[Rezension] Der Tod von Daredevil (Comic, Superhelden)

© Panini

„Daredevil“ gehört zu den urbanen Helden des Marvel-Universums, die mit eher geringen Kräften punkten können, den normalen Menschen aber wesentlich näher stehen als die Avengers oder die X-Men. Ihre Welt ist eher klein und begrenzt, auch die Gegenspieler versuchen nicht gleich die ganze Welt zu dominieren. Neben den Comics gab es bisher nur zwei Filme und eine Serie mit dem Teufelskerl, aber keine behandelte dieses Thema: „Der Tod von Daredevil“.

INHALT
Ein Unfall mit radioaktivem Material in seiner Kindheit hat Matt Murdock körperlich verändert. Er verlor zwar sein Augenlicht, dafür schärften sich aber all seine andere Sinne. Und da er von seinem Vater zur Gerechtigkeit erzogen wurde, schlug er als Erwachsener auch genau diesen Weg ein und wurde zum Anwalt. Und in der Nacht streift er als maskierter Vigilant in seinem New Yorker Viertel umher – Daredevil ist als Beschützer der Unschuldigen und Schwachen, als Jäger der Verbrecher in „Hell‘s Kitchen“ unterwegs.

Einer seiner Erzfeinde ist der korrupte Bürgermeister von New York. Immer wieder schafft es Wilson Fisk, sei es durch Manipulation und Betrug oder durch Gewalt an die Spitze der Macht zu kommen. Und nicht zuletzt ist der „Kingpin“ auch der Kopf einer Verbrecherorganisation mit unglaublich großen Ressourcen. Deshalb hat Daredevil immer gut zu tun, wenn Superschurken aufkommen und Ärger machen.

Langsam aber sicher ist er es auch müde, gegen Wilson Fisk zu kämpfen und will dem Dilemma ein Ende machen. Das aber wird erschwert durch eine Person, die es eigentlich gar nicht geben dürfte – seinem Zwillingsbruder Mike Murdoch – den sich Matt eigentlich nur erdacht hat, um seine wahre Identität zu verbergen.

MEDIADATEN

…Autor: Charles Soule
…Zeichner, Farbe: Phil Noto
…Übersetzung: Bernd Kronsbein
…Verlag: Panini Verlag
…Original: Daredevil # 606-612, USA 2019
…Format: Softcover im US-Comicheft-Format
…Seiten: 172
…Erschienen: Januar 2020
…ISBN: 978-3741609886
…Preis: 17,99 EUR (eBook: 13,99 EUR)

MEINE MEINUNG
Charles Soule und Phil Noto gehören zu den Künstlerteams, die weniger das heroische aus ihren Helden heraus arbeiten als deren menschliche Seite. Und so kommt auch das scheinbar letzte Abenteuer von Daredevil eher geerdet daher.

Matt Murdock ist nach den vielen Jahren des Kampfes müde geworden. Er fragt sich, warum er immer noch an allen Fronten kämpft, um der Gerechtigkeit auf die Sprünge zu helfen, wenn doch letztendlich nicht wirklich etwas passiert und er immer wieder miterleben muss, das andere an die Stelle seiner Feinde treten oder die alten immer wieder aufstehen.

Das Grübeln entfremdet ihn von seinen Freunden, vor allem als auch noch Mike auftaucht, der imaginäre Zwillingsbruder, den es eigentlich nicht geben dürfte. Der scheint auch etwas gegen Matt zu haben und bereitet dem blinden Anwalt und Vigilanten weitere Schwierigkeiten. Die Motive dafür bleiben völlig unklar.

Die Künstler machen es sich jedenfalls nicht einfach, sie nehmen sich die Zeit, die Verwirrung und Ernüchterung ihres Helden in Szene zu setzen, ebenso wie den Frust. Rot als vorherrschende Farbe dominiert auch den Gemütszustand der Hauptfigur, die irgendwo zwischen Depression und Wut schwankt und am Ende einen folgenschweren Fehler begeht.

Die Kämpfe und Auseinandersetzungen werden mit harten Bandagen geführt und sind konsequent grausam, vertiefen die intensive Atmosphäre und den Ernst der Geschichte, die nachvollziehbar vom Ende eines Helden erzählt.

Alles in allem ist der Band auch für die verständlich, die bisher nur wenig über Daredevil selbst wissen, denn die wichtigsten Informationen sind in begleitenden Texten zu finden. Aber vor allem Fans werden die ernüchternde Geschichte mögen, können sie sich doch besonders gut in den Gemütszustand ihres Helden hinein versetzen, der wie jeder Mensch irgendwann nicht mehr in der Lage ist, sich gegen Missstände zur Wehr zu setzen, die sich nicht ändern lassen.

„Der Tod von Daredevil“ gehört zu den ernsteren Geschichten aus dem Marvel-Universum und erzählt von einem Helden, der körperlich und seelisch am Ende ist. Ziemlich geerdet und realistisch ziehen die Künstler die Fäden und dürften damit vor allem die Fans begeistern, die Spaß an den besonders menschlichen Superhelden haben und mehr als reine Action wollen.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Teufelskerlen

von: Kris

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