[Rezension] Blade Runner 2019 #1: Los Angeles (Comic)

© Panini

Mit Blade Runner ist dem britischen Regisseur Ridley Scott ein dystopischer Science-Fiction-Film gelungen, der in seinem Erscheinungsjahr 1982 zwar gehörig an den Kinokassen floppte, sich aufgrund seiner bildgewaltigen Ästhetik und der sphärischen Musikuntermalung aber dennoch einem ganzen Genre seinen Stempel aufdrückte und viele Künstler inspirierte – und bis heute inspiriert. Dazu zählt u.a. der bekannte Drehbuchautor Michael Green (Alien: Covenant, Blade Runner 2049), der gemeinsam mit Comic-Autor Mike Johnson (Star Trek) und Zeichner Andrés Guinaldo mit Blade Runner 2019 dem von Scott geschaffenen Universum ein weiteres Kapitel samt eigenständiger Geschichte hinzufügen möchte.

Los Angeles, 2019: Aahna Ashina, kurz »Ash« genannt, gehört zu den ersten Officers einer Spezialeinheit des Los Angeles Police Department, die zu Replikantenjägern ausgebildet wurden. Denn jene sind zum Zeitpunkt der Geschichte – entsprechend der filmischen Vorlage – als illegal eingestuft worden und dürfen sich auf der Erde nicht mehr blicken lassen.

Ash erhält von ihrer Vorgesetzten den Auftrag, Frau und Tochter des schwerreichen Großindustriellen Alexander Selwyn aufzuspüren, da beide während der Geburtstagsfeier der Vierjährigen plötzlich spurlos verschwunden sind. Im Zuge ihrer Ermittlungen, bei denen sie fast einem Attentat zum Opfer fällt, erfährt die recht einsilbige Ash, dass es sich bei Selwyns‘ Tochter Cleo um ein ganz besonderes Kind handelt, das augenscheinlich in die Hände einer Gruppe von Replikanten gefallen zu sein scheint…

MEDIADATEN

…Autor: Michael Green & Mike Johnson
…Zeichner:
Andrés Guinaldo
…Übersetzung:
Bernd Kronsbein
…Verlag:
Panini Verlag
…Original:
Blade Runner 2019 Los Angeles
…Format:
Softcover im US-Comicheft-Format
…Seiten:
116
…Erschienen:
12.2020
…ISBN:
4192832815009
…Preis:
15,00 EUR

MEINE MEINUNG
Dass Autor Michael Green für sein Drehbuch zu Logan – The Wolverine für den Oscar nominiert war, merkt man in Blade Runner 2019 nicht. Und das ist gar nicht negativ gemeint: Die Story wirkt nicht unnötig überfrachtet und kommt schnell auf den Punkt, obwohl sich der Handlungsstrang nach etwa einem Drittel aufteilt und zwischen den Hauptakteuren hin und her gewechselt wird. Allerdings bietet die Geschichte dabei auch keine nennenswerten Höhepunkte; lediglich gegen Schluss wird es wirklich mal spannend und abwechslungsreich. Was aber etwas länger im Kopf bleiben dürfte als die Handlung selbst sind die mit ihr verbundenen philosophischen Deutungsmöglichkeiten um das Thema „Menschsein“, das auch hier eine zentrale Rolle spielt. Denn klar: ohne den Auftritt von Replikanten und die stete Frage nach ihrer Existenzberechtigung geht es natürlich nicht. Und schon wie im Film sind sie es, die die eigentliche Sympathie verdienen, wollen sie hier doch nichts mehr als in Würde aus dem Leben zu scheiden, wenn das Ende ihrer kurzen Lebensspanne erreicht ist. Ein sensibles Thema, dessen Ton die Autoren Green und Johnson aber treffen, ohne dabei ins Kitschige abzudriften.

Anders sieht es bei Hauptakteurin Ash aus. Die hat zwar auch ihr persönliches Päckchen zu tragen, das sie von anderen Menschen abgrenzt – zumindest in ihrer Vorstellung –, aber diese Einstellung macht sie aber auch leider arg unsympathisch. Stets mürrisch, zugeknöpft und in sich gekehrt gibt sie die toughe Polizistin, die niemanden an sich heranlässt. Das lässt zum Schluss hin zwar etwas nach, emotional berührt ihre Figur aber nicht. Natürlich passt diese Stimmung zum Grundtenor des Settings, zeichnet die Figur aber auch sehr eindimensional und uninteressant.

Schade ist es auch, dass nicht mal ansatzweise Bezug auf die Handlung des Films oder auf dessen Charaktere genommen wird, obwohl das Comic in derselben Zeitlinie und zum größten Teil auch in derselben Stadt spielt. Nichts gegen eine eigenständige Geschichte, aber die ein oder andere Schnittstelle hätte der Atmosphäre meiner Meinung nach einen zusätzlichen Boost gegeben.
Enttäuschend ist auch die Qualität der Zeichnungen und insbesondere die Wahl der Farben. Zeichner Andrés Guinaldo und Colorist Marco Lesko gelingt es leider nicht, den einzigartigen visuellen Stil der Filmvorlage aufs Papier zu übertragen. Zwar ist ein Wiedererkennungswert gegeben, aber die Zeichnungen wirken vom Niveau her austauschbar und es ist auch nicht schön anzusehen, wenn insbesondere die Proportionen von Gesichtern von Seite zu Seite variieren. Die Farben sind größtenteils schlicht zu bunt und stechen hervor. Wo im Film zusätzlich zu den Licht- und Schattenspielereien auch in vielen Szenen mit einem Gelbschleier gearbeitet wurde, fehlen diese visuellen Experimente – bis auf häufig verwendete Überstrahleffekte – im Comic fast völlig. Das heißt nicht, dass es sie nicht gibt, aber sie werden viel zu selten und nur zur Unterstreichung bestimmter Szenen eingesetzt. Manches wirkt im Gegensatz wiederum steril.

Trotzdem sollten Blade Runner-Fans einen Blick riskieren.

MEINE WERTUNG
2,75 von 5 Replikanten

von: Christophorus

L I N K S

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