[Rezension] Krieg der Welten (Roman, SF)

© Mantikore Verlag

Autor: H. G. Wells
Übersetzung: Jan Enseling
Titelbild und Zeichnungen: Hauke Kock
Verlag: Mantikore Verlag
Format: broschiert
Seiten: 296
Erschienen: Januar 2017
ISBN: 978-3945493861
Preis: 14,95 Euro

von: Kris

Eines der beiden Werke, die H. G. Wells neben Jules Verne zu einem der Väter der Science Fiction gemacht haben, ist zweifellos „Krieg der Welten“. Hier greift der Autor ein später sehr beliebtes Genre-Thema auf, die Invasion der Erde durch Außerirdische, denen die Menschen heillos unterlegen scheinen. Der Mantikore Verlag legt den Klassiker in einer neu übersetzten und illustrierten Fassung auf, die Sammlerausgabe enthält auch noch sechs stylische Postkarten.

KLAPPENTEXT
Als sich außerirdische Flugobjekte der Erde nähern, erfahren die Menschen, dass sie nicht allein im Universum sind. Die Fremden sind den Erdbewohnern technisch weit überlegen und machen schnell klar: sie kommen nicht in Frieden. Als die Invasion der Erde beginnt, entbrennt ein Krieg, bei dem nicht weniger auf dem Spiel steht, als das Überleben der gesamten Menschheit…

Der Krieg der Welten (Original: The War of the Worlds) ist einer der bekanntesten Werke von H. G. Wells. Der erstmals 1898 erschienene Roman über die Invasion der Erde durch Außerirdische ist nach beinahe 120 Jahren immer noch von kultureller und literarischer Bedeutung und beeinflusste zahlreiche fiktionale Werke – angefangen bei Orson Welles‘ berühmtem Hörspiel von 1938 bis hin zu modernen Interpretationen wie Jeff Waynes The Musical Version of The War of the Worlds und Roland Emmerichs Independence Day.

INHALT
Bisher war das Leben im ländlichen England sehr beschaulich. Die einfachen Menschen erledigen ihr Tagwerk und genießen die kleinen Freuden des Lebens, die etwas besser situierten und gebildeteren Herren und Damen haben auch Zeit, zu spekulieren, zumal die Wissenschaft immer wieder neue Überraschungen enthüllt und das Universum dadurch kleiner geworden ist. Deshalb gibt es für sie auch keinen Zweifel, dass es Leben auf dem Mars geben könnte.

Wie recht sie damit haben, erfahren sie schon bald. Denn eine Sternschnuppe, die in der Gegend niedergeht, erweist sich alles alles andere als das.

Schaulustige, die sich dem Krater näher, die der Meteorit geschlagen hat, staunen nicht schlecht über das, was sich dort regt – ein Wesen, wie sie es nie zuvor gesehen haben. Doch in Frieden kommen die Fremden nicht – ehe sich die Männer und Frauen verstehen stehen sie in Flammen und verlieren so ihr Leben.

Von nun an geht es Schlag um Schlag. Die Außerirdischen schwärmen aus und verwüsten die Gegend, ersticken jeden Widerstand im Keim. Auch wenn der ein oder andere in den dreibeinigen Maschinen, mit denen sie sich über die Erde bewegen, besiegt werden kann, der Gegenschlag ist um so heftiger. Und die weitere Absichten liegen auf der Hand.

MEINE MEINUNG
„Krieg der Welten“ ist wohl das Werk von H. G. Wells, das den meisten Eindruck bei den Menschen der letzten hundert Jahre hinterlassen hat, nicht zuletzt durch das berühmt-berüchtigte Hörspiel von Orson Welles, dass geradezu die Massen vor Angst auf die Straßen getrieben hat. Keine andere Adaption erlangte wohl die Bedeutung, nicht einmal das Album von Jeff Wayne.

Dabei greift der Autor ein damals recht beliebtes Thema der spät-viktorianischen Epoche auf, denn er steht in guter Tradition mit anderen Invasionsgeschichten, die eine Angst vor etwas schüren, was britische Truppen in der Zeit des Kolonialismus selbst ausgiebig betrieben. Das Vorwort von Joachim Körber weckt jedenfalls interessante Assoziationen, die nicht von der Hand zu weisen sind, und sich tatsächlich im Buch finden lassen.

H. G. Wells führt nämlich vor Augen, dass es auch Gegner geben kann, die schier unbesiegbar sind, weil sie überlegene Technik ihr eigen nennen – aber letztendlich in ihrem Hochmut gar nicht mehr auf ihre Achillesferse achten und daran schließlich zugrunde gehen.

Die Geschichte ist in der für das ausgehende 19. Jahrhundert üblichen Weise gehalten: eher sachlich und erklärend, mit vielen Beschreibungen, als emotional. Sie liest sich wie ein Tatsachenbericht und weniger wie eine Abenteuererzählung. Dementsprechend niedrig ist auch die Spannung, man nimmt die Gräueltaten der Marsianer zur Kenntnis, sie berühren einen aber nicht, obwohl Wells auch das ein oder andere Einzelschicksal einbindet.

Die moderne Übersetzung schafft es allerdings, die Schilderungen sehr flüssig zu halten und so gut wie eben möglich an die Lesegewohnheiten unserer Zeit anzupassen, ohne jedoch den Tenor und Inhalt der Geschichte in irgend einer Form zu verändern.

Aus diesem Grund sollte man sich auch immer vergegenwärtigen, dass das Buch bereits an die 120 Jahre alt ist und natürlich nicht mehr den Erwartungen entsprechen kann, die mögliche Neuinterpretationen in den Leser geweckt haben.

Titelbild und Zeichnungen auch die Postkarten geben dem ganzen zusätzlich einen altertümlichen Flair, der die Erzählung gleich mit dem passenden Ambiente unterstützt.

„Krieg der Welten“ ist nun einmal ein Klassiker, ein utopischer Roman, der den Zeitgeist der spätviktorianischen Epoche lebt und atmet, und an den man keine heutigen Maßstäbe was Spannung und Action betrifft, ansetzen kann. Als Blick auf die Anfänge der „Science Fiction“ das Buch jedoch mehr als einen Blick wert, macht es doch sehr deutlich, worauf es einem der Vater des Genres in erster Linie angekommen ist – mit Phantasie den Menschen seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten.

MEINE WERTUNG
3,75 von 5 Marsianern

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