[RSP Rezension] Turbo-Fate

as-Fate-TurboEntwickler/Autoren: Fred Hicks, Leonard Balsera, u.a.
Verlag: Uhrwerk-Verlag
Format: Softcover,
Seitenzahl: 72
Erschienen: April 2015
ISBN: 978-3958670068
Preis: 9,95 Euro

von: Kris

„Turbo Fate“ ist die abgespeckte Version von „Fate Core System“ und auch in Deutschland einen Monat vor diesem erschienen. In einem dünnen, A5 großen Heft werden den Fans, die nach einem schnell aufzubauenden Tischrollenspiel suchen, die wichtigsten Regeln an die Hand gegeben, um einfach und schnell eine Rollenspielrunde aufzubauen.

Klappentext:
Volle Kraft voraus mit deiner Geschichte! Du kannst das Universum mit deinem Lieblingscharakter aus Science-Fiction oder Fantasy erforschen, die Mächte des Bösen gemeinsam mit einer Gruppe sprechender Schimpansen bekämpfen oder als moderne Hexe ein Geschäft für Liebestränke eröffnen – und das alles mit nur ein paar Minuten Vorbereitung! Vielleicht suchst du nach dem idealen Rollenspiel für eine schnelle Runde zwischendurch. Oder du bist Anfänger und suchst nach etwas Neuem, das du dir ohne großen Aufwand anlesen kannst. Egal, mit Turbo-Fate könnt ihr etwas Besonderes an euren Tisch bringen.

Turbo-Fate ist eine gekürzte Form des beliebten Fate-Core-Rollenspiels. Hier findet ihr die gesamte Flexibilität und Stärke von Fate Core in einer kürzeren Version. Ihr findet Methoden, um schnell spaßige Charaktere zu bauen und ein einfaches System, mit dem ihr alles spielen könnt, was euch gerade einfällt. Mit Turbo-Fate seid ihr innerhalb weniger Minuten bereit loszuspielen. 3… 2… 1… Spielt los!

Zum Inhalt:
Auch in „Turbo Fate“ geht es in erster Linie um die Charaktere, um die sich die Geschichte drehen soll. Der Hintergrund ist frei wählbar – so können sich die Fans einfach eine ihnen aus Film, Fernsehen oder Comics bekannte Welt aussuchen oder einfach mit den üblichen Fantasy- oder SF-Grundklischees beginnen.

Figuren müssen nicht unbedingt aus Werten bestehen, sondern sollten eine Sammlung von Ideen sein, durch die es möglich wird, eine Geschichte zu gestalten. Die Erklärung, was ein Tischrollenspiel ist und wie es abläuft, gibt es auch hier, wenn auch in abgespeckter Form. Danach werden die Säulen des Fate-Rollenspiels vorgestellt, Papier, Bleistift und Fate-Würfel, die man aber auch mit normalen Würfeln simulieren kann, wenn man sich diese nicht extra kaufen möchte.

Der Charakteraufbau ist stark vereinfacht. Jeder Spieler denkt sich interessante Aspekte aus – Schlagworte, die das Wesen der Figur definieren und deutlich machen, warum sie eigentlich so wichtig ist, aber auch wie ihr größtes Dilemma aussieht, das das Leben immer wieder schwer machen kann. Dazu kommen Stunts, die dem Helden entsprechende Vorteile bringen, aber auch Ärger machen können. Fertigkeiten sind hier allerdings auf das Notwendigste reduziert, um die Erstellung der Figuren und das Spiel auf einem überschaubaren Level zu halten.

Aktionen sind ebenfalls wieder so personenbezogen gehalten wie in „Fate Core“, Stress und Konsequenzen sind die Folge.

Wichtig ist auch in „Turbo Fate“, dass die Gruppe gemeinsam spielt und jeder den anderen zu unterstützen versucht. Spielleiter sind nicht dazu da, um die anderen die ganze Zeit an der Hand zu führen, sondern eher um zu moderieren – Anstöße zu geben oder den ein oder anderen, der sich zu sehr in den Vordergrund spielt, auszubremsen.

Auch für den Spielleiter gibt es daher wichtige Hinweise, wie er trotz der abgespeckten Regeln die Oberhand behalten und die Struktur der Runde im Auge behalten kann.

Wie „Fate Core“ ist auch „Turbo Fate“ dazu gedacht, die Spieler und Gruppen anzusprechen, die auch einmal daran interessiert sind, nicht mehr nur in einem engen Regelkorsett zu spielen, sondern auch einmal das Erzählspiel ausprobieren wollen. Daher ist es wichtig, das Teile der Gruppe schon etwas Erfahrung haben – vor allem der Spielleiter selbst. Ein oder zwei Einsteiger kann man mitziehen – ist die ganze Gruppe unerfahren, erreicht sie vermutlich schnell ihre Grenzen. Denn ein wenig Erfahrung in der Gestaltung von Figuren und Geschichten gehört schon dazu, um sich ungezwungen bewegen zu können.

Die abgespeckte Version des Systems eignet sich ausgezeichnet als Einführung in das freiere Spielen. Die Regeln sind für alle überschaubar und leicht zu erlernen, der Spielleiter kann auch schon loslegen – da er sich nicht all zu viel für den Hintergrund ausdenken muss.

Auf Treffen ist mit „Turbo Fate“ innerhalb von einer Stunde, wenn nicht weniger eine Runde zusammengestellt, in der die Spieler auch während des Spiels noch an ihren Figuren basteln können. Zwar werden sie durch die reduzierten Möglichkeiten etwas eingeschränkt, was am Anfang aber nicht viel ausmachen dürfte.

Und es kann auch für seit Jahren aktive Gruppen eine neue Welt eröffnen, ohne das viel Geld investiert werden muss.Trotz aller Freiheiten bleiben nämlich noch genug Regeln, die den Übergang zum ganz freien Erzählspiel erleichtern und durch die Würfel auch den Faktor „Glück“ nicht ganz außer Acht lässt, durch den die Geschichte immer wieder unerwartete Wendungen aufweisen darf.

Wie auch schon in „Fate Core“ liegen die Vorteile klar auf der Hand – der Spielspaß wird groß geschrieben, ebenso wie die Zusammenarbeit der Gruppe, und man kann endlich das Potential seiner eigenen Phantasie voll ausschöpfen.

Mein Fazit:
„Turbo Fate“ erlaubt auf kostengünstige Weise in ein interessantes Konzept hinein zu schnuppern, das vor allem Rollenspieler ansprechen dürfte, die schon etwas Erfahrung gesammelt haben, sich nun aber auch freier entfalten möchte. Eine gesunde Portion an Phantasie, guter Selbsteinschätzung und Teamgeist gehören mit dazu, dann kann auch bei der abgespeckten Version von „Fate Core“ nichts daneben gehen.

Meine Wertung:
4,5 von 5 Regeln

[RSP Rezension] Fate Core System: Deutsche Ausgabe

As-Fate-Core-SystemAutoren: Leonard Balsera, Brian Engard, Mike Olson, Ryan Macklin u.a.
Verlag: Uhrwerk-Verlag
Übersetzung: Thorsten Göbel, Sascha Hahn, Daniel Mayer, Karsten Voigt, Sabine Völkel
Format: Hardcover
Seitenzahl: 312 Seiten
Erschienen: Mai 2015
ISBN: 978-3958670051
Preis: 29,95 Euro

von: Kris

Rollenspielsysteme können unzählig viele Regelwerke umfassen, die jeden Aspekt erfassen und in ein enges Korsett pressen wollen, aber auch nur mit einem Buch auskommen, das mit wenigen und dazu noch sehr offenen Tipps genau so viele Möglichkeiten eröffnet, um sich und seine Charaktere auszuleben, wenn nicht sogar noch mehr. „Fate Core System“ gehört tatsächlich zu letzteren. Nun endlich liegt auch die deutsche Ausgabe des schlanken oder sehr vielfältigen Regelwerks vor.

Klappentext:
Bei Fate stehen die Charaktere im Mittelpunkt Eine Hohepriesterin der barbarischen Horden, ein untoter Revolverheld aus dem Wilden Westen und ein Oberleutnant der intergalaktischen Sicherheitskräfte sind denkbar verschieden, aber sie haben eines gemeinsam: Ihre Geschichten brauchen eine treibende Kraft, die ihnen Dynamik und Stabilität verleiht.

Fate Core ist diese treibende Kraft. Fate Core ist die neueste Edition des preisgekrönten Fate-Rollenspielsystems von Evil Hat Productions. Die Regeln wurden bereinigt und fokussiert, ohne dabei die Flexibilität von Fate aufzugeben. Egal, was du spielen willst: Mit Fate geht es.

Inhalt: • Leicht verständliche Regeln zur Charaktererschaffung und Spielweltgestaltung • Praktische Tipps, wie Spieler und Spielleiter die bestmögliche Geschichte erzählen können • Klare und verständliche Regeln für alte und neue Spieler • Neue und verbesserte Methoden, um mit Aktionen, Aspekten, Fate-Punkten und mehr umzugehen Erzählt aufregende, dramatische, spannende Geschichten. Dafür ist Fate Core da.

Zum Inhalt:
Nicht die Welt mit all ihren Geheimnissen und Monstern steht in „Fate“ im Vordergrund, es sind eher die Charaktere, um die sich die Geschichte aufbauen soll – ihre Eigenschaften, Stärken wie Schwächen können manchmal inspirierender sein als die Rettung ganzer Planeten oder der Kampf gegen das unsagbar Böse.

Eine Figur kann nur dann kraftvoll und glaubwürdig sein, wenn sie einen interessanten Hintergrund hat, der sie und ihre Entscheidungen immer wieder in Frage stellt oder erschüttert. Schwächen machen es ihr vielleicht schwer im Umgang mit anderen zurecht zu kommen, können bei der Zusammenarbeit im Team aber auch zum Vorteil gereichen.

Das Buch nimmt sich die Zeit zu erklären, wie Rollenspiel auch sein kann – eine gemeinschaftliche Entwicklung, in der Spieler wie auch Meister gleichermaßen beteiligt sind. Nach der obligatorischen Einführung in das Thema geht es gleich zur Sache. Das Spielgeschehen in Fate ist ein wenig anders aufgebaut als in den gängigen Systemen, das merkt man schon an dem Charakteraufbau.

Nicht das Würfelglück bestimmt die Entwicklung, sondern der Spieler selbst. Indem er sich interessante Aspekte – also Schlagworte ausdenkt, die das Wesen der Figur definieren und deutlich machen warum sie wichtig ist, die dazu passenden Fertigkeiten und Stunts ausdenkt, gestaltet er seinen Helden und bettet diesen gleichzeitig ins Spiel und ins Team ein. Dabei ist nichts endgültig, die Autoren raten sogar dazu, Aspekte zu ändern oder auch erst später hinzuzufügen.

Die Aktionen sind sehr personenbezogen, verursachen Stress und Konsequenzen, aber nichts ist nur Zufall, oft auch Entscheidung des Spielers selbst. Alles in allem legt die Gruppe eine grundlegende Richtung für ihre Szenarien und Kampagnen fest, diese ist aber genau so wenig festgeschrieben wie alles andere, denn Veränderung und Wandel ist das A und O des Systems.
Auf eine Hintergrundwelt wird bewusst verzichtet, damit „Fate“ überall eingesetzt werden soll, in düsteren zukünftigen Welten, genau so wie in fröhlichen Fantasy-Szenarien, sogar in durch ein Franchise festgelegtes Hintergrundgeschehen.

Für wen ist das „Fate Core System“ unter diesen Voraussetzungen interessant? Sicherlich nicht für Anfänger, die noch fest an die Hand genommen werden müssen und eher froh darum sind, sich durch ein Labyrinth aus klar definierten Regeln bewegen zu können und dabei nicht selbst viel denken zu müssen.
Oder für die Fans, die von starren Systemen nicht genug bekommen können und immer mehr festlegen möchten, um das Würfelglück regieren zu lassen? Und nicht zuletzt dürften Gruppen Schwierigkeiten bekommen, die gewohnt sind, dass ihnen der Spielleiter alles bis auf das kleinste Detail kontrolliert, so dass es eigentlich kaum Freiraum gibt, anders zu handeln als von ihm vorgegeben.

Tatsächlich wendet sich das Regelbuch eher an die Gruppen, die alles etwas lockerer sehen, und tatsächlich als Team zusammenarbeiten können oder wollen. Auch sollten sie Freude am Erzählspiel haben und daher entsprechend phantasievoll sein, um ihre Charaktere entsprechend lebendig aufzubauen.

Ein wenig Erfahrung in der Gestaltung von Figuren ist sicherlich immer nützlich – vor allem die Einsicht, dass sich ein Held nicht nur durch seine Stärken und tollen Fähigkeiten oder Waffen definiert, sondern auch durch die Schwächen und Fehler, über die er immer wieder auf seine Grenzen gestoßen wird und an deren Überwindung er in den kommenden Geschichten gezielt arbeiten kann.

Denn der Hintergrund der Helden soll der entscheidende Antrieb sein, sich in das Abenteuer zu stürzen und Gefahren zu stellen, nicht aufzugeben und die Gegenspieler auszuschalten oder davon zu überzeugen, dass sie das Falsche tun.
Natürlich haben Aktionen auch Konsequenzen – und hier liegt die Chance der Spieler sich selbst sehr viel mehr einzubringen als üblich. Selbst in der Magie haben die Spieler alle Freiheiten, die sie brauchen.

Gelegentlich darf auch das Würfelglück Spannung ins Geschehen bringen, die wohl auch die einzige zusätzliche Ausgabe bedeuten – finden sich auf den Sechseitern keine Zahlen sonder „+“, „-“ und Leerflächen. Das macht die Proben einfach und klar verständlich, so dass man sich nicht lange damit aufhalten muss.

Die Vorteile liegen auf der Hand – Spielspaß wird groß geschrieben, ebenso wie die Zusammenarbeit der Gruppe, um gemeinsam ein Spiel miteinander zu führen, in das sich alle nach ihrem Vergnügen einbringen können. Sicherlich ist von Vorteil, wenn es den ein oder anderen Macher gibt, aber hier ist dann auch der Meister gefragt, der gerade die Aspekte der schwächeren Spieler auch einmal in das Abenteuer einbringen kann, um sie so aus ihrem Schneckenhaus hervor zu kitzeln.

Spielleiter werden dazu aufgefordert, die Kontrolle über Spielwelt und Abenteuer loszulassen, was aber auch den Vorteil haben kann, dass die Vorbereitung und Ausgestaltung der Welt nicht mehr nur alleine bei ihnen liegt, dass sie dabei auch in Ruhe auf die Ideen ihrer Spieler zurückgreifen können. Nichtsdestoweniger haben sie immer noch die meisten Fäden in der Hand.
Ganz unerfahren sollte man deshalb nicht im Führen einer Gruppe sein, denn gelegentlich gehört es schon dazu, die Leute zu bremsen, wenn sie die Runde zu sehr ausufern lassen wollen.

Mein Fazit:
„Fate Core System“ ist ein interessantes Konzept, dass man vor allem den Rollenspielern empfehlen kann, die einerseits schon ein wenig Erfahrung gesammelt haben, andererseits aber auch den Spaß am freien Erzählspiel nicht missen wollen. Wer eine gesunde Portion an Phantasie und guter Selbsteinschätzung mitbringt, wird die Chancen, die das System bietet, jedenfalls in vollem Maße nutzen können.

Meine Wertung:
4,5 von 5 Regeln