[Rezension] Der Orkfresser (Roman, Fantasy)

© Klett Cotta, Hobbit Presse

Christian von Aster gehört zu den Autoren, die die deutsche Szene weniger mit Massenware beglücken als mit witzigen und frechen Werken, aus denen die Satire nur so hervor quillt. Deshalb macht er sich auch in seinem neusten Buch „Der Orkfresser“ bewusst über die Auswüchse des Marktes lustig und schwenkt dann doch wieder zu einem düster-intelligenten Märchen um.

INHALT
Aaron Tristen hat es eigentlich geschafft. Seine Romane um „Engel gegen Zombies“ haben die Bestsellerlisten gestürmt, stehen auf den Listen auf Platz eins, und wann immer er eine Lesung macht, stürmen die Fans die Bude.

Aber der neuste Termin dieser Art bringt ihm zum Grübeln, denn er merkt, wie sehr er in die perfide Maschinerie geraten ist, in der für seinem Agenten und dem Verlag nur noch eine Kuh ist, die gemolken werden muss, so gut es geht.

Deshalb kommt es auf der Lesung zu einem Eklat und Tristen versucht die Reißleine zu ziehen, indem er aussteigt. Er nimmt einen anderen Namen an und versteckt sich in Leipzig, einer Stadt voller Erinnerungen.

Für einen Moment kann er aufatmen, doch dann fängt er sich auch schon wieder Ärger mit einer Rockerbande ein, die es von nun an auf ihn abgesehen haben. Und er trifft auf eine illustre Selbsthilfegruppe, die ihn daran erinnert, dass Schreiben für ihn mehr ist, als nur Geld zu verdienen. Oder warum er nicht mehr länger seine Seele verkaufen wollte.

Dadurch gewinnt er an Kraft, taucht aber auch immer mehr in eine Welt ein, in der Fiktion und Realität verschwimmen …

MEDIADATEN

…Autor: Christian von Aster
…Verlag: Klett Cotta, Hobbit Presse
…Format: Taschenbuch
…Seiten: 352
…Erschienen: März 2018
…ISBN: 978-3608981216
…Preis: 14,95 EUR (eBook: 11,99 EUR)

…Extras: Leseprobe

MEINE MEINUNG
„Der Orkfresser“ beginnt mit einer sehr typischen Szene – eine Buchhandlung veranstaltet ein Event mit einem bekannten Autoren, obwohl den meisten Angestellten das Genre überhaupt nicht liegt, sie aber gute Miene zum bösen Spiel machen. An Fans tauchen so einige auf, auch die unangenehmen Typen, die quietschenden Mädchen, die gerne eine bestimmte Person wiedersehen möchten und deshalb dem Autoren zusetzen, oder die Kritiker. Und nicht zuletzt sind da die Cosplayer und Larper, die sich bei dieser Gelegenheit eher selbst darstellen, als den Autoren zu unterstützen.

Natürlich überzeichnet der Autor die Figuren und badet in Klischees, selbst als sein Held schon längst geflohen ist, aber es steckt auch ein Körnchen Wahrheit in der Darstellung des Literaturbetriebs und der Leute, die an den Hebeln sitzen. Natürlich ist ein Verlag daran interessiert. Profit zu machen und ein Agent will Geld verlieren.

Und letztendlich wird kein Autor auf Dauer nur das schreiben können was er gerade will, denn nur wenn er sich selbst verrät, kann er weitere Bestseller schreiben … nur hat das seinen Preis.

Die Erzählweise ist bitterböse, macht klar, dass auch der Erfolgreichste schnell stürzen kann, wenn er nicht funktioniert – etwas, was auch im normalen Leben wieder zu finden ist.

Seinen Fans aus der literarisch angehauchten Szene um Goth und Punk kommt er ebenfalls entgegen, indem er ein Szenario entwirft, das all die dunklen Seiten des Aussteigerlebens zeigt und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. Am Ende zieht er sogar eine bittere Konsequenz.

Alles in allem ist das Buch eines, bei dem dem Leser mehr als einmal das Lachen in der Kehle stecken bleibt, das aber auch ein paar positive Momente in dem ganzen düsteren Dilemma besitzt, wie auch einen sympathischen Protagonisten, dessen Verhalten man meistens sehr gut nachvollziehen kann.

Allerdings sollte man für diese Art von Büchern offen sein, sonst wird man sich sehr schnell langweilen, da die meisten Ereignisse doch eher alltäglich oder schräg als episch sind.

Alles in allem ist „Der Orkfresser“ kein typischer Fantasy-Roman, sondern eher eine bitterböse und gelegentlich etwas sperrige Satire auf den modernen Literaturbetrieb, in dem nicht mehr länger die Phantasie zählt, sondern nur noch das, was Geld bringt – egal wie ausgelutscht es sein mag und welchen Preis der Autor dafür zahlt.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Orks

von: Kris

WEITERE REZENSIONEN
„Der Orkfresser“ bei Janett`s Meinung

 

 

 

 

 

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