[Rezension] Mein Blind Date mit dem Leben (Film)

© STUDIOCANAL

Darsteller:  Kostja Ullmann, Jacob Matschenz, Anna Maria Mühe, Alexander Held, Johann von Bülow
Studio: STUDIOCANAL
Medium: Blu Ray
Laufzeit: 111 Minuten
Sprache: Deutsch
FSK: ab 6 Jahren
Erschienen: Juni 2017
EAN: 4 006680 081250
Preis: ca. 12 Euro

von: Würfelheld / Quack-O-Naut

Im Jahr erscheinen so viele Filme, die spurlos bzw. absolut unentdeckt an einem vorbeigehen, dass man immer wieder stundenlang durchs Sortimente stöbern kann. Nicht so bei „Mein Blind Date mit dem Leben“, auf welchen ich durch diverse TV-Shows aufmerksam wurde. Das Thema reizte mich, nicht nur aufgrund meiner eigenen Sehbehinderung, sondern auch um zu sehen, wie so etwas heutzutage angenommen wird. Also habe ich mir den Silberling mal geordert um reingeschraubt.

INHALT
Saliya Kahawatte, ein junger Mann, der mitten im Abitur steckt, merkt das er Sehaussetzer hat und wird daraufhin von Augenärzten auf den Kopf gestellt. Diese diagnostizieren Probleme mit der Netzhaut, und ermitteln ein Restsehvermögen von 5%.

Nicht nur familiäre Probleme tun sich nun für Saliya auf, welche kulturell bedingt sind, sondern auch die Frage ob er seinen langgehegten Traum einer Ausbildung zum Hotelfachmann durchziehen kann.

Saliya beschließt nicht den Kopf in den Sand zu stecken und sich in einem angesehenen Hotel als Azubi zu bewerben. Nach einem Vorstellungsgespräch, in dem er einen seiner späteren Weggefährten kennenlernt steht fest, dass er die Ausbildung anfangen darf. Allerdings hat Saliya niemanden im Hotel von seinem Handicap erzählt, denn er befürchtete Ausgrenzung und Ablehnung.

Anschließend beginnt die Ausbildung und Saliya wird immer wieder vor Herausforderungen wie etwa Spiegelputzen, Wurstschneiden oder Gläserspülen gestellt. In den meisten Fällen findet er verständnisvolle und hilfsbereite Kollegen, welche aber relativ schnell auch merkten das mit Saliya etwas nicht stimmt.

Während seiner Ausbilder kommt dann auch das Thema Liebe und Beziehung nicht zu kurz und so wird’s turbulent, denn Ausbildung, teils mit tyrannischen Chefs und eine Berg-und-Talfahrt in Sachen Liebe muss ertstmal gestemmt werden.

WÜRFELHELD`S MEINUNG (aus Sicht eines Sehbehinderten)
Ich war gespannt was mich bei „Mein Blind Date mit dem Leben“ erwarten würde, schließlich kenne ich das mit der Sehkraft, wobei ich da ein anderen „Bild“ habe und ich weiß, das 5% nicht gleich 5% sind, aber immerhin war die Neugier geweckt.

Ich muss sagen, die ein oder andere Situation kam mir sehr bekannt vor, ob genau so, oder ein kleinwenig anders, habe ich auch schon Erlebnisse gehabt, sei es Spiegelputzen oder das Einprägen von Umgebungen und die damit verbundene Änderungsproblematik.

Inwieweit der Film an der ein oder andern Stelle zuspitzt kann und werde ich nicht beurteilen, kann mir aber durchaus vorstellen bzw. bekomme es auch regelmäßig mit, wenn an Leute nicht über seine Sehbehinderung oder Blindheit informiert, dass er zu Problemen führt bzw. kommen kann, schließlich ist es dann noch niemals Absicht. Das ist dann, wenn man es sich richtig überlegt, ein gesellschaftliches Problem, denn worum wird Verschwiegen, doch nur, weil man sonst die Konsequenz der Ablehnung oder des Mitleids befürchtet. Ja manche Jobs sind nicht gerade für Sehbehinderte oder Blinde geeignet, aber es wird tagtäglich bewiesen was machbar ist.

Die kleinen Dinge des Lebens bzw. dieses Streifens zeigen auf, das es geht, sei es als Saliya seinem arabischen Arbeitskollegen bei der Verwirklichung seines Traumes hilft, oder ob es die Problematik beim Kindersitten zeigt, es setzt den richtigen Akzent an der richtigen Stelle.

Allerdings hat mich der Film nicht ganz überzeugt. Ja er kann in 111 Minuten nicht alle Alltags- und Berufsprobleme nett und humorig verpacken, versucht es aber, und so kommen die Schwierigkeiten immer wieder als lös- und machbar herüber, so dass das Gefühl bei mir aufkam, naja der lächelt nun gleich wieder und dann geht schon alles seinen Weg. So ist es leider nicht.

QUACK-O-NAUT`S MEINUNG (aus Normalsicht)
In Presse, Radio und Fernsehsendungen wurde der Film nicht nur diskutiert, sondern teilweise über den grünen Klee gelobt. Neugierig geworden, zumal ich neben dem Würfelhelden noch andere Freunde mit unterschiedlich ausgeprägten Sehbehinderungen habe, musste ich mir den Film unbedingt ansehen.

Ich möchte nicht verschweigen, dass ich den Gedanken an einer Komödie über einen Schwerbehinderten ziemlich makaber und unangenehm empfand, denn wie die meisten anderen wurde auch mir im Kindesalter eingetrichtert das man keine Witze über Menschen mit Behinderungen macht. Doch wie sagt mein bester Freund, der ironischer Weise ebenfalls nur noch eine Restsehkraft von 5% hat, immer scherzhaft: „jede Randgruppe hat das Recht auf Diskriminierung!“ – Wo jetzt viele aufschreien werden: „Wie kann man so etwas nur sagen!“, steckt hier in Wahrheit wesentlich mehr Tiefe dahinter, nämlich das alle Menschen gleich sind egal ob mit oder ohne Behinderung und alle gleichbehandelt werden sollten. Also warum keine Komödie über einen fast blinden Menschen.

Also hieß es schnell die BluRay eingelegt und reingeschaut und was soll ich sagen: „Ich mag diesen Film!“

Drehbuchautoren und Schauspieler sorgen dafür, dass ein schwieriges Thema mit einer Leichtigkeit umgesetzt wird, ohne dabei pathetisch oder respektlos zu wirken. Es geht einfach um einen netten Kerl der das Pech hatte fast vollständig zu erblinden, sich davon aber nicht abhalten lassen will seinen Traum zu verwirklichen. Und so alles daransetzt, auch lügt, um sein Ziel zu erreichen. So nebenbei lernt er auch noch die Liebe seines Lebens kennen und gewinnt ein paar gute Freunde. OK, zugegeben an der einen oder anderen Stelle fand ich es auch ziemlich unglaubhaft, aber auf eine charmante Art und Weise, so das man gerne mal ein Auge zudrückt, auch wenn es ein „war ja klar das das so passiert!“ Moment kam.

UNSERE WERTUNG
4 von 5 Sichtweisen

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