäuser da. Nun, was sollte

sie auch halten. Sie konnte es ja nicht mehr ertragen! Und dann

war Oliver gekommen, sie hatte sich durchgekämpft, zurück zu

Einsicht und Vertrauen, und das Phantom war wieder gewichen.

Wie gefühlvoll und ruhig er doch gewesen war, begann sie sich

jetzt zu sagen, da der beruhigende Einfluss der in diesem Gotteshaus

versammelten Menschenmassen sie neuerdings überwältigt

hatte – wie vernünftig in seinen Darlegungen doch dieser Mann

war, sogar jetzt, obwohl kaum genesen, und darum um so eher zur

Schwäche neigend. Während der letzten Nacht hatte sie sich alles

immer wieder wiederholt, aber es war doch ganz anders, wenn

er selbst es aussprach. Noch einmal hatte seine Persönlichkeit

gesiegt und der Name Felsenburgh hatte das Übrige getan.

»Wenn er nur hier wäre!« seufzte sie. Aber sie wusste, dass er

fern war.

Nicht eher als eine Viertelstunde vor elf Uhr verstand sie, dass

auch die Menge draußen nach ihm rief, und dieses Bewusstsein

vermehrte noch ihre wiedererlangte Sicherheit. So wussten sie

also doch, jene blutrünstigen Tiger, bei wem ihre Erlösung lag;

sie begriffen, was ihr Ideal war, wenn sie ihm auch eben noch

entgegen gehandelt hatten. Oh, wenn doch hier wäre, dann wäre

alles wieder gut! Unter seinem Friedensruf würden die erregten

Wogen sich beruhigen, das dunkle Gewölk würde sich verziehen

und der Donner der Stille weichen. Doch er war weit weg – fern

in irgendeiner unbekannten Angelegenheit. Nun ja, er kannte seine

Aufgabe und würde sicherlich bald zurückkehren zu seinen

Kindern, die seiner so sehr bedurften.

Sie hatte das Glück, allein in einer Gruppe zu sein. Ein ergrauter

alter Herr mit seinen Töchtern zur Seite war ihr einziger

Nachbar und ihr unbekannt. Zu ihrer Linken erhob sich die rot

drapierte Brüstung, über die zum Altar und Vorhang sehen konnte,

und ihr Platz auf der Tribüne, an die drei Meter hoch über

dem Boden, nahm ihr jede Möglichkeit einer Unterhaltung. Sie

war nur zu dankbar dafür, denn sie hatte wenig Lust zu sprechen;

alles was sie wollte war, sich in aller Stille über sich selbst klar zu

werden, ihren glauben wieder zu befestigen, hinaus zu blicken

über die zahllose Menge, die sich zusammengefunden, um dem

großen Geist zu huldigen, an dem sie Verrat geübt, und ihren Mut

und ihre Treue zu erneuern. Sie war neugierig, was der Redner

sprechen, ob irgendeine Erwähnung von Buße erfolgen werde.

Mutterschaft war sein Gegenstand – jener liebliche Ausdruck

universellen Lebens – Zärtlichkeit, Liebe, Friede, Verlangen zu

schützen, aufzunehmen, der Geist, der eher mildert, zurückhält

als antreibt, der sich beschäftigt mit Werken des Friedens, der

Licht und Wärme im Haus verbreitet, Ruhe bringt, Nahrung bietet

und willkommen heißt.

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*G*E*W*I*N*N*S*P*I*E*L*

Amrûn lässt sich nicht lumpen und hat mir 2 Exemplare von „Der Herr der Welt“ für das folgende Gewinnspiel gesponsort *DANKE*.

Du möchtest eines der beiden Exemplare dein eignen nennen?

Dann beantworte einfach die nachfolgende Frage und sende bis zum 16.04.2013 – 12:00 Uhr eine E-Mail (Betreff: Amrun) mit deiner Lösung und Adresse  an wuerfelheld [at] arcor [.] de .

Bei mehreren richtigen Antworten entscheidet das Los!

Frage: Wer schrieb das Vorwort von „Der Herr der Welt„?

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Das ganze gibt es >>> H I E R <<<

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Viel Spaß und Erfolg wünschen Amrûn und Würfelheld!