[Rezension] Die dunklen Lande (Roman, Historische Fantasy)

© Knaur Verlag

Schon die Pulp-Autoren vor hundert und mehr Jahren nutzten die irdische Geschichte und Mythen der Länder aus, um sie mit ihren eigenen Horrorszenarien zu verknüpfen. Autoren wie Robert E. Howard schufen so unvergessene Helden, wie etwa den Puritaner Solomon Kane, der rigoros gegen das Böse in all seinen magischen Formen vorging. Auf seinen Spuren wandelt nun Markus Heitz mit seinem neusten Roman „Die dunklen Lande“.

INHALT
Nach dem Tod ihrer Mutter reist Aelin Kane zusammen mit ihrer Freundin Tahmina nach Hamburg, um dort das Erbe ihres Vaters Solomon Kane einzufordern, welches ein Kaufmann vor vielen Jahren von ihm in Verwahrung hat.

Doch es kommt anders als gedacht. Durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen können sie nur damit rechnen, es zu erhalten, wenn wie einen Auftrag für die West-Indische Compagnie erfüllen. Die Mission scheint einfach: Ein paar Leute aus Bamberg abholen und in die Hansestadt zu bringen … aber schon bald merken die beiden Frauen, dass die Reise es in sich hat.

Mitteleuropa ist seit mehr als fünfzehn Jahren Schauplatz von Schlachten und Überfällen – die Verwüstungen haben die Region ausgezehrt und die Menschen misstrauisch gemacht. Der Krieg zwischen Katholiken und Protestanten entflammt immer wieder aufs neue, gerade wenn Machtinteressen bedroht sind.

Auch das Böse hat sich in den „dunklen Landen“ breit gemacht, die Angst und der Aberglaube der Menschen entfesselt sich dadurch immer wieder in Scheiterhaufen und Hexenverbrennungen – vor allem in Bamberg selbst. Die beiden Frauen spielen also mit ihrem Leben … aber haben sie eine andere Wahl?

MEDIADATEN

…Autor: Markus Heitz
…Verlag: Knaur Verlag
…Format: Klappbroschur
…Seiten: 540
…Erschienen: März 2019
…ISBN: 978-3426226766
…Preis: 16,99 EUR (eBook: 12,99 EUR)

MEINE MEINUNG
Eine Tochter von Solomon Kane … da kann ja nichts schief gehen, denkt man zunächst als Leser, auch wenn man sich das entsprechende Titelbild sieht, das eine Frau mit dem ikonischen Puritanerhut , Degen und Pistole, wie auch einem grimmigen Gesichtsausdruck zeigt, aber leider enttäuschen schon die ersten Kapitel. Aelin und ihre Freundin sind mitnichten die Hauptfiguren des Buches.

Genau so viel, wenn nicht noch mehr Raum nimmt die Söldnertruppe um den geheimnisvollen Nicholas ein, die nach einem neuen Job suchen und ebenfalls von der Compagnie angeheuert werden. Über die erfährt man fast schon mehr als über die jungen Frauen, jeder von den vier Kämpfern erhält nach und nach eine Persönlichkeit – wenngleich die der meisten auch sehr schnell zu durchschauen ist.

Die jungen Frauen bleiben dagegen immer blass, sie werden zwar als mächtig und mit allen Wassern gewaschen beschrieben, dürften aber diese Seiten nur dann zeigen, wenn gar nichts anderes mehr geht. Ansonsten werden sie verletzt, zeigen Schwäche und geraten in Gefahren, aus denen sie natürlich auch gerettet werden müssen inklusive einer versuchten Vergewaltigung.

Gerade bei Aelin verschenkt Heittz so einiges, sind die Besonderheiten, die er seiner Heldin andichtet doch nur Staffage. Da kommt die Perserin Tahima schon besser weg, sie ist auch weit aktiver als Aelin.

Der Autor bedient natürlich die Klischees, die mit dem Dreißigjährigen Krieg einher gehen in vollem Maße schildert ein dreckiges und kaputtes Land, in der sich das Böse in all seinen Formen wunderbar in die Welt einschleichen kann – seien es nun Dienerinnen alter Gottheiten, magische Wesen aus Fluss und Erde oder gar Dämonen. Einiges davon sorgt auch für Spannung und interessante Wendungen, aber die Handlung kann nicht verhehlen, dass sie oberflächlich bleibt und viele Ideen nur ankratzt. Gerade Fans des howardschen Helden werden so gut wie gar nichts von den Eigenarten Solomon Kanes wiederfinden, nicht einmal die phantastisch-düstere Atmosphäre, die der Texaner so meisterhaft aufbauen konnte.

Die Geschichte liest sich ansonsten durchaus flüssig, hat keine Längen und kommt immer wieder mit einem ordentlichen Schuss an Action und Horror daher, aber zum Ende hin merkt man doch, dass nicht wirklich viel hängen geblieben ist und das Schicksal vieler Figuren nicht berührt.

Heitz kann ohne Zweifel unterhaltsam schreiben und seine Leser unterhalten, aber auch an diesem Roman merkt man wieder einmal seine Schwächen und zugleich auf welche Zielgruppe er das ausgerichtet hat. Und die starke Einbindung eines bestimmten Söldners in die Ereignisse wird auch durch eine Werbeanzeige erklärt – ganz offensichtlich ist der Roman der Prolog zu einem epischen Werk der Gruppe „Blind Guardian“, das im Herbst erscheint – wobei solche Media-Crossover nicht neu sind.

„Die dunklen Lande“ ist actionlastige, dunkle Fantasy für den schnellen Genuss, mit einer Handlung die abenteuerlich und grausam vor dem historischen Szenario des Dreißigjährigen Krieges vorangetrieben wird, ein gewisses Horror-Ambiente vermittelt, dass man auch im „Dark Metal“ wieder findet, aber nach der Lektüre dank der blassen Figuren und der all zu oberflächlichen Handlung schnell wieder vergessen ist. Da die Handlung keine Ansprüche an die Aufmerksamkeit stellt, ist sie ideal für den Strand oder eine lange Fahrt.

MEINE WERTUNG
2,25 von 5 Dunklen Landen

von: Kris

 

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