[Rezension] Blaupausen 2019 – SPIELMATERIAL MATTERS (Rollenspiel)

© System Matters

Mit „Blaupausen – Spielmaterial matters“ stellt System Matters zum Preis von fast 18 Euro ein ungewöhnliches Fanzine vor. Das Format ist ein quadratisches Softcover mit 160 Seiten, ein Produkt zu einem beliebigen System hätte sicherlich den Preis bei einem Verlag. In der Einteilung der Aktion Fandom würde man es wohl in die Kategorie semipr. Zines packen, allein weil es ein Verlagsprodukt ist. Laut Eigenbeschreibung ist Blaupausen ein nichtkommerzielles Gemeinschaftsprojekt, bei der sich jeder einbringen kann. Die vielen Zufallstabellen sind wohl alle neu und im Discord bei System matters entstanden, während Artikel und Abenteuer oft auch alte Artikel – oder übersetzte Artikel – sind, die einfach gut waren (aus Sicht von Redakteur Daniel Neugebauer). Kurzum, ein echt spannendes Projekt und die Idee, jährlich so eine Artikelsammlung zusammenzustellen, gefällt dem Rezensenten.

MEDIADATEN

…Autor: Daniel Neugebauer (Herausgeber) u.v.m.
…Verlag: System Matters
…Format: Softcover
…Seiten: 160
…Erschienen: Anfang 2020
…ISBN: 978-3963780493
…Preis: 17,95 EUR (eBook: 2,99 EUR)

Kommen wir zu den Artikeln: „Lasst die Schilde splittern!“ ist eine Idee für OSR-Spiele, wo man ja üblicherweise schnell stirbt. Man kann sich halt einmal entscheiden mit dem Schild einen Schlag abzufangen (daher den Schaden zu negieren) und ihn dafür splittern, also zerstören, zu lassen. Der übersetzte Trollsmyth-Artikel ist ein OSR-Klassiker, ist recht offen (bietet einige Optionen, auch für mag. Schilde) und sicher eine gut nutzbare Regel. „Der Drachenhort“ von Daniel Neugebauer dürfte im Rahmen des Pendragon-Blogs entstanden sein und ist für eine allgemeine Antwort etwas dünn, trotzdem enthält er interessante Denkanstöße und eine W20 Tabelle mit besonderen Schätzen. „Über Rätsel“ vom selben Autor erklärt, wie er Rätsel anwendet.  Moritz Mehlem stellte einen seiner Seifenkisten-Artikel zur Verfügung: Dungeon-Design in 10 Schritten. Auch hier gilt: Klassiker und einer der besten oder nutzbringendsten Artikel im Blog. Mit „Wir nahmen immer einen Löffel mit in den Dungeon“ von Abenteuer gestalten-Autor Andreas Mehlhorn berichtet aus alten Zeiten, wie Diebesfähigkeiten und die Attributsprobe entstanden sind. Historisch interessant. Der „Charakterpool für Old-School-Kampagnen“ von Moritz ist eine kurze Regeloption, um den vielen Toten der OSR zwar nicht vorzubeugen, aber halt jederzeit wieder Leute im Spiel zu haben. Den Abschluß bildet ein längerer, alter Artikel von Stefan Schütte aus der Zauberzeit, in dessen eigenem Vorwort sich Andreas als Fan des Artikels outet: Jenseits des Dungeons – Szenario-Design für Einsteiger. Alter Artikel, aber viel essentielle Punkte des Abenteuerdesigns.

Drei Abenteuer bilden den Mittelteil des Heftes. Geh nicht in den Feenwald! ist ein Szenario für Geh nicht in den Winterwald und schreibt das Konzept des Waldes auf einen Feenwald um. Gelungen und kann man als Tropes z.B. auch für Beyond the wall nutzen, für das auch das dritte Abenteuer von Ralf Sandfuchs geschrieben ist: Das düstere Haus. Hier würfelt man sich auf 10 W6-Tabellen Spukhaus zusammen und nutzt es als Fingerübung/Herausforderung, daraus ein stimmiges Ganzes zu erschaffen, auch wenn etwas auf dem ersten Blick unpassend wirkt. Die Nebelfeste für Labyrinth Lord bzw. OSR war ein auf 100 Stück limitiertes Oneshot von der Messe Essen 2009 von Moritz Mehlem, welcher wiederum für Daniel der erste Kontakt mit LL/OSR war.

Der Tabellenteil umfasst rund 2/3tel des Heftes, ziemlich genau 100 Seiten. Manche davon wirklich gut, manche eher nicht – ich beleuchte die High- und Lowlights aus meiner Sicht: Den Grossen Generator für Abenteuertitel generiert über eine halbe Millionen Abenteuertitel, wenn auch viele davon ähnlich zueinander. Ich selbst hatte sie schon im Rahmen des Karnevals genutzt (Link) und füllte mich inspiriert. Die Zufallstabellen rund um Bücher bieten viele Tabellen rund um Details sowie 100 individuelle Bücher – oft nur Titel, manchmal mit Beschreibung drumherum. Bei mir hat ja mal ein SC als Racheaktion ein Buch eines Magiers geklaut, da hätte ich die Tabellen gut gebrauchen können … W20 Gründe, warum ich Dieb/Kämpfer/Kleriker/Zauberkundiger wurde: Manche eignen sich gut als kurze Hintergründe, andere weniger – ähnlich die W20 billigen Ausreden, warum ein Charakter fehlt. Manche – viele – Ergebnisse sind zu speziell. Eigentlich schade, da sonst sehr nützlich. Die Dungeontabellen (Dinge im Dungeon/Seltsame Türen/Nachrichten an der Gewölbewand und sonderbare Grabmäler) lassen sich gut nutzen, wenn man Moritz Dungeonbauartikel von oben mit Leben füllen will. Bei Schauplätzen finden sich dann Dörfer und exotische Städte, Orte, an die man gelangt, wenn man beim Teleportieren patzt. Ritualorte und Ruinen ergänzen das ganze. Ebenfalls nützliche Tabellen beim Auffüllen einer Sandbox oder zur Inspiration. Highlight sind dann die Tabellen zu Elementarwesen, hier finden sich je 10 individuelle Erd-, Wasser-, Feuer- und Luftelementare sowie exotischere wie Asche-, Blitz-, Dampf-, Eis-, Dunkelheits-, Licht-, Magma-, Mineralien-, Rauch-, Salz-, Schlamm- und Staubelementare. Schnell einen Elementaristen-NSC und seine drei Begleiter gemacht, bieten sich hier einige coole Aktionen an. Reisebegegnungen führt diverse Schauplätze ein, Gebirge, Luft (hier stets kurz und knapp) und besonders gelungen, W30 auf dem Meer sowie gar auf dem Meeresgrund. Abschließend noch Ruinen, Stadt, Strasse, Sumpf, Wald und Weideland. Lässt sich gut im Spiel atoc verwenden, bieten einiges an Abwechslung und Ideen.

Optisch macht das Buch einiges her obwohl nur gemeinfreie Bilder der British Library verwendet. Im Layout arbeitet man angelehnt an den Namen blau, im Tabellenlayout oder den Überschriften z.B.

MEIN FAZIT
Für meinen persönlichen Geschmack ist das ein Volltreffer und ich freu mich auf die nächste Ausgabe. Inhaltlich ist es eigentlich Pflicht für OSRler und Zufallstabellennutzer, da führt kein Weg drumherum, alle anderen müssen genau schauen, ob sie was für sich interessantes finden.

MEINE WERTUNG
5 von 5 abgewetzten W20, die seit 1977 gewürfelt werden.

von: Greifenklaue

 

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