[Rezension] Hammer of the North #1: Die Söhne des Wanderers

Autor: Harry Harrison & John Holm
Verlag: Mantikore Verlag
Format: Paperback
Seitenzahl: 582
Erschienen: Juni 2016
ISBN: 978-3945493410
Preis: 14,95 Euro

von: kris

„Die Söhne des Wanderers“, der erste Band der „Hammer of the North“-Trilogie ist schon etwas älter und erschien bereits 2001 im Heyne-Verlag, wo ihm wohl nicht viel Glück beschieden war, da die Serie von Harry Harrison und John Holm sang- und klanglos vom Markt verschwand. Der Mantikore-Verlag wagt nun einen Neustart.

Klappentext:
Es herrschen finstere Zeiten in England des Jahres 865.
Während sich die Königreiche gegenseitig bekriegen, lenken mächtige Bischöfe das Land und füllen ihre Kammern mit Gold. Niemand – weder König noch Knecht – wagt es, sich der Kirche zu widersetzen. Doch nun droht eine neue Gefahr: kriegerische Nordmänner, die nur Ihren Göttern dienen, haben Englands Küsten erreicht und ziehen mordend durch die Lande. Inmitten dieser Gefahren gerät das wikingische Halbblut Shef zwischen die Fronten. Schon bald muss er seinen eigenen Weg finden und sich entscheiden, welchen Göttern er folgen soll…

Ein Wikinger-Epos von Hugo- und Nebula Award Preisträger Harry Harrison

Inhalt:
Shef hat eigentlich nicht viel von seinem Leben zu erwarten. Er ist ein Bastard, die Frucht einer Vergewaltigung der Gemahlin eines englischen Thanes durch einen Wikingeranführer. Deshalb ist er auf dem Gut seines Stiefvaters nur geduldet, sein Status schwankt irgendwo zwischen Diener und Sklaven.

Doch das neunte Jahrhundert nach Christi Geburt ist eine unsichere Zeit, in der die Karten schnell neu gemischt werden können. Als die Söhne eines Wikingerfürsten Rache für den schändlichen Tod ihres Vaters schwören und England mit Krieg überziehen scheint die Stunde des Bastards gekommen zu sein, denn er muss sich nun entscheiden, ob der lieber dem wilden Blut folgen will, das ihn zu einem Nordmann macht – oder aber zu dem Land seiner Geburt stehen möchte. Er mag als Christ getauft sein, fühlt sich aber auch immer mehr zu den nordischen Göttern hingezogen. Schließlich wird er zu einem Spielball zwischen den Mächten, die das Land zu erschüttern drohen, denn nicht nur die Nordmänner, auch die Herren Kontinentaleuropas strecken ihre Hand nach dem Inselreich aus, das noch in viele kleine und schwache Königreiche zerfallen ist.

Aber dann lernt er Alfred kennen, den jungen und idealistischen Prinzen und späteren König, der eine Vision hat, die auch Shef zu teilen vermag …

Meine Meinung:
„Hammer of the North“ mag auf den ersten Blick wie eine Fantasy-Geschichte wirken, ist aber eher dem Genre der Alternativwelt-Science-Fiction zuzurechnen. Das liegt daran, dass die Autoren bis auf Visionen, die Shef von irgendwem gesandt werden– vermutlich den nordischen Göttern, die ihn auf einen bestimmten Weg schicken – keinerlei phantastische Elemente hat.

Die Geschichte spielt eher mit dem „Was wäre, wenn“ … statt der Normannen schon die Franken in Gestalt eines Nachfahren von Karl dem Großen die Hand nach England ausstrecken, und die Kirche die Errungenschaften römischer Kriegstechnik nicht als Teufelswerk verdammt, sondern bewusst zu nutzen beginnt, um damit dem Ringen um die Macht eine neue Note zu verleihen.
Natürlich bedienen sie sich historischer Details und lassen neben historischen Persönlichkeiten auch fiktive einfließen. Wer etwas „Die Wikinger“ mit Kirk Douglas und Tony Curtis kennt, wird sicherlich so einige Kleinigkeiten wiedererkennen.

Aber die Natur der Sache bringt es mit sich, dass sich die Handlung mit der Zeit immer mehr von der echten Geschichte löst und eigene Wege geht.
Und natürlich werden auch wieder jede Menge Klischees bedient. Die Nordleute sind wild und Stark, grausam oder lüstern, kennen nichts außer Gewalt und haben einen oft seltsamen Ehrenkodex.

Engländer sind eher zivilisiert und damit auch verschlagen, arbeiten mit Verrat und hinterhältigen Tricks, aber zeigen auch genügend Schwächen, die ihre Gegner auszunutzen wissen. Frauen bleiben durchweg Spielball der Männer und Opfer, füllen kaum eine eine andere Rolle aus.

Von der Zeichnung der Figuren sollte man ebenfalls nicht viel erwarten, da sie eher der Geschichte untergeordnet sind, als diese ihnen. Auch wenn fast alles aus der Sicht von Shef erzählt wird, so bleibt er dem Leser doch fremd, bei den restlichen Figuren sieht es leider noch schlimmer aus, da die meisten fiktiven nur Archetypen sind und gar kein eigenes Profil entwickeln.

Alles in allem mag das Buch gefällig geschrieben sein, aber es liest sich sehr trocken – ist eher eine Schilderung von Schlachten, kleineren Konflikten zwischen den Figuren und Intrigen, eingebettet in ein stimmungsvoll geschildertes Szenario, dass das dunkle neunte Jahrhundert wieder aufleben lässt, aber ansonsten eher Charakterentwicklung und wirklich überraschende Wendungen in der Handlung zurückstellt.

„Die Söhne des Wanderers“, der erste Band von „Hammer of the North“ ebnet den Weg für eine Alternativwelt-Geschichte in der der Aufstieg Englands einen anderen Weg nehmen könnte als in der realen Geschichte. Wer epische Schilderungen von Kämpfen und Schlachten und klischeebeladenes Wikinger-Ambiente mag, wird sicherlich seinen Spaß an der Story haben, die allerdings die Figuren durchweg sehr blass erscheinen lässt.

Meine Wertung:
3,25 von 5 Wikingerhelmen

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