[Rezension] Der Schatten des Dämonenfürsten (Rollenspiel, Fantasy)

© System Matters

Mit „Der Schatten des Dämonenfürsten“ liefern die Jungs von System matters zur SPIEL 2018 ihr erstes Schwergewicht ab, auch wenn sie mit Beyond the Wall, Dungeon World und Dread tolle Perlen im Rennen haben. „In the shadow of the demon lord“ – im deutschen fiel das „In“ der Layoutkomposition zum Opfer – ernährt Autor Robert J. Schwalb schließlich hauptberuflich und hat einen hohen Ausstoß an pdf mit Abenteuern.

Robert J. Schwalb selber hatte einige Erfolge bei Green Ronin (Warhammer, Song of Ice and Fire RPG und Freeport), arbeitete an der vierten und fünften Edition von DnD, bei letzterer gar als einer der Lead Designer und arbeitete auch bei Monte Cooks Numenera fleißig mit, bevor es mit „Schatten des Dämonenfürsten“ 2014 losging. Das letzte Projekt seinerseits, frisch veröffentlicht, ist Judge Dredd & The Worlds of 2000 AD.

Der Unique Selling Point von „Der Schatten des Dämonenfürsten“ ist ohne Frage die Art der Kampagnengestaltung: nach 10 bzw. 11 Folgen ist Schluss, der Dämonenfürst erscheint und herrscht über die Welt, wobei das unterschiedlich gestaltet werden kann. Ebenso startet man auf Stufe 0 oder 1 und steigt am Ende des Abends / des Abenteuers eine auf. Daher sind auch die Abenteuer eher kurz – so geriert sich DSdDF als ideales Feierabendspiel, welches trotz wenig Vorbereitungszeit ein Kampagnenfeeling bietet.


INHALT
Aber fangen wir beim System an: DSdDF hat sich auf vier Attribute reduziert: Stärke, Gewandheit, Intelligenz und Willenskraft sowie Eigenschaften, die daraus errechnet oder aus der Abstammung bestimmt werden wie Lebenspunkte, Heilrate, Wahrnehmung, Verteidigung, Macht, Wahnsinn und Verfall. Die Attribute ergeben sich aus der Abstammung und hier zeigt DSdDF, dass es anders sein will: Neben Menschen und Zwergen spielt man Goblins, Orks, Uhrwerke und Wechselbälger. Stärke beeinflusst Lebenspunkte, Gewandheit Verteidigung und Intelligenz Wahrnehmung. Macht, Schaden, Wahnsinn, Verderbnis liegen bei 0, nur Orks haben quasi Geburt ein Punkt Verderbnis angesammelt.

Gucken wir uns beispielhaft den Goblin an, welche sich in der Nähe menschlicher Siedlungen, in Abwasserkanälen und Müllkuhlen ansiedeln. Ein paar Namen, merkwürdige Angewohnheiten und ein individuelles, bizarres Aussehen runden die Vorstellung ab und es geht in die Tabellen. Bei besonderes Aussehen kann man einen Schwanz, einen Zahn auf der Stirn oder Haarlosigkeit abbekommen. Beim Alter wirft man 3W6, bei einem Ausreißer wie „3“ oder „18“ ist man mal eben ein Kind (6 oder jünger) oder ein Greis (76+) – was quasi für alle Völker gilt. Ähnlich dem Körperbau, Ausreißer machen einen hier klein und drahtig oder groß und schwer. Bei seltsamen Angewohnheiten steht eine W20-Tabelle zur Verfügung und reicht von harmlos („Du hast eine Löffelsammlung“) bis makaber („Du sammelst Deine Ausscheidungen und verschenkst sie …“). In Hintergründe wird erklärt, warum man sich nicht mehr mit seinen Gobbos abhängt. Eine Möglichkeit wäre z.B. als Waise bei Riesenratten aufgewachsen zu sein oder man wurde in eine Kröte verwandelt und von einer Elfin zurückgeküsst … Vielleicht hast Du in den Abwasserkanälen einfach nur nen Siegelring gefunden. Die Persönlichkeitstabelle entscheidet schließlich, ob man egoistisch ist, anderen fiese Streiche spielt oder ob man sich für andere einsetzt – alle Tabellen sind übrigens volksspezifisch.

Fehlen noch zwei Berufe (bei Menschen gar 3) aus sechs Kategorien, die zufällig ermittelt werden, aus fast 120 Berufen. Das ergibt dann häufig Kombos, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen – für mich macht genau das häufig seinen Reiz aus. Der Lebensstil bestimmt dann auch noch Vermögen und Startausrüstung und abschließend gibt es eines von 120 interessanten Details: Eine Spieluhr mit trauriger Melodie, ein Kohlestück mit der Aura der Bösartigkeit oder eine unerwiderte Liebe. Dann gibt es noch eins von 20 positiven und negativen Persönlichkeitsmerkmalen und fertig ist der SC Stufe 0.

Wenn man aufsteigt – oder auf Stufe 1 anfängt, betritt man einen Lehrlingspfad, derer es vier gibt: Krieger, Priester, Schurke oder Zauberkundiger, die Vorteile auf den Stufen 1, 2, 5 und 8. Mit etwas Erfahrung wird man Geselle auf der 3. Stufe, auf 6. und 9. gibt es weitere Boni. Jeder Pfad bekommt vier Spezialisierungen zur Auswahl, der des Krieges beispielsweise Berserker, Kämpfer, Waldläufer oder Zauberbinder. Außerdem geht man davon aus, dass man nun tief genug in der Kampagne verankert ist, um ein Charakterziel zu kriegen. Ein Kriegerlehrling muss aber keinen dieser vier nehmen, er kann sich auch einen der anderen zwölf aussuchen. Auf Stufe 7. schließlich wird man zum Meister und sucht sich einen von 64 Pfaden aus, welcher auf der letzten Stufe weitere Boni bringt. Außerdem bekommt der SC nun eine Queste. Wer aufmerksam war, bemerkt das eine Stufe fehlt, die 4te – hier ist es die gewählte Abstammung, die Boni bringt.

Sonst bietet das System noch einige einfache Grundmechanismen: Vor- und Nachteilswürfel sind einfachste Ergebnis zum W20-Wurf hinzu- oder abgezogen. Wahnsinn sammelt sich nach und nach an, wenn man schreckliches und ekeliges sieht. Am Ende stehen Geistige Störungen (von Tod bis zu kurzzeitigen Störungen), welche, wenn vorbei, den Wahnsinn wieder etwas absenken. Zweite Möglichkeit ist das Annehmen von Eigenarten, zwanghaftem Verhalten und Phobien. Verderbnis hingegen ist ein Konto, wo man Punkte für eigene wahrhaft böse Taten verursacht. Hier ist die erste Konsequenz ein Nachteilswürfel bei Interaktionen mit anderen Wesen. Aber auch ein Mal der Finsternis ist eine Möglichkeit, man weint Blut oder einem wachsen Hörner … Im Kampf gibt es schnelle und langsame Züge. Wer einen schnellen macht kann eine Aktion ausführen (Kämpfen) oder sich bewegen, ein langsamer Zug erlaubt beides, ist aber hinter den schnellen dran. Sprich, hier gilt ves taktisch zu überlegen.

Zauber werden nach Macht gelernt, wobei 30 Schulen zur Verfügung stehen. Besitze ich noch keine Macht, kann ich einmal am Tag einen 0-Grad-Zauber, bei Macht 2 schon dreimal 0, zweimal 1. und einmal 2. Grad. Theoretisch geht das hoch bis Macht 10 mit dem max. Grad 10. Genug Zauber stehen auf rund 50 Seiten jedenfalls zur Auswahl, ewobei gerade höhere Machtgrade noch selbst erschaffen werden müssen.

Es folgt dann die Vorstellung der Welt des Dämonenfürsten. Ein zersplittertes Imperium, welches nun von seinen eigenen Knechten, hier den Orks (selbst aus einer Art Wikinger erschaffen, welche einen Königssohn mordeten und dann verzaubert und versklavt wurden) regiert wird. Zugleich werden Dutzende von Landmarken, Ländern und Städten vorgestellt, die als Fokus für die eigene Kampagne dienen können. Grundsätzlich ist der Ton hier dunkel gehalten, Warhammer lässt grüßen. Auch beim Glauben gibt es Parallelen zum Römischen Imperium, der alte Glaube (ähnlich Game of Thrones) wurde von einem monotheitischen Neuen Gott verdrängt.

Der Spielleiterteil bietet zahlreiche Tipps, rund um Abenteuergerstaltung, Reiseregeln, Charaktereinbindung und NSC-Gestaltung. Dann werden 20 mögliche Reinksrnationen des Schatten des Dämonenfürsten vorgestellt, so dass auch hier jede Kampagne anders ist. Eine Dunkle Sonne verknappt die Nahrung und generiert Nachteilswürfel für jene, die sich in ihren Schein bewegen. Ganz ähnlich der Griff des Winters. Oder Dämonische Eindringlinge, die hinter Spalten und Rissen warten und jede Chance nutzen auf unsere Welt überzutreten. Fallen, mag. Gegenstände und ein ausführliches Bestarium runden das Buch ab.

Graphisch beeindrucken vor allem Cover und Backcover, welche riesige Chaoskolosse zeigen, die Nurgle zum Wohlgefallen wären. Allein das führt schon gut in die Stimmung des Welt ein. Im Inneren tummeln sich kleine sw-Zeichnungen und viele farbige Bilder, welche Abstammungen, Szenen und Charaktere zeigen. Das Layout wirkt durchgehend sauber und gut lesbar, durch die Drittfarbe rot hat man gute Abgrenzungen und Übersichtlichkeit.

MEDIADATEN

…Autoren: Robert J. Schwalb
…Illustrationen: Svetoslav Petrov (Cover) uva.
…Verlag: System Matters
…Format: Hardcover, Vollfarbe, 2 Lesebändchen
…Seiten: 352
…Erschienen: 2018
…ISBN: 978-3963780097
…Preis: 49,95 EUR (alternativ als PDF für 24,95 EUR erhältlich)

MEINE MEINUNG
Im Intro klang schon die Frage an, ob „Der Schatten des Dämonenfürsten“ unter der Vielzahl an Fantasysystemen herausragt und sein Publikum findet. Die Chancen dafür stehen gut, denke ich, da es einige Unique Selling Points, sprich einzigartige Aspekte gibt, die dunkle, warhammereske Welt dürfte recht beliebt sein und die Produktstrategie bei System Matters, die konstant neue Produkte liefern und Interesse gerieren, dürfte sein übriges dazu beitragen.

Ich bin vom System recht angefixt, ähnlich DnD 5 ein guter Kompromiss aus DnD 3/4 und der OSR, aber weltlich deutlich düsterer. Dazu ein Spielkonzept, welches in die Lebenswirklichkeit passt. Wie viele Dutzend angespielte Kampagnen gibt es, die was weiß ich woran scheiterten. Und umgekehrt gibt es auch überspielte Kampagnen – bei so vielen tollen Systemen und Settings möchte man sich nicht über Jahre binden. Da kommt einem doch dieses Konzept weit entgegen.

Zwar ist kein Abenteuer enthalten, aber auch das dortige Format wirkt attraktiv.

Das Erstellen der Charaktere hat seinen eigenen Reiz, gerade das Zusammenführen der ungewöhnlichen Würfelergebnisse, warum ist mein Automaton nur 30 cm groß, warum war ich erst Raubritter, dann Stadtwache etc?

MEINE WERTUNG
4,75 von 5 Dämonenfürstenschatten.

von:  Greifenklaue & Würfelheld

 

Ein Gedanke zu „[Rezension] Der Schatten des Dämonenfürsten (Rollenspiel, Fantasy)“

  1. Hallo
    Ich hab mit das System auch gekauft, bin im Grunde sehr zufrieden.
    Doch manches ist mir noch nicht klar. Wie kann den ein Mensch eine Ritterrüstung anziehen?
    Die benötigt Stärke 15.
    Startwert ist 10 mit Variation 11.
    In jedem Pfad kann man Stärke einmal steigern. Ergo in Stufe 7 erreicht man Stärke 14.

    Was habe ich übersehen.
    Denn meines Erachtens nach sollte ein Kleriker, Paledin, Krieger in spätestens der 5. Stufe in der Lage sein eine Ritterrüstung zu tragen.

    LG Mark
    Antworten gerne an (Mailadressee gelöscht)

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