[Rezension] In einer anderen Welt

Verlag: Golkonda Verlag
Autor: Jo Walton
Format: Klappbroschur
Seitenzahl: 298 Seiten
Erschienen: März 2013
ISBN: 978-3942396752
Preis: 14,90 Euro

von: kris

Jo Walton gehört zu den Autorinnen, die es in Deutschland nicht leicht hatten, Fuß zu fassen, Ihre Romane gingen bei den großen Publikumsverlagen meistens unter. Obwohl in der Originalfassung preisgekrönt, nahm sich deshalb erst der etwas kleinere Golkonda-Verlag des Buches „In einer anderen Welt“ an, damit er überhaupt einer deutschen Leserschaft zugängig gemacht werden konnte.

Klappentext:
Die fünfzehnjährige Morwenna ist auf der Flucht vor einer Mutter, die sich der finsteren Magie verschrieben hat, vor der staatlichen Fürsorge und vor der Erinnerung an den Tod ihrer Zwillingsschwester. Am schlimmsten trifft sie jedoch, dass sie ihre Heimat verlassen muss, das märchenhafte Wales, und damit ihre einzigen Freunde, die Feen und Geister, die dort in den Wäldern zu Hause sind.

Auch ihr Vater, den sie nie gekannt hat, möchte sie nicht bei sich aufnehmen und schickt sie auf ein Mädcheninternat, wo sie mit der Verständnislosigkeit der Lehrer und dem maßlosen Ehrgeiz der anderen Schülerinnen fertig werden muss. Verzweifelt greift sie zu der Magie, die sie seit ihrer Kindheit begleitet, einer Magie, die niemand außer ihr sehen kann. Und zu ihren Büchern. In Science-Fiction- und Fantasy-Romanen findet sie mehr als nur flüchtigen Trost: Sie öffnen Tore zu anderen Welten, und das nicht nur im übertragenen Sinne.

Als ihre Mutter zu einem neuerlichen Schlag ausholt, sind es Bücher, in die Morwenna ihre ganze Hoffnung setzt.

Ausgezeichnet mit dem
Hugo Award als bester Roman des Jahres
Nebula Award als bester Roman des Jahres
British Fantasy Award als bester Roman des Jahres
Kurd Laßwitz Preis als bester Roman des Jahres

Zum Inhalt:
Morwenna hat harte Zeiten hinter sich. Nicht nur, dass sie ihre Zwillingsschwester Morganna durch einen Unfall verlor und dadurch selbst behindert ist, nun muss sie auch noch die dunklen Zauber und den aggressiven Wahn ihrer verrückten Mutter fürchten, die ihr nachstellt, obwohl sie durch die Fürsorge mittlerweile zu ihrem Vater gezogen ist. Da dieser auch nicht auf Dauer für sie sorgen kann, wird die junge Waliserin auf ein Internat in England geschickt, dass schon seine Schwestern besucht haben.

Anders als ihre Heimat ist dieser Ort völlig magielos, so dass sie dort erst einmal nicht mehr die Möglichkeit hat, wie zu Hause in Wales, die Feen um Hilfe zu bitten. Weil sie unter den anderen Mädchen eine Außenseiterin bleibt, flüchtet sich Morwenna mehr je in die Welt der Bücher, doch genau diese Vernarrtheit in „Science Fiction“-Romane und damit verbundenen historischen und philosophischen Werke, öffnet ihr schon bald einen Weg in eine ganz neue Welt und zu Freunden, die sie erkennen lassen, dass sie auch ohne ihre Schwester ihr Leben meistern und ihren Weg machen wird … wenn sie es schafft, ihrer Mutter Einhalt zu gebieten.

„In einer anderen Welt“ ist gleich in zweifacher Hinsicht interessant. Einerseits entführt er gerade die älteren Leser, die im Alter von Jo Walton sein dürften, in eine Zeit, die sie selbst noch gut kennen dürften, und in der Science Fiction und Fantasy ihre erste große Blüte erlebten.

Zum anderen taucht man durch die Tagebucheinträge der jungen Heldin in die Gedanken und Gefühlswelt eines Mädchens ein, dass so ganz anders ist, als viele Altersgenossinnen, die nur Mode und Musik im Kopf haben.

Gleichzeitig ahnt man, dass die Autorin vermutlich auch den ein oder anderen autobiographischen Zug eingebaut hat, gerade was die Ansichten zu bestimmten Werken und Schriftstellern der phantastischen Genres angeht.

Für junge Leser mag die Zeit eher märchenhaft erscheinen, dennoch gibt es genügend Elemente, die auch jetzt noch allgemeingültig sind und ihnen sehr vertraut sein dürften – gerade was das Zusammenleben der Schülerinnen in englischen Internaten angeht.

Um das ganze etwas spannender zu machen, ist auch noch ein Schuss Magie mit eingewoben – eine Handlungsebene dreht sich ganz um den magischen Kampf, den Morwenna mit ihrer Mutter ausficht, die besonderen Gaben, die sie befähigen, die Welt neben der normalen Welt zu sehen und auch die Augen für die zu öffnen, die so sind wie sie.

Daher funktioniert der Buchtitel auch gleich in doppelter Hinsicht. Das Buch ist ein durchaus phantastisch anmutender Jugendroman mit Feen, Magie und Liebe, aber gleichzeitig auch eine Hommage an die Zeit und das Hobby, das viele erwachsene Leser mit der Autorin teilen.

Mein Fazit:
„In einer anderen Welt“ ist ein tiefgründiger Roman, der sowohl junge Leser durch die Heldin und das magisch-romantische Schulumfeld anspricht, aber durchaus auch Erwachsene in den Bann schlagen kann, die gerade die spannende Atmosphäre und die Gedanken über die Science-Fiction-Romane aus eigener Erfahrung nachvollziehen können und die Hommage an ihre eigenen Jugendzeiten zu schätzen wissen

Meine Wertung:
4 von 5 Feen

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