[Rezension] Buch aus Stein

Autor: Matthias Falke
Verlag: Amrun Verlag
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 296
Erschienen: Juli 2014
ISBN: 978-3944729510
Preis: 12,90 Euro

von: Moritz

Schon wieder Kurzgeschichten! Naja, immerhin alle vom selben Autor. Wenn der was kann, könnte es halbwegs interessant werden. Die Amazon-Reviews, die ich mir gerade angesehen habe, lassen doch einiges erwarten…

Klappentext:
BUCH AUS STEIN – Das sind sechs Erzählungen, wie sie phantastischer und unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Entzifferung einer Bibliothek aus Stein und ein Sightseeing-Trip mit einer griechischen Göttin, die Konfrontation mit einem Wesen, das alles zu sein vermag, und ein Weltraumkrieg jenseits der Zeit. Das Epos des seltsamen Steppenvolkes der Lun’Ar und schließlich die Geschichte des anderen Adam, des letzten statt des ersten Menschen.

Sechs Erzählungen, sechs Welten, sechs faszinierende Expeditionen in Räume jenseits des Alltäglichen.

Zum Inhalt:
Wir haben es mit 6 (Lang-)Kurzgeschichten zu tun:

Athena
Eine wahrhaftige Göttin wandelt auf Erden. Nettes Gedankenexperiment, aber irgendwie zu brav. Wenn man auch zugeben muss, dass er wirklich schreiben kann, der Falke!

Gamenon
Und schon wieder geht es um „Endlichkeit“ Ein Sci-Fi-Feldherr hat einen Krieg zum erfolgreichen Abschluss gebracht und muss sich nun auf den Weg nach Hause machen.

Die Lun’Ar
Ihr werdet es nicht glauben, aber auch in dieser Geschichte dreht sich alles um „Endlichkeit“ und „Veränderung“. Wie sähe das Leben eines nomadischen Stammes aus, wenn ihre Welt scheinbar dem Ende entgegenstrebte. Wenn die Veränderungen der Mondphasen nicht als wiederkehrende Ereignisse anzusehen wären, sondern als einmaliges Ding. Der Autor spielt hier clever mit Worten und Namen, aber wenn ich ehrlich sein darf, habe ich irgendwann diese ganzen vermaledeiten Apostroph-Kurznamen nur noch flott überlesen und mir keine großartigen Gedanken mehr um sie gemacht.

Proteus
In einer abgelegenen wissenschaftlichen Einrichtung wird ein merkwürdiger Tiefsee-Organismus erforscht – natürlich kann das nicht gut enden; das weiß doch jeder, der seinen Lovecraft ordentlich studiert hat…

Weltenende
Ein auf den ersten Blick fast normaler Typ taumelt durch eine Welt, die von einem Moment auf den nächsten fast komplett von Menschen entvölkert ist. Ich nehme mal an so ähnlich würde sich „Die Grüne Wolke“ von A.S. Neil lesen, wenn der Kerl beim Schreiben Mescalin genommen hätte.

Die steinerne Bibliothek
Eine archäologische Ausgrabung fördert das gesamte Wissen der Welt zu Tage.

Mein Fazit:
Schwere Kost. Da der Autor ein scheinbar noch größerer Klugscheißer ist, als ich es bin, will er auch beim Schreiben zeigen was er draufhat und so kann mein Gehirn nicht so durch die Zeilen pflügen, wie es das sonst tut, sondern ich muss etwas langsamer und konzentrierter zu Werke gehen. Okay. Zugegebenermaßen sollte man das wohl als Pluspunkt werten. Dazu kommen 6 wirklich gute bis sehr gute Geschichten aus den unterschiedlichsten Bereichen und es bleibt nicht viel zu kritisieren – außer vielleicht minimalen Lektoratswacklern und Trennungsfehlern gerade in den beiden letzten Geschichten.

Mein klitzekleiner Punktabzug liegt in der in meinen Augen etwas unglücklichen Reihenfolge der Geschichten begründet. So haben wir die „langweiligste“ direkt zu Beginn und die am schwersten verdauliche direkt im Anschluss. Leute, die gerne etwas Action hätten, (so wie ich) brauchen so wirklich viel Durchhaltewillen, um zu den wirklich lohnenswerten Geschichten zu gelangen. Danach aber rockt die Sammlung ganz ordentlich und wir finden alles zwischen einer cleveren Coming of Age-Geschichte, dem psyvhpoatischen kleinen Bruder der „Grünen Wolke“, einer fast schon lovecraft’schen Erzählung von einem merkwürdigen Tiefsee-Organismus und einer irgendwo zwischen Indiana Jones, Lovecraft und Nietzsche liegenden Archäologie-Erzählung.

Meine Wertung:
4 von 5 Weltuntergänge

[Rezension] Chronik des Cthulhu-Mythos II

Autor: H. P. Lovecraft
Verlag: Festa Verlag
Format: broschiertes Taschenbuch
Seitenzahl: 460
Erschienen: 2014
ISBN 13: 978-3865521453
Preis: € 13,95

von: Moritz

Berge des Wahnsinns, Berge des Wahnsinns, Berge des Wahnsinns! Granate! Der bestmögliche Start in eine Sammlung cthuloider Texte. Um es vorwegzunehmen, mir persönlich gefallen die später erschienenen hier abgedruckten Mythos-Texte noch einen Tacken besser, als diejenigen, die in Band 1 versammelt sind, aber das ist zum einen Geschmackssache und zum anderen Jammern auf derart hohem Niveau, dass ich mich fast schäme…

Klappentext:
Diese Chronik in zwei Bänden vereint erstmals die vollständigen Werke Lovecrafts zum Cthulhu-Mythos – neben allen Kurzgeschichten auch die berühmten Novellen wie Berge des Wahnsinns, Der Schatten über Innsmouth oder Der Fall Charles Dexter Ward.
Mit einem Vorwort und ausführlichen Erläuterungen von Marco Frenschkowski (er ist Professor für Neues Testament an der Universität Leipzig und gilt als führender Lovecraft-Experte Deutschlands).

INHALT
Vorwort
Berge des Wahnsinns
Der Schatten über Innsmouth
Träume im Hexenhaus
Das Ding auf der Schwelle
Der Schatten aus der Zeit
Jäger der Finsternis

Zum Inhalt:
Wer auch nur etwas für düstere Horror-Literatur der kosmischen Art hat und sich das Buch nicht kauft, ist selber schuld, denn er verpasst die reiferen Lovecraft-Mythos-Ergüsse. In Band 1 suchte er noch etwas die eigene Linie, die hier (ab 1931 verfassten) abgedruckten Geschichten zeigen einen Autor, der weiß, wie sein fiktives Universum aussieht und der immer besser lernt, den Schrecken in seinen Werken unterzubringen.

Es geht direkt furios los mit „Berge des Wahnsinns“, wohl gerade in Rollenspielerkreisen die bekannteste längere Erzählung des Meisters. Wir erfahren vom einer Antarktisexpedition, die zu Beginn alle Teilnehmer in Begeisterung versetzt, die aber nach und nach immer mehr offenbart, dass das, auf was sie gestoßen ist, besser für immer unentdeckt geblieben wäre und verbleibt mit dem fürchterlichen Ausblick, dass sich in Kürze eine neue Expedition dorthin aufmachen könnte.

„Der Schatten über Innsmouth“ ist dann direkt mal die nächste „ikonische“ (im besten Christian Schmidt-Sinne) Erzählung des Mythos. In einem kleinen Dörfchen an der Küste ist irgendwas faul – und wenn man ehrlich ist, mit dem Helden dieser Geschichte auch irgendwie. Aber lest selbst…

Anschließend haben wir es mit „Träume im Hexenhaus“ und „Das Ding auf der Schwelle“ mit zwei Erzählungen zu tun, die sich vom Thema recht ähnlich sind. Beide schildern das Hinabgleiten in den cthuloiden Wahnsinn – allerdings einmal „von innen“ und einmal „von außen“ betrachtet. Beides schicke Teile, aber in dieser hochkarätigen Sammlung mit kleinem Abstand die eher schwächeren Machwerke.

Eine Art „letzten kosmologischen Rundumschlag“ finden wir in „Der Schatten aus der Zeit“, eine wahrhaften Sci-Fi-Erzählung, in der Lovecraft einen gewaltigen Kosmos vor uns ausbreitet.

Zum Abschluss gibt es nochmal den klassischen Weg in die Untiefen des Mythos-Wahnsinns. Dreimal dürft ihr raten, wie der Protagonist in „Jäger der Finsternis“ endet. Ich verrate nicht, ob er unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt, oder ob er dem Wahnsinn anheim fällt.

Besonders gemacht wird auch dieser zweite Band der Cthulhu-Geschichten durch die vorangestellten Kommentare von Marco Frenschkowski. Die Zusatzinformationen geben einem immer noch eine zusätzliche Ebene und unterstützen bei der Erschließung des Textes. Wenn es nach mir ginge würde ich nie wieder irgendetwas ohne Unterstützung dieses Kerls lesen.

Mein Fazit:
Tolle späte Mythos-Erzählungen der unterschiedlichsten Färbung – dazu kenntnisreiche und wenig (weniger als im ersten Teil) spoilernde Kommentare. Einzig und alleine schade, dass ich von allen abgedruckten Geschichten nur „Jäger der Finsternis“ nicht kannte. Aber das soll ja nur mein kleines Problemchen sein und nicht eures.

Meine Wertung:
5 von 5 völlig durchgeknallte Berge

*   *   *
Link mit Leseprobe: http://www.festa-verlag.de/chronik-des-cthulhu-mythos-2.html