[Rezension] New Hong Kong Story – Ein Cinematic-Action-Rollenspiel

© NHKAS

Es gab eine Zeit, da waren sie nicht aus den Kinos weg zu denken und fielen den Kinogängern vor allem durch ihre schrille überdrehte Action und die verrückten Figuren ins Auge. Eine Handlung war nur rudimentär vorhanden, die Kampfkunst war allerdings ein Augenschmaus, so dass die „Martial Arts“-Filme eine wachsende Fangemeinde fanden.

Mittlerweile hat sich auch das „Hongkong“-Kino von seinem Schmuddelimage gelöst und produziert sogar international geschätzte Filme, die auch tricktechnisch mit amerikanischen Produktionen mithalten können.

„New Hongkong-Story“ bietet die Möglichkeit, nun selbst – zumindest in Gedanken hinter die Kulissen dieser Filme zu schauen und selbst in die Rolle der „Schauspieler“ zu schlüpfen, um entsprechende Streifen nach zu spielen, sei es nun, dass man in die Haut eines Shaolin-Mönches schlüpft, oder eine historische Rolle oder gar in die eines Angehörigen der chineschen Triaden. In erster Linie kommt es nur auf eines an – die Kampfkunst, die man auf jeden Fall beherrschen sollte, um in den Geschichten zu bestehen und seine Gegner zu besiegen.

Das Rollenspiel sorgt für das notwendige Handwerkszeug. Der Autor versucht die generellen Regeln an sich sehr einfach zu halten, denn es gibt eine Menge mehr zu beachten als in anderen Systemen, da hier besonderer Wert auf die Kampfkunst gelegt wird und damit ständig zu würfeln sein dürfte.

Zunächst einmal beschreibt er jedoch die Grundlagen, erklärt die Mechanik, durch die Aktionen und Kämpfe gut ablaufen können, zeigt, wie man einen Grundcharakter aufbaut und die Weichen für dessen erste Rollen stellt.

Grundlegend sind viele Proben auch nicht anders als in anderen Systemen, so dass bereits erfahrene Spieler keine Probleme haben werden, diese zu verstehen und auch nach einer kurzen Probephase auszuführen.

Kniffliger ist dann schon die Ausarbeitung des Charakters, denn man muss schon einiges nachlesen, um die richtigen Fähigkeiten und Kenntnisse für sich zu finden, die auch dabei helfen, spätere Rollen auszusuchen. Immerhin sind die Listen für Vorteile, die man seinem Charakter verschaffen kann, größer als die mit den Nachteilen und nicht alles davon ist permanent. Auch ist es möglich im Verlauf der Spielrunden die Fähigkeiten zu steigern und sich wie ein richtiger Schauspieler weiter zu entwickeln.

Es gibt sehr viele Kapitel mit Listen und Beschreibungen, damit man auch ohne entsprechende Kenntnisse die unterschiedlichen die Kampfstile kennenlernt oder sich passende Fertigkeiten aussuchen kann.

Letztendlich wird wohl der belohnt, der sich die Zeit nimmt, das Buch zu studieren und sich die Beschreibungen genau anzuschauen, denn nicht alles, was gut klingt ist auch leicht auszuführen und manchmal ist es ganz gut, mehreren Stilrichtungen zu beherrschen und sich dabei nicht nur auf eine zu fixieren. Allerdings ist es auch Sache des Spielleiters, die Szenarien ein wenig auf seine Gruppe anzupassen, damit keiner auf Dauer benachteiligt oder an den Rand gedrängt wird.

Natürlich gibt es auch Regeln für Verletzungen, Vergiftungen und gar Tod, allerdings sind die so gehalten, dass man mehr oder weniger mit dem Charakter ungeschoren davon kommt und allenfalls den ein oder anderen Wert ändern muss, wenn das körperliche Auswirkungen haben sollte.

Alles in allem sind die Gruppen so natürlich nicht an ein Genre gebunden. Sie können einen knallharten Thriller durchspielen, in dem eine fähige Polizeitruppen einer Triade das Handwerk zu legen versucht, indem sie einen Coup vereitelt – wie in dem beigefügten Abenteuer „Under Fire“, auch wenn man davon ausgehen kann, dass durch diesen Schlag der Hydra nur ein Kopf abgehauen wird und der Spaß noch weiter geht, wenn man daraus eine Kampagne machen möchte.

Es ist aber auch möglich in eine historische Epoche einzutauchen oder gar phantastische Elemente mit einzubringen, weil die Geisterwelt und Magie ein wichtiger Bestandteil des Abenteuers sind.

Eine Liste von Filmen am Ende gibt entsprechende Anregungen, während die Beschreibung von Hongkong und Umgebung dabei hilft, seine Figuren zwischen den einzelnen Szenarien in der „Realität“ zu verankern.

Alles in allem ist das Regelwerk sehr liebevoll gestellt, man merkt, dass die Autoren mit Leidenschaft bei der Sache sind und sich in dem ganzen Bereich ausgezeichnet auskennen. Die Beschreibungen sind prägnant aber ausreichend und das Einführungsabenteuer „Under Fire“ überschaubar genug, um Einsteigern einen Überblick zu verschaffen.

Allerdings muss der Spielleiter auch sehr viel Arbeit in die Ausarbeitung der eigenen Szenarien stecken und natürlich auch die Spieler Freude daran, einmal in ein solches Setting einzutauchen. Ohne Interesse und Freude an fernöstlich angehauchten Filmen dürfte es nicht einfach sein, das Ambiente des Rollenspiels wirklich einzufangen.

MEDIADATEN

…Autoren: Christian Blaßmann, Elfi Heck
…Verlag: Black Mask/Eigenverlag
…Illustrationen: Bradley Deng
…Format: broschiert, A5-Überformat,
…Seiten: 330
…Erschienen: Mai 2018
…ISBN: ohne
…Bezug über: L I N K
…Preis: 25 EUR

MEIN FAZIT:
„New Hongkong Story“ ist ein ambitioniert und leidenschaftlich gestaltetes neues Rollenspielsystem, das vor allem durch das außergewöhnliche Konzept und das ungewohnte Setting im Milieu der „Martial Arts“-Filme punktet. Allerdings sollten sowohl Spielleiter als auch Spieler schon einige Erfahrungen im Rollenspiel gesammelt haben und auch Spaß an der fernöstlichen Kampfkunst haben – in welcher Form und welchem speziellen Genre auch immer. Denn sonst könnte eine Runde sehr schnell an Desinteresse an fernöstlicher Kultur scheitern.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Hong Kong Action Stars

von: Kris

 

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