[Rezension] Der Aufstieg Nyphrons (Riyria 3)

as-DerAufstiegNyphrons-Riyria3Autor: Michael J. Sullivan
Verlag: Hobbit Presse – Klett-Cotta
Reihe: Riyria
Format: Klappbroschur
Seitenzahl: 448 Seiten
ISBN: 978-3608960143
Preis: 16,95 Euro

von: Kris

Abenteuerliche Fantasy-Geschichten in einem weniger phantasievollen und mehr mittelalterlichem Umfeld sind seit dem Erfolg der Fernsehserie „Game of Thrones“ ziemlich beliebt. Auch der Klett-Cotta-Verlag versucht, auf der aktuellen Welle mitzureiten und hat sich deshalb der „Riyria“-Serie von Michael J. Sullivan angenommen, von der im Original bereits sechs Bände existieren. Hier ist nun mit „Der Turm von Avempartha“ der zweite Band des Zyklus erschienen.

Klappentext:
„Eines der besten klassischen Fantasy-Epen, die gegenwärtig publiziert werden.“ (Fantasy Book Critic)

Die Bedrohung – ein neues Imperium.
Die geheime Macht – die Kirche Nyphrons.
Zwischen allen Fronten – Hadrian und Royce.
Die Welt von Elan sieht sich der größten Gefahr seit Jahrhunderten gegenüber.

Die berüchtigten Diebe mit Namen Riyria übernehmen einen Auftrag als Spione des Königs von Melengar, während sich das kleine Königreich verzweifelt im Kampf gegen das Neue Imperium wehrt.

Die Story:
Schon im zweiten Band wurde deutlich, dass an dem Mord am König von Melengar mehr steckte als nur der Wunsch eines Ursupatoren, an die Macht zu kommen. Denn ganz offensichtlich hat die Kirche Nyphrons ihre Hände im Spiel, will sie doch eine alte Prophezeiung dazu nutzen, die Macht im ganzen Land Elan an sich zu reichen. Sie haben ihr eigenes Kirchenoberhaupt zur Erbin des Titels und Throns des ersten Kaisers gemacht, auch wenn diese im Moment gar nicht so recht bei sich ist und wie eine Wahnsinnige behandelt werden muss.

Doch die Verantwortlichen schüren weiterhin die Unruhe im Land, wiegeln die Putschisten weiter auf und unterstützen sie nach Kräften, um einen König nach dem anderen zu stürzen. In Melengar hat man die Gefahr erkannt und sich dagegen gewehrt, weiß aber auch, dass man sich alleine im Endeffekt nicht halten kann.

Deshalb wagt Prinzessin Arista im Namen ihres Bruders die Flucht nach vorne und durchreist die anderen Königreiche, um Verbündete zu finden. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie vielleicht auf verlorenem Posten steht, denn die Putschisten haben in einigen Ländern bereits zugeschlagen und knechten das Volk mit Gewalt und Willkür.

Zwar nimmt sie Royce und Hadrian mit sich – aber die beiden sind nur zwei Männer gegen Mächte, die sich bereits seit tausend Jahren gegenüber stehen und ein enges Geflecht an Intrigen geschlossen haben. Aber die beiden Abenteurer wissen schon lange, dass sie sich nicht mehr aus dem Konflikt heraus kommen, sind ihr Schicksal und ihr Leben doch bereits enger mit allem verknüpft als sie dachten – vor allem das des aufrechten Schwertkämpfers. In Aryn kommt es schließlich für alle zur Bewährungsprobe.

Das Setting:
Das Setting hat sich natürlich nicht sehr geändert. Noch immer spielt die Romanreihe in einem mittelalterlich anmutenden Setting. Der Konflikt zwischen der Kirche Nyphrons und den einzelnen Reichen kommt einem seltsam vertraut vor, ist dieser doch auch nicht so selten in der Fantasy anzutreffen.

Mittlerweile hat die Kirche die Oberhand gewonnen und spielt ihre Fanatiker gegen die Königreiche aus. Royce und Hadrian, die die Wahrheit inzwischen besser kennen müssen sich zusammen mit Arista durch krisengeschüttelte Länder bewegen und all ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ausspielen, um gegen den Terror, der auf sie einstürmt, anzukommen. Und auch die junge Prinzessin lernt weitere Lektionen fürs Leben.

Elfen und Zwerge soll es zwar geben, die Geschichte spielt aber überwiegend unter Menschen, zeichnet das Intrigenspiel zwischen Adligen und Kirche weiter, unter dem vor allem die einfachen Leute leiden müssen, wie die Leser zusammen mit den Helden erfahren müssen.

Die Charaktere:
Lag im letzten Band der Fokus eher auf Royce und seinen Geheimnissen wendet sich der Autor diesmal wieder Hadrian zu. Er hat zwar bereits erfahren, wie eng er mit der Prophezeiung über den Erben des Kaisers verstrickt ist, aber ist das wirklich alles? Aus diesem Grunde sucht er nach Spuren seines Vaters in der alten Heimat, die er nicht ganz grundlos verlassen hat und erfährt doch mehr an anderer Stelle.

Royce kann die neuen Abenteuer gelassener sehen, muss er sich doch nun nicht mehr so sehr hinter seinen Geheimnissen verstecken und kann seinen Ruf ausspielen. Er wird zum ruhenden Pol in der Geschichte, an dem sich alle anderen orientieren können.

Auch Arista steht nun wieder etwas mehr im Mittelpunkt und muss sich neuen Bewährungsproben stellen. Dabei darf sie auch einmal kurz die Liebe kennenlernen, was aber weder stört noch aufgesetzt wirkt und der Geschichte ein wenig Leben gibt.

Während die Mitglieder der Nyphron-Kirche weiterhin sehr blass bleiben, entwickeln einige der Nebenfiguren aus der direkten Umgebung der Helden noch mehr Profil. Auch dort scheinen einige hinter den Kulissen ihre Netze zu spinnen und die Helden bewusst einzubinden – etwas was die Spannung aufrecht erhält.

Mein Fazit:
Mittlerweile ist es unabdingbar geworden, auch die Vorgängerbände zu kennen, denn Michael J. Sullivan bezieht sich immer wieder auf Ereignisse daraus, die er nicht mehr weiter erklärt. Das Abenteuer verläuft weitestgehend konventionell – Royce und Hadrian lassen sich wieder einmal in die Pläne aus Melengar einbinden und geraten dadurch natürlich mehr als einmal in Gefahr.

Der Autor nimmt sich sehr viel Zeit den Terror der Putschisten in Szene zu setzen und deren Auswirkungen auf das einfache Volk zu beschreiben, was die Handlung zunächst nur langsam voran treibt. Aber glücklicherweise merkt man mit der Zeit, dass es auch in den ruhigeren Teilen viele Hinweise zum wahren Hintergrund des Konflikts gibt.

Gerade Hadrian ist mehr in die ganze Sache verwickelt als ihm lieb ist, und das macht ihm ziemlich zu schaffen, zeigt er doch anders als Royce Schwäche und Unsicherheit – der Leser wird ihn dadurch doch noch sympathischer finden.

Auch Arista kommt nun glücklicherweise wieder eine größere Rolle zu. Sie reist nicht mehr nur durch die Länder und versucht die anderen Könige mehr schlecht als recht zu überzeugen, sich mit Melengar zusammen zu tun, diesmal ist sie auch dazu gezwungen, in einem Konflikt deutlich Partei zu ergreifen und die Waffen in die Hand zu nehmen.

All das wurde in eine flüssig geschriebene und unterhaltsame Handlung gepackt, mit der sich vor allem Fans von Rollenspielen und epischen Geschichten wohl fühlen können. Der Autor präsentiert eine gut durchdachte Geschichte mit einem immer dichter werdenden Hintergrund und ständig wechselnden Wahrheiten, die die Handlung immer unvorhersehbarer machen und dadurch die Spannung bewahren, auch wenn es nicht immer schnell voran geht.

Meine Wertung:
4 von 5 Dieben

[Rezension] Die Musik der Stille

Autor: Patrick Rothfuss
Verlag: Hobbit Presse – Klett Cotta
Format: gebunden mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 173
Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-442-48132-3
Preis: 17,95 Euro

von: Moritz

Juppidu! Ein neuer Rothfuss – allerdings ist es keine Fortsetzung der Kvothe-Geschichte,, sondern wir erfahren mehr über Auri.

Klappentext:
Sie heißt Auri und ihr Dasein ist voller Geheimnisse. Kvothes sonderbare Freundin vermag anders als alle anderen wahrzunehmen, was unter der Oberfläche der Dinge liegt. Sie weiß von verborgenen Namen und schleichenden Gefahren…

Zum Inhalt:
Himmelherrgott! Hier passiert ja überhaupt nichts! Solltet ihr also irgendwas mit Kvothe Zusammenhängendes erwarten, dann seid ihr falsch gewickelt, denn er ist lediglich der Aufhänger dieser kleinen Geschichte. Es werden 7 Tage geschildert, in denen sich Auri im „Unterding“ auf den Besuch ihres Freundes vorbereitet. An diesen 7 Tagen geschieht… gar nichts! Überhaupt nichts! Freunde gepflegter Fantasy-Action werden hier spontan pennen und erst durch eine amtliche Conan-Geschichte aus der Feder von Howard wieder aufgeweckt werden können.

Ich allerdings habe Spaß an Sprache, an Wörtern, am Schaffen von Begriffen – und das findet hier am laufenden Band statt. Erinnert mich in diesem Zusammenhang etwas an eine äußerst filigrane und fragile Variante von der „Stadt der Träumenden Bücher“, wo auch die Sprache deutlich Vorfahrt gegenüber der eigentlichen Handlung hat. So begleiten wir Auri einige Tage in der von ihr bewohnten und mit Begriffen und Gefühlen belegten Welt und das ist einfach nur schön. Man freut sich mit ihr, leidet mit ihr. Da ist es raus. Das treffende Wort ist „schön“.

Mein Fazit:
Puh, ich will das schöne und außergewöhnliche Lese-Erlebnis nicht groß zerquatschen, das war mal was völlig Anderes und hat, wenn man ehrlich ist, keinerlei Handlung, Entwicklung, Gefahren oder Konflikte – außerdem kommt im gesamten Text nur eine einzige Person vor. Trotzdem lohnt sich das Lesen absolut und es ist irgendwie faszinierend, wie man sich zunehmend sowohl in die Umwelt als auch die Gedankenwelt (was vermutlich ohnehin mehr oder weniger identisch ist) der Heldin einliest und alles von Seite zu Seite weniger merkwürdig wird – allerdings nicht, weil das Buch weniger merkwürdig würde, sondern weil man selber immer merkwürdiger wird.

Ein „bezauberndes“ kleines Büchlein – und das ist glaube ich ein Wort, das ich noch nie in diesem positiven Sinne benutzt habe. Respekt, alter Rothfuss!

Meine Wertung:
5 von 5 eigenartige Wörter

[Rezension] Der Turm von Avempartha (Riyria 2)

Autor: Michael J. Sullivan
Verlag: Hobbit Presse – Klett-Cotta
Reihe: Riyria
Format: Klappbroschur, 394 Seiten
ISBN-10: 3608960139
ISBN-13: 978-3608960136

von: „Kris“ (Christel Scheja)

Abenteuerliche Fantasy-Geschichten in einem weniger phantasievollen und mehr mittelalterlichem Umfeld sind seit dem Erfolg der Fernsehserie „Game of Thrones“ ziemlich beliebt. Auch der Klett-Cotta-Verlag versucht, auf der aktuellen Welle mitzureiten und hat sich deshalb der „Riyria“-Serie von Michael J. Sullivan angenommen, von der im Original bereits sechs Bände existieren. Hier ist nun mit „Der Turm von Avempartha“ der zweite Band des Zyklus erschienen.

Klappentext:
„Keine von Menschenhand geschaffene Waffe kann dieses Ungeheuer töten.“

In einem Turm – ein uraltes Geheimnis.

Das Problem – ein Ungeheuer.

Die Rettung – zwei Diebe.

Hadrian und Royce möchten eigentlich nur ein paar Bauern in einer armen Gegend helfen. Doch plötzlich haben sie einen gefährlichen Auftrag am Hals und sind in die undurchschaubaren Pläne des Zauberers Esrahaddon verwickelt.

Die Story:
Nachdem in Melengar wieder Ruhe eingekehrt ist und der junge Herrscher Adric mit Hilfe seiner Freunde und Verbündeten seine Macht zu festigen versucht, ziehen Royce und Hadrian, die beiden Abenteurer wieder ihrer Wege und genießen die freie Zeit ohne Gefahren, denn sie wissen, die kann schnell wieder vorbei sein.

Schon bald werden sie von dem einfachen Bauernmädchen Thrace angesprochen. Deren Dorf wird schon eine ganze Weile von einem Ungeheuer überfallen, dass immer nur Nachts auftaucht, so dass niemand wirklich weiß, wie es aussieht. Ein Fremder, der seit einer Weile bei ihnen lebt, hat ihr geraten, sich an Royce und Hadrian zu wenden.

Vor allem Royce ahnt, dass bei der ganzen Sache etwas ziemlich gegen den Wind stinkt und bleibt skeptisch, aber Hadrian sagt aus Ritterlichkeit zu, denn der Auftrag scheint nicht so gefährlich zu sein. Doch schon bald muss auch er erkennen, dass weitaus mehr hinter der ganzen Sache steckt. Denn Esrahaddon, der einstmals mächtigste Zauberer der Welt, den sie selbst aus einem Kerker befreit haben, hat wieder seine Finge mit im Spiel.

Er deutet an, dass hier erneut Kräfte aus der Vergangenheit wirken, die eng mit seiner Mission und den Geheimnissen des untergegangenen Kaiserreichs verbunden sind und nun nicht nur ihn, sondern auch erneut die Kirche des Novron mit all ihren Intrigen und Machenschaften auf den Plan rufen.

Derweil versucht auch Prinzessin Arista nach der Thronbesteigung ihres Bruders einen Platz im Leben zu finden. Dieser besteht für sie allerdings nicht darin, mit einem möglichen Bündnispartner verheiratet zu werden, sondern selbstbestimmt durch die Lande zu ziehen – als Botschafterin Melengars.

Das Setting:
Wie auch schon der erste Teil ist der zweite in einer mittelalterlich anmutenden Welt angesiedelt. Die Schatten des vor gut tausend Jahren untergegangenen Imperiums werfen noch immer ihre Schatten über das Land, so dass der rote Faden weitergesponnen wird. Noch immer sind die Kirchenfürsten auf der Suche nach dem „Erben“, um ihn zur Marionette ihrer eigenen Interessen zu machen – und dazu bereit auch falsches Spiel zu treiben.

Auf der anderen Seite stehen wie immer die Adligen – Herrscher wie Fürsten, die natürlich nicht bereit sind, ihre Macht aus der Hand zu geben. Mittendrin steckt wie immer die einfache Bevölkerung in den Städten und Dörfern, die einzig und allein darauf hoffen, irgendwie überleben und ein halbwegs nettes Leben führen zu können.

Elfen und Zwerge gibt es zwar auch, sie führen aber eher ein Schattendasein und wurden von den Menschen entweder zu Sklaven und Handlangern gemacht oder ins Abseits gedrängt. Nur einige wenige bekommen überhaupt Gesicht und Stimme.

Anders als im ersten Band bewegen sich die Helden diesmal überwiegend zwischen den einfachen Leuten und müssen sich mit deren Ängsten und Aberglauben herumschlagen. Die höfische Ebene ist diesmal fast ganz auf Prinzessin Arista verlagert, die nach der Thronbesteigung ihres Bruders nun ein eigenes Ziel im Leben sucht.

Die Charaktere:
Wie immer stehen Royce und Hadrian im Mittelpunkt der Geschichte. Nachdem der Leser im ersten Band einen guten Eindruck von ihren Kenntnissen und Fähigkeiten bekommen hat, nutzt der Autor diesmal die Gelegenheit, ein wenig den Mantel der Verschwiegenheit über der Vergangenheit der beiden zu lüften. Das macht sie trotz der offen zur Schau gestellten Überlegenheit doch immer noch interessant genug, um ihr Schicksal weiter zu verfolgen. Immerhin dürfen sie – gerade Hadrian – gelegentlich auch noch Schwächen, wie Naivität zeigen, was sie nicht all zu sehr zu Superhelden macht und sympathisch bleiben lässt.

Man merkt ebenfalls, dass Thrace in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist – das Bauernmädchen hat zwar einen wachen Verstand und Träume, aber es kommt dabei doch nicht über einen gewissen Grad an Bildung heraus. So bildet sie einen gewissen Gegensatz zu den beiden Abenteurern, wird aber auch zur Mittlerin zwischen diesen und den Dorfbewohnern.

Auch Arista darf sich zunächst weiterentwickeln, bleibt dann aber in ihrer Entwicklung stehen, da sie nicht wirklich auf eigene Faust agiert, sondern sich immer noch ziemlich von den Männern in ihrer Umgebung, vor allem Esrahaddon und den Kirchenoberen lenken lässt.

Dazu kommt eine Vielzahl an Nebenfiguren, die nur so weit charakterisiert werden, wie es für die Handlung notwendig ist. Alles in allem bleiben die Charaktere von den Helden über die Schurken bis hin zu den Stichwortgebern relativ oberflächlich und sind eher dem Fluss der Geschichte untergeordnet als dass sie diesen bestimmen.

Mein Fazit:
Auch wenn die Hintergrundgeschichte weitergesponnen wird, lässt sich das Buch doch weitestgehend ohne die Kenntnis des ersten Bandes lesen, auch wenn es immer wieder entsprechende Anspielungen gibt. Viele, wenn auch nicht alle sind aber immerhin selbsterklärend.

Große Teile der Geschichte drehen sich um die Sorgen und Nöte des Dorfes und der einfachen Menschen, die von einem geheimnisvollen Monster bedroht werden, dessen Geheimnisse erst nach und nach ans Licht kommen. Die Handlung ist daher weitestgehend vorgezeichnet und dementsprechend leider gerade für erfahrene Leser keine besondere Überraschung.

Was die Spannung aufrecht erhält sind eher die Details, die kleinen Enthüllungen bezüglich des Monsters oder Esrahaddons Plänen, die Vergangenheit von Royce und Hadrian, die auch schon im ersten Band angerissen wurde und nicht zuletzt die Machenschaften des Adels im Hintergund, die in enger Verbindung zu den Ereignissen des ersten Bandes stehen.

Schwach dagegen ist die Handlungsebene um Arista, auch wenn nachvollziehbar ist, dass sie nach ihren letzten Erlebnissen noch nicht so recht weiß, was sie will und um ihren Platz in der adligen Gesellschaft kämpfen muss. Hier hat man gerade am Anfang eher das Gefühl, dass es sich nur um Füllszenen handelt.

Insgesamt lässt sich das Buch sehr gut lesen, ist unterhaltsam und flott geschrieben, lässt keine Langeweile aufkommen – aber man sollte keine all zu großen Überraschungen erwarten. Der Autor schafft es zwar hin und wieder die Leser auf eine falsche Fährte zu führen, wenn dann aber dann nicht für lange.

Auch wissen die gegnerischen Parteien überraschend viel voneinander, was zwar deren Aufeinandertreffen vereinfacht – aber auch viel von der Spannung nimmt.

Immerhin ist die Mischung angenehm abwechslungsreich – Enthüllungen wechseln sich mit Action oder längeren Dialogen ab, die Beschreibungen sind angemessen aber nicht erdrückend, so dass derjenige, der bei seiner Lektüre vor allem ein unterhaltsames und glatt gebügeltes Fantasy-Abenteuer sucht auf seine Kosten kommt, nicht aber der Leser, der ausgefeilte Charaktere mit Ecken und Kanten oder einen komplexen Hintergrund vorzieht.

Meine Wertung:
3,5 von 5 Dieben

[Rezension] Der Name des Windes (Die Königsmörder-Chronik Erster Tag)

Autor: Patrick Rothfuss
Verlag: Hobbit Presse – Klett Cotta
Reihe: Königsmörder-Chronik
Format: gebunden mit Schutzumschlag, 863 Seiten
Erschienen: 2008
ISBN 13: 978-3-608-93815-9

von: Moritz

Was für eine Schwarte! Ich lese zwar recht viel, aber solche Trümmer jenseits der 800 Seiten kommen mir dann doch nicht allzu oft vor die Flinte. Aber das Teil hier sieht schon mal gefällig aus, und – ich verrate an dieser Stelle nicht zu viel – liest sich auch äußerst gefällig.

Klappentext:
»Vielleicht habt ihr von mir gehört« … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen … und ein schüchterner Liebhaber.

Die Story:
Ein junges und talentiertes, aber sozial benachteiligtes Kerlchen wird an einer Magie-Akademie angenommen, findet schnell Freunde und auch Feinde (sowohl unter den Schülern, als auch unter den Profe… sorry … Meistern) baut viel Unsinn, wobei er sich aus schwereren Bestrafungen bis hin zum Ausschluss stets herauswieseln kann, erlebt aufgrund seines Könnens einen raketenhaften Aufstieg und tut sich schwer mit Mädchen.

Kommt euch bekannt vor? Mir auch, aber enben dieser Vergleich würde dem Roman nicht gerecht werden, denn von Sprache und Aufbau ist „Der Name des Windes“ doch deutlich erwachsener und die Internatshandlung und die Interaktion mit Freunden und Feinden steht nicht so explizit im Vordergrund. Vor allem wird hier viel mehr angedeutet. Es gibt nicht einen Bösen, der regelmäßig einmal pro Band auftaucht und besiegt wird, sondern unser Held Kvothe steht vor unzähligen Gefahren und beginnt gemeinsam mit dem Leser die Welt immer weiter zu erforschen und zu verstehen, wobei es immer noch etliche große und kleine Geheimnisse gibt, die er bisher nicht ergründen konnte – allen voran das Geheimnis um die Existenz der Chandrian, einer mysteriösen Gruppe, die eigentlich nur in uralten Geschichten existieren, die aber allem Anschein nach Kvothes Sippe ausgelöscht haben.

Aber ich sollte mit dem Anfang beginnen, denn Rothfuss nimmt sich erstmal knapp 100 Seiten Zeit, um eine Rahmenhandlung um den alten Wirt Kote zu weben, der einem Chronisten seine Geschichte erzählt. Und auch diese Rahmenhandlung hat es in sich und ist nicht so „geradeaus“ wie man zu Beginn denkt. Auch hier wird es in folgenden Bänden noch einiges aufzuklären geben.

Aber zurück zur erzählten Haupthandlung:

Wir erfahren alles über den jungen Kvothe, der behütet in einer Sippe reisender Schauspieler und Artisten aufwächst. Diese werden, als der Junge gerade mal 10 Jahre alt ist, abgeschlachtet und er lässt sich jahrelang am Boden zerstört durch die Bettlerszene von Tarbean treiben, bevor er sich am Arkanum einschreibt.

Die Suche nach den Chandrian, die seiner Meinung nach seine Eltern getötet haben, die aber jeder „normale Mensch“ in das Reich der Mythen und Legenden verbannt, ist die Hauptmotivation von Kvothe – selbst sein kompliziertes „Nicht“-Liebesleben mit Denna hält ihn nicht davon ab, alles stehen und liegen zu lassen und sofort an einen Ort zu eilen, an dem die Chandrian scheinbar eine gesamte Hochzeitsgesellschaft ausgelöscht haben. Passenderweise ist aber auch Denna dort und so machen sich die beiden gemeinsam auf die Spurensuche, setzen zwischendurch kurzerhand einen Drachen unter Drogen und Kvothe gelingt es, ein ganzes Dorf vor dem „Ungetüm“ zu retten. Die Anführungsstriche sind sehr bewusst gesetzt, denn wie bei so vielen Elementen von Rothfuss‘ Fantasywelt ist nicht alles so, wie es die Erwartungen des Lesers voraussetzen, selbst die Drachen, die absoluten Klassiker des Fantasy-Genres sind hier mit einem Twist versehen.

Das Setting:
Wir haben es hier mit einer mittelalterlichen Welt zu tun, in der Magie durchaus ihren Platz hat, aber im alltäglichen Leben eigentlich kaum stattfindet. Insgesamt gibt es zwar von der Stimmung her Lichtblicke, aber die eigentliche Grundstimmung ist doch durchgehend düster und mysteriöse – überall lauern Gefahren, auf die man (sowohl als Romanheld als auch als Leser) nicht gefasst war.

Hauptort der Handlung in diesem ersten Teil der Serie ist das Arkanum, die Magier-Akademie in Imre. Hier etabliert sich der bettelarme Junge als intelligenter Tausendsassa, der mit seinem gewaltigen musikalischen Talent auch außerhalb der Universitätsmauern, in den Kneipen von Imre, Erfolge feiert. Auch Imre mit seinen Kneipen und Pfandleihern ist eine tolle Spielwiese für den Autoren, der hier ein Geheimnis um das nächste weben kann.

Die Charaktere:
Seien wir mal ehrlich – in der erzählten Haupthandlung gibt es nur zwei wichtige Personen, Kvothe und Denna, alle anderen sind mehr oder weniger interessante und wichtige Statisten.

Die beiden, auf die es ankommt, sind aber dafür umso interessanter, Kvothe entwickelt sich im Laufe der Handlung mehrfach vom aufgeweckten Spross einer reisenden Schaustellertruppe über einen desillusionierten Straßenjungen hin zum wagemutigen Akademiemitglied, der

Und Denna wird, indem gezeigt wird, wie schwer sie zu beschreiben ist, ganz hervorragend beschrieben: attraktiv, klug und vor allem eines – geheimnisvoll. Auch am Ende des Romans habe ich nicht die geringste Ahnung was es mit ihr auf sich hat und wie es mit ihr und Kvothe weitergeht. Verdammt – her mit dem nächsten Teil der Reihe!

Naja, ich gebe es zu – ich wüsste doch gerne, was aus dem Arkanisten Ben, der Kvothe während seiner Zeit in seiner Familie gelehrt hat und dem alten Geschichtenerzähler Skarpi, der von der „Inquisition“ geschnappt wird, wurde. Die beiden scheinen mir irgendwie wichtig zu sein, erscheinen aber nach ihren kurzen, aber intensiven Auftritten, nicht mehr.

In der Rahmenhandlung haben wir Kote, den „alten“ Kvothe, der sich scheinbar aufgegeben hat und mittlerweile ein Gasthaus im Nirgendwo betreibt, sowie seinen Lehrling, auf dessen Handlungen man sich auch keinen Reim machen kann und den „Chronisten“ – auch der verbirgt, glaube ich, mehr, als es bisher den Anschein hat. Los! Ich will wissen wie es weitergeht.

Mein Fazit:
Super! Habe mich lange nicht mehr so interessiert durch einen Fantasy-Roman gepflügt. Der Hauptcharakter ist schön hintergründig, die Unterbrechungen durch die Rahmenhandlung sind an den richtigen Stellen,

Man merkt schon an der Länge der drei Abschnitte meiner völlig unzureichenden Besprechung, dass hier (neben Kvothe natürlich) die Handlung der eigentliche Star des Romans ist. Es ist immer etwas los, man erfährt immer etwas Neues und Ungewöhnliches und ist immer gespannt, was denn nun als nächstes geschehen wird.

Meine Wertung:
5 von 5 Punkte für Hufflepuff

[Rezension] Der Thron von Melengar „Riyria 1“

Autor: Michael J. Sullivan
Verlag: Hobbit Presse – Klett Cotta
Reihe: Riyria
Format: Klappbroschur, 384 Seiten
Erschienen: Februar 2014
ISBN 10: 3608960120
ISBN 13: 978-3608960129

von: Würfelheld

Dieses Buch ist mir durch den Aufdruck von Reader`s Connection „Wenn Dir GAME OF THTRONES von George R.R. Martin gefällt, dann lies Michael J. Sullivan.“ aufgefallen und hat mich neugierig auf das Gebotene gemacht. Dazu später mehr, nun erst einmal zum Inneren.

Klappentext:
Royce, ein gewiefter Dieb, und sein fast ehrenhafter Partner Hadrian betreiben ein einträgliches Geschäft mit Aufträgen des korrupten Adels. Ihr Diebesbund trägt den Namen »Riyria« und sie leben ziemlich gut dabei. Bis eines Tages ein Unbekannter die beiden anheuert, ein berühmtes Schwert zu stehlen. Was zunächst nach einem ganz gewöhnlichen Job aussieht, stellt sich jedoch als Falle heraus. Sie werden noch in derselben Nacht als Mörder des Königs verhaftet und in den Kerker geworfen. Als sie mit Hilfe der Prinzessin entkommen können, entdecken Royce und Hadrian eine Verschwörung, bei der es um noch viel mehr als nur um den Thron des recht kleinen Königreichs »Melengar« geht.

Die Story:
Wir befinden uns im Königreich Melengar, in welchem es das Diebesduo Riyria zu einem sagenumwobenen Ruf gebracht hat. Die beiden die dahinterstecken, namentlich Hadrian und Royce, sind gerade von einem tückischen Auftrag zurück und genießen ihren Lohn und ihre Freizeit, als ein auswärtiger Edelmann ihnen ein Angebot unterbreitet, welches man nicht jeder Tage erhält. Allerdings müssten Riyria gegen eine ihrer Grundregeln, gute Planung, verstoßen, denn der Auftrag müsste noch in der selben Nacht, ohne viel Vorbereitung und im königlichen Schloss von statten gehen. Der Edelmann möchte das die beiden ein spezielles Schwert verschwinden lassen.

Nach kurzer Zeit machen sich die beiden Diebe auf dem Weg ins Schloss. Alles klappt hervorragend, bis sie in die königliche Kapelle vordringen. Dort stoßen sie über eine Leiche – es ist der König! Schnell ist ihre Flucht beschlossene Sache, allerdings werden sie entdeckt.

So landen Hadrian und Royce im Kerker und ihnen droht am nächsten Tag ein qualvoller Tot, denn der Prinz sehnt sich nach Rache. So aussichtslos ihre Lage erscheint, so aussichtslos ist sie auch, bis sich ihre Zellentüre öffnet und Prinzessin Arista mit einen alternativlosen Angebot auf sie zukommt.

Hadrian und Roycer erklären sich mit Aristas Angebot einverstanden, was bleibt ihnen anderes übrig, und befinden sich einige Zeit später auf der Flucht. Der Plan der Prinzessin hat voll und ganz funktioniert und so haben die beiden Diebe auch ihre besondere Fracht, in Form des Thronfolgers bei sich.

Es beginnt eine spannende Flucht, die an einem uralten Gefängnis, das von Arista beschriebene Ziel für den Thronfolger, endet. Dieses Gefängnis, wurde vor Jahrhunderten für einen speziellen Gefangenen erbaut und dient immer noch als solches. Im Gefängnis erleben die Flüchtigen lebensverändernde Dinge, die auch ihre Sicht auf die aktuellen Geschehnisse drastisch verändern.

Wieder aus dem Gefängnis heraus, beschließt Altric, der Prinz, mit Hilfe einiger angeschlossener Grafen, Barone, Ritter und Edelleute, sein Erbrecht zu erlangen und die fortschreitende Intrige eines ehemaligen Vertrauten zu stoppen.

Das Setting:
Der Thron von Melengar spielt in einer typischen Fantasiewelt. So begegnet man zwischen den Buchdeckeln sowohl Mensch, wie auch selten Zwerge und Elben.

Im Buch wird die Intrigenwelt der Edelleute dargestellt, aber auch immer mit ihren Auswirkungen auf das gemeine Volk hin beleuchtet.

Auch die Kirche bzw. der Glaube spielt eine gewisse Rolle und das nicht nur wegen der Intrige die hier um die Thronnachfolge gesponnen wird.

Die Geschichte an sich spielt im Herbst zum Winterübergang und lässt diesen Aspekt bei den Protagonisten Handlungen nicht außer acht.

Die Charaktere:
Die namensgebenden Charaktere, die beiden Diebe Hadrian und Royce stellen den Leser vor keine Rätsel, denn sie verstehen ihr Handwerk. Sie geraten zwar durch Pech in diese große Intrige, sehen aber auch ihre Chance aus dieser misslichen Lage wieder herauszukommen und nutzen diese.

Der Thronfolger, Prinz Alric, macht eine wahrhafte Wandlung durch, so entwickelt er sich vom gehassten, hochnäsigen Muttersöhnchen zum wahren Thronfolger und geschichtsträchtigen König.

Prinzessin Arista ist ein wenig merkwürdig, sie ist die erste Frau die an der Universität studieren darf. Verschreibt sich dort aber der Magie, was für Misstrauen, auch außerhalb der Schlossmauern sorgt. Auf der anderen Seite kapselt sie sich von gesellschaftlichen Gepflogenheiten ab und macht ihr eigenes Ding.

Die anderen Charaktere in Der Thron von Melengar bieten ein weites Spektrum an Fähigkeiten, an Wichtigkeit und an Lesegewöhnung. Es wird allerdings nie unübersichtlich, da die Charaktere allesamt einzigartig sind und dieses auch entsprechend vermittelt wird.

Mein Fazit:
Zwischen diesen beiden Buchdeckeln wurde ich schnell von den beiden Dieben eingefangen und in die Geschichte gezogen. Es ging rasant mit einem Einbruch, der wirklich klasse beschrieben ist los.

Es ist wirklich gut von Michael J. Sullivan das er ausgerechnet Hadrian und Royce, also zwei Outsider, zu denn Hauptpersönlichkeiten dieses Werkes gemacht hat. Die anderen Protagonisten, werden gut in die Geschichte eingebunden und erhalten angemessen Platz und Beachtung.

Die gesponnene Intrige und die daraus resultierenden Ergebnisse und Handlungen waren für mich gut nachvollziehbar und sorgten für gute Unterhaltung.Das Voranschreiten der Geschichte wechselt von der Geschwindigkeit öfters, ist allerdings nicht hinderlich, man bekommt so die entsprechenden Informationen die man benötigt.

Um auf das Buchdeckelzitat nochmals zurück zukommen. Also Der Thron von Melengar weiß zu unterhalten und Michael J. Sullivan hat diese Story auch hervorragende gesponnen und zu Papier gebracht, aber es erreicht aus meiner Sicht nicht den Level von Game of Thrones. Das liegt zum einen daran, das Sullivan auch Gnade gegenüber seinen Charakteren walten lässt und zum anderen fehlt mir das Außergewöhnliche.

Worüber man sich auch im klaren sein sollte, es ist der Auftaktband, so ist es verständlich, das einige Fäden noch nicht zu ende gesponnen sind.

Alles in allen ein schönes fantastisches Lesevergnügen, welches neugierig auf den zweiten Teil gemacht hat!

Meine Wertung:
4 von 5 Dieben

[Rezi] Die Hetzjagd – Die Chroniken des eisernen Druiden 1

Autor: Kevin Hearne

Verlag: Klett Cotta Hobbitpresse

Erscheinungsdatum: Februar 2013

Format: Hardcover, 350 Seiten

ISBN 13: 978-3608939316

von: Sandra (Büchernische)

Atticus O’Sullivan lebt in Tempe im südwestlichen US-Bundestaat Arizona ein recht normales Leben als Inhaber eines kleinen Tee- & Kräuterlädchens. Doch der junge Ire, dessen richtiger Name eigentlich Siodhachan i Suileabháin lautet, ist kein gewöhnlicher Mensch, sondern ein 2100 Jahre alter Druide, um genau zu sein der letzte seiner Art. Er verbirgt sich in der Kleinstadt gemeinsam mit seinem Wolfshund Oberon vor Gottheiten und anderen magischen Wesen, welche nach seinem Leben trachten, denn er besitzt etwas, auf das das alte Feengeschlecht der Tuatha dé Danann seit Hunderten von Jahren Anspruch erheben. O’Sullivan befindet sich seit der Schlacht, als er das Schwert in seinen Besitz nahm, auf der Flucht und muss sich nun dem Kampf stellen. Doch er steht nicht alleine an der Front…

Der erste Eindruck

»Die Chronik des eisernen Druiden – Die Hetzjagd« begegnete mir bereits im letzten Jahr bei vorablesen.de, als ich mit Begeisterung meinen Eindruck zur die Leseprobe schilderte.

Das Cover der deutschen Ausgabe, welches den jungen Iren gemeinsam mit seinem Wolfshund Oberon auf dem Weg durch die Straßen Tempes darstellt, ist wie ich finde äußerst gut gelungen. Die Zeichnung des Protagonisten in lockerer Strichführung in Kombination mit dem Aquarellstil des Hintergrund wirkt wie ein Gemälde und passt hervorragend zur Geschichte. Das Cover der englischen Originalausgabe, welches das Profil O’Sullivans, spitzbärtig und mit dem gezogenem Schwert im Rücken zeigt, ist in ähnlichen Farben gehalten, jedoch sagt mir hier die Wahl des Fonts nicht zu. Der Klett-Cotta Verlag hat typografisch mit klassischer Fontwahl ein stilsicheres Händchen für das Wesentliche bewiesen.

Keltische Mythologie lebendig erzählt

Dem Autor ist mit seinem ersten Band einer Reihe rund um einen uralten Druiden ein Meisterstück gelungen, das mich in drei Tagen vom ersten bis zum letzten Wort begeistern konnte. Bereits in der Leseprobe war der höchsteloquente und sehr farbige Erzählstil Hearnes zu spüren, dessen Worte mir eine wahre Flut an Bildern im kopfeigenen Kino bescherten. Die Hetzjagd schildert in insgesamt 25 Kapiteln mit abschließendem Epilog auf unglaublich spannende und gleichzeitig trocken-humorvolle Art und Weise das zwei Jahrtausende währende Leben eines Druiden, der eigentlich längst unter der Erde liegen müsste. Doch der junge O’Sullivan hat seine Mittel und Wege gefunden, zum Einen sein Leben zu verlängern und sich zum Anderen völlig unauffällig zwischen sterblichen Menschen zu bewegen. Niemand in Tempe, einer Kleinstadt mitten im heißen Bundesstaat Arizona ahnt, dass sich unter der Schale des jungen tätowierten Iren ein uralter Magier verbirgt, der sich die Kraft der Natur, der Erde und des Gestaltwandelns zu Nutze macht, um sich vor einem alten Göttergeschlecht zu verbergen. Wir haben es hier aber keineswegs mit ausgebuddelten, staubigen Sagengestalten aus der irischen bzw. keltischen Mythologie zu tun. Im Gegenteil. Dem Autor ist die Verbindung des modernen Zeitalters der Gegenwart mit den mythischen Gestalten der irischen Sage äußerst eindrucksvoll gelungen.

Für mich besteht die eigentliche Attraktivität Amerikas jedoch vor allem darin, dass es praktisch gottlos ist. Als ich noch jünger und ständig auf der Flucht vor den Römern war, konnte ich in Europa keine Meile gehen, ohne auf irgendeinen einer Gottheit geweihten Stein zu treten. – Seite 9

Als ich etwas weiter im Buch voran schritt, begegneten mir immer häufiger Worte, welche in Großbuchstaben gedruckt in den Text eingebettet wurden. Es handelt sich dabei um die Namen verschiedener Gottheiten sowie unterschiedlicher Orte aus keltischer Überlieferung, welche mir im ersten Moment fremd erschienen. Auch die Aussprache stellte sich erst einmal als etwas schwierig dar, doch bei einem genaueren Blick ans Ende des Buches wird man mit Freude feststellen, dass der Autor diesem kleinen Stolpersteinchen freundlicher Weise Abhilfe schaffen wollte. Ich zitiere aus dem Glossar von »Die Chroniken des eisernen Druiden«:

Es soll gleich zu Beginn klargestellt werden, dass es dem Leser freisteht, die Namen in diesem Buch auszusprechen, wie immer es ihm beliebt. Schließlich soll das Lesen Vergnügen bereiten, und ich will niemandem den Spaß verderben, indem ich seine »falsche Aussprache« korrigiere. Trotzdem – für all diejenigen Leser, die Wert auf Genauigkeit legen, habe ich eine formlose Anleitung zur Aussprache einiger irischer Namen und Wörter vorangestellt, die den Leser möglicherweise verwirren könnten […] – Seite 346

Diese kleine Hilfestellung – so etwas sollte es öfter in Büchern geben – trug erheblich zum Lesevergnügen bei und so saß ich nach relativ kurzer Zeit mit einem gewissen Ehrgeiz in meiner Leseecke, die Begriffe richtig aussprechen zu wollen; ich strebte einfach nach einem authentischen Gefühl während des Lesen, ich wollte die Atmosphäre spüren, welche ohnehin bereits, getragen durch den Erzählstil, sehr greifbar war.

Ich bin weder jemals ins sonnige Arizona gereist noch habe ich die grünen Wiesen Irlands jemals außerhalb von Büchern oder farbenfrohen Urlaubskatalogen mit eigenen Augen gesehen. Kevin Hearne hat mit solch ausdrucksstarken Worten, lebendigen Farben und Bildern das mystische Flair Irlands mitten in das heiße Wüstenklima des amerikanischen Südwestens transportiert, das ich wirklich atemlos das Buch in der Hand hielt und den Inhalt förmlich in mir aufsog. Im Hintergrund erklang leise irische Musik – ich  setzte sogar die Musik einer im Buch vorkommenden Band auf meine Playlist und wurde geradezu durch die Seiten getragen. Der Autor nahm sich viel Zeit, die Umgebung ausschweifend zu beschreiben, Flora & Fauna einen Namen zu geben und auch die Gottheiten kamen nicht zu kurz.

Wer sich etwas näher mit der keltischen Mythologie beschäftigt – außerhalb des wohlbekannten Leprechaun, des irischen Maskottchens mit dem großen grünen Hut – der wird im ersten Teil der »Die Chronik des eisernen Druiden« viele elementare Gestalten wiedererkennen. Überlieferte Figuren der keltischen Sagenwelt wie der in Krähengestalt auftretenden Todesgöttin Morrigan über die Göttin der Jagd namens Flidais bis zum Liebesgott Aenghus Óg finden in diesem imposanten Fantasywerk ihre Rolle und übten auf mich eine Faszination aus, die mich nun dazu veranlasst, ein wenig mehr über keltische Riten und Mythen erfahren zu wollen.Auch die Hexenzirkel haben einen Platz im Plot gefunden, ebenso wie die Welt der Feen, die man sich aber – wie Atticus O’Sullivan so treffend bezeichnete – nicht wie „diese niedlichen, kleinen Disney-Flatterwesen“ (Seite 9) vorstellen darf. Vielmehr wird hier die dunkle Seite der Sidhe, der Nachkommen der Túatha Dé Danann präsentiert, Intrigen spinnend und um Macht ringend. Auch Werwölfe und sogar ein Vampir spielen eine wichtige Rolle in diesem Fantasyroman, doch keine Sorge: sie werden weder glitzern noch eifrig mit den Äuglein klimpern. Die ganze Atmosphäre, welche durch die Handlung getragen wird, ist bildgewaltig und stimmungsvoll, es passt einfach alles zusammen ohne aufdringlich oder übertrieben zu wirken.

Nein, der keltische Gott der Liebe ist kein süßer kleiner Amor mit Stummelflügelchen, und er kommt auch nicht in einer großen rosa Muschelschale angerauscht wie eine schaumgeborene Venus. Er ist weder wohltätig noch großmütig, ja, nicht einmal einfach nur nett im ganz alltäglichen Sinn. – Seite 76

Spannung pur!

Wenn ein Buch mitreißt wie ein reißender Strom, den Leser tief zwischen die Seite zieht, seine Aufmerksamkeit so sehr bindet, das man alles um sich herum vergisst, dann handelt es sich um ein perfektes Buch. Mir geht es oft so, dass ich mich beim Lesen konzentrieren muss, damit ich den Faden nicht verliere. Als ich Kevin Hearnes Fantasyroman las, konnte er meine gesamte Aufmerksamkeit für sich verbuchen, nichts und niemand konnte mich ablenken, so versunken war ich. Sein Erzählstil, seine Wortwahl könnte vom Umfang her mit Tolkiens Wortschatz verglichen werden, doch er schreibt nicht wie ein Tolkien. Er hat seinen ganz eigenen Stil entwickelt, den Leser auf eine Reise mit zu nehmen, die so sehr fasziniert, dass man denken könnte, man spiele selbst eine Rolle, und sei es nur eine kleine. Hearne spricht den Leser direkt an, weist hin, mit einem Augenzwinkern. Er lässt den Leser an der Handlung teilnehmen, als wäre er selbst Teil der Welt, als stünde man selbst im Kräuterlädchen und helfe Atticus O’Sullivan beim Mischen der Teesorten. Hearnes Magie ist fühlbar auf jeder Seite.

Bereits auf den ersten Seiten wird der Leser gnadenlos ins Abenteuer katapultiert, man hat gar keine Zeit darüber nachzudenken, wie die irischen Begriffe auszusprechen sind oder was sich hinter den Namen in Großbuchstaben genau verbirgt. Die Handlung ist selbsterklärend und doch hat man das Gefühl, unbedingt noch mehr über die Hintergründe erfahren zu wollen, sei es durch Sekundärliteratur oder mit Hilfe der Wikipedia. Mir geht es jedenfalls so, ich bin nun im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Druiden gekommen“ und möchte mehr über die Sagenwelt Irlands und dieses faszinierende Land erfahren.

Ich stritt im Namen der Erde, aus der all unsere Kraft stimmt und alles Segensreiche unseres Lebens entspringt. – Seite 307

Dabei spielt der Autor jedoch nicht mit den gängigen Klischees, im Gegenteil. Er klaut dem Leser die rosarote Vorurteilsbrille von der Nase und äußert sich belustigt über so manche Vorstellung in den Köpfen sogenannter Kenner. Andeutungsweise lugt auch eine zarte Liebesgeschichte zwischen den Zeilen hervor, jedoch lässt uns Hearne darüber im Unklaren, wie sich das in Zukunft gestalten wird. Der aufmerksame Leser wird jedenfalls feststellen, dass auch ein 2100 Jahre alter Druide nicht sein Leben lang abstinent verbracht hat, in mehrfacher Hinsicht. Den Weg, dieses Thema in weiteren Bücher zu vertiefen, hat sich der Autor zumindest schon mal geebnet, ob er letztendlich selbigen beschreiten wird, bleibt abzuwarten. Ich war fasziniert von den zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen zwischen irdischer Welt und Pantheon, so dass ich persönlich zu keinem Zeitpunkt eine ausschweifende Lovestory vermisst habe. Der Plot hat mich einfach rundherum zufriedengestellt.

Erfrischend anders und humorvoll!

Der Ich-Erzähler brachte mich übrigens nicht nur in diesem eben erwähnten Zusammenhang zum Schmunzeln und Lachen. Der trockene, manchmal sogar schwarze Humor zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und macht diese Lektüre zu einem erfrischend anderen Leseerlebnis. Ein 2100 Jahre alter Druide, der sich in der modernen Welt hervorragend einzugliedern und zurechtzufinden versteht, den einen oder anderen lockeren, frechen Spruch auf Lager hat und dabei nicht auf den Kopf gefallen ist, verbindet geschickt die Moderne mit der erdmagischen Seite des Buches. Es geht um Druiden, Hexen, Götter, keltische Symbole. Zauber und Magie sind auf jeder Seite fühlbar. Der Autor versteht es auf fabelhafte Weise, das Thema umzusetzen und geschickt für anhaltende Spannung zu sorgen. Man fühlt, wie die Erde erzittert, wenn Atticus seine tätowierte Haut auf den saftigen Boden legt und Kraft aus den Tiefen des Planeten zieht. Magische Momente, wie die Versammlung des Hexenzirkels im nächtlichen Wald oder die telepatischen, durch Kursivdruck abgesetzten Dialoge des Protagonisten mit seinem irischen Wolfshund Oberon brachten mich zum Staunen & Schmunzeln. Gerade der liebevolle und oft sehr witzige Schlagabtausch mit seinem Tier, welchem er das Sprechen beigebracht hatte, war für mein Empfinden ein Highlight der Story, da dies auflockernde Abwechslung ins Spiel brachte.

»Du bist innerhalb von drei Tagen von drei Göttinnen geknutscht worden«, stellte Oberon fest […]. »Ich denke, damit schuldest du mir dreihundert französische Pudeldamen. Damit dürften wir dann in etwa quitt sein.« – Seite 198

Kurzum: ich fühlte mich bestens unterhalten und habe mich äußerst gut amüsiert. Mit verdammt guten Gefühl im Bauch blätterte ich ich die letzte Seite um und kann nur hoffen, dass uns Klett-Cotta nicht allzu lange bis zum zweiten Band des Buches warten lässt. Das Ende, das sei noch angemerkt, ist übrigens nicht unbedingt ein Cliffhanger, vielmehr eröffnet es Möglichkeiten für eine Fortsetzung und hinterlässt genug Spielraum, um Spannung und Wissbegierde zu erzeugen, ohne das Gefühl zu haben, zu wenig erfahren über Hintergründe oder Personen zu haben.

Mein FazitEine rundherum gelungene fantastische Verbindung der modernen Welt mit keltischer Mythologie, ein Buch welches mit Atmosphäre, Wortfarbe und Humor punktet und den Leser bis zur letzten Seite verzaubert; Fans der keltischen und irischen Sagenwelt, werden mit diesem Buch eine fantastische und atemberaubende Reise getragen von einem sehr bildgewaltigen Erzählstil unternehmen können! Ein Highlight des Fantasygenres!

Meine Wertung: 5 von 5 Druiden

Weitere Infos:

Das Buch beim Verlag

14.-17. Juli Tolkien Thing

Ab morgen, Donnerstag, findet das Tolkien Thing der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V. statt.

 

Über das Tolkien Thing:
Das Thing ist die traditionsreichste, jährlich stattfindende Tolkien-Großveranstaltung in Deutschland. Zu unseren Gästen gehörten in den letzten Jahren unter anderem die Künstler Ted Nasmith, Alan Lee und Anke Eißmann, der Tolkienexperte Tom Shippey, die italienische Band Lingalad und Teile des Tolkien Ensembles.
Für weitere Informationen zum Thing:     http://thing.tolkiengesellschaft.de/information.html

 

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