[Rezension] Der König in Gelb

Autor: Robert W. Chambers
Verlag: Festa Verlag
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 189
Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86552-332-7
Preis: 12,80 Euro

von: Moritz

Da ich hier der „cthulhoiden Go-to-Guy“ bin, flatterte mir letztlich mal wieder ein Stück Literatur ins Haus, das in eine sehr Lovecraft-ähnliche Kerbe schlägt…

Klappentext:
Das Original, bekannt aus der TV-Serie True Detective und die Vorlage zu H. P. Lovecrafts Necronomicon.

Der König in Gelb erzählt von einem furchtbaren Buch, das jedem, der darin liest, Wahnsinn und Tod bringt. Bemerkt man die Gefahr, ist es längst schon zu spät.

Inhalt:
Cassildas Lied
Der Wiederhersteller des guten Rufes
Die Maske
Am Hofe des Drachen
Das Gelbe Zeichen Die Jungfer d’Ys
Das Paradies der Propheten
Die Straße der Vier Winde
Michael Nagula: Robert W. Chambers – Fantast zwischen Poesie und Dekadenz
Michael Nagula: Die Bücher des Robert W. Chambers

H. P. Lovecraft: »Chambers erklomm beachtliche Gipfel des kosmischen Grauens«.

E. F. Bleiler: »Das wichtigste Buch in der amerikanischen Literatur des Unheimlichen zwischen Poe und den Modernen.«

Ein gelungenes Werk in der Manier von H. P. Lovecraft. Die Gestalt des Königs in Gelb ist im Cthulhu-Mythos als Avatar von Hastur bekannt. Sein Erscheinen wird durch das Gelbe Zeichen angekündigt.
Diese Ausgabe enthält alle unheimlichen Geschichten des Originals sowie ein ausführliches Nachwort zu Leben und Werk Robert W. Chambers (1865 – 1933).

Zum Inhalt:
Nun, schon der Klappentext verweist ja dreimal auf den guten Hans Peter Liebeshandwerk, da kann ich meine Besprechung ja wohl kaum ohne diverse Erwähnungen des Burschen aus Providence anfertigen.

Ich habe mich an nur einem Tag durch die Kurzgeschichten gefräst und war wirklich gefesselt. Chambers schreibt irgendwo an der Grenze zwischen Horror und Fantasy und – ich habe es angekündigt – erschafft immer ähnlich düstere Hintergründe wie Lovecraft. Allerdings unterliegt dieser Anthologie kein komplettes Universum, kein Mythos, wie das bei Lovecraft der Fall ist, sondern die Geschichten haben lediglich gemeinsam, dass jeweils das Buch „Der König in Gelb“ eine Rolle spielt und zumeist den Beginn des Absinkens in den Wahnsinns darstellt. Steht bei Lovecraft oft seine Heimat im Nordosten der Vereinigten Staaten im Zentrum, so ist Chambers zumeist auf Frankreich konzentriert (was dann auch später in den Anhängen erklärt wird), wobei die genaue Schilderung der Umgebung zwar auch im Zentrum steht, aber nicht so präzise beschrieben wird, es dient bei Chambers eher einer Verortung. Ein weiterer Unterschied in den beiden Werken besteht darin, dass Chambers konsequenter auf das Ende der Geschichte hin arbeitet, während bei Lovecraft ja die letzten 2-3 Sätze noch einmal die komplette Erzählung kippen lassen.

Aber genug der Vergleiche – schauen wir uns die Geschichten mal an. Der Band wird eröffnet mit einem kurzen Gedicht, einem Lied aus „Der König in Gelb“ – und zwar genau aus der zweiten Szene des ersten Akts. An dieser Stelle könnte man auch noch kurz erklären, dass wir es hier NICHT mit der Niederschrift des „Königs in Gelb“ zu tun haben, sondern mit Kurzgeschichten, in denen dieses Buch, das die Menschen in den Wahnsinn treibt (und wenn sie den zweiten Akt lesen gar tötet) eine wichtige Rolle spielt. Da kann man nur froh sein, dass der dritte Akt komplett verschollen ist.

Den Anfang macht „Der Wiederhersteller des guten Rufs“ – eine verstörende Erzählung von einem hutzeligen missgestalteten Männchen, das die Geschicke der Welt in seinen Händen hält. Ja, Wissen ist hier wirklich Macht. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Mr. Castaigne, der leider vor einiger Zeit das verbotene „Der König in Gelb“ gelesen hat und auf dessen Schilderungen man sich daher nicht immer so ganz verlassen kann. Sei es wie es sei, die Geschichte endet wie nicht anders zu erwarten in einem gewaltigen Fiasko.

„Die Maske“ ist eine fesselnde Geschichte von Liebe und Verlust. (Fast) kein Horror weit und breit, aber leider ausnahmsweise mal ziemlich vorhersehbar. Dennoch sehr fragil geschrieben und für mich so etwas wie das heimliche Highlight des Bandes.

Geschichte Nummer 3 heißt „ Am Hofe des Drachen“ und ist der wohl verstörendste Kirchenbesuch der Literaturgeschichte. Hoffentlich war alles nur ein Traum…

Herz des Sammelbandes dürfte aber „Das Gelbe Zeichen“ sein. Der Künstler Scott, den wir schon als Nebenfigur aus „Die Maske“ kennen und sein Model (und spätere Frau Tess) sinken immer weiter in den Wahnsinn des „Königs in Gelb“ hinab. Wirklich furios geschrieben, auch wenn ich bei einigen Passagen nicht genau weiß, ob ich einfach zu doof bin, um sie zu verstehen, oder ob die Übersetzung etwas hakt. Sei es wie es sei – eine wirklich starke Erzählung mit allem, was der Horror jener Zeit zu bieten hat.

Eher „Romantic Fantasy“ denn Horror bietet „Die Jungfer d’Ys“. Ein (Wenn ich es richtig mitbekommen habe) namenloser Amerikaner ist in jüngerer Zeit, denn er hat ein Gewehr dabei, in einem Sumpf in Finistère unterwegs und verläuft sich mal so richtig. Eine mysteriöse junge Dame nimmt ihn mit in ihr Haus, wo sie mit ihrer Amme, einem Piqueur und vier Falknern auf recht mittelalterliche Art und Weise lebt. Der aufmerksame Leser merkt schon, dass hier irgendetwas faul ist und so überrascht ihn das Ende der Geschichte dann kaum noch. Aber auch hier wieder. Wirklich schön erzählt.

Für „Das Paradies der Propheten“ war ich einfach nur zu dumm. Ganz ehrlich. Ich habe hier nur Bahnhof verstanden. Es geht wieder irgendwie um Liebe und hat immer kurze Abschnitte mit ebenso verwirrenden Überschriften wie Handlungen… Sorry!

„Die Straße der vier Winde“ schließt den Band ab. Über den Kontakt zu einer Katze findet Severn in einem typischen Pariser Mehrfamilienhaus zu seiner großen Liebe.

Mein Fazit:
Bärenstark. Eine Art Franko-Lovecraft. Eher von der Sprache und der Stimmung als der Thematik her, aber was soll’s? Dieser Chambers kann schon was und ich habe ja im Anhang gelernt, dass er sich in den unterschiedlichen Genres versucht hat; da bin ich nicht abgeneigt mir mal anzusehen, was er auf anderen Gebieten so veranstaltet hat.
Absoluter Tipp für Leute toll beschriebenen Horrors – obwohl, seien wir mal ehrlich – so richtig wahnsinnig gegruselt habe ich mich nie.

Meine Wertung:
4 von 5 Akte (und schon der 4. hat mich dem Wahnsinn anheim fallen lasse, der 5. hätte mich wohl getötet)

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3 Responses to [Rezension] Der König in Gelb

  1. Benjamin sagt:

    Danke für den Tipp 🙂 Bin über rsp-blogs.de bei dir gelandet und bin richtig froh über die Entdeckung!

  2. greifenklaue sagt:

    Ich hab es mir gekauft vor nem Weilchen und auf den Lesestapel recht weit oben platziert!

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