[Rezension] Cthulhu Gangster – Unheimlich Unterwelt (Rollenspiel)

Verlag: Pegasus Press
Autoren: Mirko Bader, Stefan Droste, Sascha Hillenbrand, Melanie Heike, Christoph Maser, Friederike Schild, Dominik Wagner und Sebastian Weitkamp
Format: gebunden
Seitenzahl: 244 Seiten
Erschienen: Januar 2016
ISBN: 978-3957890290
Preis: 19,95 Euro

von: kris

Die „Goldenen Zwanziger“ waren in den Vereinigten Staaten auch die große Zeit der Gangster und Schmuggler. Inflation und später der Börsencrash, wie auch die danach folgende Depression zerstörten viele bürgerliche Existenzen, so dass nicht wenige Menschen durch das Verbrechen zu überleben versuchten und manche dabei auch voll den Geschmack der Macht auskosteten. Doch inwiefern ist das für die Investigatoren des Mythos interessant?
Diese Frage beantwortet „Gangster – Unheimliche Unterwelt“, der neue Zusatzband von „Cthulhu“, der überraschenderweise ganz aus deutscher Feder stammt, obwohl er nur amerikanische Schauplätze behandelt.

Klappentext:
Gangster – Unheimliche Unterwelt

Gangster in den Goldenen Zwanzigern und Dreckigen Dreißigern halten die USA fest in ihrem Griff. Organisierte Bandenbosse wie Al Capone herrschen wie Könige, „freiberufliche“ Outlaws wie der Bankräuber John Dillinger ziehen eine blutige Spur des Verbrechens durch den Mittleren Westen.

Bei CTHULHU müssen auch die Investigatoren bei der Aufdeckung äonenalten Grauens nicht selten Verbrechen begehen. Vielleicht rettet die Tötung des Kultführers die Welt, aber für die Polizei bleibt es schlicht ein Mord. Manche Investigatoren sind sogar Mitglieder eines Verbrechersyndikats und greifen auf dessen Ressourcen zurück im Kampf gegen die Schergen des Mythos.

Ein Leben jenseits der Grenzen des Gesetzes – hier wird es in all seinen Facetten beleuchtet und spielbar gemacht.

Dabei wir nicht nur Verbrechens-Hauptstadt Chicago als besonders geeigneter Schauplatz vorgestellt, sondern auch die Zeit der Weltwirtschaftskrise in den USA (1929-35). Diese ist als atmosphärischer Hintergrund für CTHULHU wie geschaffen. Massenarmut und Niedergang sind der Nährboden für Verzweiflung und Gewalt.

Neben dem eingehenden Quellenteil lassen 5 Abenteuer die Spieler in eine grauenhafte Welt eintauchen, in der menschliches Verbrechen und kosmischer Schrecken aufeinandertreffen.

Zum Inhalt:
In einem Vorwort erläutern die Autoren die Intention des Buches und seine Verwendungsfähigkeit. Welche Chancen und Grenzen gibt es, wenn Gangster plötzlich eine Rolle spielen oder die Investigatoren selbst in die Illegalität oder das Verbrechen abrutschen?

Um zu verstehen, wie es in der Zeit aussah, widmet sich das nächste Kapitel ausführlich der „Geschichte der Großen Depression“ und fasst damit die Jahre zwischen 1921 und 1935 zusammen.
Um sich eine Vorstellung von dem Leben in den Weiten des von einer Dürre geplagten mittleren Westens zu machen, folgt im Anschluss auch gleich die Vorstellung des Schauplatzes „Die Kress-Farm“ mit integriertem Abenteuer.

„Chicago – The Windy City“ wird auf ähnliche Art und Weise behandelt. Sie steht als Beispiel für andere Städte des Landes, in denen durch die Krise das Elend und die Armut wachsen, das Verbrechen aber zunimmt. Man erfährt auch einiges über die „Ganglands“ und ihre typischen Bewohner von denen „Al Capone“ nur einer der berühmtesten Vertreter ist und bekommt ein paar typische Schauplätze geliefert.

Weiterhin erfährt man, wie man seine Investigatoren in das kriminelle Umfeld einbringen kann, entweder als Charakter, der von vorneherein aus diesem Milieu stammt oder in es hinein geraten ist, weil der Kampf gegen den Mythos leider von den Behörden eher als Verbrechen gewertet wird.
Wie kann ein „Leben jenseits des Gesetzes“ aussehen schließt sich gleich als weiteres Kapitel an, genau so wie eines über „Knarren und Kisten“ – sprich die typische Ausrüstung, die man in einem solchen Milieu findet.

Durch einen ausführlichen Abenteuer-Teil bekommt man nicht nur einen Quellenband, sondern gleich auch noch gute Beispiele für typische Abenteuer in dem Setting geliefert. „Aufstieg und Niedergang eines Imperiums“ kann man durchaus als längerfristige Kampagne in Chicago anlegen, während „Flucht ins Grauen“, „Erntezeit“ und „Ein wilder Ritt in die Düsternis“ andere Aspekte des Verbrecherlebens im ganzen Land abdecken und „Cure of the Living Dead“ mit vorgefertigten Charakteren daher kommt und so besonders gut für den sofortigen Einsatz auf einem Treffen oder für eine spontane Spielrunde gedacht ist.

Meine Meinung:
Wie auch schon die anderen deutschen Ausgaben der siebten Edition von „Cthulhu“, so kann auch „Gangster“ wieder mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis punkten, ohne dass die Qualität der Ausgabe im Geringsten darunter leidet.

Der Quellenband bietet sehr viel Material – Informationen zur Zeit und den Schauplätzen und historischen oder erfundenen Figuren, die nicht nur ausführlich recherchiert, sondern auch sehr sorgfältig in den Mythos eingebunden wurden, beziehungsweise mit Anmerkungen versehen, wie man sie zum Teil des Universums machen kann, und welche Rolle sie darin im Detail einnehmen könnten.

Auch die verschiedenen Facetten des Spiels mit der Unterwelt werden genaustens beleuchtet. Allerdings sollten sich die Gruppen vorher immer genau überlegen, wie weit sie gehen wollen, denn das Verbrechen spricht immer die Sprache der Gewalt und Gangster denken meisten an sich selbst oder ihre Gang und nicht an Wohl und Wehe der Menschheit.

Interessant ist, wie facettenreich das Arbeiten in der Zwielichtwelt sein kann, wenn man das bleiben möchte, was man ist, warum man irgendwann selbst Teil eines Syndikats ist, oder ob man als Freiberufler manchmal nicht sogar recht vorteilhafte Fähigkeiten besitzt, um anderen Investigatoren Zugang zu einem Schauplatz zu ermöglichen, weil man zum Beispiel „Einbrecher“ oder „Dieb“ ist, sich mit Schlössern und Safes auskennt.

Durch Beschreibungen und Abenteuer wird aber auch deutlich, wie leicht Verbrecher und Bandenbosse selbst den Einflüssen der Kreaturen des Mythos oder von Kultisten unterliegen können, um an Macht zu gewinnen.

Die sich rasch verändernde Stimmung der Zeit wird sehr gut in Beschreibungen und Bildern – kleinen hervorgehobenen Infokästen und Statistiken eingefangen, so dass man durchweg in den 1920ern spielen kann, auch wenn der Schwerpunkt der Beschreibungen mehr in den Jahren nach dem Börsencrash 1929 liegt.

Es ist auch möglich die schillernden Figuren jener Zeit einzubinden, die „Outlaws“, die in der Tradition der Revolverhelden stehen und zum Teil durch die Sensationsmedien noch mehr verherrlicht werden.

Alles in allem ist der Quellen- und Abenteuerband so eine runde Sache, der ein weites Feld abdeckt und Spieler wie auch Spielleiter in eine Welt entführt in der die Grenzen zwischen Gut und Böse noch mehr verwischen und das Gesetz nur noch eine kleine Rolle spielt. Der Umgang mag ein Spiel mit dem Feuer sein, dürfte aber gerade erfahrene Gruppen, die alle anderen Möglichkeiten von Cthulhu bereits ausgereizt haben, durchaus dazu veranlassen, ihre Kampagnen nun auch um diese Variation zu bereichern und damit einen neuen Kick in die Runden zu bringen.

„Gangster – Unheimliche Unterwelt“ ist eine mehr als gelungene Ergänzung zur siebten Edition von „Cthulhu“. Der Quellenband kann nicht nur durch gute Recherche und ausführlich beschriebene Schauplätze und Figuren, sondern auch durch ausgefeilte Abenteuer punkten, die einen guten Einstieg in diese Facetten der „Goldenen Zwanziger“ bietet und die Spielrunden um interessante Facetten erweitern könnte. Vor allem erfahrene Gruppen werden mit dieser Erweiterung ihren Spaß haben, da sie auch für die eigenen Figuren neue Herausforderungen bietet.

Meine Wertung:
4 von 5 Gangster

Advertisements

Eine Antwort zu [Rezension] Cthulhu Gangster – Unheimlich Unterwelt (Rollenspiel)

  1. […] PS: Weitere Rezensionen zu “Gangster – Unheimliche Unterwelt” bei… …Teilzeithelden.de …Würfelheld […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: