Rezension: Herbstlande (Roman, Fantasy)

© Verlag Torsten Lpw

Autoren: Fabienne Siegmund, Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser, Thomas Lohwasser
Verlag: Verlag Torsten Low
Format: Paperback
Seiten: 362
Erschienen: Oktober 2016
ISBN: 978-3940036407
Preis: 14,90 Euro

von: kris

Die Perlen der Fantasy erscheinen oft genug in den heutigen Kleinverlagen, die auch ungewöhnlichen Ideen Raum geben, die bei den großen Publikumsverlagen keine Chance hätten. Dazu gehört auch das Gemeinschaftsprojekt von vier Autoren. „Herbstlande“ mag wie ein konventionelles Märchen erscheinen, ist es aber nicht.

KLAPPENTEXT
Sie musste Nathan retten – um jeden Preis!
Nachdem sich ihr sehnlicher Wunsch, mit ihrem Nathan ein Kind zu bekommen, nicht erfüllt, greift Scarlett Hayden in ihrer Verzweiflung zu einem alten Zauber: Wenn man in der Halloween-Nacht einen Wunsch in einer Kürbisfratzenflamme verbrennt, soll er sich erfüllen.

Doch in ihrer Ungeduld bricht Scarlett die wichtigste Regel: Sie wirft den kleinen Zettel mit dem großen Wunsch bereits Ende August in die Kürbisflamme und setzt so eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang: Nach einem Autounfall fällt ihr geliebter Nathan ins Koma. Von einem geheimnisvollen Wesen aus Kerzenflamme und Kürbismagie erfährt Scarlett von ihrer einzigen Chance, Nathan zu retten: Sie muss in die Herbstlande reisen und die Kürbiskönigin um Erlösung bitten.

So begibt sich Scarlett auf eine gefährliche und gleichsam fantastische Reise in die Gefilde der Länder September, Oktober und November, wo Laubdrachen und Mitternachtsraben, Fleder-Schrecken und Lygnisse, Spiegelwälder und Kürbiswichtel nur ein kleiner Teil der Dinge sind, die ihr begegnen …

ZUM BUCH
Scarlett Hayden ist verzweifelt. Sie will für ihren Freund und Lebensgefährten Nathan endlich ein Kind bekommen, damit ihr Glück vollkommen wird, aber sie schafft es einfach nicht schwanger zu werden. Als die Beziehung deswegen heftig zu kriseln beginnt, greift sie nach einem Strohhalm. Ein magisches Ritual soll Abhilfe schaffen, aber da sie nicht warten kann, bringt sie Unglück über sich beide.

Bei einem schweren Autounfall fällt Nathan ins Koma. Scarlett, die relativ unverletzt geblieben ist, gibt sich dafür die Schuld, da sie das Unheil durch das Ritual herbeigeführt haben könnte.

Deshalb reist sie durch den Rat und mit Hilfe eines geheimnisvollen Wesens auf genau so magische Weise in die „Herbstlande“, um die Kürbiskönigin, deren Fluch sie auf sich gezogen haben muss, um Verzeihung zu bitten. Aber wird diese ihr gnädig sein?

Die Wanderschaft erlegt ihr jedenfalls viele Prüfungen auf, ebenso wie die märchenhaften Bewohner dieser seltsamen Orte zwischen September und November ihr langsam aber sicher die Augen für die Wahrheit öffnen.

„Herbstlande“ beginnt mit einem vertrauten Motiv. Eine unglückliche Frau versucht sich an einem magischen Ritual, um Fruchtbarkeit auf sich zu ziehen, muss aber feststellen, dass sie damit einen großen Fehler macht. Subtil fügt der erste im September spielende Teil Missklänge ein, die den Leser aufhorchen lassen. Man bedauert fast, dass die Protagonistin so entsetzlich dumm ist, sich an jemanden zu klammern, der sie dauernd verletzt.

Die magische Reise wird so mehr zu einem Selbstfindungstrip. Natürlich begegnet die Heldin allerlei seltsamen Wesen, die ihr nach und nach den Kopf zurecht rücken. Liebenswerte Laubdrachen oder Geistermädchen werden zum Trost und lehren sie, dass Verlust nicht schlimm sein muss, sondern auch neue Perspektiven eröffnen, Trolle und geflügelte kleine Wesen, erinnern sie an die wichtigen Dinge im Leben. Und schließlich bereiten sie eine Hexe, ein junger Ritter und ein Homunkulus auf die schwerste aller Prüfungen vor – sich im Schloss der Kürbiskönigin den Spiegel vorzuhalten.

Sicher, all diese Versatzstücke sind bekannt und tauchen immer wieder in ähnlicher Form in magischen Geschichten auf. Auch die Heldin, die auszieht, um ihren Geliebten zu retten, nachdem sie selbst einen schwerwiegenden Fehler gemacht hat, gehört zu den klassischen Motiven – aber die Umsetzung ist es, die die Geschichte so außergewöhnlich macht.

Den vier Autoren gelingt es, die bekannten Elemente mit neuem Leben zu versehen, ihnen eine intensive Atmosphäre einzuhauchen, ohne dabei in Kitsch und Albernheiten abzugleiten. Die einzelnen Stationen von Scarletts Weg sind durchaus märchenhaft, aber sie wirken nicht aufgesetzt, sondern lebensnah und glaubwürdig, ebenso wie die Entwicklung von Scarlett.

Die Heldin muss einen Wandel durchmachen – das ist sicher und genau so gut durchdacht, denn die Entwicklungen nehmen auch hier nur langsam ihren Lauf, von der reinen Wahrnehmung, dass vieles auch anders sein kann bis zur Selbsterkenntnis ist tatsächlich ein langer Weg, der aber niemals aus dem Ruder gerät, sondern stimmig bis zuletzt ist. Das gibt auch der Heldin eine Tiefe, wie man sie sonst in dieser Art von Geschichten selten findet.

Jedes der Herbstlande verkörpert einen einen Monat, und genau die auch in der Realität vorherrschende Stimmung fangen die einzelnen Teile gekonnt ein – von der Leichtigkeit und Fröhlichkeit des Septembers, in dem noch nichts verloren zu sein scheint – bis hin zu den düsteren und traurigen Abgründen, die sich im November auftun.

Der rote Faden liegt zu jeder Zeit fest in den Händen der Autoren, sie alle arbeiten gezielt auf den Abschluss und das Ende hin, dass konsequent durchgezogen wird und gerade anspruchsvollere Leser durch seine Kraft und Hoffnung überzeugt.

Ein weiterer Pluspunkt und das Tüpfelchen auf dem „I“ sind auch die feinen Zeichnungen von Jana Damaris Reich, die die Texte begleiten und unterstützen, genau den Ton finden, den sie haben müssen, um zwischen Märchen und Realität zu bleiben.

MEIN FAZIT
„Herbstlande“ ist ein modernes Märchen mit durchaus bekannten Motiven und Klischees, die Geschichte einer vertrauten Helden-Reise, um etwas und jemanden zu retten,was man liebt, aber gerade die Umsetzung ist es, die das Buch zu einer Perle der märchenhaften Fantasy macht.

Hier stimmt nämlich alles: Die Atmosphäre, die Ausarbeitung des Hintergrunds und der Figuren bis hin zur spannenden Handlung, die mit vielen kleinen aber feinen Wendungen, interessanten Entwicklungen und Details, wie auch einem sehr konsequenten Ende punkten kann, dass dem Geschehen genau die richtige Note gibt und auch anspruchsvollere Leser zufrieden zurück lässt.

MEINE WERTUNG
5 von 5 Laubdrachen

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