[Rezension] Crazy Driver (Brettspiel)

© Rudy Games

Da erfüllt mir der Würfelheld doch glatt einen Kindheitstraum – als Lehrerkind gab es natürlich früher keine Carrerabahn, sondern „nur“ eine Dardabahn, Und jetzt, gute 40 Jahre später bin ich endlich stolzer Besitzer einer Carrerabahn, und das ganz ohne die Gefahr, an verbogenen Kontakten oder untr den Schrank geschlidderten Bolliden zu scheitern.

Da kann es nur heißen: „Gib Gas, lieber Michael Schuhmacher!“ Singt alle mit!

DAS SPIELMATERIAL
Stabile Box, die so gut aufgeteilt ist, dass nichts darin hin- und herfällt, egal, wie herum ich die Box ins Regal stelle. Das ist immer mein erster Pluspunkt, da wurde mitgedacht.

In der Box findet sich jede Menge Kleinkram: 32 Rennstreckenteile mit Verbindern, 6 Sonderfeldmarker, 1 Sprungschanze, 4 Plastikrennwagen, 4 Schalthebel, 4 Spielertafeln, 37 Holzmarker, 4 Charakterkarten, 1 Bewegungswürfel, 1 Fähigkeitenwürfel, 4 Aktionsmarker, 4 Checkpointmarker, 21 Speed-Limit-Marker, 1 Zielbogen, 1 Siegerpokal und 1 Quick-Start-Guide.

Das komplette Material ist etwas comichaft, computerspielig aufgemacht und ich vermute mal, dass keine Altersgruppe wirklich etwas daran aussetzen kann. Passend zur Aufmachung muss ich mir dann auch zuerst die kostenlose App runterladen und registrieren. Dann kann es auch schon losgehen.

Materialtest bestanden, Motoren an. Wrumm-wrumm!

DAS SPIELPRINZIP
Aus der App heraus kann ich ein Regelvideo abrufen, wo in weniger als 10 Minuten die Regeln komplett erklärt werden. Aber es ist auch wirklich nur nötig, die absoluten Basics zu beherrschen, denn die App führt in jedem Rennen sicher durch das Spiel.

So machen wir uns zuerst an ein Trainingsrennen, in dem nun wirklich im Tutorial alle Regeln genau durchgespielt werden. (Und – off the record: Es gibt einen Whatsapp-Hilfeservice, den ich testweise mit einer Regelfrage genervt habe. Was soll ich sagen? Die Antwort kam innerhalb einer Minute! Echt stabil!)

Wie also geht das Spiel jetzt? Mit Hilfe der App baue ich aus den Hex-Teilen die Rennstrecke zusammen, wobei ich zuerst aus einem floralen Setting auf einer Seite der Karten und einer industrial-techno-carrera Seite wählen kann. Dann platziere ich die Speed-Limit-Marker wie angegeben zu Beginn jeder Kurve, dann die Aktionsmarker, Checkpointmarker und Sonderfeldmarker sowie den Zielbogen.

Nun wird wie bei einem Formel 1-Rennen mit Startampel durch Drücken auf das Feld der eigenen Farbe bestimmt, wer das Spiel beginnen darf.

Der grobe Rundenablauf ist aus mindestens zwei großen Rennspielvorbildern so oder seeeehr ähnlich bekannt, aber das muss ja nicht schlimm sein. In meinem Zug schalte ich zuerst einen Gang hoch oder runter und dann würfle ich. Der Würfel zeigt die Werte 0-2 an, dazu wird der augenblickliche Gang addiert und so viele Felder rücke ich dann vor. Nun hat mein Charakter Werte auf 4 Fähigkeiten (1-9) und ich kann pro Runde eine Fähigkeit nutzen. Würfle ich mit dem Würfel auf den Wert oder darunter, ist die Fähigkeit erfolgreich angewendet und ich kann auf gerader Strecke mit Top Speed ein Feld weiter ziehen, in der Kurve ein Feld weiter driften, mit Drängeln eine*n Mitkonkurrent*in um einen der ursprünglich 4 Karosseriepunkte erleichtern. Habe ich die Fähigkeit Schalten zu Beginn meines Zuges erfolgreich angewendet, so kann ich nicht nur einen Gang, sondern gleich derer zwei hoch- oder runterschalten. Kann zu Beginn einer Gerade sehr sinnvoll sein.

Abgesehen von diesem Grundmechanismus gibt es eigentlich nur noch eine Sache, die ich wissen muss – vor und in Kurven heißt es vorsichtig sein, denn in manchen Kurven liegen Speed Limits mit den Werten 2 bis 4. Erreiche ich ein solches Feld, so wird meine aktuelle Bewegung mit dem Wert auf dem Limit verglichen. Ist meine Bewegung höher, so verliere ich die Differenz zum Limit von meinen Karosseriemarkern. Im schlimmsten Fall rausche ich mit voll Stoff gleich durch zwei Speedlimitfeldern und das ist mal gar nicht gut. Hätte ich doch mal besser frühzeitig runtergeschaltet.

Habe ich nämlich keine Marker mehr auf meinem Board, so bin ich gecrashed, muss mein Auto auf dem Rücken neben die Strecke liegen und mein nächster Zug ist für die Füße. Ich muss nämlich in der App ein Mini-Spiel spielen, in dem ich in der Werkstatt Elemente auf meinem Wagen platzieren muss. Und das möglichst schnell, denn danach richtet sich, wie viele Karosseriemarker ich zurückbekomme. Außerdem ist mein Getriebe wieder im P-Modus und ich muss wieder neu hochschalten, um erneut Tempo aufzunehmen.

Das ist tatsächlich alles an Regeln. Mehr gibt es nicht bis auf ein paar Minispielchen, die im Verlauf des Rennens beim Erreichen von bestimmten Feldern oder auch als reine Zufallsereignisse, die plötzlich in der App aufploppen, absolviert werden (müssen). Bis auf das „Pusteblumenspiel“ fanden wir die aber alle eher einfach und einige Spiele gewinnen erst etwas an Drive, wenn mehrere Spieler*innen gleichzeitig spielen und sich direkt messen. Das Stein-Papier-Schere ist thematisch eher verwirrend und bringt ein irgendwie eigenartiges Element ins Spiel, das vielleicht als Catch-Up-Mechanismus gedacht ist, aber irgendwie wenig „rennspielig“ ist.

Meine Frau hat gerade auf Nachfrage gesagt, dass sie gerne noch mehr Mini-Spiele in der App hätte. Zitat: „Wenn ich schon mit einer App spiele, dann habe ich doch mehr Möglichkeiten, um verschiedene Sachen einzubauen.“ Da kann ich ihr nicht widersprechen. Ich sehe da auch noch drei bis vier weitere App-Spielchen, vielleicht noch unterschiedliche Werkstatt-Games und dazu weitere Fahrer*innen – die nächsten Erweiterungen sind gesichert.

MEDIADATEN

…Verlag: Rudy Games
…Spieleranzahl: 2-4
…Spieldauer: 30-60 min
…Alter: 8+
…Genre: Rennspiel
…EAN: 9-120059-810519
…Preis: ca. 35 EUR

MEINE MEINUNG
Hmmm… Schwierig! Ich selber war zwar in allen Partien gut unterhalten, aber so richtig gezündet hat das Spiel bei mir persönlich nicht, obwohl es so ziemlich alles richtig macht. Wirklich überzeugt hat mich dann aber, dass meine Frau und meine erwachsene Tochter, beides absolut keine Vielspielerinnen, richtig viel Spaß mit dem Spiel haben und wir es schon öfter auf den Tisch bringen mussten. Das passiert wirklich nicht bei vielen Brettspielen – ich vermute, dass es am eingängigen Mechanismus und der wirklich geschickten App-Einbindung liegt. Auch das aus der blitzsauber programmierten App aufrufbare und ziemlich gute Regelvideo senkt die Einstiegsschwelle, was ich immer begrüße. Da würde ich sagen – für ein Rennspiel für die ganze Familie alles richtig gemacht.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Autoreparaturen

von: Moritz

 

von: Moritz

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