[Brettspiel Rezension] Planet Steam

as-Planet_Steam_BrettspielAutor: Patrick Korner und H. G. Thiemann
Verlag: Heidelberger Spieleverlag
Spielerzahl: 2 – 5
Alter: 14+
Spieldauer: 90-180 Minuten
EAN: 4015566020399
Preis: 34,95 Euro

von: Kris

Steampunk ist derzeit ein sehr beliebtes phantastisches Genre, vor allem in Deutschland findet die Mischung aus viktorianischem Stil, der technischen Aufbruchsstimmung der Gründerzeit und phantastischen Ideen immer mehr Anhänger, die nicht nur nach Lesestoff lechzen, sondern die Zeit auch spielerisch erleben wollen.

Aus diesem Grund hat der Heidelberger Spieleverlag im Jahr 2014 auch ein Brettspiel herausgebracht, in dem die Teilnehmer genau das ausleben können, was diese schillernde Epoche in erster Linie ausmacht.

Die Wirtschaft steht auch hier an erster Stelle – technologischer Fortschritt ist nur dann möglich, wenn die Ausbeutung von Rohstoffen gelingt und geschicktes Handeln und Taktieren zum das Alpha und Omega des ganzen Treibens auf dem „Planet Steam“ werden. Gedanken über Umwelt- und Arbeitsschutz muss sich noch niemand machen – was zählt ist nur eines – den größten Profit zu machen und sich damit für immer in der Geschichte dieser neuen Kolonie zu verewigen.

Spielidee:
Genau darum dreht sich auch das Brettspiel „Planet Steam“. Die Spieler beschäftigen sich mit der Förderung von wichtigen Rohstoffen in einer anfangs noch unerschlossenen Kolonie. Ihr Ziel ist es mit Hilfe von Spezialisten, geeigneten Luftfrachtern, Tanks und Konvertern, aber auch Geschick beim Handeln den höchstmöglichen Profit zu machen.

Denn nur dem, dem es gelingt, das meiste Vermögen anzusammeln, dem winken neben Geld und Gold auch Ruhm und ewiges Gedenken, denn vielleicht benennt man auch eine Stadt nach dem Pionier.

Das Spiel besteht aus einer bestimmten Zahl an Spielrunden, die nach einem bestimmten Schema durchgeführt werden. Am Ende wird der Besitz durchgezählt und in Credits umgerechnet, so dass derjenige gewinnt, der im Verlauf des Spiels die höchste Summe angesammelt hat.

Ausstattung:
Neben dem zweigeteilten Spielplan gibt es auch noch fünf Übersichtstafeln, die den Spielern dabei helfen den Rundenablauf im Auge zu behalten und nachzuvollziehen wo sie jetzt gerade sind, jede Menge Marker für die unterschiedlichsten Zwecke, die nur zum Teil auf dem Spielplan landen, Karten, die Frachter, Spezialisten oder Zertifikate darstellen sollen, einen Würfel und Tanks aus Plastik, die man tatsächlich mit anderen Bauteilen aus Plastik (Konvertern und Kompressoren) bestücken kann.

Das Spielmaterial wirkt sehr stabil, die unzähligen Marker sind aus griffiger Pappe, auch die Karten wirken angenehm stabil. Bei den Übersichtstafeln sollte man etwas mehr Acht geben, sie sind leider nicht ganz so stabil.

Auch die Plastiktanks sind durchweg sauber gegossen und sehen recht nett archaisch aus, die Konverter lassen sich gut an den Steckverbindungen anbringen und auch wieder entfernen, auch die Kompressoren fallen nicht ständig herunter. Allerdings sollte man bei zunehmender Benutzung darauf achten, nichts auszuleiern.

Spielregeln:
Die Spielregeln liegen als Heft bei. Sie sind in einem etwas größeren A4-Format gehalten, tatsächlich eher der Größe der Box angepasst als einem DIN-Format. Viele Bilder illustrieren die 24-seitige Regeln und machen so das Verständnis der Texte etwas leichter, weil man die entsprechenden Marker und Spielplanbereiche gleich im Auge hat.

Allerdings sollte man sich auf etwas Blättern einstellen, da man nach einige Begriffen und Details leider suchen muss. Die bildliche Beschreibung, wo sich die „Felder für die Bonusrohstoffe“ befinden, ist nicht dort zu finden wo diese erstmals erwähnt werden, ebenso findet man auch nur durch Lesen verschiedener Beispielzüge heraus, welcher Konverter eigentlich zu welchem Rohstoff gehört. Hier hätte man gerade bei der ersten wichtigen Übersicht über den Inhalt der Box etwas sauberer und detaillierter arbeiten können, denn der Platz wäre da gewesen.

Die Spielregeln selbst sind sehr ausführlich und leider auch recht komplex, so dass man schon einige Zeit und ein Testspiel braucht, um nachvollziehen zu können, was eigentlich gemeint ist.

Immerhin helfen die meisten Beispiele dabei zu verstehen, was eigentlich mit der Regel gemeint ist, nur manchmal muss man erst genauer überlegen und dann noch an anderer Stelle nachschlagen.

Spielablauf:
Nachdem das Spiel aufgebaut wurde und die Spieler die von ihnen benötigten Karten und Marker erhalten haben, bestimmen sie in der ersten Runde denjenigen der anfängt per Würfel, um dann in im Uhrzeigersinn fortzufahren.

In den nächsten Spielrunden ist der Startspieler derjenige, der die Spezialistenkarte „Lady Steam“ besitzt, gefolgt von demjenigen, den Spezialisten mit der nächsthöheren Zahl besitzt und so fort. Danach kann die normale Spielrunde starten. In der ersten Phase werden die Bonusrohstoffe eingesetzt, was natürlich nur so lange möglich ist, wie auch die entsprechenden Rohstoffe in der Rohstoffbörse zu finden sind.

Im zweiten Teil werden die Spezialistenkarten ersteigert. Der Gewinner einer Bietrunde darf sich die Karte aussuchen und einen Bonusrohstoff nehmen, das geht so lange weiter, bis auch der letzte versorgt ist. Jede dieser Karten hat besondere Eigenschaften, die sich auch auf die nächsten Abschnitte auswirken werden.

Im nächsten Schritt werden Zonen versteigert, das sind die Landbereiche, auf denen die Spieler später ihre Rohstoffe fördern werden. Um es nicht all zu einfach zu machen, gerade wenn man nur zu zweit sein sollte werden einige der Zonen direkt blockiert oder An „Nichtspieler“ vergeben – entsprechende Muster sind auf der letzten Seite der Spielregel zu finden.

Auch hier hat der Höchstbietende die erste Wahl – er kann sich aussuchen, wohin er seinen Marker legen will – um ein wenig den Zufall mitspielen zu lassen, kann auch noch der Würfel eingesetzt werden. Es ist allerdings auch möglich eine Zone ohne Würfeln auszusuchen, dafür muss eine sogenannte „Baulizenz“ eingesetzt werden.

Danach erfolgt die sogenannte Tankphase. Die Spieler erwerben Tanks, deren Preis dank der Börse auch schwanken kann – je geringer das Angebot, und je größer die Nachfrage, desto höher der Preis.

Die Tanks können die Spieler dann auf ihre Landzonen stellen und mit Konvertern und Kompressoren ausstatten, um später die entsprechenden Rohstoffe zu erhalten und vielleicht sogar größere Mengen zu produzieren. In dieser Phase ist es auch möglich die Tanks neu auf dem Spielplan anzuordnen und die Konverter beliebig auszutauschen, wenn man darin die entsprechenden Vorteile sieht.

In der Rohstoffphase müssten die Spieler nicht länger Geld ausgeben, sie können nun die entsprechenden Rohstoffe fördern, Boni ausnutzen und die Rohstoffe auf ihre Frachter verladen. Natürlich geht das nicht ganz kostenlos von statten – Wasser und Energie werden in diesem Teil des Spielzuges schwinden.

Um endlich wieder Geld in die Kasse zu bekommen oder aber seine Vorräte aufzustocken folgt nun die Phase in der Rohstoffe verkauft oder gekauft werden können. Auch hier muss der Preis immer wieder angepasst werden – Angebot und Nachfrage bestimmen auch hier in welche Richtung die Kosten gehen. Zuletzt ist es noch möglich, Baulizenzen zu erwerben oder zu verkaufen.

In der Abschlussphase überprüfen die Spieler gemeinsam, ob sie für die nächste Runde neue Tanks produzieren müssen, abhängig vom derzeitigen Stand des Rohstoffvorrats, damit sie irgendwann nicht auf dem Trockenen stehen. Danach bereiten sie natürlich die nächste Spielphase vor, nachdem sie den Rundenmarker einen Schritt weiter geschoben haben.

Erst am Ende der letzten Spielrunde bestimmen sie dann natürlich ihr Vermögen, indem sie alle Werte, die sie zusammengerafft haben addieren, mit den Preisen der Rohstoffbörse mulitplizieren und so am Ende den Sieger bestimmen.

Um den Spielspaß zu erweitern gibt es auch noch Regeln für Fortgeschrittene, die man allerdings erst einsetzen sollte, wenn alle Spieler gut mit den eigentlichen Regeln zurecht kommen und keine Schwierigkeiten mehr haben, sich diese zu merken. Hier kann man zum Beispiel ausschließen, dass Tanks verschoben werden dürfen und in Flusszonen nicht so viele Rohstoffe produziert werden dürfen. Auch kann man die Handelsreihenfolge freier gestalten und die Spielaufstellung in der Landzone ganz anders anordnen, als diese bisher vorgegeben war.

Für die optionalen Regeln können auch noch Zusatzkarten ins Spiel gemischt werden, durch die Spieler etwa die Preise an der Rohstoffbörse manipulieren oder einen Konkurrenten durch Sabotage behindern können. Der „Unabhängige Frachter“ erlaubt es dem Spieler, der gerade in dessen Besitz ist, weitere Rohstoffe zu lagern

Spielspaß:
„Planet Steam“ ist nicht unbedingt ein Spiel, in dem man regelrecht zusammenarbeiten muss, um zum Ziel zu kommen – eher im Gegenteil.
Zwar agieren die Spieler in den meisten Phasen kurz miteinander, es ist aber einem meistens selbst überlassen, auf welche Rohstoffe man sich konzentriert, wie viele man davon verkauft oder wieman seine Tanks anordnet, um mehr fördern zu können.

Letztendlich sind die anderen immer dann Rivalen, wenn es um das Ersteigern von Karten und Land geht, können einem leicht die Preise auf der Rohstoffbörse vermiesen oder Lizenzen wegschnappen. Der Startspieler hat hier nicht unbedingt den größten Vorteil, da er zwar dein Startpreis vorgibt, die anderen ihn aber leichter überbieten können, sofern sie genug Credits haben.

Es hat aber auch einen Grund, warum das Spiel erst ab vierzehn Jahre empfohlen wird. Schon der Aufbau ist komplex und fordert einiges an Aufmerksamkeit, zumal man nach einigen Feldern auf dem Spielplan auch noch suchen muss.

Hier zeigt die Spielregeln Schwächen, da einige wichtige Details nicht an den Stellen erklärt werden, wo sie erstmals auftauchen und man sich nur anhand der Beispiele für den Spielablauf irgendwann zusammenreimen kann, mit welchem Konverter man jetzt welchen Rohstoff fördern kann.

Deshalb ist es unbedingt wichtig vor dem richtigen Spielbeginn gemeinsam im Testlauf eine Runde anhand der Spielregel durchzugehen, um so den Ablauf überhaupt erst einmal nachvollziehen zu können, ehe man in der Lage ist, richtig loszulegen. Und auch da wird es wohl nicht ausbleiben, dass man immer wieder zur Regel greift, bis man die wichtigsten Spielphasen wirklich beherrscht.

Ist das erst einmal der Fall, erwartet die Spieler ein komplexes und durchaus nicht immer vorhersehbares Spiel. Jeder Spielzug kann anders aussehen, weitreichende Strategie und Taktik gehört zwar dazu, muss aber immer wieder neu durchdacht werden, wenn die anderen Spieler plötzlich nicht mehr so funktionieren wollen, wie man es von ihnen gewohnt ist. Auch die Fortgeschrittenen und optionalen Regeln bieten später einiges an Abwechslung, so dass man noch lange etwas von dem Brettspiel hat.

Die Aufmachung von Spielplan und Zubehör sieht zwar sehr nett aus und und bietet auch immer wieder Anspielungen an das Zeitalter des Dampfes, aber man fühlt sich trotzdem nicht wirklich in die Epoche versetzt, da außer dem Einsatz von Energie und Dampf, den Spielsteinen oder ihren Aufsätzen und den Illustrationen kaum etwas daran erinnert wirklich in einer Steampunk-Ära zu spielen. Das ganze Spielmuster hätte vermutlich auch in einem Science Fiction Umfeld funktionieren können.

Wirklich ideal ist das Spiel wohl für drei bis vier Spieler, bei mehr oder weniger kann es sein, dass die Runden entweder zu chaotisch oder zu überschaubar werden.

Auf jeden Fall sollte man am Anfang erst einmal etwas Geduld mitbringen, um sich die Regeln anzueignen, und das kann durchaus anstrengend werden. Wenn, dann ist man mindestens einen Nachmittag beschäftigt, denn man kann durchaus damit rechnen, dass eine Spielsitzung zwei bis vier Stunden dauert.

Fazit:
„Planet Steam“ ist eine Wirtschaftssimulation reinsten Wassers. Hier leben vor allem Spieler auf, die das Kaufen und Verkaufen mögen und wissen, wie sie ihre Mitspieler austricksen können, auch wenn sie kaum mit ihnen direkt interagieren.

Allerdings sollte man sich die Zeit nehmen, die Regeln genau zu studieren und verstehen zu lernen, da diese sehr komplex sind und einiges an Aufmerksamkeit fordern. Wer sich darauf aber einlassen kann, genießt ein Spiel mit hohen Anforderungen, dass man nicht „mal eben zwischendurch“ auf den Tisch stellen kann, sondern dass durchaus einen ganzen Spielabend beschäftigen kann.

Meine Wertung:
3 von 5 rauchende Planeten

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