[Interview] Im Gespräch mit Günther Lietz (Das Schwarze All, Kickstarter)

Nachdem ich die Tage auf Günthers Blog auf den Kickstarter aufmerksam geworden und eingestiegen bin, war es an der Zeit ein paar Fragen zum Projekt zu stellen.

Ich wünsche viel Spaß.

_____________________

Hallo Günther,
vielen Dank das du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Stell dich doch bitte zuerst einmal vor.
Mein Name ist Günther Lietz, im Netz bin ich aber auch unter dem Nickname Taysal bekannt. Ich bin leidenschaftlicher Rollenspieler und im Hobby auch recht umtriebig. Das bedeutet im Detail, dass ich bereits bei dem ein oder anderen Produkt mitgewirkt habe. Zudem habe ich auch schon mal Preise gewonnen. Bei Prometheusgames den Autorenpreis, bei Uhrwerk die Fate-Weltenbandchallenge und auch beim OPC habe ich gelegentlich abgeräumt. Rollenspiel ist ein tolles Hobby und ich bringe mich da gerne aktiv ein.

Wie bist du zum Rollenspiel gekommen?
Das kommt auf den Blickwinkel an. Im Grunde genommen spiele ich seit meiner Kindheit, allerdings sind irgendwann Regeln hinzugekommen. Das klassische Rollenspiel habe ich jedoch als Jugendlicher in den 80ern angefangen, mit dem guten alten Das Schwarze Auge. Ein grandioses Spiel. Alleine den Keller aus dem Einsteigerabenteuer habe ich hoch- und runtergespielt. Dabei blieb kein Stein auf dem anderen, denn ich teste Sachen gerne aus.

Wenn man sich ein wenig umschaut, findet man von dir einiges an Veröffentlichungen, u.a auch einige Abenteuer beim Winter One Page Contest. Wie hast du entdeckt das du ein Talent fürs Abenteuerschreiben und Settingentwickeln hast?
Das kommt auf den Blickwinkel an – ich weiß, ich wiederhole mich gerade. 🙂

Im Grunde genommen schreibe ich seit meiner Kindheit Abenteuer und Settings. Für das klassische Rollenspiel bereits seit meinem ersten Rollenspiel. Das DSA-Einsteigerabenteuer habe ich bereits nach der ersten Sitzung modifiziert und ab dann weitgehend eigene Sachen probiert. Kaufabenteuer gab es hin und wieder auch, aber die wurden meistens zu reinen Ideensammlungen. AD&D 2nd Edition hat mich dann befeuert fürs Rollenspiel eigene Welten zu erschaffen, anstatt nur fertige zu bespielen.

Nun ist der Kickstarter zu „Das Schwarze All“ aktiv geschaltet worden. Worum dreht es sich bei diesem Setting?
Das Schwarze All ist ein humoristisches Science-Fiction-Setting, das mit ziemlich abgedrehten Ideen daherkommt. Es ist aus einer Gute-Nacht-Laune heraus geboren und orientierte sich anfangs an der klassischen Fantasy, in unserem Falle DSA. Das Setting hat sich aber sehr schnell emanzipiert und es kamen sehr viele Eindrücke aus anderen Quellen hinzu. Das schlägt sich auch in der Anzahl und Art an Anspielungen und Eastereggs wieder, die sich im Settingbuch befinden. Man kann DaSA vielleicht ganz gut als Scheibenwelt im Weltraum beschreiben. Innerweltlich wissen die STARS (also die Spielercharaktere) ja nicht, dass sie in einem lustigen Setting leben (außer vielleicht der berühmte Weltraumpirat Tottümpel).

Im Schwarzen All sind jedenfalls sehr viele Abenteuer möglich. Dabei bleibt das Setting aber recht bodenständig, trotz seiner oftmals abgefahrenen Ideen. Die eingesetzte Technik ist deswegen eher als simpel anzusehen, also mit echten Knöpfen und Schaltern. Touchpads gibt es eher selten. Unter anderem ist ein Weltraumjäger nicht unbedingt ein Raumflieger, sondern jemand der mit einer speziellen Harpune und einem Raumanzug im All schwebt und dort auf passende Beute wartet. Der Weltraumpostbote stellt Briefe zu, es gibt Lichtwellenschwerter, merkwürdige Kulte und abgedrehte Organisationen.

Wie der Beschreibung zu entnehmen ist, ist das Setting „aus deutscher Sicht“ angelegt. Was bedeutet das genau? Woran machst du das aus?
In erster Linie ist das sicherlich an den großen und kleinen Wortspielen festzustellen. Aber auch an der Betrachtung von Filmen, Serien und Büchern. Zum Beispiel haben US-Amerikaner oder auch Franzosen eine andere Sichtweise auf bestimmte Dinge als Deutsche. Während in Hollywood-Blockbustern der Pathos als normal gilt, gilt er beim deutschen Publikum schnell mal als aufgesetzt. Und wir haben ja auch eigene Science Fiction wie Raumpatrouille Orion oder Perry Rhodan.

Humorig soll „Das Schwarze All“ verstanden und gespielt werden. Ich finde, dass es sehr schwierig sein kann einen gewissen Humorlevel in der Spielerunde zu finden. Hast du da Tipps für zukünftige Spieler bzw. wie sollen sie deiner Meinung nach den Spaß ins Spiel bekommen?
Humor ist ja nur ein Aspekt des Spiels, ebenso wie bei anderen Spielen Action oder Drama. Auch da ist es nicht einfach einen passenden Level zu finden. Aber zum einen geben Settingbeschreibungen ja eine bestimmte Stoßrichtung vor (wie blutig darf es sein) und es gibt medial gesetzte Standards (bei mehr als einem Kuss blenden wir aus). Zum anderen spielen die meisten Leute mit Freunden und Bekannten, da kennt man seine Pappenheimer in der Regel und hat bereits ein bestimmtes Umgangsniveau. Schlussendlich kennt sicherlich jeder Runden, in denen es mal einen lustigen Spruch gibt, der für Erheiterung am Spieltisch sorgt. Die sind diesmal halt im Spiel verankert und werden von den Charakteren präsentiert. Hinzu kommt, dass ein guter Witz das Scheitern beinhaltet – jetzt können die Spieler eine verpatzte Situation einfach mit Humor nehmen und es ist ganz normal, wenn der Bösewicht am Ende eine so lange Rede hält, dass sich auch der letzte STAR aus seinen Fesseln befreien kann und eine Blaster-Axt findet, um den verdutzten Erzschurken eins auf die Rübe zu geben.

„Das Schwarze All“ ist ein Savage Worlds Setting. Welche Besonderheiten weißt es bei den Regeln auf?
Als offizielles Lizenzprodukt setzt es erst einmal auf die Kernregeln auf, aber natürlich gibt es auch etliche Settingregeln. Wir haben unter anderem die arkanen Hintergründe angepasst, es gibt Regeln für einen Flug im Gleitstrom, für den Virtuellen Raum und natürlich haben wir eine Freak-Roll-Rakete, denn Freak-Rolls sind toll. Und natürlich noch eine Menge mehr.

In welche Charakterrollen können die Spieler schlüpfen?
Wie bei Savage Worlds üblich, sind die Konzepte sehr frei zu gestalten. Du kannst eine Lichtwellenritterin spielen, ein Mitglied der Agex (Agentur für Sexualdienstleistungen), eine Raumpiratin, einen E.P.I.C., eine Raumjägerin und noch vieles mehr. In meinen Spielrunden hatten wir viele unterschiedliche und allesamt wunderbare Konzepte, die immer wieder großen Spaß machten. Ich selbst habe in „Station Ultraviolett“ einen kernigen Diggar gespielt, der nicht gerade die hellste Leuchte seines Geo-Dun war. Ein herrlicher Spaß.

Wie kampagnengeeignet ist „Das Schwarze All“?
Sehr. Wir spielen bereits seit langem eine sehr abwechslungsreiche Kampagne, alleine um das ein oder andere Abenteuer zu testen. Er-Mann, der Barbar auf dem Cover des Settingbuchs, ist zum Beispiel einer der STARS aus dieser Kampagne. Er hat sämtliche Höhen und Tiefen erlebt, die „Verschollen auf Alak-Alpha“, „Trocken, der Sandplanet“ und „Station Ultraviolett“ mit sich brachten. Und ein Ende seiner Karriere ist noch lange nicht in Sicht.

Gab es bei der Entwicklung einen Tief- bzw. einen Höhepunkt, sprich ein besonderes Erlebnis, das du uns gerne mitteilen würdest?
Oh, das sind so einige Sachen passiert, alles sehr lustig. Aber ich würde da jetzt nichts besonders hervorheben.

Es gab vor einigen Jahren bereits freies Spielmaterial zu „Das Schwarze All“. Warum nun der Schritt zum Kickstarter und was hat sich verändert bzw. wie hat sich der Rohdiamant schleifen lassen?
Ganz einfach, weil ich wissen wollte was geht. Bei der ersten Fassung ging es mir vor allem darum, was kann ich wie schnell auf die Beine stellen. Deswegen gab es dann innerhalb kurzer Zeit das Setting, ein Abenteuer, Ohrringe, Schlüsselanhänger, Karten, Soundtrack etc.

Der nächste logische Schritt war dann der Wunsch etwas professioneller an die Sache heranzugehen. Also mal zu schauen wie das mit dem Lektorat und dem Layout funktioniert. Was kann ich wie günstig umsetzen. Und schlussendlich möchte ja jeder Autor seinen Text irgendwann mal gedruckt in den Händen halten. Ich stelle meine Sachen zudem gerne ins Regal. DaSA ist dahingehend eine zwanglose Blaupause für weitere Projekte. In meiner Schublade staubt noch einiges herum, an anderen Sachen arbeiten bereits sehr kompetente und engagierte Leute.

Das Schwarze All wurde jedenfalls gründlich überarbeitet. Sei es nun der Text selbst, die Spielwerte und auch die Settingregeln. Vieles hat sich ja erst in den Tests gezeigt und wurde dann überarbeitet. Frank war dahingehend eine große Hilfe, da er sich nicht zurücknimmt und klar adressiert, was falsch läuft. Nach der Pflicht kam dann die Kür, damit der Text auch toll aussieht. Hier hat Björn mit seinem Layout großartige Arbeit geleistet. Das alles hat natürlich ordentlich Zeit gekostet, da alle in ihrer Freizeit am Projekt gearbeitet haben und noch arbeiten.

Viele dürften sich nun ein wenig wundern, denn man verbindet die deutsche SaWo-Lizenz mit Prometheus. Daher die Frage, wie verhält sich dieses ganze bei deinem Setting?
Ich habe schon vor langer Zeit mit Christian Löwenthal von Prometheus Games besprochen, dass ich gerne die kostenlose offizielle Lizenz hätte, die ja für kommerzielle Produkte nötig ist. Da ich gelegentlich für PG schreibe gab es keinen Zweifel an der Qualität meiner Arbeit und ich bekam sofort grünes Licht. Das ist dann auch schon alles. Prometheus steht für sich, ich stehe für mich. Das ist wie bei Pinnacle und deren Lizenznehmern wie zum Beispiel Triple Ace Games, Reality Blurs, Atomic Overmind Press und andere.

Was wünscht du dir für den Kickstarter?
Das genug Leute das Projekt unterstützen und es finanziert wird. Und vor allem, dass alle Beteiligten und Unterstützer einfach Spaß mit dem Setting haben.

Vielen Dank fürs Interview. Die letzten Worte gehören dir.
Ich danke dir ebenfalls.

 

Zum Kickstarter: Klick das Logo

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: