[Rezension] Rund um die Welt in mehr als 80 SF-Geschichten (Anthologie, SF)

© Saphir im Stahl

In seinem Vorwort erzählt Erik Schreiber, dass es ihm wichtig war, Bücher zu veröffentlichen, die ihm selbst Spaß machen und am Herzen liegen. Und eine Idee scheint ihn nie los gelassen zu haben – eine Anthologie heraus zu bringen, in der Autoren aus möglichst vielen Ländern der Welt ihre Geschichten zum besten geben. „Rund um die Welt in mehr als 80 SF-Geschichten“ ist das Ergebnis dieser Idee und den dazugehörigen Bemühungen. Das Buch vereint 93 Schriftsteller aus 41 Ländern unter einem Deckel.

INHALT
Die Autorinnen und Autoren erzählen Geschichten aus der nahen und etwas ferneren Zukunft. Einge spinnen bereits bestehende technische Entwicklungen und deren Möglichkeiten weiter und zeigen die Auswirkung auf ihre Menschen, andere wieder machen sich Gedanken, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn unsere heutige Zivilisation einmal zusammen gebrochen ist. Aliens und Raumschiffe kommen eher selten vor sie scheinen nicht wirklich ein wichtiges Thema zu sein, ebenso wie Action oder dramatische Abenteuer ohne weitere Hintergedanken.

Den Visionen ist allerdings eines gemein – immer stehen Menschen wie du und ich im Mittelpunkt des Geschehens, selbst wenn sich hochmotivierte Wissenschaftler oder gut ausgebildete Wissenschaftler sind. Letztendlich sind es immer die eigenen und sehr persönlichen Schwächen, die sie zum Straucheln bringen oder Liebe und Beziehungen, die ihnen die kraft geben, irgendwelche Gefahren zu überwinden und Probleme zu lösen. Und manchmal erweist sich auch auf den zweiten Blick hin, das einige Dinge anders sind, als sie zunächst zu sein scheinen.

MEDIADATEN

…Herausgeber: Erik Schreiber
…Autoren: Achim Mehner, Sven Klöpping, Luká Herma, Manfred Christiansen, Patrick Leis, Vladimir Arenov, Ghassan Homsi, Bettina Gabta, Yasser, Aboelhassab, uvm.
…Übersetzungen: Tanja Bröse-Kronz, Pia Oberacker-Pilik, Alexander Gorski, Dorotha Kollenbach
…Verlag: Saphir im Stahl
…Format: gebundenes Hardcover
…Seiten: 640
…Erschienen: Mai 2017
…ISBN: 978-3943948646
…Preis: 26,95 EUR

MEINE MEINUNG
Es fällt bei der Masse der Erzählungen schwer einige hervorzuheben, denn so unterschiedlich wie die Autoren sind mit Sicherheit auch die Leser und einige Texte sind sich auch überraschend ähnlich, auch wenn die Autoren manchmal tausende Kilometer trennen. Das zeigt, dass Menschen sich ähnlich sein können, auch wenn kulturelle Unterschiede sie trennen. Gerade wenn sie sich mit dem Blick in die Zukunft beschäftigen.

Wobei tatsächlich auffällt, dass der phantastische Anteil in den Geschichten oft sehr gering bleibt, weil den Autoren die Entwicklung ihrer Figuren viel wichtiger sind, sei es nun im zwischenmenschlichen Bereich oder im Umgang mit Ängsten und Problemen oder Konflikten.

Denn Gefühle sind – das sieht man hier sehr schön – universell und vermutlich auch unveränderbar, der Mensch kann nun nicht mal aus seiner Haut. Ebenso wie die einfachen Aussagen oder Stimmungsbilder, die die Leser zum Nachdenken und Verweilen anregen sollen. Die Botschaften, die die Geschichten in sich tragen, sind meistens verhalten, aber allgemeinverständlich, egal, woher man kommen mag, ob aus Europa, Asien oder Afrika.

Allein wenn man mehr auf Military-SF und Action steht, wird man mit der Sammlung nicht viel anfangen können, denn wenn überhaupt, dann schildern die Erzählungen nur Nebenaspekte der dort beliebten Themen. Bitterböse, zynisch aber auch liebenswert nehmen sich die Autoren ihrer Themen an und gestalten die Erzählungen doch recht abwechslungsreich und immer wieder mit überraschungen.

Letztendlich liegt der wahre Wert der Anthologie nicht unbedingt im Inhalt der Geschichten, sondern eher darin, dass sie die Augen öffnet. Man erfährt allein schon durch die Biographien, dass die phantastische Szene in Ländern, die man als Leser sonst kaum auf dem Schirm hat und in denen man es nicht unbedingt für möglich hält, dass sich SF-Fans dort behaupten können. Oder dass auch in unmittelbarer Nachbarschaft Deutschland einiges los ist, die Autoren und Fans dort genau so aktiv und lebendig sind wie hier und sich nicht nur auf Amerika oder England ausrichten.

In dieser Hinsicht leistet Erik Schreiber mit seiner Sammlung wirkliche Pionierarbeit, die zudem noch Spaß macht und gerne über die wenigen kleinen formalen Schwächen wie übersehene Tippfehler hinweg sehen lässt, die gelegentlich ins Auge fallen.

„Rund um die Welt in mehr als 80 SF-Geschichten“ erfüllt als Sammlung den gestellten Anspruch und bietet einen sehr interessanten Streifzug durch die Welt, in phantastischen Geschichten, die zeigen, dass trotz aller kultureller Unterschiede sich gerade Autoren doch ähnlicher sind als man gemeinhin annimmt. Die Anthologie lädt jedenfalls dazu ein, bewusst über den Tellerrand zu blicken und sich in der Welt umzusehen.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Weltreisen

von: Kris

 

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