Im Gespräch mit Verlegerin Grit Richter (Art Skript Phantastik)

Mir stand Verlagsleiterin Grit Richter für ein kleines Interview rund um Steampunk, Anthologien, Bücher und vieles mehr zur Verfügung.

Hallo Grit,
vielen Dank für Deine Zeit. Würdest Du Dich bitte kurz vorstellen.
Danke, dass ich hier sein darf.

Mein Name ist Grit Richter, ich bin staatlich geprüfte Grafik-Designerin und habe seit 2012 den Art Skript Phantastik Verlag.

Wer oder was ist Art Skript Phantastik?
Der Art Skript Phantastik Verlag ist ein inhabergeführter Publikumsverlag spezialisiert auf Dark Fantasy, Steampunk und Space Opera (und alles zwischen drin und ein bisschen darüber hinaus ^^).

Wie kam es zur Gründung?
Ein Bekannter von mir hat ein Buch in einem Verlag veröffentlicht und fragte mich, ob ich dazu ein paar Illustrationen beisteuern wollte. Ich habe daraufhin das Buch gelesen und einen kleinen Einblick in die Verlagsarbeit bekommen. Recht schnell hab ich den Entschluss gefasst, selbst einen Verlag zu gründen. Was dann am 01.01.2012 auch passiert ist.

Kommen wir zur aktuellen Lage. Wie gehst Du mit der aktuellen Situation, kaum Veranstaltung, alles digital, um? Wie siehst Du da die zukünftige Entwicklung?
Dem Verlag und mir geht es relativ gut. Das liegt jedoch nicht an besonders guten Buchverkäufen, sondern daran, dass ich seit Ende 2019 wieder vermehrt meine Dienstleistung als Cover-Designerin und Buchsetzerin anbiete. Durch diese Querfinanzierung bringe ich den Verlag gerade durch eine wirklich harte Zeit, die ich mit Buchverkauf alleine nicht überstanden hätte.

Vor einigen Monaten hab ich noch gesagt, dass ich mich niemals mit Maske und Handschuhen auf eine Messe stellen werde. Jetzt sehe ich das anders. Ich will verkaufen, ich will die Leute wiedersehen, ich will wieder ein Messegefühl haben. Wenn das bedeutet jeden Morgen einen Schnelltest vor der Messe zu machen und Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen die Bücher anzupreisen, dann ist es eben so. Mittlerweile hoffe ich, dass die Zukunft so aussieht. Besser das, als gar keine Messen!

Was war Dein schönstes Erlebnis auf einer Buch-Veranstaltung?
Ohje, es gibt so viele schöne Erlebnisse. Aber ich denke, das war als ich 2015 das erste Mal den Deutschen Phantastik Preis auf dem BuCon in Dreieich gewonnen habe.

Kommen wir nun ein wenig zu Deinem Programm. Letztlich ist mit „Steampunk Akte Asien“ eine weitere Anthologie erschienen. Erzähl uns doch bitte mehr zum Buch.
2014 habe ich die Anthologie „Steampunk Akte Deutschland“ herausgebracht. Ich wollte damit das Genre Steampunk – das traditionell eher in England und Amerika angesiedelt ist – in den deutschsprachigen Raum bringen. „Steampunk Akte Asien“ ist nun die Fortsetzung davon, Steampunk Geschichten im asiatischen Raum. Fabian Dombrowski und ich sind gemeinsam Herausgeber*innen dieser Reihe. Fabian hat ein unglaublich tolles Konzept erarbeitet, das wir zukünftig auch auf weitere Steampunk Akten anwenden möchten. Die Welt ist groß und Steampunk gibt es überall!

Im Gegensatz zu „Steampunk Akte Deutschland“ ist „Asien“ etwas weniger technik-lastig, es geht viel um die Thematik Steampunk und Magie. Das kommt nicht überall gut an, weil es eine recht festgefahrene Meinung gibt, wie Stemapunk sein muss. Fabian und ich möchte jedoch zeigen, dass es viele verschiedene Arten des Steampunk gibt.

Warum veröffentlichst Du Anthologien? Was hältst Du von der Aussage „Anthologien verkaufen sich nicht!“? Ist das nur dummes Gerede und man macht sich selbst damit einen Markt kaputt oder lässt man dort nicht auch Potenzial liegen?
Der deutschsprachige Markt ist an Kurzgeschichten nicht gewöhnt und das merkt man. In anderen Ländern ist die Kurzgeschichte fast schon eine Kunstform, während sie hier stiefmütterlich behandelt wird. Aber das heißt nicht, dass man nicht großartige Welten mit ihr erschaffen kann. Anthologien sind ein Nischenthema, nicht jeder weiß, was er*sie damit anfangen soll, sie liegen nicht oder selten in Buchhandlungen. Umso überraschter bin ich, dass ausgerechnet eine Anthologie mein absoluter Bestseller im Verlag ist. „Steampunk 1851“ erschien 2013 und verkaufte sich bisher ca. 1.500 Mal. Das ist ENORM viel für einen Kleinverlag.

Ich denke in Anthologien liegt viel Potenzial, dass auch immer mehr entdeckt wird. Viele Verlage schmeißen nicht nur ein paar thematisch passende Geschichten zusammen in ein Buch, sondern bauen richtige Welten auf. Und nicht selten finden die Figuren aus Kurzgeschichten ihren Weg in spätere Romanprojekte.

Ich kann nur jedem Leser und jeder Leserin empfehlen mal eine gute Anthologie zu lesen, ich bin mir sicher, dass die Kurzgeschichten vielen Leuten deutlich mehr spaß machen, als sie denken.

Abseits von Anthologien findet der/die interessierte Leser*in welche Bücher bei Dir?
Viele Romane und Novellen, dick und dünn, die in düsterphantastische Welten entführen. Abenteuer rund um die Welt, konfuse Detektive, dämonische Kriminalfälle, ägyptische Götter, die auf die Erde fallen, Bienen, die die Zukunft der Menschheit ausmachen, manchmal sind die Protagonisten auch Tiere, die knifflige Situationen meistern müssen.

Es lohnt sich auf der Website zu stöbern https://artskriptphantastik.de

Um welches Genre machst Du als Verlegerin einen großen Bogen?
Um alles, was nicht phantastisch ist!

Was erwartet uns zum Weihnachtsgeschäft bei Art Skript Phantastik?
Unsere Herbst-Neuheiten sind gerade erschienen. Über „Steampunk Akte Asien“ haben wir ja schon gesprochen. Eine weitere Anthologie ist „Bienen oder die verlorene Zukunft“, in der viele verschiedene Erden in der Zukunft gezeigt werden und wie sich unser Ökosystem entwickeln würde, wenn die Bienen (und andere Insekten) aussterben.

Dann ist noch die Novelle „Road to Ombos“ von Melanie Vogltanz erschienen. Sie ist eine weitere Auskopplung aus der Anthologie „Kemet – Die Götter Ägyptens“. In dieser Geschichte wird erzählt, wie der Gott Seth auf die Erde fiel, und zwar ins Las Vegas der Gegenwart. Dort muss er sich ohne seine göttlichen Kräfte zurechtfinden. Die Novelle kann man auch lesen, ohne die Kurzgeschichte aus „Kemet“ zu kennen. Aber beide Geschichten machen sehr viel Spaß.

Welche/n Autor*in würdest Du gerne einmal verlegen und warum?
Auf jeden Fall Coldmirror! Ich liebe ihren Humor und würde mir so gerne eine wirklich skurrile, abgefahrene Space Opera Geschichte von ihr wünschen. Das wäre ein echter Traum.

Kommen wir zu ein paar kurzen Fragen, mit der Bitte um kurze Antwort.

Kaffee oder Tee?
Kaffee!

Lieblingsbuch?
Die unendliche Geschichte

Film oder Serie?
Serie

Dein nächstes Buch ist?
„Kondorkinder – Das Spiegelbuch und die verlorenen Geschichten“ von Sabrina Železný

Vielen Dank für Deine Zeit. Die letzten Worte gehören Dir.
Danke für das Interview und danke an alle, die mich und andere Kleinverlage in dieser schweren Zeit unterstützen. Bitte hört nicht auf Bücher zu kaufen, über sie zu reden, sie zu tauschen, weiterzuempfehlen und überall auf Social Media zu posten. Viele Kleinverlage haben mittlerweile Online-Shops, doch ihr bekommt ihre Bücher auch über Buchhandlungen on- und offline.

Für weitere großartige Phantastik Bücher, schaut vorbei bei: Verlag ohneohren, Amrûn Verlag, Verlag Torsten Low, Chaospony Verlag, Eisermann Verlag und vielen mehr.

 

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