[Rezension] Dampf über Europa (Anthologie, Steampunk)

© Arcanum Fantasy-Verlag

Das Genre des Steampunk erfreut sich hierzulande immer noch großer Beliebtheit, so dass immer wieder Kurzgeschichtensammlungen oder Romane zu dem Thema erscheinen. Während in anderen Ländern die entsprechenden Elemente in die frei erfundenen Settings einfließen, scheint man im deutschsprachigen Raum doch die Variante zu bevorzugen, in der eine Alternativwelt geschildert wird, die nur in ein paar Details von der Historie abweichen. Das ist auch in „Dampf über Europa“ der Fall.

INHALT
Zehn Autoren beschäftigen sich mit der Zeit des ersten Weltkriegs. Das beginnt mit dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo, das einen anderen Ablauf nimmt, als erwartet, aber mit dem gleichen Ergebnis endet. Der Krieg nimmt seinen Lauf und während sich die Nationen die Köpfe einschlagen, erkennen einige wenige Männer und Frauen, das vieles davon gesteuert wurde.

Die Schlachten spielen weniger eine Rolle. Ob nun „Die Scharade von Karlsbad“ ihren Lauf nimmt oder der „Hummeltanz der Mata Hari“ zu sehen ist, immer wieder wird deutlich, dass hinter den Kulissen ein Bund seine Strippen zieht.

Genau so wenig fassbar sind die Agenten, die sich gegenseitig Erfindungen und Geheimnisse abjagen, die Menschen, die ein Verbrechen begehen, um Schlimmeres zu verhindern, gerade wenn totgeglaubte Monarchen wieder auftauchen, oder Katastrophen im Raum stehen, die alles vernichten werden.

MEDIADATEN

…Herausgeber: Stefan Cernohuby & Gerd Scherm
…Autoren: Stefan Cernohuby, Gerd Scherm, Sylke Brandt, Preschkowski, Claudia Hornung, Chris Schlicht, Marco Ansing, Michael Wozonig, Nadine Muriel, Melanie Vogltanz
…Verlag: Arcanum Fantasy-Verlag
…Format: broschiert
…Seiten: 210
…Erschienen: Mai 2018
…ISBN: 978-3940928191
…Preis:  ca. 9,99 EUR

MEINE MEINUNG
Kurz und gut, die insgesamt zehn Geschichten mögen zwar zum größten Teil unabhängig voneinander lesbar sein, aber sie spinnen alle Fäden, die sich am Ende zu einem Gesamtbild verbinden, gibt es doch auch immer wieder einmal Querverweise zu anderen Erzählungen.

Es geht abwechslungsreich zu, einige Geschichten haben sogar einiges an Action in ihrer Handlung, während andere nur Schlüsselmomente und Stimmungsbilder sind. Tatsächlich bleiben einige der Erzählungen in der Einzelaussage dann doch eher blass, gewinnen aber an Tiefe, wenn man sie im Gesamtzusammenhang betrachtet.

Man merkt, dass die Autoren durchweg Ahnung von den Eigenheiten des Steampunk haben und genau wissen, wie sie welche Elemente einfließen lassen müssen, aber es gibt in einigen Geschichten dennoch Schwächen, da die Handlung oft nur dahinplätschert und Höhepunkt oder Pointe letztendlich in den Befindlichkeiten der Figuren untergehen, weil die Große Bedrohung im Hintergrund mehr oder weniger schwammig bleibt und für die Helden kein Ergebnis außer Ernüchterung ansteht, wenn sie denn mit dem Leben davon kommen.

Viele Charaktere kommen über den Status eines Archetypen nicht hinaus und entsprechen den gängigen Klischees, was es zwar leicht macht, sie einzuordnen, leider fehlen ein paar Ecken und Kanten, die sie dadurch unverwechselbar machen, seien sie nun Wissenschaftler zwischen Genie und Wahnsinn oder stiernackige Kriegstreiber.

Alles in allem ist die Anthologie durchaus lesbar, das Zeitkolorit der zweiten und dritten Dekade des 20. Jahrhunderts gut mit der Steampunk-Atmosphäre vermischt wird, und mit „Tödlicher Dampf“ und „Dampfherz“ gibt es zwei wirklich interessante Geschichten, die einiges auf den Kopf stellen, aber insgesamt hinterlässt sie doch keinen bleibenden Eindruck.

„Dampf über Europa“ ist gut gemeint, eine interessante Sammlung von Geschichte mit Alternativwelt- und Steampunkambiente, bleibt aber dennoch etwas hinter den Möglichkeiten zurück, da viele Geschichten über ein solides Mittelmaß nicht heraus kommen.

MEINE MEINUNG
3,5 von 5 Dampfwolken

von: Kris

 

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