[Rezension] Krosmaster Quest (Brettspiel)

Verlag: Pegasus Spiele
Autor: Jérôme Peschard
Spieler: 2-6
Alter: 12+
Spieldauer: 120-180 Minuten
EAN: 4250231706066
Preis:  59,95 Euro

von: Greifenklaue

Lust auf Basteln und Püppchenschieben, also Krosmaster in die Hand genommen und los gehts.

Boxtext:
Überbordendes Spielmaterial, drei unterschiedliche Spielmodi, exklusive Miniaturen: Das ist Krosmaster Quest. Der eigenständige Nachfolger des beliebten Duell- und Turnier-Spiels Krosmaster Arena ist mit den Figuren des Originals kompatibel, variiert dessen Spielprinzip jedoch von Grund auf: Ganz im Stile eines Dungeon Crawlers können die Spieler gemeinsam oder alle gegen einen antreten, um spannende Aufgaben zu erfüllen und ihre Queste zu meistern.

Sieben Krosmaster-Miniaturen (darunter zwei exklusive Neuzugänge) und ein neues Spielprinzip bringen reichlich frischen Wind in den Krosmoz. Dank einer modularen Arena mit doppelseitigen Spielplanteilen und der Kompatibilität mit allen bislang veröffentlichten Figuren bietet Krosmaster Quest schier unbegrenzte Abwechslung. Und das für bis zu sechs Spieler.

Boxinhalt:
Die Box ist prallgefüllt, reichlich Counter und 3D-Elemente wollen aus 5 großformatigen Bögen ausgestanzt werden. Die kommen allerdings ohne Aufbauanleitung aus, sind aber auf der Rückseite farbcodiert und mit Buchstaben versehen. Mit den meisten quaderförmigen Objekten unproblematisch, beim Brunnen aber schon eine bastlerische Höchstleistung. Und welche Ohren (Arme?) wierum in welche Kiste kommen, konnte ich auch erst nach Durchblättern der Anleitungen feststellen.

So ist man gut 2 Stunden mit dem Aufbau der 42 Dekoelemente beschäftigt. Diese beeindrucken leider nicht gerade durch Stabilität und drohen beim nächsten Transport wieder 2D zu sein. Verglichen mit den 3D-Tiles aus dem Hause Wizards stinken diese leider ziemlich ab. Im Netz wird vielfach der Tipp gegeben, sie beim Zusammenbau gleich zu verkleben, welchen ich zumindest auch empfehlen würde.

Der Augenschmaus für Fans des Chibi-Looks sind sicherlich die 7 Figuren. 2 Figuren sind davon exklusiv, liegen also nicht anderen Sets bei. 5 sind Spielfiguren, 2 sind Gegner, Tofu und Fresssack. Das typische sind die kleinen Körper und großen Köpfe, meist menschlich, aber auch ein Pandakopf ist dadrunter. Mich spricht das so gar nicht an, meine Schwester hingegen war ziemlich begeistert. Von der Qualität und Bemalung sind sie an sich gut, beim Probespiel wurde eine Figur allerdings geköpft, aber nix, was sich nicht mit ein bisschen Sekundenkleber richten ließe.

Apropos Gegner, diese werde mit Markern dargestellt (77 Stück), insgesamt sind es etwa 400 Counter und Plättchen und rund 220 Karten (größtenteils im Kleinformat). 5 Spielertafeln (hier wird die Spielerkarte und seine Ausrüstung mit Markern eingefügt, gut gelungen), zwei Tafeln (Abenteuerweg – hier sieht man den Fortschritt; Verkaufsstand – hier werden die Preise für Ressourcen festgehalten) und 16 Spielbretter a 6 mal 6 Felder. Diese können zu verschiedensten Szenarien zusammengefügt werden, allerdings sind sie aus dünner Pappe und wölben sich leicht. Eine dickere Pappe wäre die bessere, wertigere Wahl gewesen.

Dann noch 6 Spezialwürfel (sechs gleiche Würfel mit Spezialsymbolen auf jeder Seite), das großformatige Anleitungsheft, das kleinformatige Szenarioheft und zwei Plastikboxen mit Fächern, zum Verstauen der Marker.

Insgesamt ist das Spielmaterial doch etwas enttäuschend. Die Miniaturen sind qualitativ toll, die 3D-Elemente sehen ganz gut aus, sind aber instabil und die Spielbretter sind zu dünn. Am enttäuschensten aber die Gegner, also nicht, dass man gegen Tofus kämpft (das mag man als genretypische Besonderheit hinnehmen), sondern dass es sich um flache Marker handelt – bis auf die Endgegner.

Die Tutorials:
Den eigentlichen Szenarien sind 7 Tutorials vorgeschaltet, die man erst einmal spielen kann, um die Regeln nach und nach zu lernen. Viele Tutorials haben imho das Problem, dass sie die Spieler unterfordern und so nicht das eigentliche Spielerlebnis wiedergeben. Das ist auch hier so, man bekommt pro Tutorial eine Aufgabenstellung serviert (kleine Kämpfe, Sachen ernten, kaufen, verkaufen), insgesamt könnte es aber etwas herausfordernder sein.

Fähigkeiten einer Spielfigur:
Gehen wir anhand der Tutorials mal die Regeln und Fähigkeiten einer Spielfigur durch.

Jede der 5 Miniaturen hat 3 Basiswerte (Bewegungspunkte, Aktionspunkte, Lebenspunkte), zwei Zauber, eine Vorgeschichte (Fluff) und Kräfte, dazu noch eine Initiative und eine Stufe – bei Krosmaster Quest starten alle bei Stufe 3.

Die Zauber sind ziemlich vielfältig, manche funktionieren nur im Nahkampf, andere können in gerader Linie, andere auch „schräg“ gezaubert werden, jeder davon hat eine bestimmte Reichweite (z.B. 2-5 Felder), bei manchen kann man Reichweite verändern (z.B. indem man sich auf eine Erhöhung stellt), bei anderen wiederum nicht. Sie kosten immer Aktionspunkte, manche wie der Flammenrülpser auch LP. Der Schaden kann auf unterschiedlichen Elementen basieren, unterschiedliche Wirkungsgebiete haben, Fähigkeiten haben (Rüstungsdurchbohrend, Bewegungs- oder Aktionspunkte klauen). Auch gibt es Utility-Zauber, welche Helferlein (eine belebte Schaufel) oder einen Turm beschwören.

Kurzum, viele Parameter an denen man schrauben kann, aber dadurch, dass jeder Charakter „nur“ zwei beherrscht (bzw. im regulären Spiel fängt er mit einem an und kauft später weitere Fähigkeiten frei), bleibt es für den einzelnen Spieler übersichtlich. Allerdings gibt es auch Gamebreaker. Der Zauberer Rouf Bak beherrscht z.B. Verlangsamen, mit dem kann er bis zu sechs Mal anderen Monstern Aktionspunkte klauen. Da die oft gar nicht mehr Aktionspunkte haben als ihre Hauptaktion kostet, ist das Ding höllisch attraktiv.

Kräfte gibt es an die 20, von denen die Charaktere 2 bis 3 besitzen. Intelligenz stärkt z.B. Feuerzauber, Glück Wasserzauber, ein Farmer bekommt zusätzliche Ressourcen beim Sammeln und Resistenzen verringert den Schaden bestimmter Zauberarten (neben den erwähnten gibt es noch Luft- und Erdzauber).

Spielmodi:
Die eigentlichen Szenarien kennen unterschiedliche Modi: entweder Einzelspieler- oder Koop gegen den Dämon. Im Einzelspielermodus können die Spieler entweder reihum den Dämon kontrollieren oder ein Spieler übernimmt ihn, kann aber das Spiel selbst nicht gewinnen. Im Koop-Modus (der dadurch ja wieder semikooperativ ist), übernimmt immer ein Spieler den Dämon mit dem Ziel, die SC auszuschalten, während die SC versuchen, ihr Ziel zu erfüllen: ihre GG-Leiste vollzumachen. Abkürzungen stehen an jeder Ecke, GG sind Gewinngroschen, die es für das Erfüllen von Quests gibt. Im Szenariobuch gibt es 13 Szenarien, 7 bzw. 6 für beide Modi.

Spielaufbau:
Im Standardaufbau werden 2 Stadtfelder gelegt, danach pro Spieler ein weiteres Feld. Dort werden dann die 3D-Elemente, Monster und Ressourcen je nach Aufdruck ausgelegt. Anschließend wird der Verkaufsstand bestückt, wo der Preis der Ressourcen des Szenarios festgelegt ist und außerdem 2 Waffen, 4 Rüstungen und 2 Schnickschnacks (das ist die normale Ausrüstung) zu kaufen ist. Dann erhält jeder Spieler 4 Questkarten, wovon er sich 3 aussucht, um sich GG zu verdienen. Es gibt zwei Arten: bei Jagdtrophäen müssen bestimmte Gegner besiegt werden, bei Reisen müssen bestimmte Aktionen ausgeführt werden, z.B. muss ein Apfel geerntet, durchs Zaap geschritten, dann ein Tofu besiegt und dann noch ein Apfel geerntet werden. Jedes Szenario hat zudem eine wiederholbare Quest, um GG zu verdienen, legt die Verkaufsstandpreise fest und die Länge des Abenteuerweges. Und dann kann es losgehen ..

Spielablauf:
Zuerst ziehen die Krosmaster nach Initiative. Man entscheidet sich für den Abenteuermodus (hier erhält man 3 zusätzliche Bewegungspunkte, heilt eine Wunde, kann aber nicht zaubern) oder den Kampfmodus (hier kann man zaubern) und kann sich dann bewegen, tauschen, ggf. zaubern, ernten, Gegenstände herstellen etc. Einige Aktionen kosten neben BP oder AP auch Kamas, die Ingamewährung, die man neben Ressourcen beim Besiegen von Gegnern erhält. Damit kann man z.B. Zaaps (Dimensionstore, also Abkürzungen) nutzen oder auch Deckel von seiner Spielertafel entfernen (um z.B. zusätzliche Fähigkeiten oder Platz für Inventar zu bekommen. Anschließend ist der Dämon dran, wobei er mit einem Ereignis anfängt, hier gibt es immerhin 100 verschiedene Karten, auch wenn nicht alle zum Einsatz kommen, ist Abwechslung garantiert. Das kann der Respawn von Monstern sein,

Ressourcen können respawnen, Preise können sich ändern, es gibt neue Produkte auf dem Marktplatz oder es kommt zu einer Versteigerung eines Gegenstandes. Danach ziehen dann die Mobs des Dämonen, die entweder zur Tofu- oder Fressackfamilie gehören. Je nach Macht und Art lässt der besiegte Mob Ressourcen und Kama zurück, womit sich die SC nach und nach hochleveln.

Der Dungeon:
Der Dungeon ist ein Extraareal, welches immer nur von einer Gruppe zugleich betreten werden kann. Dazu wird ein Etradungeonspielbrett aufgebaut, wo besonders harte Gegner lauern und Bosse, die zudem in unterschiedlicher Stimmung (aka unterschiedliche Spezialfertigkeiten) sind.

Das Würfeln:
Es gibt zwei Fälle, wo die Würfel typischerweise zum Einsatz kommen: beim Kämpfen und beim Vorbeischlüpfen an Monstern. Macht ein Zauber z.B. generell 2 Schaden kommt typischerweise ein Würfel im Angriff dazu, der bei einem kritischen Treffersymbol (Chance ½) und einer wird abgezogen bei einem Schild (Chance 1/3tel). Fähigkeiten wie Kritisch oder Rüstung können die Anzahl auch erhöhen. Das Vorbeischlüpfen am Mob funktioniert genauso mit einem Wurf Ausweichen (½) gegen Blockieren (1/3). Ansonsten gibt es einige Kräfte wie Farmer oder Schürfen, wo man zusätzlich etwas ernten´/schürfen kann, wenn er ein Dofu-Symbol würfelt (1/6).

Kreuzkompatibel:
Bemerkenswertes Feature im Krosmoz, also den Universum von Krosmaster, ist es, dass die Figuren untereinander kompatibel sind. Wer also schon Krosmaster Arena oder Einzelminiaturen hat, kann diese auch bei Quest nutzen und umgekehrt.

Spielgefühl:
Ich fand es ja z.B. gut, dass es von Descent 1 auf 2 weniger Counter, Optionen und Zustände wurden und das Spiel dadurch übersichtlicher wurde. Hier ist es genau umgekehrt, es gibt zahlreiche Optionen, Ressourcen und Plättchen, so dass es erst einmal überwältigend viel ist. Erst mit dem Kennenlernen und den Einschränkungen der eigenen Figur und des Szenarios unterworfen, bekommt man langsam den Überblick über die sinnvollen Optionen. Auf rein mechanischer Ebene erinnert es an typische Loot- und Werkel-RPGs, wie es auch in MMORPGs vorkommen soll, wobei die taktische Ebene wirklich interessant sein kann. Vom Thema des Spiels fällt es mir aber schwer, mich da einzufinden: ich möchte gegen Goblin, Orks oder Drachen kämpfen, aber nicht gegen das, was als Fleischersatz auf dem Grill vor sich hinbrutzelt.

Mein Fazit:
Die Optik und das Thema sind sicherlich stark Geschmackssache, können aber beim Rezensenten so gar nicht fruchten. Die Qualität schwankt zwischen gut (Spielminis) bis gerade noch ausreichend (wackelige 3D-Spielelemente, dünne Spielbrettpappe). Die Spielmechanik ist in Ordnung, wer es sehr komplex mag, dem wird es durchaus gefallen – vorausgesetzt er kann was mit der Optik anfangen.

Meine Wertung:
3 von 5 Würfel

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