Würfelview – Im Gespräch mit Autorin Ju Honisch

Urheber: Arne Homborg
Urheber: Arne Homborg

Hallo Ju,

es ist jetzt schon einige Zeit her, als ich Deine Lesung von „ Das Obsidianherz“ auf der FeenCon besucht habe. Allerdings ist diese in guter Erinnerung geblieben, war das vorgetragene Lesefutter wirklich sehr gut. Damit die Leser aber auch wissen mit wem sie es hier zu tun haben, stell Dich doch bitte erst mal vor.

Ju Honisch: Ich bin Ju Honisch und schreibe Romane, Kurzgeschichten und Lieder. Ich wohne in Hessen, bin aber in Berlin geboren und in Bayern aufgewachsen. Ich habe Englisch und Geschichte studiert und mache gerne Musik.

Würfelheld: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ju Honisch: Ich habe schon in der Schulzeit geschrieben. In Schulheften haben meine Schulfreundinnen und ich damals heimlich unter der Bank Abenteuergeschichten à la „Fünf Freunde“ zusammengestopselt, bei denen meine Freundinnen und ich selbst die Heldinnen waren. Ich habe die Ergüsse noch – mehrere Bände. Sie fallen unter die Kategorie „Oh Gott, hoffentlich sieht das nie ein Mensch!“

Würfelheld: Was war Deine erste Veröffentlichung?

Ju Honisch: Hm, ich glaube die allerallererste Veröffentlichung war ein witziges Gedicht, das ich bei einem Biergartenbesuch geschrieben habe. Es hieß „Ode an die Breze“ (Breze = bayerisch für Brezel), und mein Vater war davon so begeistert, dass er es an die Innungszeitung des Bäckereihandwerks geschickt hat. Die haben es dann auch prompt abgedruckt. Das klingt peinlich, ist aber dennoch wahr. Und stolz war ich auch – mein Vater war noch viel stolzer. Mein Einstieg in die Lyrik lief über das gute bajuwarische Laugengebäck. Ich war da noch recht jung, aber meine Einstellung zu einer frischen Breze hat sich bis heute nicht geändert. In manchen Dingen muss man sich einfach treu bleiben.

Würfelheld: Kannst Du uns ein wenig zu „Das Obsidianherz“ erzählen. Wie bist Du auf die Idee gekommen? Wie lange hast Du dran gearbeitet? Wie gestaltete sich die Verlagssuche?

Ju Honisch: Beim „Obsidianherz“ kamen mehrere Faktoren zusammen. Ich habe Geschichte studiert und fand das 19. Jahrhundert schon immer interessant, habe auch gerne Romane aus der Zeit gelesen, wobei ich gestehe, dass mich auch gerade die Diskrepanz zwischen tatsächlicher Politik-, Technik- und Sozialgeschichte und der verklärten Version des romantischen Zeitalters gereizt hat.

Mein Freunde und ich fingen Ende der neunziger Jahre an, „Castle Falkenstein“ zu spielen, ein Pen-&-Paper-Rollenspiel, das in einem fiktiven 19. Jahrhundert angesiedelt ist, das unserem lediglich grob ähnlich ist. Das hat mich auf den Gedanken gebracht, ein Phantastik-Abenteuer im „wirklichen“ 19. Jahrhundert zu schreiben – mit dem einzigen Unterschied zu unserer Welt, dass es hier tatsächlich mythische Gestalten gibt, nämlich die Fey. „Das Obsidianherz“ ist fast von allein aus meinem Kopf gefallen. Ein Jahr habe ich für das englische Originalmanuskript gebraucht. Dann noch mal ein paar Monate für meine eigene deutsche Übersetzung.

Die Verlagssuche gestaltete sich schwierig, da der Begriff „Steampunk“ damals noch so neu war, dass die deutschen Verlage ihn schlichtweg nicht kannten. Man erklärte mir, dass sich NIE jemand für Fantasy interessieren würde, die im 19. Jahrhundert spiele und in der keine schwertschwingenden Helden sich durch mittelerd-ähnliche Landschaften prügeln würden. Deutsche Verlage schwimmen dem Zeitgeist bisweilen auf Distanz hinterher.

Würfelheld: Außer „Das Obsidianherz“ sind ja noch die beiden Bände „Salzträume“ von Dir erschienen. Bitte erzähl uns auch hier was dazu.

Ju Honisch: „Salzträume“ spielt in den Alpen, und zwar im Ausseer Land. Ich war dort mal als Kind in den Ferien und fand damals die Landschaft damals schon so märchenhaft – in jedem Sinn des Wortes – dass ich fand, es müsste dort ein Buch spielen. Seither war ich zur Recherche öfter da und finde es immer noch zauberhaft dort.

„Salzträume“ spielt im gleichen Jahr wie das „Obsidianherz“ und hat auch zum Teil die gleichen handelnden Personen. Es geht hier um einen skrupellosen Erfinder mit Unterstützung eines Magiewissenschaftlers eine schreckliche Waffe entwickelt. Die Maschine soll magische Energie in militärische Zerstörungskraft umwandeln. Dazu wurde die Jagd auf die mythischen Fey freigegeben, deren Lebenskraft die Waffe antreiben soll. Die Heldin, eine junge Frau mit Mut und Prinzipien, befreit einen Feyon aus der Gefangenschaft der Verschwörer, wodurch sie selbst zur Gejagten wird. Als sie auf der gemeinsamen Flucht im Berg eingeschlossen werden, muss sie feststellen, dass ihr Begleiter nicht so harmlos und nett ist wie gedacht. Übrigens gibt es noch ein weiteres Buch, das an „Salzträume“ anschließt: „Jenseits des Karussells“. Es hat es beim letzten Deutschen Phantastik Preis immerhin auf den dritten Platz geschafft.

Würfelheld: Gab es bei den beiden Bänden eine besondere Herausforderung für Dich?

Ju Honisch: „Das Obsidianherz“ war mein erster langer Roman. Ich war selbst erstaunt, was da auf einmal rauskam. Ich hatte eigentlich vorgehabt, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Aber mit über 800 Seiten konnte man das Buch nicht mehr gut so nennen. Es hat komplett ein Eigenleben entwickelt. Ich musste manchmal richtig streng eingreifen, wenn die Helden sich einfach selbstständig machen wollten. Bei „Salzträume“ war das Schwierigste, die Zeitabläufe der verschiedenen Handlungsstränge genau zu koordinieren. Ich hatte einen genauen Stundenplan in Excel, in dem stundenweise vermerkt war, wer gerade wo war und was tat.

Würfelheld: Was erwartet uns 2012 / Anfang 2013 von Dir?

Ju Honisch: Dieses Jahr erscheinen noch zwei, vielleicht sogar drei Kurzgeschichten von mir. Nächstes Jahr ein Roman, der bei HEYNE veröffentlicht wird und zu dem ich noch nichts weiter sagen darf, außer dass es diesmal kein „Steampunk“ ist. Ein weiteres Steampunkbuch (Folgeband von „Jenseits des Karussells“) wird gerade von einem Verlag geprüft. Da nehme ich gedrückte Daumen gerne entgegen. Und noch ein weiterer Roman mit einer Dimensionsreise-Thematik ist auch noch in der Pipeline.

Würfelheld: Welche Thematik reizt Dich zurzeit, für ein Buchprojekt am meisten?

Ju Honisch: Urban Fantasy ist immer noch das, was mich am meisten reizt. Damit meine ich handelnde Personen aus unserer Welt, die sich plötzlich mit Aspekten der tatsächlich existierenden Phantastik herumschlagen müssen. Die Diskrepanz zwischen dem, was wir für möglich und was wir für absolut nicht möglich halten, ist für mich immer ein wichtiges Spannungselement. Ein reines High-Fantasybuch wäre weniger „my cup of tea“. Das gilt fürs Schreiben genauso wie fürs Lesen.

Würfelheld: Welche Erfahrungen hast Du bei der Verlagssuche gemacht? Könntest Du Dir in Zukunft auch vorstellen ein Werk von Dir über Crowdfunding zu realisieren und wie stehst Du diesem gegenüber?

Ju Honisch: Verlagssuche ist schwierig für jeden, der noch nicht bekannt ist, und wird später nicht wesentlich leichter. Ohne Agenten geht fast gar nichts mehr. Ich bin inzwischen in der glücklichen Lage, einen guten Agenten zu haben. Die Buchbranche ist eine schwierige Branche, umso mehr als ein Buch ja kein hochpreisiges Objekt ist, also nur durch die Masse der Verkäufe Gewinne machen kann. Diese Masse kann man aber nur mit sehr viel Marketing erreichen. Crowdfunding erreicht meines Erachtens immer nur eine sehr, sehr kleine Gruppe Eingeweihter, die sich intensiv mit einem Genre befassen. Diese Gruppe ist aber letztlich viel zu klein, um ein Buch aus der Obskurität des reinen Insider-Tipps herauszuholen. Man hat mir eine Crowdfunding-Veröffentlichung mal angeboten. Ich habe sie aber nicht angenommen.

Würfelheld: So nun kommt das „Splash and Dash“. Es ist zum guten Ton geworden, dass ich am Ende ein paar kurze Fragen, mit der Bitte um kurze Antworten, stelle.

Ju Honisch: Immer zu.

Würfelheld: Dein schriftstellerisches Vorbild?

Ju Honisch: Ich habe mehr als eins. Terry Pratchett, Tanya Huff, Lois McMaster Bujolt, Flann O’Brien, Saki H.H. Munro. Und viele mehr. Die Welt ist voller toller Schriftsteller, die mir ein Vorbild sind. Die Welt hat natürlich auch abschreckende Beispiele zu offerieren, die ich aber nicht erwähne.

Würfelheld: Hast Du Schreibrituale?

Ju Honisch: Nein. Ich habe viel zu wenig Zeit für Schreibrituale. Ich schreibe abends und am Wochenende, weil ich ansonsten meinem Brötchenjob nachgehe. Ich höre KEINE Musik beim Schreiben, habe keinen Tee, Kaffee, Whiskey oder Cocktail mit Schirmchen neben der Tastatur stehen.

Würfelheld: Deine Lieblings-Kurzgeschichte?

Ju Honisch: Eine Geschichte von Stanislaw Lem aus den Sterntagebüchern. Die elfte Reise.

Würfelheld: Welches Buch liest Du zur Zeit?

Ju Honisch: Tony Hawks „Round Ireland with a Fridge“ – der Tatsachenbericht eines Mannes, der eine Wette verloren hat und nun per Anhalter um ganz Irland fahren muss, während er einen Kühlschrank dabei hat.

Würfelheld: Hörbücher sind?

Ju Honisch: … störend beim Autofahren. Aber eine tolle Sache für alle Leute, die sich nicht so leicht von gesprochenem Text ablenken lassen wie ich.

Würfelheld: Vielen Dank das Du Dir die Zeit genommen hast. Die letzten Worte gehören Dir.

Ju Honisch: Vielen Dank für Dein Interesse. Als letzte Worte würde ich Deinen Lesern gerne ein paar Infos mit auf den Weg geben, unter dem Motto „Schaut doch mal rein!“ Ich versuche immer, interessierte Leser so einigermaßen auf dem Laufenden zu halten.#

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