[Rezension] Die Furcht des Weisen 2

Autor: Patrick Rothfuss
Verlag: Hobbit Presse / Klett-Kotta
Reihe: Die Königsmörder Chronik
Zweiter Tag/Teil 2
Format: gebunden mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 523
Erschienen: 2012
ISBN: 978-3-608-93926-2
Preis: 22,95 €

von: Moritz

Jaaaaa! Endlich darf ich weiterlesen! Leider habe ich nun das Ende der Fahnenstange erreicht und muss warten, bis Herr Rotfuß sich bequemt, die Reihe weiterzuschreiben…

Klappentext:
Erleben Sie, wie Kvothe im Feenreich der betörenden Felurian begegnet, die ihn durch ihre märchenhafte Schönheit fast willenlos macht. Nur durch eine List kann er sich aus ihren Armen befreien. Und sein Weg führt ihn weiter zu den stillen Kriegern der Adem, von denen er die hohe Kunst des Lethani erlernt und das Schwert Saicere verliehen bekommt. Mit ihm und einem von Felurian gewobenen Schattenmantel tritt er die Reise zurück zum Hof des mächtigen Maer an, doch unterwegs wartet entsetzliches Unheil auf ihn … Dieser 2. Teil des Nachfolgebands von »Der Name des Windes« steckt wieder voller neuer Geschichten und Ideen von Patrick. Der Band ist daher so umfangreich geworden, dass man ihn teilen musste in zwei Bände – »Die Furcht des Weisen 1« und »Die Furcht des Weisen 2«. Mit »Die Furcht des Weisen« legt Patrick Rothfuss den zweiten Teil der Königsmörder-Chronik-Trilogie vor, der in den USA bei Kritikern und Fantasylesern begeistert aufgenommen wurde und schon bald einen der vorderen Plätze in der New York Times Bestsellerliste belegte. 2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman »Der Name des Windes« mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet.

Zum Inhalt:
Tja, was soll ich schreiben, was der Klappentext nicht schon verrät? Kvothe sitzt immer noch in seinem Gasthaus und erzählt seinem Lehrling Bast und dem Chronisten was er in seinem bisherigen Leben so alles erlebt hat. Diese Rahmenhandlung kommt in diesem Band etwas kürzer als in den bisherigen, aber es gibt einige interessante Momente, die durchblicken lassen, dass wir da noch so die eine oder andere Überraschung zu erwarten haben. Selbst ich als Leser, der subtile Hinweise normalerweise nonchalant überliest, merke, dass da was im Busch ist.
In der eigentlichen Geschichte macht unser Magie-Schüler mal wieder so einiges durch – er verfällt der schönen Fee Felurian, trifft in der Feenwelt auf den Cthaeh (eine Wesenheit, die irgendwie alles weiß und scheinbar im negativsten Sinne manipulativ ist – Mädels, ich hab’s im Urin, auch an dieser Front wird uns noch so einiges erwarten), erlernt die Fechtkunst und Philosophie der Adem und kehrt zum Maer zurück, den er mehr oder weniger in Schimpf und Schande verlassen muss. Anschließend geht es wieder an die Universität, wo Kvothe seine Studien auf breitere Füße stellen will und – natürlich – trifft er mal wieder auf Denna, von der er ja im vergangenen Teil nicht sonderlich positiv auseinandergegangen war. Mit ihr läuft es wieder besser, aber irgendetwas steht immer noch zwischen ihnen und es heißt bald wieder Abschied nehmen…
Frauentechnisch läuft es also nicht optimal, aber immerhin nimmt Kvothes Macht immer mehr zu – wobei der Ruf, der ihm vorauseilt, gegenüber der Realität die Nase weit vorne hat. Ich glaube diese Ebene des Romans gefällt mir sogar noch mit am besten; der Mechanismus wie aus Realität und dem Stille-Post-Effekt noch zu Lebzeiten eine Legende geschmiedet wird funktioniert hervorragend.

Mein Fazit:
Toll! Diese Reihe ist eine echte Entdeckung! Ich war ja schon fast komplett weg von klassischer Fantasy, aber die Abenteuer von Kvothe rocken gewaltig. Der Held ist cool, aber nicht zu cool, um uninteressant zu werden, die Welt gefällt mir super und mitzuverfolgen wie der kleine Straßenjunge nach und nach zur Legende wird, unterhält einen mit jedem Wort. Auch die Hintergrundgeschichte kommt in diesem Band zwar sehr spärlich vor, aber man merkt doch deutlich, dass da noch etwas brodelt, was man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht absehen kann…

Andere Rezensenten werfen gerade diesem zweiten Band Langatmigkeit vor, aber ich mag das. Rothfuss kann schön erzählen, warum soll ich ihm das verwehren. Klar könnte man straffer erzählen, aber da ich mich in jedem Moment gut unterhalten fühle, werde ich der letzte Sein, der da meckert.

Einzig und allein schade, dass ich mir den nächsten Band der Reihe nicht sofort organisieren kann, da er noch nicht erschienen ist. Also schreib schneller, Pat!

Meine Wertung:
5 von 5 Namen des Windes

[Rezension] Der Name des Windes (Die Königsmörder-Chronik Erster Tag)

Autor: Patrick Rothfuss
Verlag: Hobbit Presse – Klett Cotta
Reihe: Königsmörder-Chronik
Format: gebunden mit Schutzumschlag, 863 Seiten
Erschienen: 2008
ISBN 13: 978-3-608-93815-9

von: Moritz

Was für eine Schwarte! Ich lese zwar recht viel, aber solche Trümmer jenseits der 800 Seiten kommen mir dann doch nicht allzu oft vor die Flinte. Aber das Teil hier sieht schon mal gefällig aus, und – ich verrate an dieser Stelle nicht zu viel – liest sich auch äußerst gefällig.

Klappentext:
»Vielleicht habt ihr von mir gehört« … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen … und ein schüchterner Liebhaber.

Die Story:
Ein junges und talentiertes, aber sozial benachteiligtes Kerlchen wird an einer Magie-Akademie angenommen, findet schnell Freunde und auch Feinde (sowohl unter den Schülern, als auch unter den Profe… sorry … Meistern) baut viel Unsinn, wobei er sich aus schwereren Bestrafungen bis hin zum Ausschluss stets herauswieseln kann, erlebt aufgrund seines Könnens einen raketenhaften Aufstieg und tut sich schwer mit Mädchen.

Kommt euch bekannt vor? Mir auch, aber enben dieser Vergleich würde dem Roman nicht gerecht werden, denn von Sprache und Aufbau ist „Der Name des Windes“ doch deutlich erwachsener und die Internatshandlung und die Interaktion mit Freunden und Feinden steht nicht so explizit im Vordergrund. Vor allem wird hier viel mehr angedeutet. Es gibt nicht einen Bösen, der regelmäßig einmal pro Band auftaucht und besiegt wird, sondern unser Held Kvothe steht vor unzähligen Gefahren und beginnt gemeinsam mit dem Leser die Welt immer weiter zu erforschen und zu verstehen, wobei es immer noch etliche große und kleine Geheimnisse gibt, die er bisher nicht ergründen konnte – allen voran das Geheimnis um die Existenz der Chandrian, einer mysteriösen Gruppe, die eigentlich nur in uralten Geschichten existieren, die aber allem Anschein nach Kvothes Sippe ausgelöscht haben.

Aber ich sollte mit dem Anfang beginnen, denn Rothfuss nimmt sich erstmal knapp 100 Seiten Zeit, um eine Rahmenhandlung um den alten Wirt Kote zu weben, der einem Chronisten seine Geschichte erzählt. Und auch diese Rahmenhandlung hat es in sich und ist nicht so „geradeaus“ wie man zu Beginn denkt. Auch hier wird es in folgenden Bänden noch einiges aufzuklären geben.

Aber zurück zur erzählten Haupthandlung:

Wir erfahren alles über den jungen Kvothe, der behütet in einer Sippe reisender Schauspieler und Artisten aufwächst. Diese werden, als der Junge gerade mal 10 Jahre alt ist, abgeschlachtet und er lässt sich jahrelang am Boden zerstört durch die Bettlerszene von Tarbean treiben, bevor er sich am Arkanum einschreibt.

Die Suche nach den Chandrian, die seiner Meinung nach seine Eltern getötet haben, die aber jeder „normale Mensch“ in das Reich der Mythen und Legenden verbannt, ist die Hauptmotivation von Kvothe – selbst sein kompliziertes „Nicht“-Liebesleben mit Denna hält ihn nicht davon ab, alles stehen und liegen zu lassen und sofort an einen Ort zu eilen, an dem die Chandrian scheinbar eine gesamte Hochzeitsgesellschaft ausgelöscht haben. Passenderweise ist aber auch Denna dort und so machen sich die beiden gemeinsam auf die Spurensuche, setzen zwischendurch kurzerhand einen Drachen unter Drogen und Kvothe gelingt es, ein ganzes Dorf vor dem „Ungetüm“ zu retten. Die Anführungsstriche sind sehr bewusst gesetzt, denn wie bei so vielen Elementen von Rothfuss‘ Fantasywelt ist nicht alles so, wie es die Erwartungen des Lesers voraussetzen, selbst die Drachen, die absoluten Klassiker des Fantasy-Genres sind hier mit einem Twist versehen.

Das Setting:
Wir haben es hier mit einer mittelalterlichen Welt zu tun, in der Magie durchaus ihren Platz hat, aber im alltäglichen Leben eigentlich kaum stattfindet. Insgesamt gibt es zwar von der Stimmung her Lichtblicke, aber die eigentliche Grundstimmung ist doch durchgehend düster und mysteriöse – überall lauern Gefahren, auf die man (sowohl als Romanheld als auch als Leser) nicht gefasst war.

Hauptort der Handlung in diesem ersten Teil der Serie ist das Arkanum, die Magier-Akademie in Imre. Hier etabliert sich der bettelarme Junge als intelligenter Tausendsassa, der mit seinem gewaltigen musikalischen Talent auch außerhalb der Universitätsmauern, in den Kneipen von Imre, Erfolge feiert. Auch Imre mit seinen Kneipen und Pfandleihern ist eine tolle Spielwiese für den Autoren, der hier ein Geheimnis um das nächste weben kann.

Die Charaktere:
Seien wir mal ehrlich – in der erzählten Haupthandlung gibt es nur zwei wichtige Personen, Kvothe und Denna, alle anderen sind mehr oder weniger interessante und wichtige Statisten.

Die beiden, auf die es ankommt, sind aber dafür umso interessanter, Kvothe entwickelt sich im Laufe der Handlung mehrfach vom aufgeweckten Spross einer reisenden Schaustellertruppe über einen desillusionierten Straßenjungen hin zum wagemutigen Akademiemitglied, der

Und Denna wird, indem gezeigt wird, wie schwer sie zu beschreiben ist, ganz hervorragend beschrieben: attraktiv, klug und vor allem eines – geheimnisvoll. Auch am Ende des Romans habe ich nicht die geringste Ahnung was es mit ihr auf sich hat und wie es mit ihr und Kvothe weitergeht. Verdammt – her mit dem nächsten Teil der Reihe!

Naja, ich gebe es zu – ich wüsste doch gerne, was aus dem Arkanisten Ben, der Kvothe während seiner Zeit in seiner Familie gelehrt hat und dem alten Geschichtenerzähler Skarpi, der von der „Inquisition“ geschnappt wird, wurde. Die beiden scheinen mir irgendwie wichtig zu sein, erscheinen aber nach ihren kurzen, aber intensiven Auftritten, nicht mehr.

In der Rahmenhandlung haben wir Kote, den „alten“ Kvothe, der sich scheinbar aufgegeben hat und mittlerweile ein Gasthaus im Nirgendwo betreibt, sowie seinen Lehrling, auf dessen Handlungen man sich auch keinen Reim machen kann und den „Chronisten“ – auch der verbirgt, glaube ich, mehr, als es bisher den Anschein hat. Los! Ich will wissen wie es weitergeht.

Mein Fazit:
Super! Habe mich lange nicht mehr so interessiert durch einen Fantasy-Roman gepflügt. Der Hauptcharakter ist schön hintergründig, die Unterbrechungen durch die Rahmenhandlung sind an den richtigen Stellen,

Man merkt schon an der Länge der drei Abschnitte meiner völlig unzureichenden Besprechung, dass hier (neben Kvothe natürlich) die Handlung der eigentliche Star des Romans ist. Es ist immer etwas los, man erfährt immer etwas Neues und Ungewöhnliches und ist immer gespannt, was denn nun als nächstes geschehen wird.

Meine Wertung:
5 von 5 Punkte für Hufflepuff

[Rezi] Aschamdon – Amizaras-Chronik 1

Autor: Valerian Çaithoque

Verlag: Amizaras Management Service UG & Co.KG

Format: Gebundene Ausgabe, 720 Seiten

Erschienen: Mai 2011

ISBN 13: 978-3981442106

von: Christel Scheja

In einer Zeit, in der viele Leser immer mehr auf die günstigeren E-books zurückgreifen oder Taschenbücher als Wegwerfware ansehen, sind aufwendig gestaltete Bücher selten geworden, da nur noch wenige Leute bereit sind mehr Geld als nötig für ihre Lektüre auszugeben. So gehört „Aschamdon“, der erste Band der „Amziras-Chronik“ zu den besonderen Ausgaben, die nicht nur in Worten, sondern auch durch ihre Gestaltung fesseln wollen.

Im Jahr 1944 begegnet die kleine Rafaela einem geheimnisvollen Wesen namens Aschamdon, der auf sie wie ein Engel wirkt. Er scheint bereit sein, ihr zu helfen und die Wunden heilen zu wollen, die ihr bisheriges Leben durch einen gewalttätigen Vater und den Mord an ihrem Bruder hinterlassen haben. Doch das hat auch seinen Preis.

Aschamdon schleust das Mädchen, das für seine Mutter nach dem ewigen Leben und Glück suchen will, in einen geheimnisvollen Orden ein. Dort soll sie zu einer Bannzauberin ausgebildet werden, entdeckt in der Unterwelt aber auch noch viele der Geheimnisse, die von einem Kampf hinter den Kulissen erzählen und die Welt, wie die normalen Menschen sie kennen, als Lüge enttarnt.

Bald hat sie auch das gefunden, was sie auf Aschamdons Geheiß für ihn aus den dunklen Gewölben unter der Heimstatt des Ordens bergen soll. Doch erst in den frühen 1960er Jahren weiß sie genug, um die Konsequenzen zu ziehen und mit ihren ausgebildeten Fähigkeiten und dem Wissen um düstere Mysterien und Wahrheiten zu fliehen.

Im Jahr 2002 gerät der Antiquitätenhändler Atila, der immer noch auf der Suche nach dem Relikt ist, das ihn auf einen Schlag reich und berühmt machen konnte, in Schwierigkeiten. Denn nicht nur ein paar Kriminelle, die ein Darlehnen von ihm eintreiben wollen, sind hinter ihm her, als er in den Besitz eines besonderen Artefakts gerät, sondern auch andere geheimnisvolle Gestalten. Eher unfreiwillig schließt er sich einer Gruppe an, die auf der Suche nach einem Wesen namens Azrahel sind, durch das sich eine Prophezeiung erfüllen soll, die unter Umständen auch die Menschenwelt erschüttern könnte. Auch diesmal spinnt Aschamdon wieder seine Ränke…

Man merkt sehr genau, dass der Autor sein Werk auf mindestens drei Bände angelegt hat, denn er nimmt sich sehr viel Zeit, den Hintergrund und die Welt auszuarbeiten. Auch die Handlungsebenen bleiben erst einmal voneinander getrennt, auch wenn man durch Atilas Nachforschungen gelegentlich die Spuren entdeckt, die Rafaelas Taten gelegentlich hinterlassen haben.

Durch die junge Frau erfährt man mehr über die geheimen Konflikte, die hinter der Kulisse einer nüchternen, irdischen Welt ausgefochten werden, den Krieg der Ariach gegen genau so mächtige Feinde – und die Gewissheit, dass nicht wirklich klar ist, wer dabei Gut oder Böse ist und ob man überhaupt menschliche Maßstäbe anlegen darf.

Nicht nur historische Persönlichkeiten bekommen Gesicht und Stimme der Autor spielt auch gekonnt mit Mythen und Legenden, verleiht ihnen durch seine Ideen einen neuen Hintergrund.

Um eine Bindung zu schaffen, den Leser aber nicht mit all zu unnötigem Wissen zu belassen, werden die Figuren erst einmal genau so weit ausgearbeitet, wie man sie braucht. Das geht zwar ein wenig auf Kosten der Bindung zu den Charakteren, ist aber auch kein Fehler, wie sich zeigt, denn man versteht ihre Taten auch so. Unnötige Erklärungen zu weniger wichtigen Themen oder gar Ausschweifungen gibt ebenso wenig.

Letztendlich kommt so die Handlung zwar eher langsam voran, hat aber auch keine Längen und Durchhänger, weil jedes Kapitel mindestens eine wichtige Information enthält, um das Bild zu erweitern. Die Kürze der Abschnitte helfen zudem dabei, die Informationen zu verdauen und verinnerlichen und. Der ständige Wechsel zwischen den Handlungsebenen sorgt für einen gewissen Grad an Spannung, da man durch den Abbruch an genau den richtigen Stellen immer wieder durch seine Neugier genötigt wird, weiterzulesen.

Für Atmosphäre sorgt zudem die aufwendige Gestaltung des Buches. Es besitzt zwar keinen Schutzumschlag, ist aber wie ein klassischer Foliant gebunden. Graumelierte Seiten, Silberprägung, handschriftliche Einträge und viele klassische Illustrationen lockern die Bleiwüste auf, machen Artefakte und geheime Orte vorstellbarer.

Das Gesamtpaket an Design, Text und bildlichem Inhalt sorgt so für die richtige mystische Stimmung, gerade wenn man ein Faible für Engelswesen und Dämonen hat, viele Legenden gerne auch aus einem anderen Blickwinkel sehen mag. Auch wenn der Wälzer mit fast zwei Kilo sehr schwer ist, liegt er gut in der Hand und ist eines der wenige Werke die man auch aufschlagen kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, dabei den Rücken zu verbiegen.

Aschamdon“, der erste Band der „Amziras-Chronik“ ist ein ambitioniertes Werk, das inhaltlich und vom Design her vor allem Freunde zeitgenössischer Schauerliteratur ansprechen dürfte, die mystische Geheimnisse um Engel und Dämonen und einen dichten Hintergrund lieben, der sich auch in der liebevollen Gestaltung wiederspiegelt. Positiv ist ebenfalls, dass es dem Autor gelingt, alte Vorstellungen, Klischees und neue Ideen geschickt miteinander zu verbinden und dabei immer kurzweilig zu erzählen, ohne sich in Abschweifungen zu verstricken.

Meine Wertung:

4,5 von 5 Sterne

W e i t e r e  I n f o r m a t i o n e n:

Amizaras Chroniken @ Facebook

[Rezi] Die Hetzjagd – Die Chroniken des eisernen Druiden 1

Autor: Kevin Hearne

Verlag: Klett Cotta Hobbitpresse

Erscheinungsdatum: Februar 2013

Format: Hardcover, 350 Seiten

ISBN 13: 978-3608939316

von: Sandra (Büchernische)

Atticus O’Sullivan lebt in Tempe im südwestlichen US-Bundestaat Arizona ein recht normales Leben als Inhaber eines kleinen Tee- & Kräuterlädchens. Doch der junge Ire, dessen richtiger Name eigentlich Siodhachan i Suileabháin lautet, ist kein gewöhnlicher Mensch, sondern ein 2100 Jahre alter Druide, um genau zu sein der letzte seiner Art. Er verbirgt sich in der Kleinstadt gemeinsam mit seinem Wolfshund Oberon vor Gottheiten und anderen magischen Wesen, welche nach seinem Leben trachten, denn er besitzt etwas, auf das das alte Feengeschlecht der Tuatha dé Danann seit Hunderten von Jahren Anspruch erheben. O’Sullivan befindet sich seit der Schlacht, als er das Schwert in seinen Besitz nahm, auf der Flucht und muss sich nun dem Kampf stellen. Doch er steht nicht alleine an der Front…

Der erste Eindruck

»Die Chronik des eisernen Druiden – Die Hetzjagd« begegnete mir bereits im letzten Jahr bei vorablesen.de, als ich mit Begeisterung meinen Eindruck zur die Leseprobe schilderte.

Das Cover der deutschen Ausgabe, welches den jungen Iren gemeinsam mit seinem Wolfshund Oberon auf dem Weg durch die Straßen Tempes darstellt, ist wie ich finde äußerst gut gelungen. Die Zeichnung des Protagonisten in lockerer Strichführung in Kombination mit dem Aquarellstil des Hintergrund wirkt wie ein Gemälde und passt hervorragend zur Geschichte. Das Cover der englischen Originalausgabe, welches das Profil O’Sullivans, spitzbärtig und mit dem gezogenem Schwert im Rücken zeigt, ist in ähnlichen Farben gehalten, jedoch sagt mir hier die Wahl des Fonts nicht zu. Der Klett-Cotta Verlag hat typografisch mit klassischer Fontwahl ein stilsicheres Händchen für das Wesentliche bewiesen.

Keltische Mythologie lebendig erzählt

Dem Autor ist mit seinem ersten Band einer Reihe rund um einen uralten Druiden ein Meisterstück gelungen, das mich in drei Tagen vom ersten bis zum letzten Wort begeistern konnte. Bereits in der Leseprobe war der höchsteloquente und sehr farbige Erzählstil Hearnes zu spüren, dessen Worte mir eine wahre Flut an Bildern im kopfeigenen Kino bescherten. Die Hetzjagd schildert in insgesamt 25 Kapiteln mit abschließendem Epilog auf unglaublich spannende und gleichzeitig trocken-humorvolle Art und Weise das zwei Jahrtausende währende Leben eines Druiden, der eigentlich längst unter der Erde liegen müsste. Doch der junge O’Sullivan hat seine Mittel und Wege gefunden, zum Einen sein Leben zu verlängern und sich zum Anderen völlig unauffällig zwischen sterblichen Menschen zu bewegen. Niemand in Tempe, einer Kleinstadt mitten im heißen Bundesstaat Arizona ahnt, dass sich unter der Schale des jungen tätowierten Iren ein uralter Magier verbirgt, der sich die Kraft der Natur, der Erde und des Gestaltwandelns zu Nutze macht, um sich vor einem alten Göttergeschlecht zu verbergen. Wir haben es hier aber keineswegs mit ausgebuddelten, staubigen Sagengestalten aus der irischen bzw. keltischen Mythologie zu tun. Im Gegenteil. Dem Autor ist die Verbindung des modernen Zeitalters der Gegenwart mit den mythischen Gestalten der irischen Sage äußerst eindrucksvoll gelungen.

Für mich besteht die eigentliche Attraktivität Amerikas jedoch vor allem darin, dass es praktisch gottlos ist. Als ich noch jünger und ständig auf der Flucht vor den Römern war, konnte ich in Europa keine Meile gehen, ohne auf irgendeinen einer Gottheit geweihten Stein zu treten. – Seite 9

Als ich etwas weiter im Buch voran schritt, begegneten mir immer häufiger Worte, welche in Großbuchstaben gedruckt in den Text eingebettet wurden. Es handelt sich dabei um die Namen verschiedener Gottheiten sowie unterschiedlicher Orte aus keltischer Überlieferung, welche mir im ersten Moment fremd erschienen. Auch die Aussprache stellte sich erst einmal als etwas schwierig dar, doch bei einem genaueren Blick ans Ende des Buches wird man mit Freude feststellen, dass der Autor diesem kleinen Stolpersteinchen freundlicher Weise Abhilfe schaffen wollte. Ich zitiere aus dem Glossar von »Die Chroniken des eisernen Druiden«:

Es soll gleich zu Beginn klargestellt werden, dass es dem Leser freisteht, die Namen in diesem Buch auszusprechen, wie immer es ihm beliebt. Schließlich soll das Lesen Vergnügen bereiten, und ich will niemandem den Spaß verderben, indem ich seine »falsche Aussprache« korrigiere. Trotzdem – für all diejenigen Leser, die Wert auf Genauigkeit legen, habe ich eine formlose Anleitung zur Aussprache einiger irischer Namen und Wörter vorangestellt, die den Leser möglicherweise verwirren könnten […] – Seite 346

Diese kleine Hilfestellung – so etwas sollte es öfter in Büchern geben – trug erheblich zum Lesevergnügen bei und so saß ich nach relativ kurzer Zeit mit einem gewissen Ehrgeiz in meiner Leseecke, die Begriffe richtig aussprechen zu wollen; ich strebte einfach nach einem authentischen Gefühl während des Lesen, ich wollte die Atmosphäre spüren, welche ohnehin bereits, getragen durch den Erzählstil, sehr greifbar war.

Ich bin weder jemals ins sonnige Arizona gereist noch habe ich die grünen Wiesen Irlands jemals außerhalb von Büchern oder farbenfrohen Urlaubskatalogen mit eigenen Augen gesehen. Kevin Hearne hat mit solch ausdrucksstarken Worten, lebendigen Farben und Bildern das mystische Flair Irlands mitten in das heiße Wüstenklima des amerikanischen Südwestens transportiert, das ich wirklich atemlos das Buch in der Hand hielt und den Inhalt förmlich in mir aufsog. Im Hintergrund erklang leise irische Musik – ich  setzte sogar die Musik einer im Buch vorkommenden Band auf meine Playlist und wurde geradezu durch die Seiten getragen. Der Autor nahm sich viel Zeit, die Umgebung ausschweifend zu beschreiben, Flora & Fauna einen Namen zu geben und auch die Gottheiten kamen nicht zu kurz.

Wer sich etwas näher mit der keltischen Mythologie beschäftigt – außerhalb des wohlbekannten Leprechaun, des irischen Maskottchens mit dem großen grünen Hut – der wird im ersten Teil der »Die Chronik des eisernen Druiden« viele elementare Gestalten wiedererkennen. Überlieferte Figuren der keltischen Sagenwelt wie der in Krähengestalt auftretenden Todesgöttin Morrigan über die Göttin der Jagd namens Flidais bis zum Liebesgott Aenghus Óg finden in diesem imposanten Fantasywerk ihre Rolle und übten auf mich eine Faszination aus, die mich nun dazu veranlasst, ein wenig mehr über keltische Riten und Mythen erfahren zu wollen.Auch die Hexenzirkel haben einen Platz im Plot gefunden, ebenso wie die Welt der Feen, die man sich aber – wie Atticus O’Sullivan so treffend bezeichnete – nicht wie „diese niedlichen, kleinen Disney-Flatterwesen“ (Seite 9) vorstellen darf. Vielmehr wird hier die dunkle Seite der Sidhe, der Nachkommen der Túatha Dé Danann präsentiert, Intrigen spinnend und um Macht ringend. Auch Werwölfe und sogar ein Vampir spielen eine wichtige Rolle in diesem Fantasyroman, doch keine Sorge: sie werden weder glitzern noch eifrig mit den Äuglein klimpern. Die ganze Atmosphäre, welche durch die Handlung getragen wird, ist bildgewaltig und stimmungsvoll, es passt einfach alles zusammen ohne aufdringlich oder übertrieben zu wirken.

Nein, der keltische Gott der Liebe ist kein süßer kleiner Amor mit Stummelflügelchen, und er kommt auch nicht in einer großen rosa Muschelschale angerauscht wie eine schaumgeborene Venus. Er ist weder wohltätig noch großmütig, ja, nicht einmal einfach nur nett im ganz alltäglichen Sinn. – Seite 76

Spannung pur!

Wenn ein Buch mitreißt wie ein reißender Strom, den Leser tief zwischen die Seite zieht, seine Aufmerksamkeit so sehr bindet, das man alles um sich herum vergisst, dann handelt es sich um ein perfektes Buch. Mir geht es oft so, dass ich mich beim Lesen konzentrieren muss, damit ich den Faden nicht verliere. Als ich Kevin Hearnes Fantasyroman las, konnte er meine gesamte Aufmerksamkeit für sich verbuchen, nichts und niemand konnte mich ablenken, so versunken war ich. Sein Erzählstil, seine Wortwahl könnte vom Umfang her mit Tolkiens Wortschatz verglichen werden, doch er schreibt nicht wie ein Tolkien. Er hat seinen ganz eigenen Stil entwickelt, den Leser auf eine Reise mit zu nehmen, die so sehr fasziniert, dass man denken könnte, man spiele selbst eine Rolle, und sei es nur eine kleine. Hearne spricht den Leser direkt an, weist hin, mit einem Augenzwinkern. Er lässt den Leser an der Handlung teilnehmen, als wäre er selbst Teil der Welt, als stünde man selbst im Kräuterlädchen und helfe Atticus O’Sullivan beim Mischen der Teesorten. Hearnes Magie ist fühlbar auf jeder Seite.

Bereits auf den ersten Seiten wird der Leser gnadenlos ins Abenteuer katapultiert, man hat gar keine Zeit darüber nachzudenken, wie die irischen Begriffe auszusprechen sind oder was sich hinter den Namen in Großbuchstaben genau verbirgt. Die Handlung ist selbsterklärend und doch hat man das Gefühl, unbedingt noch mehr über die Hintergründe erfahren zu wollen, sei es durch Sekundärliteratur oder mit Hilfe der Wikipedia. Mir geht es jedenfalls so, ich bin nun im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Druiden gekommen“ und möchte mehr über die Sagenwelt Irlands und dieses faszinierende Land erfahren.

Ich stritt im Namen der Erde, aus der all unsere Kraft stimmt und alles Segensreiche unseres Lebens entspringt. – Seite 307

Dabei spielt der Autor jedoch nicht mit den gängigen Klischees, im Gegenteil. Er klaut dem Leser die rosarote Vorurteilsbrille von der Nase und äußert sich belustigt über so manche Vorstellung in den Köpfen sogenannter Kenner. Andeutungsweise lugt auch eine zarte Liebesgeschichte zwischen den Zeilen hervor, jedoch lässt uns Hearne darüber im Unklaren, wie sich das in Zukunft gestalten wird. Der aufmerksame Leser wird jedenfalls feststellen, dass auch ein 2100 Jahre alter Druide nicht sein Leben lang abstinent verbracht hat, in mehrfacher Hinsicht. Den Weg, dieses Thema in weiteren Bücher zu vertiefen, hat sich der Autor zumindest schon mal geebnet, ob er letztendlich selbigen beschreiten wird, bleibt abzuwarten. Ich war fasziniert von den zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen zwischen irdischer Welt und Pantheon, so dass ich persönlich zu keinem Zeitpunkt eine ausschweifende Lovestory vermisst habe. Der Plot hat mich einfach rundherum zufriedengestellt.

Erfrischend anders und humorvoll!

Der Ich-Erzähler brachte mich übrigens nicht nur in diesem eben erwähnten Zusammenhang zum Schmunzeln und Lachen. Der trockene, manchmal sogar schwarze Humor zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und macht diese Lektüre zu einem erfrischend anderen Leseerlebnis. Ein 2100 Jahre alter Druide, der sich in der modernen Welt hervorragend einzugliedern und zurechtzufinden versteht, den einen oder anderen lockeren, frechen Spruch auf Lager hat und dabei nicht auf den Kopf gefallen ist, verbindet geschickt die Moderne mit der erdmagischen Seite des Buches. Es geht um Druiden, Hexen, Götter, keltische Symbole. Zauber und Magie sind auf jeder Seite fühlbar. Der Autor versteht es auf fabelhafte Weise, das Thema umzusetzen und geschickt für anhaltende Spannung zu sorgen. Man fühlt, wie die Erde erzittert, wenn Atticus seine tätowierte Haut auf den saftigen Boden legt und Kraft aus den Tiefen des Planeten zieht. Magische Momente, wie die Versammlung des Hexenzirkels im nächtlichen Wald oder die telepatischen, durch Kursivdruck abgesetzten Dialoge des Protagonisten mit seinem irischen Wolfshund Oberon brachten mich zum Staunen & Schmunzeln. Gerade der liebevolle und oft sehr witzige Schlagabtausch mit seinem Tier, welchem er das Sprechen beigebracht hatte, war für mein Empfinden ein Highlight der Story, da dies auflockernde Abwechslung ins Spiel brachte.

»Du bist innerhalb von drei Tagen von drei Göttinnen geknutscht worden«, stellte Oberon fest […]. »Ich denke, damit schuldest du mir dreihundert französische Pudeldamen. Damit dürften wir dann in etwa quitt sein.« – Seite 198

Kurzum: ich fühlte mich bestens unterhalten und habe mich äußerst gut amüsiert. Mit verdammt guten Gefühl im Bauch blätterte ich ich die letzte Seite um und kann nur hoffen, dass uns Klett-Cotta nicht allzu lange bis zum zweiten Band des Buches warten lässt. Das Ende, das sei noch angemerkt, ist übrigens nicht unbedingt ein Cliffhanger, vielmehr eröffnet es Möglichkeiten für eine Fortsetzung und hinterlässt genug Spielraum, um Spannung und Wissbegierde zu erzeugen, ohne das Gefühl zu haben, zu wenig erfahren über Hintergründe oder Personen zu haben.

Mein FazitEine rundherum gelungene fantastische Verbindung der modernen Welt mit keltischer Mythologie, ein Buch welches mit Atmosphäre, Wortfarbe und Humor punktet und den Leser bis zur letzten Seite verzaubert; Fans der keltischen und irischen Sagenwelt, werden mit diesem Buch eine fantastische und atemberaubende Reise getragen von einem sehr bildgewaltigen Erzählstil unternehmen können! Ein Highlight des Fantasygenres!

Meine Wertung: 5 von 5 Druiden

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Das Buch beim Verlag