[Rezension] SchrottT

Autor: Uwe Post
Verlag: Atlantis Verlag
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 229
Erschienen: Oktober 2013
ISBN: 978-3-86402-126-8
Preis: 12,90 €

von: Moritz

Okaaaaaaay, das ist mal was anderes als Kurzgeschichtensammlungen, Fantasy und klassische Science Fiction…

Klappentext:
2022.
Die Bundesregierung versteigert das Recht zur Ausübung der Polizeigewalt in allen Bundesländern, vorgeblich um die Staatsfinanzen zu sanieren.

In Baden-Württemberg sorgt fortan die sizilische Mafia für Recht und Ordnung, in Thüringen der Vatikan samt Schweizergarde und in Nordrhein-Westfalen die Nigeria-Connection.

Durch diese Deutschland-Karikatur tourt Colin Free mit seiner Crap-Metal-Band »SchrottT«, gegängelt und verfolgt von privaten Sicherheitskräften, Medienvertretern und Zensur-Consultants, umgeben von Freunden, die ein falsches Spiel spielen und hofiert von einem braunen Schergen, der aus dem Erfolg der Band politischen Profit schlagen will …

Zum Inhalt:
Colin Free tingelt mit seiner Crap Metal-Band durch ein Deutschland des Jahres 2022. Mit seiner Band, dem Promoter Lars-Peter und dem Groupie Blondy erleben sie so manche unterschiedliche Location, wo jeweils völlig andere Gesetzmäßigkeiten gelten, denn die Bundesländer haben ihre Polizeimacht meistbietend versteigert und so herrscht jetzt beispielsweise in Ba-Wü die Cosa Nostra GmbH. Während der ersten zwei Drittel des Romans gibt es eine merkwürdige Rahmenhandlung, denn Colin ist irgendeiner geheimnisvollen Macht in die Fänge geraten und erzählt unter Folter die Geschichte seines Lebens und seiner Band. Er tappt in dieser Zeit genau so im Dunklen wie der Leser. Das dürfte für beide Parteien gleichermaßen unbefriedigend sein. Irgendwann entkommt er dann halbwegs unmotiviert und die beiden Erzählstränge vereinigen sich – von hier an geht es dann stringent geradeaus und steuert auf einen amtlichen Bossfight zu.
Die Handlung ist irgendwie an den Haaren herbeigezogen und unspannend, aber die Hintergrundwelt rockt das Haus. Die spinnerte Idee, dass jeder Meistbietende in einem Bundesland die Polizei stellen darf, finde ich mal richtig cool, sodass wir zwischen Mafia, Schweizergarde und Spaßbietern (natürlich in Bremen) die unterschiedlichsten Extreme am Start haben. Wie gesagt – coole Idee und konsequent durchgezogen. So muss es!

Mein Fazit:
Puh, zu Beginn habe ich mich etwas schwer getan mit dieser Near-Future-Kiste, weil sie irgendwie versucht von der wenig stringenten Erzählweise her etwas postmodern zu sein und in der Zeit hin- und herspringt wie ein Wiesel auf Speed. Das wächst sich dann aber im Laufe des Romans aus oder man gewöhnt sich dran und man gerät irgendwie in den Flow – und dann macht das Teil ordentlich Spaß. Die Story ist leider etwas mau, aber die Welt gefällt mir super und die Personen sind auch sympathisch und man folgt ihren Eskapaden gerne. Ganz im Ernst – für die sehr coole Fiktion von einem Deutschland, wo die Staatsmacht in private Hände gegeben wurde, würde ich satte 5 Punkte rausballern, aber die Handlung ist weniger als nicht-existent und mit 1 Punkt für diesen Bereich nivelliert es sich insgesamt aus.

Meine Wertung:
Alle 3 von 5 „T“s aus dem Titel – und ein halbes Fleiß-“T“ – macht zusammen 3,5!

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