[Rezension] Die verlorene Puppe (Roman, Steampunk)

© Feder & Schwert

Autoren: Judith und Christian Vogt
Verlag: Feder & Schwert
Format: broschiert
Seiten: 440
Erschienen: November 2016
ISBN: 978-3867622752
Preis: 12,99 Euro

von: Kris

Wer die Romane und Kurzgeschichtensammlungen von Judith und Christian Vogt kennt, weiß, dass beide ihre Steampunk-Geschichten in einer ganz eigenen Welt ansiedeln. Die Geschichten selbst sind so gut wie gar nicht miteinander verbunden, so dass man ohne Probleme in jede von ihnen auch als Neuleser einsteigen kann. Das merkt man wieder an „Die verlorene Puppe“.

KLAPPENTEXT
Fantástico Fabuloso Apocalíptico! So lautet das Motto des fliegenden Zirkus Apocalástico. Rasante Artisten zu Pferde, eine bärtige Dame, ein echtes Mammut, ein Magier, der mit elektrischem Strom zaubert, der junge Roma-Akrobat Ferenc Badi und seine chinesische Partnerin Yue am Trapez können das Publikum in ganz Europa begeistern.
Die Eiszeit des 19. Jahrhunderts verhindert ein Vordringen auf andere Kontinente jenseits der Ozeane bis maskierte Männer das Zirkusluftschiff kapern, um es in Gefilde zu steuern, die nie ein Europäer zuvor betreten hat. Bereits auf der Überfahrt stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es scheint: Agenten verschiedener Mächte haben im Zirkus ihre Finger im Spiel, und der Name eines schrecklichen Geheimnisses geistert durch die Gänge des Luftschiffs.
Doch am Ziel ihrer Entführer wartet eine faszinierende, fremde, blutrünstige Hochkultur auf die Artisten, und der Rückweg in die Heimat wird ihnen das Äußerste abverlangen …
Der zweite, eigenständige Roman aus der doppelt preisgekrönten Steampunk-Welt von Eis&Dampf entführt in ein faszinierendes Abenteuer und auf einen noch nie auf diese Weise beschriebenen weißen Fleck auf der Landkarte!

ZUM BUCH
Der fliegende Zirkus Apocalástico bietet nicht nur Kuriositäten aller Art, er ist auch eine. Denn die Artisten und Künstler bewegen sich nicht mit Wagen oder dem Zug durch die Länder, sondern benutzen ein ausladendes Luftschiff. Doch ausgerechnet, als sie wieder einmal eine Vorstellung geben, werden sie überfallen.

Doch die Täter wollen weder Geld noch Gold, sie brauchen das Luftschiff und zwingen die überlebenden Männer und Frauen, ihnen auf eine Reise ins Ungewisse zu folgen. Dabei kommt nach und nach ans Licht, dass kaum einer der Artisten wirklich der ist, der er oder sie vorgibt zu sein. Agenten feindlicher Mächte und Flüchtlinge sind allerdings nun dazu gezwungen miteinander zusammenzuarbeiten.

Denn die Fahrt geht über den eigentlich als gefährlich und so gut wie unpassierbar geltenden Atlantik. Dort stoßen sie auf einen neuen Kontinent auf dem eine blutrünstige Großmacht alle anderen Völker im Bann hält und müssen allesamt um ihr Leben fürchten. Können sie überhaupt noch auf eine Rückkehr hoffen, nun, da sich ihre Lage von Tag zu Tag verschlimmert und die Geheimnisse zwischen ihnen größer werden?

MEINE MEINUNG
In einer kurzen Einführung beschreiben die Autoren in welcher Art sich ihre Erde von der unseren unterscheidet. Diese grobe Vorstellung des Settings reicht eigentlich aus, um sich schnell in das Abenteuer einzuführen und auf die Figuren einzulassen, die zunächst als schillernde Zirkusleute mit dramatischem, aber scheinbar glaubwürdigen Hintergrund dargestellt werden. Aus der Sicht des Trapezartisten Ferenc stellen sie die wichtigsten Helden kurz vor, ehe es dann auch schon mit dem Abenteuer los geht.

Das Tempo steigt rasant an und wird auch nicht geringer, so dass weder den Charakteren noch dem Leser viel Ruhe gegönnt werden. Man merkt, dass keine Szene ein reiner Füller ist – jeder Moment enthält mindestens ein Detail, einen kleinen Hinweis, selbst die Tagebucheinträge ergeben mit fortschreitender Handlung immer mehr Sinn.

Natürlich werden jede Menge Klischees bedient – fühlt man sich doch unwillkürlich an gewisse blutrünstige Kulturen Mittelamerikas und edle Wilde aus dem Norden des Kontinents erinnert. Einzig Südamerika bleibt mehr oder weniger geheimnisvoll – aber vielleicht ist das auch mit reiner Absicht geschehen.

Die Geschichte dreht sich nicht nur um das Überleben in einer anderen Welt, nun kommen in der Extremsituation auch die Geheimnisse der Zirkusmitglieder ans Licht, von denen nicht wenige eine eigene Agenda verfolgen. Aber können die diese wirklich konsequent durchziehen?

Genau diese Mischung ist es, die den Roman kurzweilig und nur in Maßen vorhersehbar macht. Entschuldbar ist in dieser Hinsicht, dass die Figuren eher undurchsichtig und blass bleiben, gerade einmal der Ich-Erzähler entwickeln sich weiter, die anderen Charaktere sind mehr oder minder auf wenige Eigenschaften reduziert.

Das Ambiente selbst ist stimmig und in sich schlüssig. Tatsächlich haben sich die Autoren sehr viele Gedanken über ihre Alternativ-Welt und deren Steampunk-Atmosphäre gemacht, denn selbst Details fügen sich gelungen ineinander.

Alles in allem ist „Die verlorene Puppe“ ein Steampunk-Roman, der nicht nur eine spannende und dramatische Geschichte, sondern auch sehr viel stimmungsvolles Ambiente verspricht. Die rasante und mit vielen Überraschungen aufwartende Handlung lässt keine Zeit zum Durchatmen und vor allem vergessen, dass viele Figuren nur wenig Profil bekommen. Lesevergnügen ist deshalb vorprogrammiert.

MEINE WERTUNG
4 von 5 Puppen

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2 Responses to [Rezension] Die verlorene Puppe (Roman, Steampunk)

  1. Klingt interessant! Steampunk habe ich nun schon länger nicht mehr gelesen.
    Gerade Ambiente und Atmosphäre sind mir bei derlei Geschichten immer besonders wichtig. Die verlorene Puppe werde ich mir mal merken …

    Liebe Grüße
    Patricia

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