[Interview] Im Gespräch mit Christian Günther (Faar)

„Die Aschestadt“  der erste Roman in der Welt von „Faar“ seht kurz vor Veröffentlichung. Somit war es an der Zeit Autor Christian Günther einige Fragen zu stellen und sich in diese tolle Sword & Sorcery Welt entführen zu lassen.

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christian_guentherHallo Christian,
vielen Dank das Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Würdest Du Dich bitte kurz vorstellen.
Moin moin, ja, gern. Ich heiße Christian Günther, bin Jahrgang 1974, stamme aus Ostwestfalen, lebe aber inzwischen seit fast 20 Jahren in oder bei Hamburg. Neben dem Schreiben, über das wir uns gleich ja sicher noch ausführlich unterhalten, spiele ich sehr gern Handball und Fußball und wandere gern mit meinem Terrier Emil durch die Wälder der Umgebung.

Ich kann mich noch gut erinnern, ich saß vor dem Rechner und suchte Material für ein Shadowrun Abenteuer. Die Suchmaschine fütterte ich u.a. mit dem Wort „Cyberpunk“. Siehe da ich landete auf cyberpunk.de und kurzentschlossen kaufte ich den dort angebotenen Roman „under the black rainbow“. Du weißt schon das Du da eine begehrte Webadresse hast?
Ja, dessen bin ich mir bewusst. Ich hatte sie lange vom Vorbesitzer ausgeliehen bekommen, bis der sie dann verkaufen wollte. Da habe ich zugeschlagen.

Kommen wir zum „schreiben“. Worum geht es in „under the black rainbow“?
Die Zielsetzung, die ich bei meinem ersten Roman verfolgte, war einerseits, dass ich die Themen des Cyberpunk nach Deutschland holen wollte. Ich habe zu der Zeit alles verschlungen, was in diesem Genre erschien, aber nichts davon spielte hier (abgesehen von ein paar Shadowrun-Romanen, aber die lasse ich nicht gelten). Andererseits wollte ich ein Buch schreiben, in dem all die Dinge enthalten waren, die ich schon immer einmal genau so lesen wollte. Deshalb mag es auch stellenweise etwas überladen wirken. Aber es ist mein Erstgeborenes, natürlich liebe ich es noch immer. Ich habe es damals auf dem Cover als „dystopischen Roman“ bezeichnet, witzigerweise kannte zu der Zeit (2003) noch kaum jemand diesen Begriff, der inzwischen ja durchaus ein eigenes Genre bezeichnet. Damals konnte man damit noch exotisch wirken.

Im selben Universum hast Du „Rost“ angesiedelt. Könntest Du dazu ein paar Worte sagen?
Das ist keine direkte Fortsetzung, es spielt aber vor demselben Hintergrund wie „under the black rainbow“: Das Hamburg der Zukunft des Jahres 2073. Abgeschottet von der Außenwelt, im Inneren eine dekadente Welt, draußen Armut und Not. Aron, der Protagonist, geht gern mit seinen Freunden auf Menschenjagd außerhalb der geschützten Stadt, strandet aber bei einem seiner Ausflüge und sucht einen Weg zurück.

Das Buch erschien zunächst bei einem Kleinverlag als opulentes Hardcover, das sich aber kaum verkaufte – hoher Preis plus unbekannter Autor, das ist keine Erfolgsformel.
Als ich es dann selbst bei Books on Demand bzw. bei amazon als eBook neu herausgebracht habe, lief es schon wesentlich besser.

aschestadt-frontDu treibst Dich aber nicht nur im Cyberpunk-Genre rum, sondern man kann auch das/die ein oder andere Werk/Kurzgeschichte aus der Fantasy konsumieren. Derzeit steht „Die Aschestadt“ kurz vor der Veröffentlichung. Worum geht es darin?
Es ist der erste Roman meiner Welt „Faar“. Die Hauptfiguren des Buches werden in eine Mordserie verwickelt, die Geschichte spielt hauptsächlich in Alaris, der Hauptstadt des Reiches von Faar. Sie müssen sich dabei verschiedenster Bedrohungen erwehren, sowohl der Intrigen der herrschenden Bruderschaft als auch ganz handfester Monster.

Die Hintergrundwelt nennst Du „Faar“. Was ist das besondere an dieser Welt?
Ich wollte eine düstere Sword & Sorcery-Welt wie bei Conan oder Kane erschaffen, ohne das gängige Personal, das sich in den meisten Tolkien-orientierten Welten herumtreibt wie Orks, Elfen und Zwerge. Magie gibt es auch nicht, dafür eine Geisterwelt, die von vielen der Bewohner durchaus als Zauberei angesehen wird. Dazu gibt es zahlreiche Kreaturen, insbesondere Meermenschen, die die Menschen bedrohen. Ein gewisser Lovecraft-Einschlag ist also auch vorhanden. Ein Freund nannte es einmal „Lovecraft mit Äxten“, ich finde, das trifft es ganz gut.
Dazu gibt es noch einige Einflüsse aus der Welt des Heavy Metal, die aber eher für Kenner gedacht sind.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?
Als langjähriger Rollenspieler hatte ich jede Menge Geschichten, Figuren und Orte entworfen und in den Spielen auch besucht und zum Leben erweckt, dass es einfach der logische nächste Schritt war. Es ist all das in Faar enthalten, was ich an Fantasy so liebe und schätze. Außerdem faszinieren mich das Meer, seine unergründlichen Tiefen und die Geschichten von Seeungeheuern schon immer.

karte-faarWieso die Entscheidung eine eigene Welt zu entwickeln und nicht auf eine bereits vorhandene zurückzugreifen, da gäbe es ja sicherlich auch die ein oder andere interessante? Und warum gerade Fantasy?
Freiheit. Ich wollte ganz einfach meine eigenen Regeln aufstellen und die Fantasie frei ausleben, deshalb musste es was eigenes sein. Ich stecke in meinem Beruf schon sehr viel Kreativität in die Projekte von Kunden und muss mich dort eben mit anderen Ideen und Vorgaben beschäftigen, die ich manchmal gar nicht so gut finde. Da wollte ich mir bei diesem Herzenprojekt die ganze Freiheit bewahren.

Bei Fantasy gibt es ja doch viele Klischees. Bedient „Die Aschestadt“ bzw. „Faar“ diese auch oder hast Du versucht diese zu minimieren?
Wie oben bereits erwähnt, habe ich versucht, die gängigen Klischees zu vermeiden, indem ich die Welt nicht „tolkienesk“ angelegt habe. Dazu habe ich einige Dinge vermieden, die meiner Ansicht nach extrem abgegriffen sind, so beispielsweise der junge Bursche, der unverhofft ins Abenteuer stolpert und sich überraschend als Auserwählter für was auch immer entpuppt. Und als Gegner die dunkle Macht, die undefinierbar und einfach grundlos und grenzenlos böse bleibt. Dagegen bin ich allergisch. Ansonsten greife ich durchaus gern auf einige Klischees zurück, versuche sie aber hier und da zu brechen.

rabenkriegerEinen Einblick in die Welt kann man sich durch „In den Wäldern so still“ verschaffen. Was hat es mit diesem Titel auf sich?
Diese Geschichte aus der Anthologie „Blutroter Stahl“ stellt eine der Hauptfiguren vor, die auch im Roman „Die Aschestadt“ auftreten: Gor, den Seelenkrieger. Dazu lernt man auch den „Wachsenden Wald“ kennen, eine Bedrohung, die das Land von Norden her überwuchert: ein finsterer Wald, der sich unaufhaltsam ausbreitet, Felder und Siedlungen niederwalzt und überwuchert.

Spektren spielen eine Rolle. Was ist das besondere an diesen und worum fanden diese Einzug in „FAAR“?
Spektren sind ein Element der Geisterwelt, die es in Faar gibt und deren „Bewohner“ des öfteren in der realen Welt auftauchen.

Wo kann man sich einen Überblick über „Die Aschestadt“ und „Faar“ verschaffen?
Auf der Website http://www.fantasypunk.de findet man alle Infos zur Reihe, so z.B. auch die Landkarten. Diese Seite soll auch weiter wachsen und Hintergrundinfos bereitstellen.

meermenschWas ist für „Faar“ noch angedacht?
Als nächstes soll die Novelle „Der Herr der Wälder“ erscheinen, die bereits fertig geschrieben ist und nur noch auf das Lektorat und die finale Überarbeitung wartet. Dann schreibe ich gerade an der Fortsetzung der „Aschestadt“. Dieser Hauptstrang ist momentan auf vier Romane ausgelegt.

Wer Deine Webseite im Auge behält sieht das Du derzeit auch einiges an Buchcovern erstellt hast, u.a. Voll Dampf, Zombie Zone Germany… Erstellst Du auch das zu
„Die Aschestadt“?
Ja, das Cover zur „Aschestadt“ habe ich ebenfalls erstellt, ebenso die Landkarten und weitere Illustrationen, die auf der Website zu finden sind.

Wie entsteht so ein Cover, also wie gehst Du ans Werk?
Zunächst lese ich meist das zugehörige Buch oder zumindest eine Leseprobe, damit ich einen Eindruck vom Inhalt habe. Dann skizziere ich eine oder mehrere Szenen, um diese dann, in Absprache mit Verleger oder Autor als Bild umzusetzen. Entweder als Komposition von Fotomaterial oder als digital gezeichnetes Motiv, meist eine Mischung aus beidem. Dazu ist dann die Typografie ein wichtiger Faktor.

Wie man sieht bis Du mit der Phantastik tief verbunden. Kannst Du Dich an Deinen Erstkontakt mit diesem Genre erinnern?
Erstkontakt: Ein Schulkamerad besaß „Der schwarze Turm von Atlantis“, ein Brettspiel mit elektronischem Turm in der Mitte, der über Tonausgabe und Lichteffekte verfügte. An den Tag, an dem wir das ausprobiert haben, erinnere ich mich bis heute. Heute ist dieses Spiel ein begehrtes Sammlerobjekt.

Etwas später gab es in der Spielzeugabteilung des örtlichen Supermarkts eine geheimnisvolle Box, die ein Spiel enthielt, das ich nicht verstand. Aber es faszinierte mich völlig, allein der Name: „Das schwarze Auge“. Leider habe ich das Spiel nie bekommen.

Wenn Du derzeit ein Buch neben Deinem empfehlen solltest, welches wäre das?
Im Fantasy-Bereich bin ich großer Fan von Tobias O. Meißner, beispielsweise „Das Paradies der Schwerter“ ist voller toller Ideen. Aktuell hat mich „Der Goldene Handschuh“ von Heinz Strunk fasziniert, mal was ganz anderes und keine Phantastik.

Hast Du sowohl schreib- als auch illustrationschtechnisch Vorbilder?
Früher war mein schreiberisches Vorbild William Gibson, seine knappe, klare Erzählweise fand ich toll und finde sie noch heute eindrucksvoll. Inzwischen könnte ich da niemand einzelnen benennen, ich lese aber viel und schaue mir überall ab, was mir gefällt und zu mir passen könnte.

Bei den Illustrationen sind es Rodney Matthews, Roger Dean oder Moebius. Daneben faszinieren mich sehr die Bilder von verschiedenen Concept Artists, die meist komplett digital arbeiten. Dylan Cole (http://www.dylancolestudio.com ) oder Ryan Church (http://ryanchurch.com/ ) sind hier gute Beispiele.

Da ich ja auf meinem Blog eigenes zu Rollenspielen mache, bzw. dort meine Wurzeln liegen. Bist Du Rollenspieler bzw. was verbindet Dich mit diesem Hobby?
Ja, obwohl ich wie oben erwähnt die DSA-Box nicht bekommen habe, war ich wenig später vom Rollenspiel-Virus infiziert und habe das über viele Jahre sehr intensiv betrieben. Ich habe in diesem Bereich auch meine ersten Schreibversuche gewagt, Artikel und Abenteuer für Zeitschriften geschrieben. Da habe ich viel positives Feedback erhalten, was mich ermuntert hat, weiterzumachen. Ohne Rollenspiele wäre ich womöglich nie selbst zum Autor geworden. Im Rahmen des Hobbys habe ich meine Leidenschaft fürs Schreiben und Illustrieren gefunden und Grafik allen Kunstlehrermeinungen zum Trotz zu meinem Beruf gemacht.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören Dir.
Danke fürs Zuhören und an jeden, der bis hierher gelesen hat. Ich hoffe, dass „Die Aschestadt“ dem einen oder anderen ein tolles Abenteuer bietet.

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