[Rezension] Die Irrlichter

as-DieIrrlichterHerausgeberin: Fabienne Siegmund
Verlag: Verlag Torsten Low
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 352 Seiten
Erschienen: April 2015
ISBN: 978-3940036322
Preis: 13,90 Euro

von: Kris

Eine hierzulande recht bekannte Mittelalter-Band nennt sich „Die Irrlichter“, deshalb ist es wohl nur recht und billig, dass ein Mitglied der Gruppe das Vorwort zu der von Fabienne Siegmund herausgegebenen Anthologie verfasst hat und damit das Thema noch einmal auf den Punkt bringt – magisch, geheimnisvoll und doch unheimlich geht es zu, wenn die Spuklichter ihr Unwesen in den sechsundzwanzig Geschichten treiben.

Klappentext:
Irrlichter. Manche sagen, sie führen verirrte Wanderer ins Verderben, locken sie ins Moor. Andere wiederum sagen, dass jene leuchtenden Wesen, die oft als diffus verschwommenes Licht beschrieben werden, alle Pfade kennen.

Die Wahrheit liegt – wie wohl alle Wahrheiten – irgendwo dazwischen. Aber vielleicht verhält es sich auch ganz anders … In dieser Sammlung finden sich 26 Geschichten – 26 Versuche zwischen A wie Abenteuer und Z wie Zwielicht, dem Wesen des Irrlichts auf den Grund zu gehen.

Folgen Sie den Lichtern zwischen die Zeilen von Christoph Marzi, Ann-Kathrin Karschnick, Thilo Corzilius, Diana Kinne, Markus Heitkamp und vielen, vielen mehr. Mit einem Vorwort der Mittelalter-Fantasy-Folk-Band „Die Irrlichter“

Zum Inhalt:
Eine Gruppe von Kriminellen schlägt sich durch den Sumpf, vor allem um vor der Strafe davon zu laufen und um einen toten Kameraden verschwinden zu lassen. Als sie schließlich ganz verzweifelt sind, finden sie in der Hütte einer Alten Zuflucht.

Ein junger Mann irrt durch die Heide – auf der Suche nach seiner verlorenen Geliebten. Aber er wird nicht der einzige bleiben, den verlorene Seelen zu sich rufen wird.

Dann macht sich Archibald Leach auf die Suche nach den verlorenen Irrlichter, doch wird er wirklich das finden, was er sucht? Und was ist, wenn alle bekannten Lichter sich zu einem Kongress versammelt, aber gerade das Irrlicht sie erst wirklich zum Nachdenken bringt?

Gefangen in der absoluten Dunkelheit im Inneren eines Turms scheint das plötzlich auftauchende Licht die einzige Hoffnung für eine einsame Seele zu sein. Eine junge Mutter sucht den Flötenspieler auf, der erst vor kurzem ihren Sohn raubte und versucht einen Handel mit ihm einzugehen, doch kann man den König der Irrlichter wirklich besiegen?

Iszual ist eine Legende … der beste aller Irrlichtjäger. Aber es kommt der Tag, an dem auch er seinen Meister finden könnte.

Und ein Licht hilft einer Frau, die keine Hoffnung und Freude mehr spürt, neue Wege zu erkennen. Anders als das Raumschiff Elix-4, dass die Erde erforschen will und doch nur auf etwas trifft, was es völlig irritiert.

Das sind nur einige der abwechslungsreichen Geschichten, die viele Bereiche der Phantastik abdecken, auch wenn die Science Fiction nur mit einer Geschichte vertreten ist, Übernatürliches mit Wissenschaft verbindet.

Ansonsten dominieren Geschichten aus dem Hier und Jetzt, die mal die märchenhafte Seite der Irrlichter betonen und auf der anderen Seite auch die grusligen Aspekte nicht auslassen, obwohl es niemals wirklich blutig und brutal wird.

Gelegentlich kommt aber auch die Fantasy zu ihrem Recht – gibt den Hauptfiguren des Bandes sogar Gesicht und Stimme oder versetzt die Mythen in eine magische Welt, in der sie ein wenig anders ausgelegt werden können.

Dabei wahren die Autoren immer die ambivalente Natur der Irrlichter. Manchmal erscheinen sie wie boshafte Kobolde, die frech ihre Aufgaben erfüllen und dabei vor allem Spaß zu haben scheinen dann wieder wie schattenhafte Gestalten, die ein düsteres Geheimnis hüten. Oft genug sind sie natürlich sie verlorene Seelen, die Geister unruhiger Toten, die Sühne für begangenes Unrecht vom Täter fordern oder geliebte Partner nach vielen Jahren endlich wieder zu sich holen, bis sie Ruhe finden können. Gelegentlich helfen sie sogar dabei, dass andere nicht ihr Schicksal erleiden oder rufen sogar Hilfe herbei, wenn es noch etwas oder jemanden zu retten gibt.

Geschickt werden Magie und Mythen mit eigenen Ideen verknüpft, so dass keine Geschichte wie die andere ist, selbst wenn sich die grundlegenden Themen (Irrlichtjäger oder verlorene Seelen auf der Suche nach Erlösung) ähneln.

Dabei kommt der Humor oft auch nicht zu kurz – wird das Grauen durch ein Augenzwinkern abgemildert. Wieder andere setzen in ihren Erzählungen mehr auf die Stimmung an sich und beschwören beim Lesen intensive, melancholische Bilder vor dem geistigen Auge herauf oder sorgen für ein angenehmes Frösteln, wenn die Szene anders abschließen darf, als man eigentlich erwartet hat. Die Geschichten sind alle mehr oder weniger auf dem gleichen hohen Niveau, so dass es schwer ist, einen Favoriten herauszupicken, wenn man offen von Urban und Dark Fantasy, aber auch Steampunk ist.

Mein Fazit:
„Die Irrlichter“ erweist sich deshalb als Anthologie, die vor allem durch ihre Vielschichtigkeit punkten kann und das Thema in all seinen Facetten beleuchtet. Spannend, märchenhaft und natürlich gruslig geben die Autoren ihren geisterhaften Helden oder deren Jägern genug Stimme – um in den Bann zu schlagen, wenn man sich als Leser auf das Thema einlassen mag.

Meine Wertung:
4,5 von 5 Irrlichtern

[FeenCon 2015] Ein paar Worte …

Am letzten Wochenende fand ja bekanntlich die FeenCon 2015 in Bad Godesberg statt. Nun ich habe meinen Kadaver dann auch mal in die Stadthalle geschleppt und an dem Großen Schwitzen teilgenommen.

Nach dem anfänglichen Rundgang, Käufen und Gequatsche zog es mich diesmal in einige Programmpunkte. So begann ich mit der Lesung von Robert Corvus, der aus seinem im Januar bei Piper erschienen Fantasywerk „Grauwacht“ las. Während der Lesung und der anschließenden Selbstbeweihräucherung fand ich leider keinen Zugang zum Werk, muss nun nach ein paar Tagen aber feststellen das etwas hängengeblieben ist. Ob es aber zum Kauf kommen wird, kann ich noch nicht sagen.

Anschließend ging es zum „schwarzen Mann“ der FeenCon, ähm nee ich mein dem „Seelenverkäufer“. Ach Quatsch das war Martin Ulmer, der aus seinem im Papierverzierer Verlag erschienen Werk „Dunkellicht“ vortrug. Der Mann im schwarzen Anzug, bei den Temperaturen absoluter Wahnsinn, konnte sich über eine große Hörerschaft freuen. „Dunkellicht“ kann was.

Weiter ging es mit der Lesung von Anja Bagus. Hier gab es „Waldesruh“ auf die Lauscher. Ein Roman im, von Anja geschaffenen Ætherversum. Ich fühlte mich wirklich sehr gut unterhalten und freue mich schon auf das nächste Werk von Anja.

Nach kurzer Pause gingen meine Lauscher erneut auf Empfang. Diesesmal gab Ann-Kathrin Karschnick einen Einblick in den zweiten „Phoenix“ Teil. Weiterhin gab es dann auch noch einen kurzen Einblick ins aktuelle Werk „Sternenpfad“, einer kuriosen Mischung. Ann-Kathrin meinte „Geocachende Elfen in Berlin“ dazu. Die Bücher lagen vorher schon auf meinem SUB, somit brauchte ich nicht zuschlagen, empfehle es aber!

Ein paar Minuten später gab es dann eine doppelstündige Lesung. Nämlich aus der Anthologie „Irrlichter“ welche aus dem Verlag Torsten Low stammt. Allerdings gaben nicht nur die Autoren ihr Bestes, sondern auch die Irrlichter als solches. Somit gab es auch Musik auf die Ohren. Leider schwankten die Lesequalität sehr, was einem den Zugang zu den Storys nicht gerade vereinfachte.

„UMRAY“ wurde dann meine finale Lesung des Tages. Dabei handelt es sich um eine Anthologie die die Thematik „Predatoren landen auf der Erde“ bedient. Das Ganze wird durch Illustrationen und einem Comicstrio begleitet. Serena Hirano und Martin Ulmer trugen zuerst ihre Werke vor. Tom Daut lieferte zum Ende hin dann seine gewohnte Hörspiellesung ab. Die drei angelesenen Storys ließen schon auf unterschiedliche Herangehensweise und Qualitäten schließen. Mich rockte es nicht wirklich vom Hocker.

Nach diesen Lesemarathon schwang ich mich dann in die Abgründe des deutschen Schatten und konnte die Straßen unsicher machen, sprich ich saß in einer Shadowrun Runde die sich rund um Gang-Streitigkeiten drehte.

So gegen 3:30 ging es dann nach Hause.

Was bleibt von dieser Feencon, außer einen Riesensonnenbrand? Na ich habe mal wieder viele nette Leute wiedergetroffen, mich toll unterhalten gefühlt und hatte eine tolle Spielrunde. Somit sollte ich auch 2016 wieder mit von der Partie sein. Ich hoffe dann gibt es auch wieder Stoffbeutel – Plastiktüten sind uncool!